Gutes Gehalt oder guter Zweck – was ist wichtiger bei der Jobwahl?

Zwei Berufstätige, zwei Meinungen – in der neuesten Folge unserer Pro- & Kontra-Reihe diskutieren ein Investment-Banker und der Marketingleiter von „Viva con Agua“ ihre Prioritäten im Job.

Auf der einen Seite steht Christian Wolff, Director Corporate Finance / Transportation bei der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen in London – sein Beruf dreht sich um Geld und natürlich spielt das auch eine Rolle bei der persönlichen Jobwahl. Auf der anderen Seite steht Moritz Meier, Marketingleiter des Netzwerks Viva con Agua de St. Pauli e.V., das auf der Unterstützung ehrenamtlicher Helfer basiert und sich u.a. für einen menschenwürdigen Zugang zu sauberem Trinkwasser einsetzt.

Gutes Gehalt

Christian Wolff, Director Corporate Finance / Transportation, Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, London

Von Christian Wolff

Ich fand die Finanzwelt schon immer interessant. und habe mich daher für einen relativ klassischen Karriereweg als Banker entschieden – nach Banklehre und BWL-Studium bin ich nach diversen Stationen aktuell für die Helaba in London tätig – einem der größten Finanzplätze der Welt.

Welche Rolle spielt Gehalt? Das Gehalt ist sicher auch ein wesentlicher Faktor. Dabei geht es mir allerdings nicht primär um das Geld: Gehalt ist für mich eine Kombination aus Wertschöpfung und Wertschätzung.

Zum einen spiegelt es die Wertschöpfung wider, die man persönlich erbringt, sowohl für das eigene Unternehmen als auch für Wirtschaft und Gesellschaft. Das ist ein Punkt, der mir sehr wichtig ist und der speziell seit der letzten Finanzkrise im Fokus steht. Hier geht es darum, nachhaltige Werte zu schaffen, die nicht nur auf kurzfristigem Profit basieren, greifbare Lösungen für die Realwirtschaft zu entwickeln und Finanzierungen und Entwicklungen auch im sozio-ökonomischen Bereich zu unterstützen. Nachhaltige Wertschöpfung ist aus meiner Sicht eine unternehmerische Verpflichtung für Banken, die von Wirtschaft und Gesellschaft gebraucht werden. Insofern erlebe ich meine Tätigkeit als ebenso sinnvoll wie notwendig.

Zum anderen drückt das Gehalt eine gewisse Wertschätzung der eigenen Arbeit aus – diese sollte natürlich im Grundsatz mit der erbrachten Leistung übereinstimmen.

Jeder Mensch hat andere Incentives: Dinge, die ihn motivieren, täglich zur Arbeit zu gehen und einen guten Job zu machen. Mich motiviert da keinesfalls nur das Gehalt: Die Dynamik der Finanzwelt, der Facettenreichtum meiner Tätigkeit, eine Aufgabe die mich fordert, neue Ziele, die ich mir selbst setzen kann. Ich kann sagen, dass ich jeden Tag Freude an meinem Job habe.

Guter Zweck

Moritz Meier, Marketingleiter des Netzwerks Viva con Agua de St. Pauli e.V., Hamburg

Von Moritz Meier

Als ich vor fast vier Jahren meinen Job als Marketingleiter beim gemeinnützigen Verein Viva con Agua de Sankt Pauli e.V. angetreten habe, war mir bewusst, dass ich während meiner Zeit hier keine allzu großen Gehaltssprünge erwarten kann. Trotzdem kann ich voller Überzeugung sagen: Ich habe Karriere gemacht!

Denn Karriere bedeutet für mich vor allem eine Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten, der Persönlichkeit und der Verantwortung, die man trägt und der man auch gerecht wird. Die Entwicklung des Gehalts ist auch Teil meiner Karriere, sie spielt aber nicht die erste Geige, sondern ist gleichberechtigter Teil des Orchesters.

Natürlich möchte ich von meinem Gehalt sorgenfrei leben, das ist die Grundvoraussetzung von der ich auch nie abrücken würde. Und was „sorgenfrei“ bedeutet, muss jeder für sich selber definieren. Ein Arbeiten am Existenzminimum ist für mich kein nachhaltiger Lebensentwurf und würde bei mir das Freisetzen von Potential verhindern. Aber sobald die Grundvoraussetzung „sorgenfrei“ erfüllt ist, gucke ich nicht primär auf das Gehalt, sondern auch auf „geldwerte Leistungen“, die der Arbeitgeber mir zu bieten hat (und das auch noch steuerfrei). Bei Viva con Agua beispielsweise…

…kann ich meine Arbeitszeit und meinen Arbeitsaufwand weitestgehend frei einteilen
…entscheide ich selbst, ob ich Projekte starte oder lieber lasse
…entscheide ich selbst, mit welchen Partnern ich zusammenarbeiten möchte
…bekomme ich sehr tiefe Einblicke in verschiedene Branchen und lerne stetig dazu
…herrscht am Arbeitsplatz und im Team eine sehr entspannte Atmosphäre

… und last not but least ist das Produkt meiner Arbeit bei Viva con Agua „Leben“! Und dass können nur wenige andere Branchen von sich behaupten. Spätestens als ich das erste Mal in Äthiopien Dörfer besucht habe, in denen von Viva con Agua finanzierte Brunnen gebaut wurden, war mir klar, dass ich was richtig gemacht habe. Ich bin der festen Überzeugung, dass mich meine Jahre bei Viva con Agua weiterbringen als es ein höheres Gehalt getan hätte.

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