Arbeitsplatz Deutschland

„Warum wir Ausnahmen vom Mindestlohn zulassen sollten“

Bis zu eine Million Flüchtlinge erwartet Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel bis Ende des Jahres in Deutschland. Nach Aufnahme und Unterbringung benötigen und wollen die meisten der Asyl-Suchenden jetzt Arbeit. Was muss sich am Arbeitsmarkt und in der Politik ändern, damit das gelingt?

Von Dr. Peter Kulitz, Präsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags (BWIHK)

BWIHK-Präsident Kulitz: "Flüchtlinge, die arbeiten, haben bessere Integrationschancen" (©Foto: BWIHK)

BWIHK-Präsident Kulitz: „Flüchtlinge, die arbeiten, haben bessere Integrationschancen“ (©Foto: BWIHK)

Frauen, Männer und Kinder, die aus berechtigter Sorge um ihr Leben nach Europa flüchten, die in ihrer Heimat vieles oder sogar alles verloren haben, brauchen eine echte Perspektive. Wir dürfen nicht vergessen, dass auch uns Deutschen trotz zweier Weltkriege von zahlreichen Ländern unter die Arme gegriffen wurde. Ohne diese Unterstützung und Maßnahmen wie beispielsweise den Marshall-Plan gäbe es unser Land in seiner ganzen Stärke heute schlichtweg nicht. Unter anderem deshalb haben die Väter des Grundgesetzes das Recht auf Asyl zum Grundrecht gemacht.

Auch die Wirtschaft ist sich einig: Wir wollen und wir müssen helfen. Sofortmaßnahmen sind dabei nur ein Schritt. Vor allem sind Unternehmer bereit, Flüchtlinge dabei zu begleiten, eine nachhaltige Perspektive durch qualifizierte Arbeit zu entwickeln. Dabei greift vor allem das Prinzip der ‚Hilfe zur Selbsthilfe‘: Je eher Flüchtlinge durch Arbeit in direkten Kontakt mit unserer Gesellschaft kommen, desto schneller lernen sie unsere Sprache und die Gepflogenheiten. Sie haben viel bessere Integrationschancen, können viel leichter ein fester Teil unserer Gesellschaft werden.

Viele Menschen würden Flüchtlingen gerne Arbeit auf Stundenbasis anbieten

Die brennende Frage ist, wie wir das schaffen können. Ich habe mich dafür ausgesprochen, Asylsuchenden rasch Möglichkeiten zum Arbeiten zu eröffnen, auch wenn deren Verfahren zur Anerkennung noch laufen. Gerade im privaten Sektor gibt es viele Menschen, die gerne gering qualifizierte Tätigkeiten auf Stundenbasis anbieten würden – etwa zur Hilfe im Haushalt, für Gartenarbeiten oder in der Familienbetreuung.

Dem kann aber der Mindestlohn vielfach im Wege stehen. Ein Stundenlohn von 8,50 Euro ist für manche Familie oder viele ältere Menschen schlichtweg nicht finanzierbar. Und schließlich sollte man der hohen Förderungs- und Integrationsleistung dieser ‚Erstarbeitgeber‘ Rechnung tragen, die den Flüchtlingen zu Gute kommt und ihnen Orientierung gibt.

Als Resonanz auf diesen Vorstoß höre ich oft eindimensionale Vorwürfe und Stereotypen wie: „Ist doch klar, dass die Wirtschaft in Flüchtlingen eine Chance zur Ausbeutung sieht“. Es soll also besser sein, dass Bund, Länder und Kommunen viel Geld in Betreuung und Unterbringung von Flüchtlingen investieren, ohne dass diese Menschen die schnelle Chance erhalten, selbst einen Teil durch ihren eigenen Einsatz beizutragen? Besser nichts tun in der Flüchtlingsunterkunft als weniger als die magische Summe von 8,50 Euro die Stunde zu verdienen? Das scheint mir die falsche Abwägung zu sein, nur um einer vermeintlichen Besitzstandswahrung zu genügen.

Die „Verteidiger des Mindestlohns“ vergessen vor allem die Flüchtlinge selbst

Vor rund zwei Jahren gab es ein Projekt der Deutschen Bahn gemeinsam mit der Stadt Schwäbisch Gmünd. In dessen Rahmen hatten Flüchtlinge die Möglichkeit, als Kofferträger am Bahnhof Reisenden zu helfen. Gemäß den strengen Regularien des Asylgesetzes erhielten die Flüchtlinge 1,05 Euro die Stunde, mehr war nicht drin. Nach massiven Protesten gegen diese „Ausbeutung zu Hungerlöhnen“ wurde die Maßnahme zum Leidwesen der Asylbewerber gestrichen. Viele von ihnen betonten, dass es für sie bei der Beschäftigung weniger um den Lohn gehe, sondern viel mehr um die Möglichkeit, selber etwas tun zu können, dabei in Kontakt mit Einheimischen zu kommen und Deutsch zu sprechen.

Ich möchte nicht missverstanden werden: Wenn Flüchtlinge im Betrieb einer qualifizierten Tätigkeit nachgehen, eine Aus- oder Weiterbildung machen, dann gilt uneingeschränkt, dass sie entsprechend bezahlt werden. Wir müssen uns aber auch Gedanken über den Weg dorthin machen. Ob bei einer möglichen Lösung die Glückseligkeit daran hängt, dass vom ersten Arbeitstag an der Mindestlohn gezahlt wird, wage ich zu bezweifeln. Mein Appell richtet sich an die Politik. Sie muss nun abwägen, ob sie die drängende Flüchtlingsintegration oder ihr Prestigeprojekt Mindestlohn höher gewichtet. Ich plädiere für eine rasche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben durch Arbeit und empfehle deshalb, über ebenso flexible wie angemessene Modelle ernsthaft nachzudenken.

(Hier antwortet Michaela Rosenberger, Vorsitzende der Gewerkschaft „Nahrung-Genuss-Gaststätten“, auf Peter Kulitz: „Der Mindestlohn darf auf keinen Fall angetastet werden“)

Autorenprofil:
Der promovierte Jurist und Unternehmer Peter Kulitz, Inhaber der ESTA Apparate GmbH & Co. KG sowie einer Anwaltskanzlei in Ulm, ist seit Ende 2010 als Präsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags (BWIHK). In seiner Funktion begleitet er als oberste Stimme von 650.000 IHK-Unternehmen die Politik in Land und Bund sehr eng. Auch wenn er einen großen Teil seiner Zeit diesem Ehrenamt widmet, möchte er mit Erfolg viel lieber als kritisch-konstruktiver Partner wahrgenommen werden, denn als „Grüßgott-Onkel„, den sich mancher Politiker sicher wünscht. Getreu seinem Motto „alle zehn Jahre etwas Neues“, ist von einem vielseitigen Schwaben wie ihm noch viel zu erwarten.

Aufmacherbild: Syrische Flüchtlinge in Budapest / ©Foto: Istvan Csak / Shutterstock.com


Zum Themenschwerpunkt „Flüchtlinge als Arbeitskräfte – Wie schaffen wir jetzt 500.000 Jobs?“

Wenn die Integration gelingen soll, dann brauchen die Flüchtlinge nach Ansicht vieler Experten schnell eine berufliche Aufgabe. Aktuell häufen sich aber die Klagen: Die Vermittlung sei zu zäh, der deutsche Arbeitsmarkt zu starr. Auf XING spielraum schildern Experten, was sie aktuell beobachten und was aus ihrer Sicht jetzt unbedingt angepackt werden muss.

Montag, 21.09.2015

„Warum wir Ausnahmen vom Mindestlohn zulassen sollten“

Dr. Peter Kulitz, Präsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertag (BWIHK)

„Der Mindestlohn darf auf keinen Fall angetastet werden“

Michaela Rosenberger, Vorsitzende, Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG)

Dienstag, 22.09.2015

„Der Konkurrenzdruck für hier lebende Migranten steigt“

Dr. Jens Ruhose, Bildungsökonom, ifo Institut

Mittwoch, 23.09.2015

„Was wir bei der Einstellung eines syrischen Anwalts erlebten“

Yvonne Draheim, Partner, Hogan Lovells LLP

„Asylsuchende sollten dort leben dürfen, wo sie Arbeit finden“

Bernd Mesovic, stellvertretender Geschäftsführer, PRO ASYL

23 Kommentare

Lutz Nitzsche

21.09.2015

Mangelnde Qualifizierung ist ein Problem? Da wäre von unserer hochkompetenten Industrie doch mal ein Konzept für die Fortbildung von Migranten gefragt, aber am Ende geht es doch wieder nur um das eine – Lohndumping!
Kann ein Mensch wirklich so unqualifiziert sein, dass er nicht mal den Mindestlohn verdient hat?

Bel

21.09.2015

Die „Väter des Grundgesetzes“??? Schon gehört, dass da auch „Mütter“ dabei waren? Mit dieser Einleitung haben Sie sich bereits selbst disqualifiziert, vom Rest ganz zu schweigen.Beschämend.

Holm Jürgens

21.09.2015

Durch die Wiederholung alt bekannter Argumente werden diese nicht besser. Letztlich ist das für mich wieder ein Versuch eine Möglichkeit zu schaffen um den Mindestlohn zu umgehen. Das ist nur Wasser auf die Mühlen derer die eh keine Zuwanderung wollen.

Romina

21.09.2015

Warum fragt niemand, was die Flüchtlinge selbst wollen ? Viele langweilen sich und haben auch ihren Stolz ! Sie. Würden lieber für weniger Geld arbeiten und daher zumindest das Gefühl haben, selbst etwas zu ihrem Lebensunterhalt beizutragen, als untätig rumzusitzen und ‚Almosen‘ zu empfangen. Und den Staatshaushalt und Soziallasten würde das auch entlasten !

Gerd Zühlke

21.09.2015

„Wir dürfen nicht vergessen, dass auch uns Deutschen trotz zweier Weltkriege von zahlreichen Ländern unter die Arme gegriffen wurde. Ohne diese Unterstützung und Maßnahmen wie beispielsweise den Marshall-Plan gäbe es unser Land in seiner ganzen Stärke heute schlichtweg nicht.“
Dazu kann ich nur sagen, hier werden nicht nur Birnen mit Äpfeln verglichen – NEIN, hier wird Obst mit Gemüse verglichen. Sind es heute die Flüchtlinge die Europa – aber hauptsächlich Deutschland, schließlich wollen ja alle nur nach Germoney – überfluten, wurde damals mit dem Marshall-Plan den Deutschen in Nachkriegsdeutschland im eigenen Land geholfen! Ihnen wurde geholfen IHR EIGENES Land für eine Zukunft wieder aufzubauen!

Martin

21.09.2015

Warum hat man nur die vielen freien Arbeitsstellen nicht schon vor dem Mindestlohn Deutschen und schon hier lebenden Ausländer angeboten? Oder geht es nur mal wieder darum, im Namen der guten Sache reguläre Arbeitsverhältnisse durch McJobs zu ersetzen?

Die „Väter des Grundgesetzes“ waren den Alliierten genehme Politikerinnen und Politiker, die nach Vorgaben der Alliierten die Grundlagen einer gemeinsamen staatsähnlichen Verwaltungsorganisation mehrerer Besatzungszonen erarbeitet haben (siehe Rede von Prof. Carlo Schmid, SPD, 1948 vor dem Parlamentarischen Rat, die heute noch aktuell ist!). Das Grundgesetz wurde auch (unter teils bis 1990 geltenden Einschränkungen; fortgeltende Einschränkungen ergeben sich durch Verträge mit den Alliierten von 1990) von den Alliierten in Kraft gesetzt. Das deutsche Volk wurde niemals gefragt!

Wenn das Grundgesetz so leicht durch Politiker mißbraucht werden kann, wie es momentan der Fall ist, dann sollte man es vielleicht endlich durch eine vom Volk beschlossene Verfassung ersetzen!

Harald R.

21.09.2015

ist ja alles schön und gut und z.T. auch richtig, aber was ist mit den Lebenshaltungskosten. Wo sollen denn die Leute wohnen, bleiben sie in ihren Unterkünften. Alles kostet heute Geld, wohnen, essen usw. Und wenn man Haus an Haus mit Leute wohnt, die sich augenscheinlich viel mehr leisten können, dann haben wir schnell die Neiddebatte bzw. die Gewalttaten werden zunehmen oder es wird zur Ghettobildung kommen. Ist also alles nicht so einfach.

Köhl

21.09.2015

Es gibt bereits eine Art Arbeitsmarkt für Flüchtlinge; dies funktioniert sehr gut – jedoch schwarz und ohne Kenntnis der Behörden – eben abgeschlossen innerhalb der jeweiligen Community. Etwa in der Baubranche, wo die Arbeiter bundesweit eingesetzt werden. Ermittlungsmethoden, wie Telefonortung scheitert, da jeder Arbeiter sein Handy abgeben muss, sobald die Reise angetreten wird. Darunter sind auch Hochqualifizierte Flüchtlinge, teils hatten sie in der Heimat eine eigene Firma, etwa im Bereich Elektroistallation. Der hier gezahlte Stundenlohn beträgt zwischen 9 und 15 Euro, schwarz.

Patrick W. Müller | Fotograf Braunschweig

21.09.2015

Wieder ein Versuch, die eh schon kaputte soziale Marktwirtschaft weiter zu liberalisieren. Der starke und erfolgreiche Binnenmarkt, der Deutschland so stabil gehalten hat, ist längst schon Geschichte. Anstelle dessen sind wir mit allen dazugehörigen Gefahren Exportweltmeister. Ein Weltmeister, der gezwungen ist, immer mehr Lohnkosten zu senken, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Da kommt die Flüchtlingswelle gerade recht um den Mindestlohn wieder aushebeln zu können. Prima, oder? Pfui sag ich nur. ?..

L.J.

21.09.2015

Bei der Debatte geht ja wohl vergessen dass Flüchtlinge bereits Unterkunft und Taschengeld ohne Gegenleistung erhalten und so gesehen, bei allem Respekt für ihre Leidensgeschichte, gegenüber jedem Einheimischen besser gestellt sind. Ein Arbeitsleitung sollte demnach eine unbezahlte Komponente im Sinne eines eigenen verantwortlichen Beitrags zu den bereits erfolgten Leistungen und eine bezahlte Komponente zwecks Respekt und Motivation beinhalten. Ausserdem sollten zwischen privaten und institutionellen Auftraggebern und auch zwischen Normalstatus (ohne staatliche Listungen) und Flüchtlingsstatus (mit staatlicher Unterstützung) unterschieden werden. Die Politik ist gefordert, kreative Modelle zu entwerfen. Die Anwendung des Mindestlohnes ist in diesem speziellen Fall wenig hilfreich.

Alexander Hochenedel

21.09.2015

Hallo, wenn ich hier die Beiträge lese, schüttelt es mich regelrecht! Wenn der Deutsche eines kann, dann erst einmal alles schwarz sehen. Leute über was wird hier gesprochen? Ich komme mir so vor, als sei ich hier unter menthal geistige schwache! Leute, Leute, Leute! Ich kann über die Deutschen mich nur noch wundern! Ist denn Geld wirklich alles! Mann oh Mann! Wie wäre es wenn wir die Flüchtlinge nicht als Flüchtlinge bezeichnen sondern als Menschen wie wir Deutschen auch! Das fände ich geistig menthal mal als einen guten Ansatz. Diese Menschen bewegen sich auf unserem allen gehörenden Planeten! Sie fliehen vor Terror, Krieg, Mord Vergewaltigung, Misshandlung und Ausbeutung. Oder einfach ausgedrückt vor Unmenschlichkeit. Und hier wird über den Mindeslohn diskutiert. Und das nennt sich Deutsch. Typisch deutsch, die mit Tennissocken in den Sandalen in Spanien Urlaub machen. Ihr Deutschen seid sowas von hinter dem Mond! Menthale Geistesfähigkeit gleich null! Aber jammern! Ihr jammert auf verdammt hohem Niveau! Habt alle ein Dach über dem Kopf, ein Auto vor der Türe und etwas zum Essen im Kühlschrank und jammert über den Mindestlohn. Mann oh Mann! Die typischen Deutschen, haben alles und tun sich schwer damit anderen zu geben. Die Skeptiker und Sicherheitsmenschen hoch zehn. Nur kein Risiko eingehen. Bäh und in so einem Land lebe ich, oh großer Gott! Geld, Geld, Geld was kostet die Welt!

S.B.

21.09.2015

Wir glauben noch an den Marschallplan und an den Weihnachtsmann! Und Kinder bringt der Storch oder …

Surget

21.09.2015

Nach dem 2. Weltkrieg sind die Deutschen nicht nach Amerika gegangen…. Dank Den Marshall Plan haben sie Ihr land wieder gebaut und Ihre Industrie neu gestartet… Warum also nicht ein Marshall Plan für diesen Leute in Ihrem Land anbieten anstatt alle zu empfangen ? Warum helfen wir Grieschenland ? Dass Die Griesche zu hause leben und Ihr Land wieder wirtschaftlich entwickeln….wir müssen das gleiche mit den Ländern den Flüchtlingen machen… Es ist meine Idee, Meine Meinung.

Thomas

21.09.2015

An Alle: Sehr gute Argumente. Mich widert es an, mit welchen Argumenten die „Besserwisser“ wie Politiker, Industrie oder andere Profilneurotiker, uns wieder brainwashen wollen.. Genau, wie schon gesagt.. klar, sind wir auch dankbar für die Unterstützung mit dem Marshallplan. .. wir müssen den Krieg beenden und die Leute zum Aufbau ihres Landes wieder heim schicken.. und meinetwegen, finanziell und mit Fachkräften unterstützen. .. nur dann könnte man das vergleichen.. sehr geehrter Herr Kulitz..Außerdem würde ich gerne wissen, warum man unseren Jungen Menschen hier keine Ausbildung anbietet.. auch ohne Schulabschluss.. Vielleicht ist der eine oder andere dabei, der in der Schule etwas zu bequem war, aber doch ein helles Kerlchen.. oder Mädchen, natürlich.. Unsere Führung, hat total den Realitätssinn verloren… Ich bleibe gespannt, wie es hier weiter geht, in Deutschland..

Frank

21.09.2015

Na, das war doch eh von Anfang an so geplant. Herzlichen Glückwunsch !

Olaf Brandenburg

21.09.2015

Sehr geehrter Herr Kulitz, ja meine Eltern haben nach dem zweiten Weltkrieg unter vielen Entbehrungen Deutschland wieder mit aufgebaut. Sie sind nicht ausgewandert in ein Land, wo sie leicht in Wohlstand hätten leben können. Welche Integration meinen Sie? die der Flüchtlinge oder die der steuerzahlenden Bevölkerung in Deutschland, welche auf einen vorauseilenden Staatsgehorsam gebracht werden soll.

Michael

21.09.2015

Herr Kulitz hat doch einen Ansatz, der eine Möglichkeit schafft, das grösste Problem (nach der Unterkunft) anzugehen! Natürlich ist die Frage wie könnte das aussehen – wie lange, welche Modalitäten bräuchte es für bezahlte „einfache“ Leistungen (v.a. im privaten Bereich , keinesfalls im Angestelltenverhältnis). Wir müssen doch gemeinsam überlegen, wie wir diese Situation lösen, sie wird uns noch jahrelang beschäftigen, sie wird uns belasten, es werden Probleme auftauchen, die wir bislang nicht ahnen. Bei der Frage wie wir die „neuen Mitmenschen“ schnellstens und bestens integrieren, sollte doch jeder Vorschlag willkommen sein! Der grösste Frust ist doch, wenn ich „unnütz“ rumsitzen muß, nichts tun darf!!! Und nur Almosen empfangen darf. Das schafft Unmut auf beiden Seiten! Dafür brauchen wir schnelle und wirksame Maßnahmen, und da wäre es super, wenn jeder „alte“ Bürger die Möglichkeit hat, jedem „neuen“ auch zu helfen.Die beste Integration entsteht durch die GEGENSEITIGE Hilfelstellung! Das schafft Beziehung. Natürlich ist die Möglichkeit des Missbrauchs gegeben – wir wissen doch alle, dass jedes Gesetz missbraucht werden kann. Mut braucht es in dieser Situation und Ausdauer für ein gemeinsames Miteinander in Zukunft!
Sprengstoff liegt genug in unserer Situation, da sollten wir unsere deutsche Kritiksucht in konstruktive Gedanken wandeln! Danke Herr Kulitz, das könnte eine Brücke über die schwierigste Hürde der Integration sein!
,

W.Wilhelm

22.09.2015

Wie viele Kofferträger brauchen wir? Ein paar Hunderttausend? Warum hatten wir die denn nicht schon vorher? Langzeitsarbeitslose ohne Perspektive auf dem ersten Arbeitsmarkt haben wir doch nicht erst seit gestern, oder? Wollten etwa die entsprechenden Stellen keinen (finanziellen) Druck auf diese Leute ausüben, damit sie für 1,05€ oder welchen geringen Betrag auch immer arbeiten und damit rasche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erhalten?

Was stimmt, ist dass wir als Gesellschaft darüber nachdenken müssen, wie wir mit den Flüchtlingen umgehen und denen eine Perspektive bieten müssen, die eine haben wollen und für die anderen Lösungen abseits des Durchfütterns finden. Wir müssen die Flüchtlinge schnellstmöglich aus dem Stand „unnütz herumsitzen“ herausholen. Allerdings scheint Herr Kulitz zu vergessen, dass Arbeitsplätze meist in der Wirtschaft geschaffen werden und ein Apell an die Politik gar nichts hilft. Wenn die Wirtschaftsverbandsvertreter nicht mehr dazu zu sagen hat, als „wir müssen die Löhne senken“, dann ist das Geschwafel.

Jürgen Rudolph

22.09.2015

Hallo,
ich finde den Beitrag gut, mutig und richtig. Wir haben aktuell vier wichtige Fragen in der Gesellschaft zu diskutieren:
(1) Wieviel Zuwanderer sind wir bereit pro Jahr aufzunehmen – und was passiert mit denen, die nicht mehr reinkommen dürfen.
(2) Wie wollen wir die Kosten dieser Menschen als Gesellschaft tragen: Hartz4 für immer / Hartz4 für X Monate mit Bedingungen – und was kommt danach?
(3) Wie weit sind wir selbst als Gesellschaft bereit diese Kosten zu finanzieren: Staatsbudgets reduzieren „wo“ / neue Schulden machen „unsere Kinder“ / Gehaltsverzicht „Beamte / Mindestlohn / Rente“ ?
(4) Was passiert mit Flüchtlingen, die mit unserem Recht in Konflikt geraten, weil sie dieses weder kennen noch bereit sind es zu akzeptieren (Gleichstellung, Freiheit, Toleranz, keine Machtanwendung): „Einsperren (wohin)“ / „Rückführen (wie/wohin)“?

Das sollten unsere Politiker & öffentliche Medien mal in die Diskussion stellen, damit sich eine Meinungsbildung in gang kommt !!!!

Dagegen sehe ich in den Medien „immer die gleichen unschönen Bilder der Flüchtlinge“ / „Wunsch-Diskussionen von Verteilschlüsseln, die kein Flüchtling einhalten wird“ / „Schlechtmachen der Ungarn, die geltendes Recht umsetzen“

Viele Grüße
Jürgen Rudolph

Anna

22.09.2015

ganz ehrlich – ein Mindestlohn sollte auch mit einer qualifizierten Ausbildung einhergehen! Ich verstehe nicht, wieso unser „Bildungsstaat“ dieses Kriterium nicht einbezogen hat. Wie sonst macht man Jugendlichen klar, dass es wichtig ist etwas zu Lernen, eine Ausbildung oder Studium zu absolvieren? Dann müsste man auch nicht über geringere Löhne für bestimmte Menschengruppen diskutieren.

Werner

22.09.2015

Ähm, ich muss lachen, wenn ich das obige Geschriebene lese. Denn ein paar Tage zuvor wurde in der Tagesschau noch berichet, die Wirtschaftsdaten für Deutschland seien auf einem guten Niveau, alle waren echt froh darüber. Und das obwohl wir den Mindestlohn eingeführt haben, staunten viele. Und hier wird wieder so getan, als könne man Flüchtlinge nicht mit dem Mindestlohn einstellen, würde ja alle Firmen in die tiefe reissen. Oh man….

Andreas Leibniz

23.09.2015

Ich stimme Ihnen zu, unter folgenden Voraussetzungen:
1.) Sie verzichten für ein Jahr auf Ihren bisher erreichten (privaten) Standard (Eigenheim, Auskommen …) und
2.) versuchen im gleichen Zeitraum , nur mit Mindestlohn in einer selbst bezahlten Mietwohnung, z.B. in Stuttgart, diesen Standard zu erreichen, oder besser, zu überleben.

Josef

23.09.2015

Sehr geehrter Herr Kulitz,

anstatt darüber nachzudenken, wie die Asylsuchenden jahrelang in Deutschland leben können, sollte besser darüber nachgedacht werden, wie die Staatengemeinschaft es schafft, diesen elendigen Bürgerkrieg in den diversen Ländern zu beenden, notfalls mit Waffengewalt, wenn es nicht anders funktioniert. Und dann sollten diese Staaten beim Aufbau geholfen werden. Und vor allem sollte dann überprüft werden, wer die Aufbauhilfen erhält, damit nicht noch mehr Waffen dafür gekauft werden!