Networking & Mentoring - die Erfolgsfaktoren für Frauen

Von Petra Rohner

„Wie vernetzen sich erfolgreiche Frauen?“ Diese Frage stellte ich mir vor rund acht Jahren, als ich begann, an Business-Treffen für Frauen teilzunehmen. Dort habe ich unmittelbar erfahren, wie positiv sich diese Treffen auf meine berufliche Tätigkeit auswirkten und machte mir zum Ziel, anderen Frauen in der Schweiz ebenfalls diese Art der Vernetzung zu ermöglichen – ausserhalb des bekannten Verbandswesens. So entstand die Gruppe SWONET (swiss women network), die mittlerweile über 7.000 Mitglieder zählt.

Schon oft wurde ich gefragt, ob reine Frauennetzwerke überhaupt notwendig seien, denn schließlich öffneten sich die Männernetzwerke auch immer mehr für Frauen. Meine Antwort: Ja! Dabei geht es nicht, wie viele meinen, um einen geschützten Rahmen, weil sich Frauen nur unter sich austauschen möchten. Es geht vielmehr darum, die positive Erfahrung des Netzwerkens unter Frauen zu erleben, von anderen Frauen zu lernen und sich dadurch bewusster und sicherer in der vernetzen Businesswelt bewegen zu können.

Networking-Events –für viele Frauen ein Schlüsselerlebnis

Networking ist eine längerfristige Investition in die berufliche Karriere. Je grösster das Netzwerk ist, desto mehr besteht die Chance, seine Kontakte auch nutzbar zu machen. Viele Frauen haben jedoch Skrupel, Vitamin B für die Jobsuche oder für firmeninterne Wechsel zu nutzen. Obwohl viele Frauen eigentlich starke Netzwerkerinnen sind, unterscheiden sie zu wenig zwischen dem engen persönlichen Netzwerk, das mit Vertrauen und Verantwortungsgefühl verbunden ist und dem beruflichen Netzwerk, bei dem es hauptsächlich um das Zusammenführen von Personen geht. Eine Empfehlung zu nutzen, gibt vielen Frauen das Gefühl, in der Pflicht zu stehen, was jedoch absolut nicht der Fall ist. Beim Netzwerken muss ich mich nicht zwingend bei der gleichen Person einbringen, die mir geholfen hat, sondern einfach offen sein und selbst Unterstützung offerieren, wann und wo es mir möglich ist. Frauen müssen erkennen, dass der Arbeitsmarkt genau dieses Selbstverständnis von „Geben und Nehmen“ erfordert: Denn wenn eine Stelle mit einer qualifizierten Bewerberin oder einem Bewerber besetzt werden soll, fungiert Networking oftmals als Türöffner.

Auf den Netzwerk-Events unter Frauen wird dieser Hemmschuh abgelegt. Frauen erleben, wie einfach und unkompliziert Vernetzung sein kann und dass keine Verantwortung für das Zusammenführen von Personen übernommen werden muss. Sie erleben, wie spannende Kooperationen entstehen und wie sich für einzelne Frauen Türen öffnen, die sonst verschlossen geblieben wären. Das Bewusstsein, jederzeit, in jeder Situation und in jedem Bereich erfahrene Ansprechpartnerinnen zu haben, gibt einem zudem das Gefühl von Sicherheit und Stärke, welche man auch ausstrahlt. Mit diesem Bewusstsein vernetzen sich Frauen auch besser im männlichen Umfeld.

Netzwerken für die Karriere

Viele Frauen unterschätzen die Wichtigkeit, im Job Präsenz zu zeigen. Sie glauben, gute Arbeit zu leisten genüge, um intern weiter zukommen. Im Gespräch mit erfahrenen und beruflich erfolgreichn Frauen erfahren sie, dass dem nicht so ist. Wer weiterkommen will, muss sich positionieren und klar kommunizieren, dass ein nächster Karriereschritt angestrebt wird. Hier ist der Austausch vor allem für Frauen sehr wichtig, die in männerdomminierenden Branchen arbeiten. Die spezifische Sprache und die Eigenheiten der Branche können ihnen so vermittelt werden.

Egal ob Frau oder Mann, wer sich eine Auszeit nimmt, kann durch sein Netzwerk am Ball bleiben und den Markt beobachten. Nach 1-5 Jahren Auszeit fallen erste Bewerbungsgespräche um ein Vielfaches selbstbewusster aus, wenn Frau /Mann sich in der Auszeit mit Experten beispielsweise in Foren ausgetauscht hat. Viele Stellensuchende, die in dieser Situation auf ihr Netzwerk bauen, müssen erkennen, dass der innere Kern ihres Netzwerks, vornehmlich aus Familie und Freunden besteht und in dieser Situation nicht hilfreich ist. Wer sich hier der Chance verschliesst, die sich durch die Vernetzung in virtuellen Businessnetzwerken bietet, kann sich seine Zukunft verbauen.

Netzwerken als Unternehmerin

Viele haben die Vorstellung, dass es dabei nur um neue Aufträge geht. Dies ist jedoch zu kurz gedacht: Sich über erfolgreiche Marketingkonzepte zu unterhalten, zu erfahren, welche Fehler andere bei der Gründung gemacht haben (die hätten vermieden werden können) und Feedback über einen geplanten neuen Webauftritt oder Flyer einzuholen – all das ist wertvoll und unbezahlbar. Sehr oft habe ich erlebt, wie Kooperationen für grössere Aufträge entstanden sind, weil sich Frauen aus der gleichen Branche kennen gelernt haben. Wenn Frauen das unter Frauen erleben, kann sich eine Eigendynamik entwickeln, die ganze Gruppen erreicht. So hat es in der SWONET Gruppe größere gemeinsame Messeauftritte gegeben, die sich die einzelne Unternehmerin nicht hätte leisten können. Die gemeinsame Präsenz hat ihnen jedoch eine Stärke vermittelt, die sie bis heute beibehalten haben.

Networking und Mentoring

Ein breites Netzwerk hilft uns in vielen Situationen, in denen man auf fachlichen Rat angewiesen ist und von den Erfahrungen anderer profitieren kann. Es gibt aber gerade im Job Situationen, in denen eine längerfristige Hilfestellung gefragt ist. Hier kann Mentoring eine grosse Stütze sein. Im SWONET-Netzwerk gibt es ein sog. „natürliches“ Mentoring. D.h. ohne festgelegte Rahmenbedingungen begleiten erfahrene Berufsfrauen jüngere Frauen über einen Abschnitt ihres Berufslebens hinweg. Jedes Mentoring-Paar bestimmt selbst die Dauer und die Häufigkeit der notwendigen Begleitung. Besonders erfolgreich erlebe ich das bei Frauen in einer Phase der Neuorientierung, die oft durch den Austausch mit ihrer Mentorin so gefördert wurden, dass sie ihre Ziele konsequent bis zum Ende verfolgen. Und genau darum geht es sowohl beim Mentoring wie auch beim Networking: Darum, Erfahrung gegenseitig nutzbar zu machen.


Über Petra Rohner
Petra Rohner ist Dozentin bei InnoPark Schweiz AG für das Thema Social Media im Bewerbungsprozess. Sie ist Gründerin der Stiftung SWONET, dem Internetportal der Schweizer Frauenorganisationen und Geschäftsführerin von femdat.ch, dem Schweizer Frauenkarriereportal . Sie ist außerdem XING Themen-Ambassadorin für das Thema „Frauen und Networking“ – ihre SWONET-Gruppe auf XING hat bereits über 7.000 Mitglieder.

Event
Am Donnerstag, den 15. Oktober 2015 lädt Petra Rohner im Rahmen der XING week zum einem Spezial-Event mit dem Titel „Neue Arbeitswelten – Neue Herausforderungen“ ein, Anmeldung hier.

Foto: Frederike Asael

 

1 Kommentare

Regulus Loew

14.03.2016

Liebe Petra,
bei einem nine to five job sind Ihre Argumente möglicherweise zu gebrauchen, doch wenn man auf verantwortlichem Stuhl sitzt und der Arbeitstag einen wesentlichen Anteil beansprucht, bleibt für solche Überlegungen, die leider m. E. auf theoretischem Niveau basieren recht wenig Zeit, ob in Ost oder West, ob in der Schweiz oder in Österreich.