Arbeit & Gesundheit

Das sind die fünf größten Stressfaktoren bei der Arbeit

Ständig quatschende Kollegen, und Kaffee hat auch keiner gekauft? Nein – die fünf größten Ärgernisse im Büro sind ganz andere, erklärt Lisa Seelig von unserem Kooperationspartner „EditionF“.

Alles, was die Arbeit blockiert, stresst auch. Situationen im Job, die man in letzter Zeit als stressig empfunden hat, fallen wahrscheinlich jedem ein: das Projekt neulich, in dem tagelang nichts voranging, weil die Agentur, mit der man zusammenarbeitete, nicht aus dem Quark kam; eine endlose Liste mit To-dos, und das nervige Gefühl, ständig an irgendwas herumzuschrauben, anstatt effektiv die Liste nach Prioritäten abzuarbeiten; die Liste könnte jeder individuell für seinen Job wahrscheinlich ewig fortsetzen, mit kleineren und größeren Ärgernissen, mit denen man sich täglich herumschlagen muss.

Aber welche Dinge sind es, die Mitarbeitern am allermeisten stressen? „Wrike“, ein Unternehmen für Projektmanagement-Software, hat kürzlich den „Work Management Report 2015“ veröffentlicht, für den die Firma 1500 Mitarbeiter aus unterschiedlichen Branchen befragt hat. Der Studie zufolge sind das die fünf größten Stressfaktoren bei der Arbeit:

1. Fehlende Informationen

Du bist bis in die Haarspitzen motiviert, du hast Zeit, du brennst darauf, loszulegen – aber dir fehlen wichtige Informationen, um ein Projekt zu beginnen oder weiter voranzukommen? Genau das stresst auch andere am allermeisten, wie die „Wrike“-Studie herausfand. Klar, dass die Leute von „Wrike“, die ja nun mal solche Software herstellen, empfehlen, Systeme oder bestimmte Tools zu nutzen, die die Arbeit für alle im Team transparent machen, grundsätzlich gilt: Egal mit welchen Mitteln, wenn bei der Arbeit an einem Projekt immer und für jeden nachvollziehbar ist, warum es an einer Stelle hakt, und warum, und wer dafür verantwortlich ist, das zu beheben, dann funktioniert die Kommunikation besser und es kann effektiver gearbeitet werden.

2. Probleme, Prioritäten richtig zu setzen

Die To-do-Liste ist ohnehin schon ewig lang, dann bittet die Kollegin, mal eben kurz und möglichst sofort über eine wichtige Präsentation drüberzulesen, gleichzeitig gibt es ein Meeting vorzubereiten und den neuen Praktikanten einzuarbeiten, damit der möglichst schnell Aufgaben übernehmen kann – aber was denn bitteschön zuerst? Was einfach klingt, ist im realen Arbeitsalltag oft schwer zu bewerkstelligen: Die Aufgaben von ,am wichtigsten’ bis ,nicht so wichtig’ der Reihe nach abarbeiten – und nicht gleichzeitig an verschiedenen Baustellen arbeiten. Denn Multitasking führt nicht dazu, dass wir Dinge schneller erledigen – im Gegenteil.

3. Unrealistische Zielsetzungen

Die Chefin drückt einem mal eben ein neues Projekt aufs Auge, mit dem ermunternden Hinweis, in zwei Wochen ist Antragsabgabe? Kann man ihr kaum vorwerfen, dass sie denkt, dass wir das schon prima schaffen, wenn sie keine Ahnung davon hat, was sonst noch so auf unserem Schreibtisch unbearbeitet herumliegt. Unrealistische Zielsetzungen sind oft das Ergebnis mangelnder Kommunikation. Das bedeutet, auch wenn es schwerfällt: offen mit Kollegen und Vorgesetzten kommunizieren, wenn man Deadlines nicht einhalten kann und mehr Zeit für Aufgaben braucht, anstatt ungehört und verzweifelt im Hamsterrad zu rennen, um es irgendwie doch noch zu schaffen.

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4. Deadlines, die sich ständig ändern

In beide Richtungen frustrierend: Der Abgabetermin für eine wichtige Präsentation wird vom Teamleiter plötzlich zwei Tage vorverlegt, und man selbst legt mal wieder eine Nachtschicht ein, um es irgendwie noch zu schaffen. Genauso sauer reagiert man in der Regel, wenn es andersrum läuft: Da geht man auf dem Zahnfleisch, weil man den Abgabetermin unbedingt einhalten wollte, um dann in einer legeren Mail mitgeteilt zu bekommen, dass man doch noch bis nächste Woche Zeit hat. Argh! Aber, so wird Andrew Filev, CEO und Gründer von „Wrike”, in der Studie zitiert: Diese Art von Frust sei unbefriedigend und einfach nicht mehr zeitgemäß: „Die Realität im Arbeitsleben ändert sich schnell, Märkte sind schnelllebig, Technologie ist schnelllebig, und weil wir so ständig neue Informationen bekommen, muss man Entscheidungen oft revidieren.” Deshalb, sagt er, sei es sinnvoller, sich mit diesen Umständen zu arrangieren, anstatt sich darüber zu ärgern.

5. Fehlende Leadership

Ein Klassiker: Die Vorgesetzten machen keine Ansagen, lavieren herum, lassen ihr Team in der Luft hängen; das frustriert natürlich alle, die davon betroffen sind; Andrew Filev weist aber darauf hin, dass auch Chefs nur Menschen seien – und oft genauso überfordert wie wir selbst. Sein Rat: Sich erstmal immer bewusst machen, dass auch Vorgesetzte nicht unfehlbar sind; und nie vergessen, dass Kommunikation das wichtigste Mittel ist, um Unklarheiten zu beseitigen; also um ein Gespräch bitten und gut vorbereitet und respektvoll zum Ausdruck bringen, in welchem Bereich man klare Ansagen vermisst.


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13 Kommentare

Volker Obel

01.12.2015

Bitte einmal das Buch über die Schwarmdummheit von Gunter Dück lesen.

Manuela Stoerzer

01.12.2015

Klassiker Fehlende Leadership

Systeme und Fuehrungsstile veraendern sich. Leadership heisst auch Vorbild sein, ansprechbar sein, teil der Gemeinschaft sein. Ansonsten ist das Team alleingelassen, „gefuehrt“ von einem unerreichbaren „Geist“, ausserhalb des Systems. Ein echter Leader meistert sich selbst, hat Mitgefuehl, ist klar und verbindlich in der Kommunikation. Er hat es nicht noetig, sich „abzusetzen“, weil er authentisch ist.

Bernd Vermeer

01.12.2015

Guter Artikel, kann allen Punkten aus eigener Erfahrung zustimmen. Kommunikation mit dem Chef gut und schön, betrift die Punkte 1 bis 3. Doch was bitte tun, wenn der Chef bei seinem Chef und weiter nach oben kein Verständnis für die angespannte Situationen des Teams und des einzelnen Mitarbeiters erhält und eingeforderte Limits nicht gegeben werden? Dann ändert sich leider für die Mitarbeiter an der Basis gar nichts. Da muss jeder dann für sich seinen Weg suchen, um aus der Überforderung heraus zu kommen – und es gibt Wege. Es liegt an jedem selbst diese auch zu beschreiten.

Wolfgang Weber

01.12.2015

Ich unterstreiche aus meiner Erfahrung heraus alle Punkte. Die Ursache Probleme liegen nach meiner Erfahrung immer in der Führung. Punkt 5 ist deshalb markant, besonders wenn der Vorgesetzte beratungsresistent ist und sein Team als „Untergebene“ behandelt. Steht bei ihm kurzfristige Ertragsoptimierung im Fokus fallen alle Diskussionen unter dem Tisch. Nach spätestens zwei Jahren ist die „Führungskraft“ nicht mehr haltbar und wird befördert, wird „mit seinen Kompetenzen in einem anderen Projekt gebraucht“ oder nimmt eine „Herausforderung im Arbeitsmarkt“ an.

Thomas Albert Klein

01.12.2015

Führung =
Vorbild in Haltung + Handlung !
Das haben in meinem Berufsleben von fast 40 Jahren nur 2 meiner Vorgesetzten geschafft; alle anderen waren damit schlicht überfordert.

Didi

01.12.2015

Ich glaube Leadership wird überbewertet. Nach Erfahrungen in vielen Firmen kann ich sagen, dass wirklich empathische Manager, die ihr Team gut führen können (im Sinne von, das Team akzeptiert und schätzt den Manager und umgekehrt), sehr, sehr selten sind.
Ich würde dafür propagieren, die Führungsetage so schlank wie nur irgendmöglich zu halten und den Teams mehr Gestaltungsspielraum zur Selbstorganisation zu geben. Gepaart mit einem kontinuierlichem (Selbst-)Evaluations- und Verbesserungsprozess ist das m. E. ein guter Eckstein für motivierte Mitarbeiter und erfolgreiche Projekte.

Mylène Alt

01.12.2015

Leider wahr. Wichtig ist, seine eigene Position und Stärke wiederzufinden, sich darüber klar werden, was von wem gebraucht wird und dies freundlich und bestimmt zu kommunizieren. Und NEIN-Sagen ist lernbar!

Christian

01.12.2015

und dafür hat man nun tatsächlich eine Studie gebraucht? arrgh!

Stefan

01.12.2015

Man sollte lieber mal eine Studie über die Struktur unserer Wirtschaft und das Wesen der Menschen aufsetzen. Das „immer schneller“ immer weiter“ immer höher“ sind wir alle. Wir alle leben und unterstützen es. Der gesunde Menschenverstand verkümmert immer mehr und wir verlieren den Blick für das Wichtige: Sinnvolle Kommunikation. Im Namen der Produktivitätssteigerung meint man mit Tools alles regeln und kitten zu können. Aber Manager haben ein großes Problem heutzutage: Sie haben keine Ahnung vom produktiven Geschäft und spulen gebetsmühlenartig ihr „Sparprogramm“ ab. Vorgesetzte sind auch Menschen und machen Fehler, ja. Aber es fehlt die Einsicht. Denn die Fehler machen grundsätzlich die Mitarbeiter. Vorgesetzte machen auch die Personalplanung und reduzieren, bis die Mitarbeiter krank werden. Aber die Mitarbeiter organisieren sich nicht richtig und setzen falsche Prioritäten wenn etwas nicht mehr funktioniert, heißt es dann. Aber Hilfe und Einsehen ist hier nicht erwünscht. Uns fehlen richtige Unternehmer, die ihren Laden von Grund auf kennen, ihre Mitarbeiter als Kapital schätzen, und als Führungskraft den Mitarbeitern gegenüber ihren gesunden Menschenverstand einsetzen. Wenn man die Augen öffnet sieht man auch so was los ist. Aber ich sehe Studien eh nur als Mittel zur Beeinflussung der Gesellschaft und sanfte Gehirnwäsche…

Jeannette bremböck

13.01.2016

Am meisten stresst mich, wenn Termine von anderen nicht eingehalten werden und ständig urgiert werden muss. So dass ich dann leider auch mit meiner Arbeit nicht rechtzeitig fertig werde.

M.E.

31.05.2016

In der Theorie alles gut und schön. Aber was macht man, wenn man bei seinem Chef nicht durchkommt?
Wenn er die Problematik nicht sieht, nicht versteht, weil er einfach schon viel zu weit von der Basis weg ist?
Wenn man schon in der Vielfältigkeit der Aufgaben ertrinkt, der Chef aber immer noch meint, man muss nach vorne gehen und jedes Jahr noch was dazu übernehmen?
Ich habe von meinem Chef in den letzten Jahren immer häufiger den Vorwurf bekommen, ich würde Aufgaben abgeben wollen, statt was dazu zu übernehmen… und dann bin ich zusammen gebrochen, Burnout, mein Gehirn hat sich ganz verabschiedet, Konzentration und Merkfähigkeit sind jetzt schon ganz lange im Keller und kommen nicht wieder hoch. Mein Chef hat Ersatzspieler für meinen Job gefunden, aber ich hänge am Fliegenfänger, bin nicht arbeitsfähig in meinem bisherigen stressigen Job, mit knapp unter 60 aber auch nicht mehr für eine Umschulung geeignet für einen weniger geistig fordernden Job. Und wer stellt einen überhaupt noch in dem Alter ein? Ich muss jetzt damit leben, das meine Lebensplanung sang und klanglos den Bach runter geht. Wenn ich nicht schnell wieder gesund werde, lande ich in der Altersarmut, dann verliere ich alles, wofür ich mein Leben geschuftet habe.

Gabriel

31.05.2016

Fehlende Kommunikation untereinander wird auch noch geschürt, wenn „ahnungslose“ Jungmanager mit allen Mitteln ihr Ziel erreichen wollen. Strukturlose Meetings ohne klare Ansagen, keine konkrete Aufgabenverteilung an die Leute aus den Fachbereichen, das bringt uns täglich ein weiteres Chaos. Leider werden die Erfahrungswerte meiner Generation fast immer ausser Acht gelassen. Pflichtgefuehl und den Blick mal ueber den eigenen Tellerrand zu stellen ist nicht mehr modern. Schade, wuerde gern wechseln. Mit fünfzig findet sich leider nicht so schnell ein anderer Job. Und was bringt das schon, woanders ist es auch nicht besser. Ach ja, bin gespannt was ich bis 67 noch für Arbeit habe. Vielleicht gibt es bis dahin eine Quote für die „alten“…

Dr. Jan-Arne Gewert

06.09.2016

Wenn Menschen frustriert ihren Job kündigen, dann hat das häufig mit einer Person zu tun, nämlich mit dem Chef. Wir Führungskräfte können für die Motivation der Mitarbeiter nur eines leisten: Diese nicht demotivieren.
Das jedoch zu schaffen ist im stetigen Wandel moderner Anforderungengar nicht so einfach. Die Weiterentwicklung der Führungskultur ist daher von enormer Bedeutung für die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiterschaft und damit auch des ganzen Unternehmens.