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Privat oder gesetzlich? Welche Krankenversicherung ist richtig für mich?

Die private Krankenversicherung bietet für Berufstätige meist bessere Gesundheitsleistungen als die gesetzliche. Doch die Beiträge steigen schnell. Gerade im Alter kann es eng werden. Wie Sie sich am besten absichern können, erklären wir in der aktuellen Folge unseres Ratgeberformats „Geldwert“ in Kooperation mit dem Verbrauchermagazin Finanztip*.

Gute ärztliche Betreuung ist auch eine Frage der richtigen Krankenkasse (©Foto: everythingpossible / Fotolia)

Gute ärztliche Betreuung ist auch eine Frage der richtigen Krankenkasse (©Foto: everythingpossible / Fotolia)


Von Hermann-Josef Tenhagen

Einzelzimmer im Krankenhaus, kurze Wartezeiten beim Facharzt, individuelle Beiträge: Die private Krankenversicherung (PKV) gleicht einem Mercedes mit Sonderausstattung, während die gesetzliche Krankenversicherung wie ein VW Golf daherkommt. In der gesetzlichen erhalten alle weitgehend die gleichen Leistungen, zahlen Beiträge abhängig von ihrem Einkommen und sind in einer Solidargemeinschaft, die das System über ein Umlageverfahren gemeinsam finanziert.

Dagegen hat jeder privat Versicherte einen eigenständigen Vertrag mit seiner Krankenversicherung. Dadurch lässt sich individuell zusammenstellen, welche Leistungen genau versichert sein sollen. Die privaten Anbieter dürfen Aufnahmeanträge ablehnen, Beitragszuschläge erheben oder bestimmte Krankheiten ausschließen, falls ihnen das Risiko zu hoch erscheint. Während in der gesetzlichen Versicherung auch Kinder und Lebenspartner mitversichert werden können, muss in der privaten jeder selbst versichert sein und Beiträge bezahlen.

Für die Berechnung der privaten Beiträge ist aber nicht das Einkommen, sondern Alter, Gesundheitszustand und Umfang der Versicherung maßgeblich. Privat dürfen sich nur Personen krankenversichern, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen: Beamte, Selbständige oder Studenten – sowie Angestellte, die über der Jahresarbeitsentgeltgrenze liegen. 2015 liegt diese Grenze bei 54.900 Euro brutto jährlich. Bei Angestellten übernimmt der Arbeitgeber die Hälfte der Prämie, allerdings nur bis zum Höchstsatz eines gesetzlich Versicherten. Derzeit sind das rund 300 Euro.

Beiträge steigen auch noch im Rentenalter

Die PKV lockt vor allem junge und gesunde Versicherte an, die zu Beginn noch geringe Beiträge zahlen – oft fallen die sogar niedriger aus als in der gesetzlichen Versicherung. Doch meistens bleibt es nicht bei den einstmals günstigen Einsteigertarifen: Mit dem Alter steigen die Prämien, weil die Gesundheitsversorgung teurer wird. Zwar legt der Anbieter für die Versicherten Geld aus den gezahlten Beiträgen zurück, um gegenzusteuern. Doch diese Altersrückstellungen sind dafür da, um den höheren Leistungsbedarf im Alter zu decken. Die Kosten durch den medizinischen Fortschritt und die allgemeine Inflation decken sie nicht. Daher steigen die Beiträge auch noch in der Rentenphase. Am besten sollten Versicherte schon früh monatlich einen festen Betrag nur für die Krankenversicherung im Alter zurücklegen.

Vor dem Durchforsten von Versicherungsprospekten sollte deshalb jeder Interessent prüfen, ob er sich eine private Krankenversicherung auch langfristig leisten kann. Für viele Menschen, die theoretisch zu einem privaten Anbieter wechseln dürfen, ist dies nämlich keine gute Idee, zum Beispiel für Existenzgründer. Und Menschen mit Risikoberufen, Vorerkrankungen oder noch nicht abgeschlossener Familienplanung sollten ganz genau rechnen. Denn wer einmal privat versichert ist, kommt nur schwer wieder zurück in die gesetzlichen Krankenkassen. Für Versicherte, die älter als 55 Jahre sind, ist es nahezu unmöglich – selbst bei Arbeitslosigkeit.

Linktipps: Mehr Infos von Finanztip zur richtigen Wahl der Krankenversicherung gibt es hier, zu privaten KVs außerdem hier

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*Über Finanztip:

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