Sieben Tipps, wie Ihr Auslandsaufenthalt garantiert ein Erfolg wird

Das Angebot ist verlockend: Ein spannender Job, gutes Gehalt, mehr Verantwortung. Einziger Haken: Der neue Arbeitsplatz liegt tausende Kilometer entfernt. Hier erfahren Sie, wie das Ihrer Karriere trotzdem helfen kann.

Personalberaterin Boenig: "Nicht jeder ist dafür geschaffen, die Heimat zu verlassen" (©Foto: privat)

Personalberaterin Boenig: „Nicht jeder ist dafür geschaffen, die Heimat zu verlassen“ (©Foto: privat)

Von Jutta Boenig, Vorstand bei der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung

1. Überlegen Sie genau, wann Sie ins Ausland gehen

Grundsätzlich gilt: Je früher, desto besser. Für alle Arbeitnehmer jenseits der 40 kann es schwierig werden, nach ihrer Rückkehr wieder in Deutschland Fuß zu fassen. Und vor allem: Wollen Sie es wirklich? Nicht jeder ist dafür gemacht, die Heimat und damit sein gewohntes Umfeld zu verlassen – auch wenn es nur für einen begrenzten Zeitraum ist.

2. Informieren Sie sich über den potentiellen Arbeitsort…

…und das nicht erst nach einer Vertragsunterschrift. China, Vietnam oder Dubai sind sicherlich interessante Wirtschaftsstandorte; das Leben vor Ort kann aber auch schnell überfordern. Lesen Sie deshalb nicht nur Bücher über die dortige Arbeitskultur, sondern suchen Sie in sozialen Netzwerken den direkten Austausch mit ehemaligen Expats – oder, noch besser: Fahren Sie in Ihre potentiell neue Heimat.

3. Pochen Sie auf einen aussagekräftigen Vertrag

In diesem sollten formale Dinge für die Dauer Ihres Einsatzes schriftlich festgelegt werden – vor allem aber für die Zeit danach. Definieren Sie, welche Position Ihnen nach Ihrer Rückkehr zusteht und holen Sie sich Rat bei einem Anwalt, der sich mit Entsendungsrecht auskennt.

4. Bleiben Sie nicht zu lange weg

Bei vielen Expats hat sich gezeigt, dass ein Aufenthalt von drei oder vier Jahren ideal ist. Wer zu lange im Ausland arbeitet, droht schnell auf einem Abstellgleis zu landen. Eine weitere Gefahr: Nach vielen Jahren im Ausland fremdeln nicht wenige Rückkehrer mit den Gepflogenheiten in ihrem Heimatland. Wer lange Zeit in Asien gelebt hat, für den wird Europa schnell zu eng.

5. Kommunizieren Sie und halten Sie den Kontakt in die Heimat

Für mich ist das der entscheidende Punkt, den viele Expats leider vernachlässigen. Suchen Sie sich einen Ansprechpartner, der während Ihrer Zeit im Ausland für Sie zuständig ist. Verabreden Sie sich mit Kollegen für wöchentliche Skype-Konferenzen zu festen Zeiten – und besprechen Sie dabei nicht nur Jobrelevantes. Schließlich ist es meist der Flurfunk, über den man jene Dinge erfährt, die über die offiziellen Kanäle nie verbreitet worden wären.

6. Werden Sie nicht überheblich

Viele Expats pflegen im Ausland einen gehobenen Lebensstil, inklusive Villa, Hauspersonal und Privatschule. Dieser Standard ist vielleicht in Asien oder in arabischen Ländern finanzierbar, doch in Deutschland kaum zu halten.

7. Wiederholen Sie die Erfahrung…

…wenn es Sie weiter bringt. Grundsätzlich spricht nichts dagegen, für ein Unternehmen mehrmals im Ausland tätig zu werden, solange die Karriere davon profitiert. Die angebotene Position sollte immer höher angesiedelt sein als Ihre derzeitige. Ist das nicht der Fall, sollten Sie vielleicht trotzdem darüber nachdenken, Neues zu wagen: Dann allerdings in einem anderen Unternehmen.

Autorenprofil
Jutta Boenig (Jahrgang 1956) ist Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung (DGfK) und Inhaberin der Boenig Beratung in Überlingen am Bodensee. Als systemischer Coach, Karriereberaterin und Wirtschaftsmediatorin berät und coacht sie seit 1994 Unternehmen und Organisationen, sowie Fach- und Führungskräfte in Veränderungsprozessen. Sie ist bundesweit, im deutschsprachigen Ausland, sowie in Italien tätig. Boenig hat ein sozialwissenschaftliches Studium mit Schwerpunkt Psychologie absolviert.

Jutta Boenig auf XING, Webseite: http://www.boenig-beratung-deutschland.de/


Zur Themenwoche „Pro und Contra Auslandsaufenthalt“

Fast zwei Millionen Deutsche arbeiten aktuell im Ausland. Was für viele als Traum beginnt, endet jedoch oft im bösen Erwachen: Firmen und Personalberater bestrafen die Rückkehrer hart; viele haben Probleme, zuhause einen neuen Job zu finden. Die Bereitschaft, ins Ausland zu gehen, sinkt deswegen stetig. Was heißt das für Sie? Wie wird der Auslandsaufenthalt zum Turbo für Ihre Karriere?

Unsere Themenwoche bietet Ihnen jeden Tag einen neuen Experten-Beitrag.

Montag, 14.09.2015

„Warum ein Indien-Aufenthalt meine Karriere beendet hat“

Volker Müller-Behncke, Unternehmer

Dienstag, 15.09.2015

„Firmen und Mitarbeiter haben Barrieren im Kopf!“

Christoph Kleinen, Partner, Heidrick & Struggles

Mittwoch, 16.09.2015

„Auslandsaufenthalte werden immer wichtiger“

Anke Schmidt, Leiterin des Global Talent Management, BASF

Donnerstag, 17.09.2015

„So holen Sie sich internationale Talente ins Haus“

Caroline Dépierre, Research Director, trendence Institut

Freitag, 18.09.2015

„7 Tipps, wie Ihr Auslandsaufenthalt garantiert ein Erfolg wird“

Jutta Boenig, Vorstand bei der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung

4 Kommentare

Rudi

18.09.2015

Das mag schon Sinn machen, wenn man sich nur an der Karriere in Großunternehmen orientiert. Für jemanden, der aufgrund von Weltoffenheit ins Ausland geht, sind diese Punkte ziemlich belanglos. Aber womöglich denke ich nach 13 Jahren Neuseeland einfach nicht mehr deutsch genug.

Lukas

18.09.2015

Grunsätzlich ein paar gute Anregungen für angehende Expats in größeren Unternehmen. Zu „Punkt 2: Reisen Sie in Ihre neue Heimat“ hätte ich eine Anmerkung: Reisen allein bringt noch nicht viel (ist aber natürlich besser als gar nichts). Wer eine Dienstreise dorthin macht, oder einen „Look-and-see“-Trip der sollte sich auf jeden Fall auch einmal selbstständig auf die Straße wagen, denn wer nur vom Firmenfahrer herumkutschiert wird und nicht die „dreckigen Winkel“ hinter den Fassaden und Promenaden gesehen hat bzw. versucht hat, dort selbst etwas zu fragen oder zu kaufen (oder auch versucht zu „überleben“), der kann sich ein normales Leben und den Kosten dort auch nicht vorstellen. Betrifft evtl. nicht das Top-Management, dass wie Sie sagen, dann in Villen mit Hauspersonal lebt, aber sicherlich interessant für den „kleinen Expat-Mann“.

Einen Satz verstehe ich jedoch rein gar nicht: „Wer lange Zeit in Asien gelebt hat, für den wird Europa schnell zu eng.“ Für mich, habe selbst in Asien jahrelang gelebt (verschiedene Standorte) und bin auch momentan wieder für 2 Jahre in China, fühlt es sich in Asien generell sehr viel beengter an als in Europa. Sei es der Verkehr, die Ubahn, Supermärkte sowie Restaurants, Wohnungsituation, ständige Überwachung, Internetsperren, Wanderverbote abseits der Pfade, etc. etc. Das alles fühlt sich für mich in Europa alles viel freier und weniger „eng“ an als in Asien. Aber vllt verstehe ich nur Ihre Aussage falsch!?

Wolfgang

18.09.2015

Da fehlen ein paar Punkte:
8. Suchen SIe auch und rechtzeitig nach Alternativen zu Ihrem jetzigen Arbeitgeber. Meiner war nach meiner Auslandszeit als Konsequenz einer existenzbedrohenden Krise an einen ausländischen Investor verkauft, der ganz andere Vorstellungen über „sein“ Personal mitbrachte. Punkt 5 ist also keinesfalls ausreichend, wenn Sie nur Kontakt zu Kollegen halten und Punkt 3 bringt Ihnen unter Umständen gar nichts.
9. Geniessen Sie den Aufenthalt. Wenn Sie es als eine Strafversetzung betrachten, wird es für Sie auch eine sein. Wenn nicht, werden Sie merken, dass es auch im Ausland Dinge gibt, die Ihnen im Deutschland der Kästchendenker helfen können.
10. Das Ausland ist sowohl Chance als auch Risiko. Ich war nach jeweils rund zwei Jahren USA, Berlin (für mich als Bayern deutschsprachiges Ausland :-), Brasilien und Russland nicht mehr „eingliederbar“ – so ein Personalmensch – so dass ich etwas unvorbereitet in die Selbstständigkeit gegangen bin. Aus heutiger Sicht bereue ich nichts. Ich habe aus jeder dieser Stationen habe ich etwas essentielles für meinen Lebensweg mitgenommen. Zwei dieser Länder haben an meiner Einstellung zum Geschäft und Leben etwas geändert, aus dem dritten habe ich meine Frau mitgebracht. Auch weiß ich, dass es, wenn es in Deutschland mal nicht mehr klappen sollte, Alternativen habe.

Reiss, Hans-Jürgen

12.10.2015

Hat ein normaler Techniker in Neuseeland und Umgebung auch eine Chance ?