Stressfrei im Meeting: So überzeugen Introvertierte

Wieso hört mir im Meeting keiner zu? Warum macht mir jede kleine Präsentation solche Angst? Viele Jobsituation sind für introvertierte Menschen nicht leicht zu meistern. Hier sind ein paar hilfreiche Tipps dafür.

Von Bettina Levecke

Introvertierte Menschen fallen vor allem durch eines auf: ihre Zurückhaltung. Während sich die extrovertierten Kollegen in Meetings wortreich in den Vordergrund stellen, sind sie für die leisen Töne bekannt. Über die berufliche Qualifikation sagt diese Charaktereigenschaft natürlich nichts aus. Und mit ein paar Tricks können Introvertierte trotzdem überzeugen.

Das Meeting: Introvertierte Menschen überlegen in der Regel gut, bevor sie etwas sagen. In Meetings mit ausdrucksstarken Kollegen und Vorgesetzten kann das dazu führen, dass sie nie zu Wort kommen. Immer reden die gleichen Leute und werfen sich gegenseitig die Bälle zu. „Die introvertierten Menschen bekommen dann schnell das Gefühl, dass ihre Meinung nicht gefragt ist“, sagt Jobcoach Natalie Schnack.

Dieser Teufelskreis lässt sich aber durchbrechen.

  • Schritt 1: Begreifen, dass die eigene Meinung gefragt ist, die Kollegen nur nicht gewohnt sind, sie zu hören.
  • Schritt 2: Sich fest vornehmen, etwas zu sagen. „Bereiten Sie sich gezielt auf das Meeting vor, machen Sie sich Notizen“, empfiehlt Schnack.

Die Betriebsfeier: Ob Weihnachtsfeier oder Firmenjubiläum – für zurückhaltende Menschen können diese Massenveranstaltungen ein anstrengender Pflichttermin sein. Small-Talk ist ihnen ein Gräuel, Netzwerken eine echte Herausforderung. Während andere Kontakte knüpfen, stehen sie still in der Ecke und nippen an ihrem Getränk.

Anne Heintze, Coach zu diesem Thema, empfiehlt Introvertierten, sich einen Verbündeten zu suchen. „Verabreden Sie sich mit einem Kollegen vor Ort oder fahren Sie bereits gemeinsam hin.“ Sinnvoll sei auch, sich im Vorfeld zu überlegen, mit wem und worüber man sprechen kann. Gibt es gemeinsame Themen mit Kollegen, etwa Hobbys oder Interessen?

Chef-Gespräch: Wenn der Chef zum Gespräch lädt, ist das erstmal mit tausend Fragen verbunden. Extrovertierte Menschen kommen damit häufig ganz gut klar, denn sie vertrauen auf ihre Fähigkeit, stets die richtige Antwort parat zu haben. Introvertierte Menschen sind aber meistens nicht so spontan. „Sie würden am liebsten exakt wissen, was auf sie zukommt“, sagt Schnack. Eine Möglichkeit für Intros ist dann, den Chef vorab um Informationen zu bitten, worum es geht.

Das Großraumbüro: Für introvertierte Menschen ist der hohe Geräuschpegel in Großraumbüros eine echte Belastung. „Introvertierte reagieren schneller gestresst auf Außenreize als Extrovertierte“, erklärt Felicitas Heyne, Psychologin und Buchautorin. Sie empfiehlt leisen Gemütern, zu überprüfen, ob es am Arbeitsplatz Verbesserungsmöglichkeiten gibt:

Existieren Rückzugsräume? Gibt es flexiblere Arbeitszeiten oder ein Einzelbüro, das stundenweise genutzt werden kann? Sind Ohrstöpsel eine Lösung? Man sollte den Kollegen allerdings erklären, warum man diese Maßnahmen ergreift, damit die sich nicht vor den Kopf gestoßen fühlen.

Die Präsentation: Ideen haben sie genug. Vor dem Team oder einem größeren Publikum darüber zu berichten, ist aber nicht die Lieblingsaufgabe von introvertierten Menschen. „Da hilft nur üben, üben, üben!“, sagt Heintze. „Das Grundproblem ist, dass introvertierte Menschen oft nicht das beste Selbstbild haben und ihr größter Kritiker sind.“

Sie empfiehlt deshalb, eine Präsentation zu Hause vor dem Spiegel zu üben und sich Familie und Freunde als Zuhörer einzuladen. „Lassen Sie sich dabei mit dem Handy filmen“, rät Heintze. „Wenn man sich selbst mal von außen sieht, merkt man, dass eigentlich alles ganz gut aussieht. Das macht souveräner.“

14 Kommentare

Alex

12.01.2016

Netter Artikel, aber was soll das gegen Ende? Wenn introvertiert als Persönlichkeitsmerkmal gesehen wird, dann gibt es da kein „Grundproblem“. Dann ist es nur eine Präferenz und steht mit dem Selbstbild nicht direkt im Zusammenhang. Naja, immerhin steht da oft.

Still zu sein, weil man ein schlechtes Selbstbild oder Angst hat ist anders als still zu sein, weil man keinen Bock drauf hat.

Nicole Debowski

13.01.2016

Ich schließe mich da meinem Vorkommentator an.

Das sind nützliche Tipps, die durchaus helfen können, um mit den oben genannten Situationen besser klarzukommen.

Aber:
Introvertiertheit hat nichts mit einem schlechten Selbstbild zu tun. Es bedeutet lediglich, dass Kraft nicht gerade durch den Kontakt mit anderen Menschen geschöpft wird, sondern eher durch das Denken für sich. Spricht man einen Introvertierten mit Smalltalk an, wird man diesen nicht wirklich zum Sprechen bringen, weil es für ihn schlichtweg keinen Grund gibt, solch eine Unterhaltung zu führen.
Präsentationen sind in der Regel eher deshalb eine Stresssituation, weil ein Introvertierter vorher mehr – im Sinne von detaillierter – darüber nachdenkt, als ein Extrovertierter. Es ist richtig, dass er selber sein größter Kritiker ist. Das hat aber nichts mit seinem Selbstbild zu tun. Auch das Wort „oft“ hilft der Gesellschaft eigentlich nur dabei, Introvertierte weiter als schüchterne, mit sich selbst nicht im Reinen seiende Menschen zu sehen, wobei sie bloß mehr Gründe für ein Gespräch brauchen, als das Reden per se.

Eike Exner

13.01.2016

Da introvertierte Menschen häufig zum Perfektionismus neigen, sind sie eine willkommene Teamergänzung. Da ist, meiner Ansicht nach, der Teamleiter gefragt diese einzubinden ohne Stress zu verursachen.
Ergänzend dazu finde ich die angegebenen Hinweise und Tipps sehr hilfreich. Vor allem die Idee eines „Verbündeten“ empfinde ich als gut.

Petra Ziegler

13.01.2016

Ich finde diesen Artikel sehr gut, zumal ich in meinen Stimm- und Sprechtrainings immer wieder auf
Klienten treffe, die sich trotz ihres großen Wissens aufgrund ihrer Introvertiertheit in Meetings nicht äußern. Auch ihren Chefs und Kollegen treten Sie häufig mit leiser Stimme gegenüber, was sie unsicher erscheinen lässt und damit inkompetenter. Eine kräftige Stimme, die sich auch die Introvertierten durch ein Training aneignen können, bewirkt eine bessere Aussenwahrnehmung. Das ist bereits der erste Schritt, um etwas zu verändern, ohne die eigene Authentizität aufzugeben, was ja oft die Befürchtung von vielen Menschen ist.

Alexander Brauer

13.01.2016

Vielleicht sollte man den Artikel eher für die Extrovertierten umschreiben und das Thema „Diversity“ zum Leben erwecken?

Mark-André Hopf

13.01.2016

Lesetip: „Quiet: The Power of Introverts in a World That Can’t Stop Talking“ von Susan Cain.

Anja Haufe

13.01.2016

Oder ein deutscher Lesetip: „Networking für Networking-Hasser: Sie können auch alleine essen und erfolgreich sein!“ von Devora Zack

Juliane Waack

13.01.2016

Hier liegt aber ein sehr großes Stereotyp vor, das nicht ganz richtig ist: introvertierte Menschen sind nicht mit schüchternen Menschen gleichzusetzen. Sie brauchen aber regelmäßig etwas Ruhe, um Gedanken zu ordnen und „aufzutanken“, weshalb beispielsweise Brainstorming eine Aktivität ist, die nicht zweckdienlich für introvertierte Menschen ist, die gerne etwas Zeit haben, um Ideen zu sammeln und zu strukturieren.
Ich denke, es sollte nicht nur am introvertierten Mitarbeiter liegen, mit den extrovertierten Strukturen eines Unternehmens mitzuhalten. Unternehmen müssen beide Persönlichkeitstypen fördern (können), da ansonsten introvertierte Mitarbeiter benachteiligt werden und das zum Nachteil des ganzen Unternehmens (es schadet immer, wenn Potenziale verloren gehen, weil bestimmte, nicht immer erfolgreiche Persönlichkeitstypen bevorzugt werden).
Und noch mal etwas zu den Klischees: ich bin introvertiert, kann aber sehr gut vortragen, ich schlage mich ok im Small Talk und werde von Kollegen auch oft als extrovertiert eingeschätzt. Aber ich bereite mich gerne in Ruhe auf Gespräche und Vorträge vor, sammle Ideen lieber erst einmal alleine, bevor ich sie in die Runde werfe und kann mich im Home Office besser konzentrieren.
Bitte nicht alle introvertierten Menschen über einen Haufen werfen. Ich schätze auch nicht alle extrovertierten Menschen als Rampensäue ein und weiß auch, dass Mischformen sehr wohl existieren können.

Katalin Birnbaum

13.01.2016

Eike Exner kommt am nächesten an das Problem heran. Denn es ist wirklich ein Problem für die Betroffenen. Es ist ein erlerntes/anerzogenes inneres Verhalten, das man nicht ohne Hilfe und auch nicht mit gutgemeinten Ratschlägen ablegen kann. Es sitzt tief, im Unterbewussten. Nur die Auswirkungen merkt der / die betreffende Person und die Umgebung. Wie gern möchte ein introvertierte Person locker sein, aus der engen Haut kommen, und offen kummnizieren, sich und sein/ ihr Wissen und Können zeigen, kann es aber nicht. Als Schutz wird dann die stille und Bescheidenheit gewählt. Die Person braucht einfühlende, fachliche Unterstützung und Begleitung, und Wille zum Arbeiten an sich. Wenn die Fähigleit, sich zu öffnen erarbeitet und entwickelt wird, steht ein fröhlicher und emotional stabiler Mensch da, die hohe Kompetenzen und Bestädigkeit erweist, ein Gewinn für die Firma und Kollegen.

Sebastian

13.01.2016

Liebe Frau Birnbaum,

Ihr Post ist leider an Oberflächlichkeit kaum zu überbieten.

> Es ist ein erlerntes/anerzogenes inneres Verhalten, das man nicht ohne Hilfe und auch nicht mit gutgemeinten Ratschlägen ablegen kann.

Es stimmt das viele introvertierte Menschen denken, es sei etwas mit ihnen nicht in Ordnung. Wenn man sie aber aufgeklärt hat (oder wahrscheinlicher, sie sich selbst aufgeklärt haben), das alles okay ist und lediglich ein paar Charaktereigenschaften anders gepolt sind als bei extrovertierten Menschen, ist alles okay.

Intros, die sich ihrer Introversion bewusst sind, wollen hier überhaupt nichts ablegen. Im Gegenteil, sie versuchen, soweit möglich, ihrem Geist gerecht zu werden, suchen sich Homeoffice-freundliche Arbeitgeber, haben kein schlechtes Gewissen, an Silvester auch mal gemütlich und entspannt zuhause zu bleiben, oder bei einem Gespräch auch mal interessiert als Zuhörer zu agieren.

Das einzige, was hier erlernt und anerzogen ist, ist das schlechte Gefühl, anders, bedachter, als die öffentliche Gesellschaft zu sein.

> Wie gern möchte ein introvertierte Person locker sein, aus der engen Haut kommen, und offen kummnizieren, sich und sein/ ihr Wissen und Können zeigen, kann es aber nicht.

Introvertierte Menschen möchten nicht per se aus der „engen Haut“ kommen, geht’s noch? Und locker sein? Was heißt das? Zeit mit Nichtigkeiten zu verplempern? Ja, das kann anregend sein, ist es aber nicht für jeden.

Wenn Intros etwas nicht brauchen, dann ihr Mitleid und unangebrachtes Helfersyndrom.

Wissen und Können präsentieren wollen ist etwas, was eher extrovertierten Menschen zugeschrieben werden kann, die ihre Energie aus der offenen Kommunikation mit anderen ziehen. Klar, auch Intros wollen gern mal was zeigen, aber wer Freunde, Kollegen und Arbeitgeber hat, die anders als Sie etwas weltoffener sind, bekommt oft nicht weniger Zuspruch für das Können.

Offen kommunizieren wollen Introvertierte nicht unbedingt. Wir sind eher spartanisch und lakonisch, und beschränken uns auf tiefe und/oder zweckdienliche Kommunikation. Wir empfinden den Schnack über das Wetter oder die Fernsehsendung am Wochenende schlichtweg als langweilig und zeiträuberisch.

Was Sie meinen sind schüchterne Menschen, und die gibt es sowohl bei den Extrovertierten (was für die Person dann wirklich schlimm ist; prädestiniert für den Burn-Out), als auch den Introvertierten (wo es natürlich auch schlimm ist, aber nicht ganz so wie bei den Extros, die ihre Energie aus Sozialität ziehen).

> Als Schutz wird dann die stille und Bescheidenheit gewählt.

Das ist genauso ein Schutz zum Auftanken wie bei den Extros das Untertauchen in Gruppen ein Schutz ist.

Sie beschreiben alles so, als sei Alleinsein etwas Schlimmes und zu behandelndes für Intros. Ist es aber nicht. Für Intros sind es die schönsten Zeiten. Der klare Vorteil: Intros sind nicht auf sozialen Exkurs angewiesen, um glücklich und produktiv zu sein.

> Die Person braucht einfühlende, fachliche Unterstützung und Begleitung, und Wille zum Arbeiten an sich.

Sorry, aber das ist vollkommenster Unsinn. Niemand braucht hier Hilfe. Vorschlag: Lassen Sie sich mal fachlich beim Buchkauf beraten und suchen sich etwas Lektüre zum Thema Introversion/Extraversion.

Ich behaupte ja auch nicht, dass SIE fachliche, einfühlende Unterstützung brauchen, nur weil Sie Ihr Interesse an Oberflächlichkeiten erschöpfen und das Alleinsein Sie traurig macht (ich weiß, jetzt war ich oberflächer, aber nicht minder denn Sie), ungeachtet dessen ob Sie alleine sind oder nicht. Sehr respektlose und ignorante Wortwahl, Frau Birnbaum, und auf Vollste an der Realität vorbei.

Christina

13.01.2016

Ich muss meiner Vorkommentatorin Debowski widersprechen. Natürlich hat Introvertiertheit mit einem mangelnden Selbstbild zu tun. Ich selbst zähle mich zu dieser Gruppe. Erst durch Selbstzweifel und das schlechte Selbstbild fühle ich mich oft nicht fähig mich an Diskussionen o.ä. zu beteiligen oder angemessen souverän zu reagieren. Dabei spielt allerdings auch das Umfeld, die Gemütsverfassung, etc eine Rolle.

Ein paar Ihrer Vorschläge halte ich für sinnvoll, andere weniger.

Auch wenn Ihr Artikel nur eine Anregung war, wie Unsicherheiten abgebaut werden können..wie einige Vorkommentatoren bemerkt haben > jeder Mensch ist verschieden und kann nicht in ein paar wenige Schubladen gesteckt werden.

Daniel

13.01.2016

Ich gehöre zur Fraktion Extro während meine Freundin eher introvertiert ist. Ich kenne ihre Sorgen vor Ereignissen, bei denen ein aktives Mitwirken von ihr verlangt wird.
Das Problem, das sie hat, ist weniger sie selbst oder eines mit sich selbst – eigentlich. Denn ihr wird seit der Schulzeit erklärt, dass sie mehr aus sich herauskommen muss, andernfalls könnte ihr Verhalten als unsozial und desinteressiert verstanden werden. Größtenteils waren es Pädagogen, die ihr das sagten, also eine Berufsgruppe, von der man eigentlich ausgehen darf, die verschiedenen Charaktereigenschaften positiv herausarbeiten zu können. Zumindest klappte das nicht in ihrem Fall, sodass sie oft das Gefühl hat, nicht ganz so „normal“ zu sein.
Wie mehrere Vorredner bereits erwähnten, ist auch die Bereitschaft der „anderen Seite“ oder von Führungskräften unerlässlich, die positiven Eigenschaften introvertierter Menschen zu erkennen, schätzenzuwissen und bei Bedarf anderen zu vermitteln. Ein Meeting, in dem jeder gleich viel reden möchte, kann schnell zur Zerreißprobe werden. In der Ruhe liegt die Kraft. Und Leute, die viel reden, ohne etwas zu sagen, gibt es eh genug. Die richtige Balance und Akzeptanz zwischen Intros und Extros finde ich die goldene Mitte, an der alle Beteiligten arbeiten müssen, damit jeder zufrieden(er) werden kann.

Sebastian

14.01.2016

Liebe Christina,

> Natürlich hat Introvertiertheit mit einem mangelnden Selbstbild zu tun.

Dem ist allerdings nicht so. Ich bin erzintrovertiert, habe aber trotzdem ein äußerst gesundes Selbstbewusstsein.

Ich kenne viele Intros, denen geht es genauso. Zuspruch aus Gruppenschnacks brauchen sie alle nicht, sie holen sich die Bestätigung entweder mit dem, was sie tun, oder sind inhärent höchst zufrieden mit sich selbst und haben gar nicht das Bedürfnis, anderen ihre Fähigkeiten zu präsentieren.

Ich zitiere nochmal:

> Natürlich hat Introvertiertheit mit einem mangelnden Selbstbild zu tun.

Ein mangelndes Selbstbild ist kein inhärentes Problem der Introversion. Genau genommen kenne ich mehr Extrovertierte, die ein mangelndes bis ungesundes Selbstbild haben, als Introvertierte (ich bin mir aber bewusst, dass meine Kenntnis nicht repräsentativ ist).

Mangelndes Selbstbild ist ein Problem in sich selbst, und betrifft alle, Intros, Extros, Heteros, Homos, Kinder, Erwachsene, Angestellte, Rentner, Schüchterne, Offene.

Dieses Selbstbild lässt sich kitten, indem man einem Intro seine Introversion bewusst macht, oder einem Extrovertierten seine Extraversion.

Das einzige, wirkliche Problem ist die Gesellschaft, die Introversion nicht auf dem Radar hat, und es mit Schüchternheit gleichsetzt, und ebendiese nicht vorhandene Schüchternheit zeitlebens auf uns Intros projizieren. Dieses Verhalten der Gesellschaft hat schon beim Umerziehen von Links- zu Rechtshändern katastrophale Folgen für den Einzelnen gehabt.

Die Wahrheit ist aber, dass es gleich viele Intros und Extros gibt und auch geben MUSS. Sehen Sie es so: Die Extros sind für die impulsiven Entscheidungen, die wichtig sind. Die Intros für die nachhaltigen Entscheidungen, die nicht minder wichtig sind. Ein Hochaus, dass schnell und billig hochgezogen wird, ist toll; aber es nützt keinem, wenn es in drei Jahren zusammenstürzt.

Appell an alle Eltern: Bevor ihr eurem Kind etwas von Schüchternheit und Mehr-aus-sich-Rauskommen erzählt, holt euch erstmal einen Buch zum Thema Intros vs. Extros, und lest es. Und lasst es eure Kinder lesen. Höchst wahrscheinlich ist nämlich alles in Ordnung und mit der neuen Erkenntnis verbessert ihr absolut die Familie.

Nicole Debowski

21.01.2016

Da gebe ich Sebastian recht.

Christina: vielen Menschen ist es nicht bewusst, dass sie introvertiert sind. Da kann es schnell dazu führen, dass man sich als anders oder komisch ansieht, was Selbstzweifel schüren kann.
Wird einem aber erst einmal bewusst, dass man intro oder extro ist, kann es einem helfen, Situationen besser zu managen. Ich selber gehöre zu den Introvertierten, und ich habe weder Selbstzweifel noch mangelt es mir an Selbstvertrauen und -bewusstsein. Niemand in meiner Umgebung würde sagen, ich sei schüchtern oder hätte kein Selbstbewusstsein. Sie scherzen eher damit, dass ich keine Menschen mag. Das ist völlig in Ordnung für mich übrigens. Ich stimme Sebastian vollkommen zu, wenn er sagt, dass Selbstzweifel in jeder Personengruppe aufkommen können. Ursachenforschung ist dann eine Möglichkeit, das in den Griff zu kriegen.
Eine Literaturempfehlung meinerseits: Still von Susan Cain!