Mein Wunschjob

Aufopfern für den Job: die typischen Alarmsignale der Selbstausbeutung

Sich krankzumelden oder pünktlich Feierabend zu machen, ist für viele Berufstätige nicht selbstverständlich. Doch wer mit seinen Kräften immer bis ans Limit geht, gefährdet sich selbst.

Im Job immer alles geben - das geht meist nur eine Weile gut. Mitarbeiter, die viele Überstunden machen und sich auch am Wochenende kaum eine Auszeit gönnen, riskieren ihre Gesundheit. (©Foto: Oliver Berg / dpa)

Im Job immer alles geben – das geht meist nur eine Weile gut. Mitarbeiter, die viele Überstunden machen und sich auch am Wochenende kaum eine Auszeit gönnen, riskieren ihre Gesundheit. (©Foto: Oliver Berg / dpa)

Arbeiten Mitarbeiter häufiger am Wochenende oder gehen krank ins Büro, sollten sie das kritisch hinterfragen. Mancher findet es normal, nach fünf Tagen im Job noch an den freien Tagen etwas dafür zu erledigen.

Wer regelmäßig die eigenen Belastbarkeitsgrenzen überschreitet, werde auf Dauer krank, sagt Prof. Andreas Krause in der Zeitschrift „Psychologie Heute“ (Ausgabe Oktober/2015). Er beobachtet ein Phänomen, dass er „interessierte Selbstgefährdung“ nennt. Mitarbeiter beuten sich mehr oder weniger freiwillig selbst aus und leisten weit mehr, als die Firma verlangt.

Krause führt das auch darauf zurück, dass Betriebe Angestellten heute mehr Autonomie zugestehen als früher. Wie jemand die Arbeit erledigt, ist Vorgesetzten nicht so wichtig. Die Hauptsache ist, dass das Ergebnis stimmt. Gleichzeitig reichen sie den Druck – etwa durch Kundenwünsche – direkt an die Arbeitnehmer weiter. Die Mitarbeiter wiederum sind dankbar für größeren Freiheiten, etwa bei der Arbeitszeitgestaltung. Sie sind deshalb sehr engagiert. Gleichzeitig spüren sie den Druck und leisten deshalb freiwillig mehr.

Anzeichen für eine „interessierte» Selbstgefährdung“ sind zum Beispiel, wenn Mitarbeiter trotz Krankheit zur Arbeit kommen, länger als elf oder zwölf Stunden arbeiten, ohne dass das angeordnet ist oder sie auf die Mittagspause verzichten. Wer solche Verhaltensweisen von sich kennt, sollte prüfen: Gibt es typische Situationen, in denen man sich so verhält? Was sind die Vorteile für einen selbst? Was die Nachteile? Nach der Kosten-Nutzen-Analyse überlegt man dann am besten, ob man das selbstgefährdende Verhalten reduzieren möchte und was man bereit ist, dafür in Kauf zu nehmen.

13 Kommentare

Claudia Schweidler

29.10.2015

Jeder ist heutzutage ersetzbar, so lauten die Aussagen der Chef´s.
da überlegt man dreimal ob man sich krank meldet oder nicht.
Auch bleibt man länger oder fängt teilweise schon um 6 Uhr im Büro an um liegen gebliebenes zu erledigen.
Es fragt niemand, wie lange das gut geht. Wir sind alle froh einen Job zu haben und geben unser Bestes,aber leider auch nur eine gewisse Zeit, bis man völlig erschöpft nicht mehr kann.

Es gibt zu Wenige Chef´s die dies merken und honorieren.

Hoffmann

29.10.2015

Und Selbständige werden massiv gemobbt und anschließend verklagt! Und als Krankheit meine ich nicht solche Kleinigkeiten wie Grippe sondern Schwerwiegendere Krankheiten und Eingriffe! Des weiteren haben sie kein Recht auf ein Privatleben selbst Sonntage werden sie gezwungen aufgrund Inkompetenter, verantwortungslosen und fauler Architekten zu arbeiten!

Tomas Waldmann

29.10.2015

„Jeder ist heutzutage ersetzbar“, diese Meinung kann ich nicht Teilen. Im Detail liegt nämlich der Knackpunkt. Nehmen wir zum Bsp. Webentwickler: Typ A setzt sich Täglich mit dem Thema aufs Neue auseinander, hält seinen Wissensstand immer aktuell, beobachtet Trends, kann mühelos mehrere Projekte verwalten, liefert immer ab und betreut noch Kunden. Typ B tut nur das was er soll und dazu noch schlecht und langsam. Da will man mir doch wohl nicht erzählen dass ein Chef so etwas nicht sieht?! Der Boss weiß genau was es für ein Stress ist erst einmal einen neuen (in diesem Beispiel) Entwickler zu finden, der genauso fit ist wie der Vorgänger. In der Regel sind es nämlich Personen von Typ B.
Dieser Spruch ist ja eine reine Psycho Masche um die Labileren bei Trap zu halten und mehr aus ihnen zu holen. Jemand der sich von so etwas einschüchtern lässt, sollte dringend etwas für sein Selbstwertgefühl tun indem er sich selber sagt was er kann und nicht was er nicht kann und nur einer von Millionen ist.

Sven

29.10.2015

Dabei haben wir doch angeblich einen in den Medien aktuell vielzitierten Fachkräftemangel, den nur die im Moment stattfindende Migrationsbewegung wird ausgleichen können….schon klar….

Christiane Bohne

29.10.2015

Im Gesundheitswesen/Pflegebereich ist Dieses besonders ausgeprägt.Schon dem „normalen“ Qualitätsanspruch kann man bei verantwortungsbewußter Handlungsweise aufgrund der knappen Personalbemessung mit fehlender Parralelität zum Arbeitsaufkommen nicht mehr gerecht werden.Pausen-und Erholungszeiten sind deutlich eingeschränkt oder oft gar nicht möglich!Das Resultat sind erschöpfte Mitarbeiter mit nachlassender Produktivität/somit qualitativ schlechterem Handlungsausführungsprozess/ergebnis und daraus folgender erhöhter Krankheitsanfälligkeit.Eine menschliche Katastrophe als auch ein hoher wirtshaftlicher Schaden.

Martin Kuhla

29.10.2015

Wenn man ersetzbar ist ist man selber schuld,
Da sollte man sich fragen wie man unverzichtbar wird !
Meiner Meinung nach kann man sich heutzutage den Job quasi aussuchen gutausgebildete Fachkräfte mit gribs gibt’s kaum.

A. Weidemann

29.10.2015

Es gibt auch Büros, wo der Chef jeden Tag seinem Angestellten, der seit 7.30 Uhr im Büro ist und sich schon auf Feierabend eingestellt hat, um 17.30 Uhr noch Arbeit aufbrummt. Er hat diese schon seit einiger Zeit auf dem Tisch liegen und meint, dass das heute abend unbedingt noch an den Kunden raus muss. Der Kunde sieht die Mail sowieso nicht mehr, wenn diese um 20 Uhr oder später raus geht. Wenn Vorgesetzte Ihre Arbeit nicht besser organisieren können, sollen die Angestellten darunter leiden. Und das führt auf Dauer zu Krankheit und Ausfallzeiten, die für das Büro auch nicht gut sind. Ausbeutung geht nicht so oft vom Mitarbeiter aus, sondern viel mehr vom Vorgesetzten, hauptsächlich in kleinen Büros oder Familienunternehmen. Da werden dann Besprechungen oder Baustellenbesuche um die Mittagszeit angesetzt, diese dauern dann oft so lang, dass die Mittagspause nicht genommen werden kann, aber trotzdem abgezogen wird. Mitarbeitermotivation sieht anders aus und geht auch anders.

Marcel

29.10.2015

Moin zusammen,

gesetzliche Regelungen werden gezielt in frei formulierten Arbeitsverträgen geschult umgangen. Alarm gibt es erst dann, wenn die eigene Arbeitskraft nicht mehr ausreichend ist und der tägliche Ruf nach etwas Luft immer intensiver wird. Erst dann scheinen einige Lohnzahler ihr Gehirn ein und erkennen, dass es seid einigen Monaten oder Jahren doch noch ihren fleißigen Mitarbeiter gibt und wimmeln Ihm mit plötzlicher Sonderzahlung und angepasster Arbeitszeit. Augen auf und besser machen. .Mut zum Nein ☺ LG die Ameise

Melissa

29.10.2015

Ich verstehe was ihr sagen wollt. Aber selbst Leute die eigentlich unersetzbar sind werden teilweise gefeuert. Das ist ganz komisch.

Und ich selbst habe mich einmal krank zur Arbeit geschleppt. Mit 27 Jahren, Kerngesund. Dann bekam ich eine Herzmuskelentzündung und dann ein halbes Jahr später einen Herzinfarkt. Das ist wirklich nicht schön. Ich mag meine Arbeit, aber glaubt mir… DAS mache ich nie wieder. Geht schneller als man gucken kann. Und ich hatte nur eine kleine Erkältung mit starkem Husten.

Haussmann

29.10.2015

Insgesamt ein sehr interessantes Thema da sich Erkrankungen aufgrund von Arbeitsüberlastung mehr und mehr häufen. Nun ist allerdings zu unterscheiden zwischen hausgemachten Ursachen wie falschem Ehrgeiz der dann ohnehin im Leeren Raum verpufft und wirklich greifbaren und von daher unter Umständen auch justitiablen Maßnahmen von Kollegen, Vorgesetzten und Arbeitgeber. Hausgemachte Ursachen können liegen unter anderem falscher Priosisierung und generell manfelhaft strukturierter Arbeitsweise. Worauf ich hinaus will ist aber etwas anderes: es gibt in Deutschland unzählige gesetzliche Vorschriften, darunter auch durchaus welche die wirklich Sinn machen. So zum Beispiel Vorschriften zum Arbeitsschutz und vor allem das Arbeitszeitgesetz welches sich jeder der sich in diesem Thema angesprochen oder betroffen fühlt einmal Vorschrift für Vorschrift genau ansehen sollte. So sei unter anderem auf 4 ArbZG verwiesen, ebenso auf 5 ArbZG. Die dortigen Regelungen machen Sinn sonst wären sie nicht entstanden. Und niemand, der von diesen – neben vielen anderen – Rechten Gebrauch machtet oder sich darauf beruft darf deswegen ein Nachteil entstehen da dies wiederum gegen „massregelungsverbot“ aus dem von jedem! Arbeitgeber zu beachtenden Paragraphen 612a BGB verstoßen würde. Und auch neben diesen Spezialvorschriften gibt es allgemeine von der Rechtsprechung entwickelte Rechtsinstitute und Regeln die vor der hier in Rede stehenden Überlastung des Arbeitnehmers schützen sollen bzw diese sanktionieren. So ist u.a. Anerkannt, dass permanente Arbeitsüberlastung, sei es qualitativ oder quantitativ durchaus im Gesamtkontext sog. Mobbing darstellen kann, in dogmatischen Sinne im Ergebnis eine Verletzung des Im Grundgesetz verankerten allgemeinen Persönlichkeitsrecht mit möglichen Folgen wie Anspruch auf Unterlassung bis hin zu Schmerzensgeld- und Schadenersatzansprüchen. Wichtig ist hier nur, dass frühzeitig begonnen wird durch eigene Aufzeichnungen derartige, zunächst nur vermeintliche, Überschreitungen der Grenzen des dem Arbeitgeber grds zustehenden Weisungsrechts hinsichtlich der Ausübung der Arbeit unter Festhalten von Datum, Zeit und ggf veranlassender Person, derartige Vorkommnisse möglichst lückenlos und kontinuierlich zu dokumentieren. Im nächsten Schritt ist der Kontakt zum – sofern vorhanden – Betriebs- oder Personalrat zu suchen um ggf erforderliche Schritte ( Beschwerde u.ä. ) mit diesem abzustimmen. Von Vorteil ist immer auch bei erkennbaren Warnzeichen des Körpers oder der Seele der frühzeitige Besuch beim Hausarzt und bei einem Anwalt für Arbeitsrecht. Und dies zunächst einmal nur zum Zwecke der Beratung und der Eruierung des besten eigenen Verhaltens. Erst kurz vor zwölf, wenn die Kraft zu kämpfen nicht mehr da ist, Hilfe zu suchen ist häufig zum Scheitern verurteilt da die in jeder rechtlichen Auseinandsetzung unabdingbaren Beweise für die ggf zu behauptenden Pflichtverstösse des Arbeitgebers dann in der Regel fehlen. Hier wie auch bei sonstigen sich privat oder geschäftlich anübzeichnenden Problemstellungen zeigt sich, dass man nicht früh genug nach geeigneter am besten vorbeugender Hilfe suchen kann, die einen in die Lage versetzt, erstens potentielle Risiken zu erkennen und zweitens diesen wirksam vorzubeugen. Dies setzt aber grundlegend voraus, dass man wachsam und mit offenen Augen durch sein Leben geht und Dinge nicht einfach als gegeben hinnimmt sondern sie nötigenfalls eben einer entsprechenden Prüfung unterzieht. Diese meine Meinung bezieht sich übrigens nicht nur auf den hier überwiegend tangierten rechtlichen Bereich sondern auf alle Bereiche des Lebens. Wer imün Probleme gerät braucht jemanden der sich mit genau dieser Materie auskennt. Und besser man informiert sich dort frühzeitig und vorbeugend als erst dann wenn das Kind quasi schon in den Brunnen gefallen ist.

christian

30.10.2015

Sich gehäuft krank zu melden fällt halt schon auf, wenn man dan noch auf sozialen Medien postet in Sportkleidung oder so, wirds eng mit der Glaubwürdigkeit. Sonst ist die Aussage jeder ist ersetzbar ein reiner Hilferuf oder Drohgebärde. Klar ist jeder ersetzbar, wird ja wohl mal in Pension gegen dürfen. Sonst weiss der Chef einfach nicht was er an einem hat! Es gibt jedoch leider länger je mehr Chefs welche ab Studium kommen und es so gelehrt haben, jedoch nicht viel gelernt.

Patrick Weiss

05.11.2015

Ja ich arbeite auch mit einem Mitarbeiter zusammen der massiv Überstunden anhäuft. Er ist dann öfters mal im Urlaub, um Überzeiten abbauen und die anderen müssen umso mehr arbeiten.

Fazit: es bringt rein gar nichts – weder für die Firma noch fürs Team noch für ihn (er ist Familienvater).

Gabriel

31.05.2016

Die Sprüche „bin froh, eine Job zu haben“ oder „jeder ist ersetzbar“ kann ich echt nicht mehr hoeren. Leute, die krank zur Arbeit kommen, immer Ueberstunden schieben und sich selbst klein machen sind doch Schuld, dass alle Chefs Glauben, sie können mit den Mitarbeitern machen was sie wollen. Lässt Euch das nicht gefallen, macht den Mund auf und haltet Eure Wochenstunden ein. Das ist nicht nur gesund fuer Euch selbst, sondern fördert auch die Kollegialität den Leuten gegenüber, die eben nicht mehr arbeiten kommen, weil sie krank sind oder die auch mal Arbeit liegenlassen, weil der Tag zu Ende ist. Spielt den Chefs nicht noch in die Hände, um deren merkwürdige Personalpolitik zu unterstützen. Lasst sie sich doch alleine zu Tode sparen. Es gibt noch das Leben neben der Arbeit, Eure Familie ist wichtig. Verantwortungsbewusstsein ohne Selbstaufgabe. Bin angestellt in der freien Wirtschaft und gehe von 21 Arbeitstagen 16 Tage pünktlich. Am Anfang gab es Sprüche, jetzt wird auf meine Belange Rücksicht genommen. Nicht alle Chefs sind ignorant.