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Mein Wunschjob

Ende eines Mythos: Passen Kind und Karriere doch nicht zusammen?

„Geht alles gar nicht!“: Wer Kinder und Karriere vereinbaren will, wirft besser keinen Blick auf aktuelle Sachbücher zum Thema. Die zeichnen ein ziemlich düsteres Bild. Muss man vor dem Kinderkriegen kapitulieren?

Wer Ende Zwanzig ist, will oft beides: einen Job und ein Kind. Jahrelang hat man die Ausbildung gemacht oder studiert, dann den Berufseinstieg geschafft. Die Familiengründung wäre für viele jetzt der nächste Schritt. Doch wenn der Tag im Job lang war, melden sich bei vielen die Zweifel. Schafft man das überhaupt? Oder läuft man sehenden Auges in die Überforderung?

Britta Sembach (l) und Susanne Garsoffky haben das Buch «Die Alles ist möglich-Lüge. Wieso Familie und Beruf nicht zu vereinbaren sind.» geschrieben. Beide sind Journalistinnen, Britta Sembach arbeitet außerdem als Mediatorin und Kommunikationstrainerin. Foto: Random House/Gudrun Senger

Britta Sembach (l) und Susanne Garsoffky haben das Buch «Die Alles ist möglich-Lüge. Wieso Familie und Beruf nicht zu vereinbaren sind.» geschrieben. Beide sind Journalistinnen, Britta Sembach arbeitet außerdem als Mediatorin und Kommunikationstrainerin. Foto: Random House/Gudrun Senger

Im Abstand von wenigen Monaten kamen im vergangenen Jahr mehrere Sachbücher auf den Markt, in denen es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ging. Dazu gehören etwa „Die Alles ist möglich Lüge. Wieso Familie und Beruf nicht zu vereinbaren sind“ von Susanne Garsoffky und Britta Sembach, „Geht alles gar nicht. Warum wir Kinder, Liebe und Karriere nicht vereinbaren können“ von Marc Brost und Heinrich Wefing und „Seid fruchtbar und beschwert Euch! Ein Plädoyer für Kinder – trotz allem“ von Malte Welding. Bei allen Unterschieden haben die Bücher eine gemeinsame Kernaussage: Familie und Karriere – so wie sie bisher gedacht werden – sind unvereinbar.

Die „Zeit“-Redakteure Brost und Wefing arbeiten in ihrem Buch vier Ursachen heraus, mit denen sie die Unvereinbarkeit begründen. Da ist die Beschleunigung des Arbeitslebens. Gleichzeitig brechen traditionelle Geschlechterrollen weg. Und schließlich sind da die eigenen Erwartungen: Man wollte doch etwas reißen und erfolgreich sein! Woher da noch die Zeit für ein Kind nehmen? Das Resümee ziehen die Autoren schon im Titel: „Geht alles gar nicht“.

Die Journalistinnen Garsoffky und Sembach sind in ihrem Schluss drastischer. Jahrelang hätten sie geglaubt, dass Kind und Karriere möglich ist. Kurz nach der Geburt sind sie in Vollzeit in den Job zurückgekehrt, reiben sich auf. Als die Kinder in der Grundschule sind, kündigen sie. Ihr Lebenskonzept sei gescheitert. Welding schreibt, Kinder zu bekommen, bedeute Mitglied im Fight Club zu werden. Viele noch kinderlose Berufstätige dürften nach der Lektüre mindestens verunsichert sein. Fight Club? War das nicht der Film, in dem sich Menschen in einem Keller treffen und sich gegenseitig krankenhausreif prügeln? Also alles Lüge, dass man beides haben kann?

„Wir Eltern stoßen alle an eine Grenze“

„Unser Buch ist eine Bestandsaufnahme, keine Kapitulationserklärung“, sagt Heinrich Wefing. Es sei eine Verarbeitung ihrer Situation als berufstätige Väter. Sie hätten ihren Frust aufgeschrieben, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der derzeitigen Form nicht funktioniert. Ihr Buch sei der Versuch, all den überforderten Vätern und Müttern eine Stimme zu geben und zu sagen: Wir stoßen alle an eine Grenze. Und Marc Brost ergänzt: „Niemand weiß im Moment, wie es gehen soll. Aber das bedeutet nicht, dass wir verzagt sind. Wir wollen nur, dass endlich nach Lösungen gesucht wird.“

Alle Autoren sagen klar: Um eine bessere Vereinbarkeit zu erreichen, reicht es nicht aus, dass sich die einzelnen Familien noch besser organisieren. Vielmehr müsse es neue, gesellschaftliche Konzepte geben. Doch der Einzelne kommt damit auf die Schnelle nicht weit.

Heinrich Wefing (l) und Marc Brost haben das Buch «Geht alles gar nicht. Warum wir Kinder, Liebe und Karriere nicht vereinbaren können.» geschrieben. Wefing ist Mitglied der politischen Redaktion der Zeit, Marc Brost leitet das Hauptstadtbüro der Zeit. Foto: Rowohlt Verlag/Anatol Kotte

Heinrich Wefing (l) und Marc Brost haben das Buch «Geht alles gar nicht. Warum wir Kinder, Liebe und Karriere nicht vereinbaren können.» geschrieben. Wefing ist Mitglied der politischen Redaktion der Zeit, Marc Brost leitet das Hauptstadtbüro der Zeit. Foto: Rowohlt Verlag/Anatol Kotte

„Es gibt keinen Masterplan„, sagt Lena Schröder-Dönges. Sie coacht junge Berufstätige, die überlegen, ein Kind zu bekommen, sowie junge Eltern, die nach der Babypause in den Beruf wieder einsteigen wollen. „Das kann sich vorher keiner vorstellen, was das bedeutet.“ Jedes Paar müsse seinen eigenen Weg finden. Was für eine Familie möchte man sein? Wo sind die Prioritäten? Solche Fragen lassen sich diskutieren.

Hilfreich ist sicher auch, bei der Arbeitgeberwahl darauf zu achten, wie der Betrieb zum Thema Vereinbarkeit steht, sagt Silke Mekat, Karrierecoach zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wirbt der Arbeitgeber zum Beispiel damit, familienfreundlich zu sein? Wenn das der Fall ist, sollten Bewerber ruhig mutig sein und sich erkundigen, wie das konkret aussieht, rät Mekat.

Im Nachhinein würde Susanne Garsoffky selbstbewusster einfordern, dass der Betrieb auf sie Rücksicht nehmen muss. „Wenn mehr junge Eltern lauthals mehr Rücksicht fordern würden, müsste der Einzelne auch mit weniger Konsequenzen vonseiten der Chefs rechnen.“ Junge Eltern könnten zum Beispiel eine Eltern-Lobby gründen und sich Unterstützung vom Betriebsrat holen. Sie rät außerdem dazu, sich am Anfang für die Familie mehr Zeit zu nehmen. „Nach wenigen Wochen oder Monaten wieder Vollzeit zu arbeiten, erfordert Opfer„, sagt sie. Zunächst ist das für viele in Ordnung. Doch im Laufe des Berufs- und Familienlebens kämen noch viele Opfer auf die jungen Eltern zu.

Letztendlich bleibt jedem Paar nur, seinen eigenen Weg zu finden. Brost und Wefing plädieren dafür, sich angesichts fehlender funktionierender Modelle selbst eine Geschichte zu erfinden. Eine Geschichte eines Lebensentwurfs, die man erzählen kann, ohne rot zu werden, ohne zu idealisieren und sich kleinzumachen.

(P.S. Alles halb so schlimm? Oder Stress pur? Welche Erfahrungen haben Sie beim Theme „Kind und Karriere“? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare hier unten)

Lektürehinweise:

Marc Brost und Heinrich Wefing: Geht alles gar nicht. Warum wir Kinder, Liebe und Karriere nicht vereinbaren können, Rowohlt, 240 Seiten, 16,95 Euro

Susanne Garsoffky und Britta Sembach: Die Alles ist möglich-Lüge. Wieso Familie und Beruf nicht zu vereinbaren sind, Pantheon Verlag, 256 Seiten, 17,99 Euro

Malte Welding: Seid fruchtbar und beschwert euch! Ein Plädoyer für Kinder – trotz allem, Kiwi-Paperback, 13,99 Euro

33 Kommentare

Iris Uellendahl

25.09.2015

Ich lebe in einem Land, wo im Großteil der Familie beide Elternteile berufstätig sind. In den vielleicht meisten Fällen Vollzeit. Daneben sind 3 Kinder nicht die Ausnahme sondern, wenn nicht die Norm, extrem gewöhnlich. Um noch mit ein bisschen Statistik zu kommen: Die Geburtenzahl lag hier pro Frau (2014) bei 1,7 Kindern, in Deutschland sind es 1,4. Die Bruttogeburtenzahl, also Geburten pro 1000 Einwohner in einem Jahr, lag hier 2013 bei 10,1, in Deutschland sind es 8,7. Ich lebe in Dänemark.
Ich lese die Berichte von Deutschland als Schlusslicht bei den Geburten mit Interesse, genauso die Analysen. Sind es die (vergleichsweise) schlechten Betreuungsmöglichkeiten in vielen Orten des Landes? Ist es eine Arbeitskultur, wo Meetings noch um 16 Uhr angesetzt werden, die Kollegen und der Chef komisch gucken, wenn man sagt „Heute hole ich die Kinder ab“? Ist es eine Kultur, in der Überstunden entweder von einem selbst („wenn ich hier weiter kommen will…“) oder vom Chef erwartet werden? Oder vielleicht auch eine Kultur die nicht immer gaaanz so kinderfreundlich ist (ich denke an die vielen Kopenhagener Innenhöfe, in denen es auf den hauseigenen Spielplätzen bestimmt nicht leise zugeht…)? Oder vielleicht sind da ein, zwei Generationen, die sich aus welchem Grund auch immer einfach nicht trauen, sich zu vermehren? Eine Interessante Theorie hat da die Kölner Journalistin Sabine Bode in ihrem Buch „Kriegsenkel“ aufgestellt.
Kinder und Job sind auch in Dänemark kein Sonntagsspaziergang. Das hält offensichtlich die meisten dennoch nicht davon ab, Kinder in die Welt zu setzen. Da sind in Deutschland sicher noch ein paar Rädchen, an denen zu drehen wäre.

Alexandra

28.09.2015

Hallo,

ich vermisse in diesem Artikel ein bisschen den Mehrwert. Ist alles nicht einfach, wir kommen an unsere Grenzen, es braucht Veränderung. Ein bisschen konkreter hätte es wirklich sein können! Oder ist der Mehrwert die zwei Coaches zu erwähnen????

Was konkret würde Euch als Eltern eine Erleichterung bringen? Das interessiert mich!

Beste Grüße
A.

Meike Dannenberg

28.09.2015

Erstaunlich finde ich, dass immer wieder davon gesprochen wird, dass man Kind und Karriere verbinden WILL, als sei das ein rein hedonistischer Gedanke – in einem Land, in dem gleichzeitig eine umfängliche Diskussion um zunehmend prekäre Arbeitsverhältnisse geführt wird. Nun ist es ja so, dass die Kinderbetreuung in Deutschland für die mittlere und untere Mittelschicht, also genau die Akademiker mit prekären Verträgen, reichlich teuer gemessen an dem vorhandenen Einkommen ist, meist fällt ein Betrag zwischen 300-500 Euro pro Kind monatlich an. Die Einkommensstaffelungen im Internet geben nur einen ungefähren Richtwert, z.B. bei Selbständigen wird betriebliches Minus nicht unbedingt als Abzug des Familieneinkommens gewertet, Kreditbelastungen fürs Eigenheim und Vorsorge wird nicht nach geltenden Empfehlungen in Abzug gebracht, der günstigere Kita-Platz der Kommune muss erst Mal vorhanden sein und die benötigte Betreuungszeit abdecken etc. Dazu kommen noch die weiteren üblichen Kosten eines Kindes, wie Wohnraum bei deutlich gestiegenen Mieten in Ballungszentren. Ergo: Die Frage, ob man noch Karriere machen möchte ( also mehr Geld verdienen) stellt sich eher so herum: Möchte man die nächsten zwanzig Jahre auf alle Annehmlichkeiten verzichten und Altersarmut in Kauf nehmen? Oder gehen beide Eltern arbeiten und versuchen die aktuelle und zukünftige finanzielle Belastung trotz mangelnder und teurer Betreuung, steigender Lebenshaltungskosten noch zusätzlich zu wuppen? Entscheiden sich junge Akademikerinnen, die sich die Realität der Zeitverträge in Instituten und wissenschaftsnahen Organisationen anschauen, vielleicht gegen ein Kind, weil sie keine Lust haben, erst aus dem Arbeitsmarkt aussortiert zu werden und dann finanziell in einer deutlich teureren Situation von einem Hauptverdiener, der vielleicht auch wenig abgesichert ist, abhängig zu sein? Ist er bereit, den Spieß umzudrehen? Es gibt Modelle, die die finanzielle Situation von Eltern prinzipiell verbessern könnten, über eine kostenlose Betreuung hinaus: 7% MwSt auf Kinderpflegeprodukte wie Windeln etc. Steuerfreibetrag für Kinder unabhängig vom Kindergeld. Das Ehegattensplitting für Doppelverdiener ohne Kinder oder kann man ja stattdessen abschaffen, es hemmt ohnehin nur die Gleichberechtigung. Dann gäbe es mehr entspannte Familien und das würde positiv rückwirken auf die Wahrnehmung derjenigen, die sich überlegen, was ein Kind für ihr Leben bedeutet.

Spilker

28.09.2015

Ich selbst habe zwei Kinder voll berufstätig (selbstständig und angestellt) alleine groß gezogen. Es gab sehr klare Strukturen, nicht jedem Hobby konnte gefrönt werden und es wurde nur ein Musikinstrument und/oder Malkurs je Kind gebucht.

Übrigens damals gab es noch keine Ganztagskitas und offene Ganztagsschulen. :-)

Die persönliche Selbstverwirklichung musste warten und kam dennoch nicht zu kurz.

Es ist an der Zeit Müttern flexible Arbeitszeiten, Homeoffice und Kinderbetreuungen, wenig bis garkeine Überstunden anzubieten. Viele Arbeitgeber sind mit diesem Bewusstsein leider immer noch nicht ausgestattet.

Im eigenen Familienunternehmen beschäftigen wir u.a. Mütter mit Kleinkindern und fitte Rentnerinnen. Beides sind sehr verlässliche Größen, die wir nicht missen möchten und die ein herrliches Ergänzungsmodell darstellen.

Junge Frauen habt den Mut endlich Kinder und Job zu verbinden. Es kostet Kraft doch ihr bekommt soviel unbeschreiblich Schönes geschenkt.

Achim

28.09.2015

Ich kenne diese Situation…
Wir haben selbst 4 Kinder und ich bin in einer Firma, welche „familienfreundlich“ ist, jedoch ist es definitiv schwierig, dies alles unter einem Hut zu vereinbaren. Selbst wenn man noch mehr für seine Karriere tut, bedeutet das im Ergebnis fast immer, mehr Zeit zu investieren, Zeit die sowieso schon knapp ist und vor allem auch Zeit, die anschließend in der Familie fehlt. In der Folge bedeutet das, seinen Partner mit den Herausforderungen des Familienalltags (Haushalt, Kindergarten, Schule, Vereine usw.) mehr alleine zu lassen….Will man das?!
Ausgezehrt und ausgepowert, das ist Alltag. Sich täglich nahe an seinen Grenzen zu bewegen auch.
Unterstützung gibt es nicht viel/keine.
Wir fühlen uns wie „gemeinsame Einzelkämpfer“ in unserer Gesellschaft. JA zu Kindern ist schon fast gleichzusetzen wie ein NEIN zur Gesellschaft. Wir benötigen mehr Kinder, aber bitte nicht vor meiner Haustüre, in meinem Laden, in meinem Lokal, ja sogar in der Verwandschaft!

Claudia

28.09.2015

Meiner Meinung nach wird das Thema zu negativ gesehen – Kinder sind eine finanzielle und körperliche Belastung, das lässt sich mit einem erfüllten Berufsleben nicht vereinbaren etc. etc.
Ich glaube, da muss noch viel in den
Köpfen der Berufstätigen und der Arbeitgeber passieren, damit sich mehr Familien trauen, auch mehr als maximal 1-2 Kinder in die Welt zu setzen.
Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich nur sagen: es geht. Nicht immer konfliktfrei, aber inzwischen sind meine 3 Kinder auch erwachsen geworden und studieren, sind der Karrierebewusstheit ihrer Mutter gegenüber positiv eingestellt und wollen es selber auch so machen.
Warum soll Karriere Verzicht auf ein erfülltes Familienleben sein müssen?
Wer ist da bitte so einfallslos?
Ich kann nur jedem Mut machen!
Mein einziger Hinweis – fangt früh genug mit dem Kinderkriegen an, in einer Zeit, in der man noch alles locker und unkompliziert sehen kann und auch noch flexibler ist.

Thomas Buck

28.09.2015

Hallo,

auch wenn ich mich nicht ganz der These anschließen kann, dass es gar nicht geht (schließlich funktioniert es bei uns mit 2 Kindern, das erste inzwischen im Grundschulalter), so muss man doch konstatieren, dass (neben großem Organisationstalent der Eltern) einiges zusammenkommen muss, damit es möglich wird.
Das fängt beim Job selbst an, der genug abwerfen muss, damit die Betreuung der Kinder bezahlbar wird. Auch der Arbeitgeber muss mitspielen, so dass Home Office und kurzfristige Arbeitszeitänderungen möglich sind. Auch muss man die richtige Betreuung (Tagesmutter/Krippe/KiTa) erst einmal finden (mit entsprechend freiem Platz, versteht sich). Außerdem hat es sich bei uns natürlich als hilfreich herausgestellt, dass unsere Kinder sehr selten krank sind. Wenn diese Voraussetzungen alle stimmen, ist so etwas tatsächlich noch möglich, selbst wenn (wie in unserem Fall) Oma und Opa weit weg sind.
Genau letzteres ist aber mit ein Problem in der heutigen Zeit: durch das wegbrechen der traditionellen Familienstrukturen (wegziehen zum Arbeitsplatz, spätes Kinderkriegen und damit entsprechend alte Großeltern) beraubt man sich einer ansonsten großartigen Unterstützung, die sicherlich noch dass eine oder andere möglich machen würde.

Thorben Kaufmann

28.09.2015

Natürlich geht das alles gar nicht. Aber die Ursache liegt doch nicht in der Sache an sich begraben, sondern ist eher in der Umgebung zu suchen. Sehr einseitig finde ich die Ansicht, daß sich Kind und Karriere nicht vereinbaren lassen. Sehr eingeschränkt das Bild, man müsse 10, besser 12 Stunden/d arbeiten, um etwas „zu schaffen“. Das ist ein Bild, was gelehrt wird, das sind Muster, die durch eine kranke Gesellschaft, eine desaströse Auslegung der Wertschöpfungskette und den Hang zur Selbstpeinigung bedient werden. Es fehlt in userem Land nicht an Geld. Es fehlt nur dort, wo der „normale“ Mensch, als wichtigstes Mitglied dieser Wertschöfpungskette, nur wenig von den Früchten hat. Das wiederum liegt eigentlich nur daran, daß Konzern-Industrie und Finanz-Liberalisten diesem Land nichts zollen. Nun wird bestimmt wieder die alte Leier kommen von „wir sind aber von diesen beiden Industrien abhängig und wenn wir es ihnen zu schwer machen, gehen sie woanders hin“. Ja, und? – kann man da nur fragen. Die sozial wirksamsten Unternehmen sitzen nach wie vor im Mittelstand. Die höchsten Margen durch Automatisierung etc. sind aber in den internationalen Konzernen zu finden. Diese haben grandiose Möglichkeiten der Steuerregulation. Der sogenannte „Gesetzgeber“ in unserem Land unterstützt genau diese Gruppe aber mit Vorzügen. Genau diese Gruppe ist es aber, die nicht wirklich langfristig oder gar volkswirtschaftlich denkt, sondern eher kurz- bis mittelfristig Gewinnorientiert. Würde auch nur ein wenig mehr zu denen zurückfließen, die es diesen Konzernen möglich gemacht haben, so groß zu werden (das ist nun mal der „kleine Mann“ und nicht nur die „dicke Hose“), hätten wir auch andere Möglichkeiten.
Gestützt wird dieses System von Kollaborateuren in der Politik, die nicht einmal vor Bankenrettungen etc. zurückschrecken. Letzteres ist für mich der pure Sozialismus.
Mehr und mehr sollte man sich die Frage stellen, ob es eine soziale Marktwirtschaft ist, in der wir in Deutschland leben, oder doch eher eine sozialistische Planwirtschaft (das ZK sitzt in Brüssel) bzw. nach dem selben Prinzip arbeitende Kapital-Diktatur.
Ein Beitrag von Iris Uellendahl zeigt genau das, was eben auch möglich ist(!). Die gesamten „Bemühungen“ des Work-Life-Balance-Bullshits, der zusehends in deutsche Konzerne etabliert wird, hat für mich nur einen Hintergrund: Dem Mitarbeiter zu suggerieren, er sei als Mensch(!) wirklich wichtig. Mir scheint da eher ein „Kraft-durch-Freude“ Programm hinter zu stecken. Forderungen nach partieller Senkung der Steuern (s.o.) für Pflegeprodukte finde ich obskur! Niemand zwingt Eltern den teuren Müll zu kaufen. Kinderwagen, die nach einem Kind durch sind (1500€), Wegwerf-Windeln (das kann man auch mit Stoffwindeln – auch wenn sie es nicht glauben…).
Das Problem liegt doch im großen Ganzen, nicht im Supermarkt. Das Problem liegt in einer duckmäuserigen Gesellschaft, die noch Danke sagt, wenn man auf ihr rumtritt.

Hendrik Stoffers

28.09.2015

Und wieder wird die Diskussion falsch geführt…

1. Warum reden denn alle nur über „Kind und Karriere“? Muss man denn unbedingt gleichzeitig die Leiter immer höher klettern, UND einen Rund-um-die-Uhr-Job bestreiten, den ein kleines Kind bedeutet? Warum reicht es uns denn nicht, während der Kinderjahre beruflich am Ball zu bleiben, statt ständig nach mehr zu streben? Vielleicht sollten wir endlich anfangen, über unsere Ansprüche nachzudenken.

2. Schuld an der ganzen Misere sind doch (neben einer Menge Rahmenbedingungen auf politischer Seite, aber darüber lasse ich lieber andere Kommentatoren referieren, denn diese Themen bleiben nie unerwähnt) wir Männer. Zwei, vielleicht drei Monate Elternzeit, und sonst 40 Stunden und mehr im Büro, die Frau wird’s schon richten. So geht das nicht. Dann heißt es nämlich abends auch ganz schnell „ich bin jetzt platt, mach Du“. Aller Neue-Väter-Diskussion zum Trotz ziehen sich viel zu viele viel zu sehr aus der Verantwortung zurück. Und um das schlechte Gewissen zu beruhigen, werden die Kinder dann am Wochenende auf dem Fußballplatz, im Freizeitpark und sonst wo bespaßt – das nennt man dann „Quality Time“. Ist ja auch viel bequemer, wenn das Kind mit Bällen und Achterbahnen interagiert, da muss man selbst nicht so viel denken, gar eigene Spiele erfinden etc.

Ich habe die erwähnten Bücher nicht gelesen, und habe das auch nicht vor. Recht haben sie sicher in der Kernaussage, dass nicht „alles“ möglich ist. Sie impliziert aber fälschlicherweise, dass „alles“ auch notwendig sei. Wir müssen uns einfach mal die Frage stellen, was davon denn wann wichtig ist. Und dann als Eltern gemeinsam an einem Strang ziehen. Und das bedeutet, die Lasten wirklich fair zu teilen – und nicht berufliche Arbeit gegen Familienarbeit aufzurechnen. Dafür sind die Anforderungen zu unterschiedlich, es gibt keine Möglichkeit, faire Vergleiche zu ziehen. Nur, wenn beide gleichermaßen zum Familieneinkommen beitragen (in Stunden, nicht in Euro!), kann auch die Familienarbeit gleich aufgeteilt werden, nur dann entsteht eine Situation, in der ich mich regelmäßig damit beschäftige, meinen Partner zu entlasten, um Gleichheit (wieder-)herzustellen. Denn die Voraussetzung dafür ist, die Belastung des anderen zu kennen und zu erkennen.

Übrigens haben Unternehmen wie Facebook bereits erkannt, dass nicht alles auf einmal geht. Und wenn wir es mit uns machen lassen, werden sie ihre Antwort (Social Freezing) durchsetzen. Ich hoffe, dass wir das nicht mit uns machen lassen. Wir bekommen unsere Kinder durch lange Ausbildungszeiten sowieso schon viel zu spät.

Ulrike

28.09.2015

Auch mein Mann und ich waren mit zwei Kindern immer berufstätig und sind es auch heute noch. Klar, das bedeutet organisieren und wenig Zeit für sich selbst. Aber wir teilen uns die Aufgabe. Selbst mein Mann als Wirtschaftsprüfer (das ist eine stockkonservative Branche) holt die Kids zweimal die Woche um 16:00 Uhr aus der Kinderbetreuung ab – die Kommunikation in Richtung Arbeitgeber war, dass wir eben beide arbeiten und uns die Aufgabe teilen. Es hat seiner Karriere nicht geschadet. Ich denke, dass insbesondere Männer hier viel mehr Selbstbewusstsein zeigen sollten, einen guten Mitarbeiter verliert auch ein Arbeitgeber ungern. Da nimmt man dann doch lieber in Kauf, dass dieser unter der Woche auch mal früher weg ist (und ggf. dann abends noch von zu Hause arbeitet, wenn notwendig). Und bei mir ist es genauso, mein Arbeitgeber akzeptiert unser Lebensmodell und ist froh, dass er trotzdem immer auf mich zählen kann. Für uns ist es ein Geben und Nehmen.
Unsere Kinder gehen den ganzen Tag in die Kita bzw. in die Schulbetreuung und sind sehr selbstständig. Ich gebe auch zu, dass wir sehr viel Glück mit beiden haben, es sind problemlose Kinder und auch in der Schule läuft es bei dem Großen sehr gut, ohne dass wir die ganze Zeit dahinter her sein müssen.
Was ich aber für ganz wichtig halte: jede Familie sollte für sich eine eigene Entscheidung über ihr Lebensmodell treffen. Ich kenne genug Frauen, die gar nicht arbeiten und keine Karriere wollen und bei denen der Mann seiner Karriere nachgeht (den umgekehrten Fall kenne ich leider weniger) – auch OK, wenn auch nichts für mich…
Alles in allem finde ich es wichtig dass unsere Gesellschaft einfach offener wird und verschiedene Lebensmodelle akzeptiert. Auch das Arbeitsleben gibt so viel Flexibilität her wie nie – warum nutzen wir die Chancen nicht und sehen immer nur das Negative?

Andreas

28.09.2015

Denkt man einmal ganz in Ruhe nach, so ist war die Entwicklung des Menschen und nicht nur des Menschen, einem ständigen Wandel unterzogen.
Das Leben ist und bleibt von an beginn nicht kalkulierbar.
Generationen vor uns hatten es erheblich schwerer, waren aber auch nicht so anspruchsvoll wie wir heute. Sie waren erfolgreich oder auch nicht, genau so wie heute.
Eines haben sie wahrscheinlich nicht gemacht, nach Sachbüchern ihr leben gestaltet.

Christopher Temt

28.09.2015

Ich bin der Überzeugung, dass das Eltersein auch neue Kompetenzen und Fähigkeiten mit sich bringt, die in Betrieben gebraucht werden können. Nur dazu gibt es fast keine Untersuchungen und Daten.

Solidarität unter den Eltern ist wichtig, aber es braucht auch einer Solidarität der „noch-nicht“-Eltern – auch aus Eigeninteresse.

Tilsner

28.09.2015

Wir haben 2 Kinder großgezogen, trotzdem jeder seinen Volltimejob hatte. Wir haben sogar auch nebenbei studiert und haben alles unter einen Hut bekommen. Es war eine andere Zeit, denn wir haben unsere Kinder mit 20 Jahren und nicht mit 30 Jahren geplant und bekommen. Heute kann ich den Eltern nur empfehlen, nicht im Angestelltenverhältnis, sondern im Home Business zu arbeiten. Das geht hervorragend!!!

Frank

28.09.2015

@Thorben Kaufmann,

Zitat: „… Es fehlt in userem Land nicht an Geld. Es fehlt nur dort, wo der „normale“ Mensch, als wichtigstes Mitglied dieser Wertschöfpungskette, nur wenig von den Früchten hat. Das wiederum liegt eigentlich nur daran, daß Konzern-Industrie und Finanz-Liberalisten diesem Land nichts zollen. Nun wird bestimmt wieder die alte Leier kommen von „wir sind aber von diesen beiden Industrien abhängig und wenn wir es ihnen zu schwer machen, gehen sie woanders hin“. Ja, und? – kann man da nur fragen….“

Danke Ihnen sehr für diese sehr treffende Analyse, die es in wenigen Worten auf den Punkt bringt.

Das Stichwort ist „Abhängigkeit“ – damit fängt man sie alle – auch sich selbst…;-)

Rene

28.09.2015

Immer wieder interessant, wie zielstrebig sich auf Vergleiche und Statistiken geworfen wird. Das sind Infos aus dem jetzt, oder aus der Vergangenheit die auf das jetzt nicht mehr anzuwenden sind. Was sagen die also aus? Nicht das, was man eigentlich will, nämlich die Frage lösen, wo man die Menschheit in der Zukunft sieht. Und möchte ich perspektivlose Kinder um die sich leider zu wenig oder falsch gekümmert wurde oder mag ich aufgeweckte, clevere Kinder die genug Zeit mit Ihren Eltern hatten um ein gesundes Urvertrauen aufzubauen um dann die Gesellschaft mit neuen Impulsen fluten zu können? Zweitens bringt uns weiter oder macht uns glücklicher. Ersteres praktizieren wir ob des weltweiten, ungeregelten Turbokapitalismus. Und nu?

Natürlich ist es möglich Job und Karriere zu verbinden. Aber nicht mit maximalem Engagement für beide Seiten. Es ist ein fliessender Übergang und jeder muss sich für den Punkt dazwischen entscheiden, an dem er dies bewerkstelligen möchte. Leider! Denn wer Karriere machen will hat wenig Zeit für seine Kinder, das lässt sich in unserer Gesellschaft nicht schönreden. Aber das trifft nicht nur Karriere Leute, sondern mittlerweile alle. Jeder Arbeiter wird bis zur eigenen Grenze und darüber hinaus in die ökonomische Linie der Firma eingebaut. Und die Linie ist in der Regel auf maximalen Gewinn ausgelegt. Dank der Gier der Spitzen (oder z.B. des Aktienmarktes und damit der Gier mehrerer) aber massiv in die soziale Vernichtung verschoben. So ist der Mensch wie Ungeziefer das immer wieder sein eigenes Umfeld zerstört. Wo will man da anfangen? Das weltweite kapitale System an sich ist schon recht weit geschlossen und durch ausreichend Mittel (und damit Einfluss auf Regierungen) der Führenden Firmen abgesichert. Das ist keine Verschwörungstheorie sonder die Realität, was können Sich große Konzerne so alles erlauben?

Einzelne Punkte anzugehen ist nur Aktionismus der zu Wählerstimmen führen kann, aber eine grundlegende Diskussion über den weltweiten Ansatz würde mehr Kluge und genügsame Leute in den Spitzenpositionen erfordern. Die würde es aber nur geben, wenn man SEELISCH GESUNDE UND SOZIALE KINDER aufziehen könnte, was eben in der Denkweise der „zivilisierten Menschheit“ nicht ausreichend Berücksichtigung findet. Jeder müsste seine Gier für das Gesamtwohl zurückdrehen. Das wird aber nie passieren, so ticken heute lebende Menschen (noch?) nicht. Wir sind noch Barbaren mit Ansätzen von Regeln die fast nie richtig greifen oder umgangen werden können. Wir quirlen im Mist und werden auf absehbare Zeit keine echte Lösung finden. Da fehlen sozial denkende Idealisten an den Spitzen, denn die Konzerne steuern die Länder, weniger die Politik.

Wie könnte man das ändern?

– Als Erstes Patente abschaffen, das Wissen und deren Anwendung muss allen gehören und erlaubt sein, egal zu welchem Zweck. Warum muss ich nach 10 Jahren immer noch für eine Idee bezahlt werden, obwohl ich lange nichts mehr gemacht habe, das ist kein Mehrwert für die Gesellschaft. Ideen und Entwicklungen basieren ja auch auf dem Wissen, dass man in der Regel kostenlos von der Gesellschaft erlangt und wird nicht in die Wiege gelegt. Und was ist genial oder wer ein Genie? Einfach die „andere“ Amwendung des Wissens, das man erlangt hat. Also ist anders denken vielleicht auch schon genial?

– Des Weiteren alles offenlegen was jeden betrifft, wozu brauchen Firmen Geheimnisse? Die dienen nur der Anhäufung von Macht für Einzelne. Ginge mit dem vorigen Absatz aber einher.

– Und die Abschaffung von Möglichkeiten Geld aus dem Nichts zu generieren, nur durch das Verschieben von virtuellen Vorgängen (z.B. sowas wie Börsen oder Kredite). Viele OpenSource Ansätze zeigen den Gewinn und die Veränderung die damit einhergehen kann. Auch hier entstehen de facto größere Firmen, obwohl es jeder machen könnte. Der engagiertere gewinnt automatisch mehr. Nur können hier auch die nicht so engagierten einen kleinen Teil davon nutzen und geben sich ggf. damit auch zufrieden. Die Vorreiter einer Technologie oder von Wissen haben schon immer die Nase vorn gehabt und damit Anerkennung bekommen. Wir würden damit sogar wieder Aussteiger und perspektivlose einfangen, die sich wieder mit Themen beschäftigen dürften, die ihnen Spaß machen.

– Anerkennung ohne Geld anhäufen zu müssen sollte also ein Ziel lauten. Stichwort Selbstverwirklichung. Bevor sich die Arbeit nicht wieder auf viele verteilt, sondern auf immer weniger konzentriert, werden wir auch nicht entscheiden können wie viel wir arbeiten um unsere Wünsche nach Familie und Anerkennung entwickeln und einteilen zu können. Denn darum gehts es eigentlich, um Anerkennung. Und die erlangt man leichter durch Taten als durch rücksichtsloses Ausbeuten Anderer oder durch Hamsterrad fahren.

Zumn Schluss hätten wir dann mehr Wahl, wie viel wir uns engagieren und können damit den Punkt zwischen Arbeit und Familie immer wieder neu beurteilen. Derzeit schreiben uns die grossen Firmen den Aufwand vor, den wir benötigen um nicht von der Bildfläche zu verschwinden. Da halten wir nicht ewig mit und irgendwas oder irgendwer fällt dem zum Ofper, ich würde sagen die so tetulierte Mittelschicht.

Fazit: Kümmert Euch erst um Eure Kinder und erschafft ihnen damit eine bessere Zukunft. Kinder sind dafür da, die Menscheit nicht aussterben zu lassen, dafür brauchen sie unsere Hilfe. Karriere ist ein falsches Konzept, jeder sollte machen, was ihm liegt. Dann muss ein Chef auch nicht mehr verdienen, nur weil er macht, was ihm liegt. Genug miese Chefs gibts nun leider auch wie Sand am mehr, das wäre dann auch wieder besser. Kaum einer arbeitet für zwei, die Aufgaben sind nur anders verteilt. Verantwortung übernimmt doch sowieso kaum mehr einer.

Macht natürlich kaum einer den ersten Schritt, ich wollte es ja nur angemerkt haben :)

Übrigens hab ich mich für mehr Familie entschieden und erhalte regelmäßig die Anerkennung für tolle Kindern. Wenn die dann später mal eine Besserung für alle bewirken, ist meine These aufgegangen und der bessere Weg für mich bewiesen, auch ohne Kontrollgruppe.

rene

Serghei G.

28.09.2015

Sehr spannende Diskussion, die sicherlich nicht in einem Blog, Buch oder Kommentar abschliessend beleuchtet werden kann. Aus der Praxis ist mir bekannt, dass ein Kind im CV negativen Eindruck erzeugt. Viele erfolgreiche Berufstätige, die ich kenne, „verbergen“ dies. Die Annahme, dass Kinder das Potential einschränken, ist meiner Meinung nach unbegründet. Die Erfahrung mit Kindern ist ja eine der grössten Entwicklungen, die ein erwachsener Mensch machen kann. Da sind Fortbildungen und Management Kurse ein Witz dagegen. Berufstätige Eltern müssen organisiert Leben und planen – das ist real life management.
Thorben Kaufmann muss ich Recht geben, dass der Gesetzgeber den Mittelstand schikaniert. Die Apotheke, als eine der familienfreundlichsten Betriebsformen, wird seit Jahren extrem benachteiligt, so dass es bereits jetzt immer weniger Apotheken gibt. Die Apotheke bietet vor allem Frauen enorme Möglichkeiten und Flexibilität, um das Berufsleben mit der Familie zu vereinbaren.
Im Artikel fehlt mir der Hinweis, dass es immer mehr Burn Out Diagnosen vor allem bei Frauen aufgrund der steigenden Belastung Beruf plus Familie gibt. Ist scheinbar noch ein Tabu.
Lasst uns bitte nicht vergessen, dass Deutschland nicht das einzige Land mit den Schwierigkeiten ist. Und so schlimm ist es nicht. Wenn das „Wir“, die Familie, wichtiger ist als das „Ich“ in der Karriere, dann erreicht man sehr viel mehr, als man glaubt im Alleingang schaffen zu können.

PMar

28.09.2015

Der Trend geht zur Zeitarbeit, mal hier mal da, deutschlandweit. Wie soll das gehen mit Familile im Schlepptau, egal ob mit oder ohne Kind, denn die Partnerin hat heutzutage auch einen Job. Singles haben da klare Vorteile.

Annette Schmidt

28.09.2015

Kindergartenkinder können von ihren Eltern dazu erzogen werden, alleine nach Hause zu gehen! Es muss erlaubt sein, Kinder ohne Abholung gehen zu lassen!
Als ich meine Kindergarten- und Volksschulwege alleine zurückgelegt habe, gab es mehr Unfälle als jetzt! Erziehung enthält „ziehen“! Keine Helikoptereltern durch Gesetze und Verordnungen unterstützen! Damit schafft man kaputte Kinder!

Monika Kempf

28.09.2015

Ich lebe in Belgien, mit Ganztags-Babybetreuung/ Kinderbetreuung, Ganztagsschulen, KrankesKindZuhauseService und Ganztags-Ferienprogramm, für Berufstätige ausgerichtet.
In Deutschland auf dem Land hätte es schlecht für mich ausgesehen.
Hier gehen die Kinder bei einer Scheidung eine Woche zu der Mutter und eine komplette Woche zum Vater. Daher kennen ziemlich viele Leute beider Geschlechter, was es bedeutet, ein krankes Kind Zuhause zu haben oder ein Kind abholen zu müssen. Da sich auch in Geschäftsleitungen Menschen scheiden lassen, kann das die Augen öffnen und entspannteren und rücksichtsvolleren Umgang überhaupt mit sich bringen.

Natürlich muss sich unsere Arbeitswelt mehr an das Leben mit Kindern anpassen. Die Kinder sind unsere Zukunft, unsere späteren Macher. Was passiert sonst mit den Vätern, die Karriere machen? Die verpassen viel zu viel, verpassen Einfluss zu nehmen, Präsenz zu zeigen, die die Kinder für ihre Entwicklung brauchen.

Ich arbeite viel von Zuhause. Verliere dadurch nicht die zwei Stunden täglich auf der Straße und kann auch arbeiten, wenn ich ein krankes Kind habe. Und ich arbeite oft, wenn die Kinder schlafen.
Mehr Flexibilität stünde uns allen gut. So wie es jetzt in Deutschland organisiert ist, kann man einer jungen Frau nicht raten, auch nur ein Jahr im Beruf auszusetzen. Bei Scheidung zahlt sie alleine den Preis für die verpasste Karriere, denn nach 3 Jahren bekommt sie für sich keinen Ausgleich mehr vom Vater der Kinder.

DanH

28.09.2015

Viele Dinge sind in den bisherigen Kommentaren schon angesprochen worden.
Drei Dinge möchte ich an dem Beispiel unserer Familie (3 Kinder, inzwischen 12, 16, 22, beide Eltern immer berufstätig) noch einmal hervorheben:
1. Wenn man Kinder möchte, hat dies Auswirkungen auf die Karriere.
…und das ist nicht einmal negativ. Ich muss mich nur von dem Gedanken verabschieden, dass beide Partner gleichzeitig jeden Posten bis hin zum Vorstandschef eines DAX-Konzerns erreichen können. Kinder sollten mindestens einen ebenso wichtigen Anteil am Leben einnehmen wie die Arbeit. (Meine persönliche Überzeugung: man gewinnt sogar mehr zurück, wenn man die Kinder wichtiger nimmt als seine Arbeit) Unabdingbar dabei ist, dass beide Partner alle Entscheidungen mittragen und nicht nur die/der eine immer zurücksteckt. Aus unserer Familie: sowohl meine Frau als auch ich haben mehrmals „Karriere“-Stellen ausgeschlagen, die einen Umzug der gesamten Familie nach sich gezogen hätten. Unsere Begründung: dies wollten wir unseren Kindern nicht zumuten, auch oder gerade nicht im Jugendalter. Man kann auch einmal mit der aktuellen Position zufrieden sein. Stillstand ist nicht immer Rückschritt.
2. Nicht jede Arbeitsstelle ist kindergeeignet!
Fairerweise muss man festhalten: wenn ich als Arbeitnehmer (fast) immer an meiner Arbeitsstelle anwesend sein muss, ist die Vereinbarkeit deutlich geringer als z.B. bei einer Arbeit im Home Office. Auf der anderen Seite nimmt die Zahl der Arbeitsplätze zu, bei denen man zumindest ab und zu aus der Ferne arbeiten kann. Hier hilft sicherlich eine richtige Berufswahl (auch innerhalb eines Berufsfeldes gibt es immer mehrere Möglichkeiten). Je flexibler die Arbeit eingeteilt werden kann, umso einfacher. Im Gegenzug muss man dann vermutlich in Kauf nehmen, dass der ordentliche Feierabend vor dem Fernseher auf die wieder kinderfreie Zeit verschoben wird – noch ein Vorteil beim aktuellen Fernsehprogramm ;-)
Übrigens: die Kinderbetreuung ist im Kleinkindalter noch am einfachsten. Wirklich schwierig wird es unserer Erfahrung nach nach der Grundschule, wenn die Kinder unregelmäßig Unterricht haben und die Ganztagsbetreuung deutlich ausgedünnt ist. Dazu kommen gestiegene Anforderungen an die Mithilfe bei Hausaufgaben, Vokabellernen etc.. Damit man alle diese Anforderungen bewältigt, ist es notwendig, sowohl bei der Arbeit als auch bei der Kindererziehung den Spaß-Faktor nicht aus dem Auge zu verlieren. Ich muss (durchschnittlich betrachtet) etwas leisten wollen, nicht müssen!
3. Fangt frühzeitig an, Kinder zu bekommen.
Im Studium hat man die meiste Zeit, das Heranwachsen seiner Kinder mitzubekommen, selbst wenn dies angesichts der immer mehr durchstrukturierten Studienpläne und enger werdenden Zeitvorgaben für die Studienzeit schwieriger wird. Glaubt nicht, dass die Karriere erst abgeschlossen sein muss, wenn der Nachwuchs geplant wird. Man wird auch feststellen, dass man in jüngeren Jahren deutlich mehr Kraft hat als z.B. mit 35-40. Durchwachte Nächte lassen sich besser aushalten, wenn man noch nicht 8 Stunden Schlaf braucht, um einen Arbeitstag zu meistern.
Als Fazit: Ich möchte jeder Familie, jedem Paar Mut machen, Kinder in die Lebensplanung mit aufzunehmen. 3 sind dabei noch besser als 2, aus eigener Erfahrung. Wenn man die finanzielle Komponente einmal außer Acht lässt – was bei der Frage Karriere oder Kinder vermutlich gegeben sein sollte – dann sind Kinder unbezahlbar. Kein anderer Mensch wird uns so lieben, uns so vertrauen wie unsere Kinder! Selten erlebt man soviel ehrliche Freude (und manchen Frust) wie mit ihnen. Sie heranwachsen zu sehen ist besser als jede Beförderung oder eine Incentive-Reise. Ich wünsche dazu alles Gute!

Danni

28.09.2015

Das habe ich auch lernen müssen, diese Unvereinbarkeit. Ich hatte mir vorgestellt, es müsse gehen, Familie und Beruf. Wir sind ja schließlich zwei Ingenieure mit gleichen Chancen. Meine Eltern haben das auch geschafft, allerdings zu DDR Zeiten. Pustekuchen im Westen, mehr oder weniger: beim ersten Kind haben wir noch die Betreuung geteilt, jeder ein halbes Jahr zuhause. Das wars dann auch schon: mein Mann hat gemerkt, dass das halbe Jahr ihn beruflich zurückgeworfen hat. Damit hatte ich dann die ganzen Jahre die Teilzeit und ein weiteres Erziehungshalbjahr geerbt. Seitdem hänge ich beruflich hinterher. Aber für die Kinder würde ich das wieder tun. Das war der Teil „jeder muss seinen eigenen Weg finden“ :-(
Jetzt der richtige Weg aus meiner Sicht:
Ich sehe nur eine gesamtgesellschaftliche Lösung. Wenn GENUG Erzieher in den Einrichtingen wären, mit einer entsprechenden GUTEN pädagogischen Ausbildung, dann fühlen die Kinder sich auch wohl, ohne Stress, und man gibt seine Kinder mit gutem Gewissen dahin.
Das Umdenken der Unternehmen dagegen ist nicht nur mit Geld zu erreichen. Die Hoffnung ist, dass viele Kinder „automatisch“ auch eine Änderung in der Arbeitskultur ergeben? Kann lange dauern. Strengere Gesetzesvorschriften könnten mehr bewirken (gibt es dazu Ideen?).
Ich gebe die Hoffnung nicht auf, wenn auch nicht mehr für mich, dann für die nächsten jungen Familien.

Tanja Schmidt

28.09.2015

So nun muß ich aber mal Dampf ablassen. Ich selbst habe alle Höhen und Tiefen der Vereinbarkeit von Kind und Beruf erlebt. Ja heute eine 14 jährige und sehr selbstbewusste Tochter. Mit 6 Monaten zur Tagesmutter,
dann Gründung eines privaten Kinderhauses, hier sind Musik- und Englischlehrer eingetroffen und wir Eltern sparten uns den Transfer. Später Hausi- Betreuung und Freizeitaktivitäten erschaffen mit ganz tollen Menschen die wie wir Familie, Beruf und Freizeit versuchten im Einklang zu verbringen. In den wenigsten Fällen waren Großeltern vor Ort und wir schufen Öffnungszeiten von 7.00 – 20.00 Uhr. Nach Vereinbarung auch später wenn Flüge und Termine sich verspäteten. Man konnte musste aber nicht. Heute sind wir froh, unsere Kinder nabeln sich wieder ab und wir kommen beruflich weiter wie andere kinderlose Paare auch. Vor 13 Jahren gab es ewig lange Wartelisten für Kinderbetreuung. Geht nicht gibts nicht. Und heute sind wir stolz auf das was heran wächst – auf unsere Kinder und ich kann nur den Kopf über Leute schütteln, die behaupten das ist nicht möglich. Ich selbst bin im Außendienst eines Großhandels, eine Branche die noch immer von Männern dominiert wird. Mehr Mut liebe Frauen, Kinder geben auch so viel Kraft, Ausdauer und Freude. Ein jeder sollte selbst entscheiden, aber bitte keine derartigen Äußerungen. ….

J. Merkle

28.09.2015

Ein Aspekt kommt mir sowohl im Artikel als auch in sämtlichen Kommentaren (sofern ich nichts übersehen habe) zu kurz bzw gar nicht vor: das Kindeswohl!
Klar, das ist nicht das eigentliche Thema, und doch ist es schlicht nicht aus dieser Diskussion herauszulösen. Die Kinder sind doch die einzig wirklich Leidtragenden in dieser Misere. Die Ansprüche der Eltern dürfen bestehen, sollten aber immer unter Beachtung des Kindeswohles versucht werden zu befriedigen.
Mit Kindeswohl meine ich z.B. die Zeit, die die Kinder mit ihren Eltern (beiden! sofern vorhanden) haben und wie diese Zeit gefüllt ist. Und hier liegt der Hund begraben! Denn es ist in unserer Gesellschaft zum Einen kaum möglich, genug Zeit zu haben (ohne eben die Karriere zu vernachlässigen oder genug Geld für einen Haushalt mit Kindern zu verdienen) oder aber es ist schlicht nicht schick, zuhause zu bleiben und nur einer geht arbeiten. Man will halt Kinder haben, aber trotzdem so weiter machen wie bisher im Leben. Das läuft halt nicht – jedenfalls nicht in der Arbeitswelt wie wir sie derzeit in Deutschland vorfinden.
Dazu kommt noch eine völlig unsinnige Stigmatisierung derjenigen (vor allem Mütter; Väter komischerweise nicht so), die für das Kind komplett oder halt ein paar Jahre zuhause bleiben.
Dabei tun diese der Volkswirtschaft noch den größeren Gefallen, da sie keine teuren Vonanfangan-Betreuungskosten verursachen.

Christian Podlewski

28.09.2015

Meine Frau und ich haben für heutige Verhältnisse früh geheiratet (ich war 21, meine Frau 23 Jahre alt) und gemeinsam studiert. Das war für uns sehr schön, weil wir ein paar Jahre für uns, für unsere Hobbies und für unsere berufliche Entwicklung hatten. Unser Sohn ist jetzt 26 Monate alt und wir genießen die gemeinsame Zeit mit ihm. Für uns waren also nicht so sehr die gesellschaftlichen oder familienpolitischen Bedingungen entscheidend, sondern vielmehr das richtige Timing und ein gemeinsames Wertebild. Ich möchte nicht in Abrede stellen, dass die ökonomischen Verhältnisse für Familien nebensächlich sind, insbesondere für Menschen, die in unsicheren Arbeitsverhältnissen tätig sind und ein geringes Einkommen haben. Für uns war auch die Prämisse, dass wir unser erstes Kind bekommen möchten, wenn wir unbefristete Arbeitsverträge haben, aber wir hätten den Kinderwunsch nicht aufgegeben, wenn es anders gekommen wäre. Ich denke, dass die finanzielle Absicherung erst an dritter Stelle der die Familienplanung begünstigenden Faktoren steht. Das Wertebild, aus dem sich die Prioritäten für das gemeinsame Leben ergeben und ein verständnisvoller Arbeitgeber sind nach meinem derzeitigen Empfinden bedeutsamer. Bei letzterem meine ich vor allem Verständnis dafür, dass man – auch als Vater – Elternteil ist und für seine Kinder dieselbe Verantwortung trägt, wie der andere Ehepartner. Das bedeutet konkret, dass man mit seinem Kind zu Hause bleiben kann, wenn es erkrankt, die Kita geschlossen hat oder sein Kind von der Kita abholen muss. Um Gegenzug sehe ich mich als Arbeitnehmer in der Verantwortung, meine Arbeit zu leisten. Nicht weniger, als meine Kolleginnen und Kollegen ohne Kinder. Nur zu etwas anderen Zeiten. Wünschenswert wäre, wenn sich bei Arbeitgebern die Bereitschaft verbreiten würde, diese Flexibilität zu gewähren und sie Vertrauen in die Leistungsbereitschaft ihrer Angestellten demonstrieren – mich motiviert das bei meinem Arbeitgeber zumindest deutlich mehr als eine Gehaltserhöhung. Denn es bedeutet, dass ich Zeit für meine Familie habe. Auf weitere Hobbies kann ich dann verzichten.

Joblait

29.09.2015

Es ist vor allem ein deutsches Problem, ich sehe es immer wieder im Vergleich mit Freunden im Ausland: Wir können und wollen es irgendwie nicht anders.

1. Unflexibilität der Arbeit
Ich habe Freunde in der Agenturszene in Zürich, die konnten wegen ihrer Kinder einfach prozentual Ihre Arbeitszeit verkürzen auf 60, 75 oder 80 %, völlig flexibel und ohne große Probleme (und das in einer Branche, in der in Deutschland fast niemand Kinder bekommt).
Telearbeit war der Hype der 90er, was ist daraus geworden? Wieviele dürfen denn wirklich von zuhause aus arbeiten? Ein sehr geringer Prozentsatz. Präsenz zeigen und bloss nicht pünktlich Feierabend machen lautet die Maxime, sonst gilt man schnell als faul.

2. Das Problem mit den Betreuungskosten.
Warum soll in Deutschland eigentlich die Allgemeinheit dafür aufkommen? Warum müssen wir so viel Steuergelder in die Kitas investieren, die ja nicht primär, wie z.B. unsere Schulen der Förderung und Bildung unserer Kinder dienen, sondern der Erhaltung der Arbeitskraft der Angestellten? Wie wär es mit folgender Auflage: Wer keinen eigenen Betriebskindergarten unterhält, muss in einen Ausgleichstopf zahlen! Wieso soll die Allgemeinheit die Kosten für die Standortfaktoren der Industrie tragen, das ist doch absurd.

3. Falscher Fleiß
Als vor ein paar Jahren der Exodus von Fachkräften in die Schweiz begann (wegen der besseren Bezahlung, der besseren und flexibleren Arbeitsbedingungen), die dort anfangs sehr willkommen waren, offenbarte sich bald eine Ernüchterung, die auch die großen Tageszeitungen bald thematisierten:
Man hatte weniger Angst, dass die Deutschen lokale Arbeitsplätze vernichteten, davon gab es genug. Es war die Angst, dass sie mit Ihrer Selbstausbeutung und ihrem Streberfleiß das Betriebsklima empfindlich störten. Die Deutschen machten unbezahlte Überstunden und sagten zu Vielem „Ja und Amen“. Das kam bei den Schweizern, die ja nun nicht für ihre Unproduktivität bekannt wären, gar nicht gut an. Es liegt nämlich auch an uns Arbeitnehmern, die wir oft nicht genügend für uns einfordern.

4. Falsche Wertevermittlung
G8 ist doch das Paradebeispiel für misslungene Bildungspolitik. Die Industrie forderte schnellere Ausbildungszeiten, also bekam sie G7.
Die Industrie forderte eine praxisorientierte „akademische Bildung light“, die die Menschen für 80% der Jobs ausreichend qualifiziert und sie bekam den Bachelor. Nun hat sie die Bachelor und stellt sie nicht ein: Keine Lebenserfahrung, nur oberflächliches Wissen, kaum vernetztes Denken, so die Kritik der Personaler! Die gepriesenen Soft skills: Fehlanzeige. Bildung braucht Zeit und Wertevermittlung sollte auch beinhalten, seinen eigenen Marktwert zu kennen, für seine Belange zu kämpfen und eine gesellschaftliche Vereinbarung von Kindern und Beruf als Selbstverständlichkeit zu verstehen.

Momentan liegt meine Hoffnung auf der Generation y. Die Medien werden ja nicht Müde zu betonen, dass ihnen die Work-Life Balance wichtiger als Status sei. Wäre schön, wenn das stimmt.

Vielleicht könnte diese Systemrweigerungshaltung der Jungen aber auch schon bald passé sein: Millionen von Migranten suchen Ihren Platz in der Gesellschaft. Hoffentlich nutzt die Industrie diese Lage nicht aus, um erneut die Regeln zu diktieren und die Arbeitsbedingungen zu zementieren: Du willst den Job mit den unbezahlten Überstunden nicht? Dann stelle ich doch lieber einen hochqualifizierten Migranten ein, der sich hier etwas aufbauen will. Vielleicht wird er auch noch für weniger Geld arbeiten.

5. Investitionsdefizite
Obwohl es eine Binsenweisheit ist, dass Deutschland als ressourcenarmes Land nur auf sein hohes Bildungsniveau setzen kann, wird in die Bildung seit Jahren nicht angemessen investiert. Die lange fällige Inklusion wird zur unsäglichen Rosskur und Sparorgie, die auf dem Rücken unserer Kinder, Behinderten und Lehrer ausgetragen wird. Man kämpft damit, den Schulalltag irgendwie noch am Laufen zu halten. Neue Arbeitsmodelle und gesellschaftlicher Wandel stehen da nicht gerade auf dem Lehrplan.

Ich bin froh, dass diese Bücher endlich erscheinen. Zuvor stand man immer unter dem Druck, ein Versager zu sein, wenn nicht alles wie am Schnürchen klappen wollte mit der „quality time“ für die Kinder und der Totalpräsenz im Job.
Dieser Mythos dienet nämlich vor allem der Industrie, von den eigenen Missständen abzulenken und den Schwarzen Peter, den unfähigen Angestellten zuzuschreiben.

Jürgen H

29.09.2015

Den Begriff Karriere finde ich etwas schwierig in der Diskussion. Für die meisten ist es ja schon eine Herausforderung, Ihren normalen Job weiterzumachen.
Wer dann noch Karriere machen möchte im Sinne von, Verantwortung für Mitarbeiter und Budgets zu übernehmen(Führungsverantwortung),der kann sich leider nicht frei seine Zeit einteilen. In einer solchen Position müssen Entscheidungen sofort getroffen werden, da enorme Kosten anfallen können oder den Mitarbeitern die Arbeit ausgeht. Da man in einer solchen Position in der Regel aber auch mehr verdient, kann man sich hier wiederum das klassiche Modell leisten, bei dem ein Partner vollzeit zu Hause bleibt. Wenn beide ein berufliche Karriere anstreben, sind in der Regel auch die finanziellen Mittel da um sich eine Tagesmutter zu leisten.

Ich finde den Ansatz Kinder früher zu bekommen eigentlich ganz gut. Wenn man noch deutlich unter vierzig ist und die Kinder sind aus dem

Gröbsten raus, hat man immer noch reichlich Zeit um eine Karriere zu starten. Leider trauen sich das viele nicht, weil Sie erstmal

finanziell auf sicheren Füßen stehen möchten.

Generell finde ich es traurig, dass die Zeit für die Familie immer weniger wird, da ja möglichst beide Vollzeit arbeiten sollen(oder auch wollen). Immer weniger Eltern kommen zu Kindergartenfesten, Lese-Eltern in der Schule gehen aus. PEKIP und Babyschwimmen finden morgens nicht mehr statt mangels Teilnehmern. Dafür genießen lieber alle die perfekte Einheitserziehung in der Kita durch hochqualifiziertes Personal. Kinder selbst erziehen wird zum Luxus für wohlhabende.

Wer es sich finanziell leisten kann sollte seine Kinder zumindest die ersten drei Jahre selbst betreuen und das nicht irgenwelchen Dritten

Überlassen. Gerade wenn man mehrere Kinder hat(wir haben 4) ist immer eines Krank oder hat gerade eine schwierige Phase in der es besondere

Zuwendung braucht. Und dann ist es schön wenn man das Kind auch einfach mal eine Woche zu Hause lassen kann. Schön ist auch wenn sich die

Geschwister bereits beim Mittagessen sehen und nicht erst abends wenn alle aus der Betreuung eingesammelt wurden. Auch toll wenn sich die

Kinder Nachmittags mit Ihren Freunden aus der Nachbarschaft treffen können.
Perfekt, wenn man es schafft, dass beide Teilzeit arbeiten können und man sich die Zeit zu Hause teilen kann.

Natürlich muss sich die Arbeitswelt anpassen, vorbildlich sind hier ja die Behörden. Unternehmen scheuen hier natürlich die Kosten, wenn Sie eine volle Stelle auf mehrere Personen verteilen müssen. Letzten Endes wird der viel beschworene Fachkräftemangel, die Unternehmen aber dazu zwingen flexible Arbeitsplätze anzubieten.

Marting

04.10.2015

Ich habe beide Bücher gelesen (schon eine Weile her) und erinnere mich nicht, dass wirklich neue Lösungen erarbeitet wurden (Kitas rund um die Uhr, Wohlwollen der Arbeitgeber, Organisationstalent bzw. Selbstausbeutung der Eltern etc…) Dasselbe Niveau haben die Kommentare hier.Zunächst sollte man das Thema nicht auf „Karriere“ beschränken. Die ganz normale Vereinbarung von Familie und Beruf tut’s auch. Absolut sachlich bleibt festzustellen, dass dank Pille die Entscheidung für gewollte Kinderlosigkeit zur allfälligen Option geworden und entsprechend genutzt wird. Die wenigeren Kinder, die dadurch geboren werden, sind trotzdem die Garanten für das Fortbestehen sozialer Absicherung (Alter, Krankheit und Pflege) UND der Zukunftsfähigkeit unseres Landes überhaupt. Früher hatten Eltern durch das Aufziehen von Kindern an diese einen direkten Anspruch auf Pflege und Versorgung im Alter (natürlicher, unverfälschter Generationenvertrag). Seit der Einführung der umlagefinanzierten Sozialkassen durch Adenauer, wird dieser Anspruch durch möglichst lückenlose Erwerbsarbeit erworben. Die Erziehung von Kindern galt als ohnehin gegeben und erfuhr keine Gegenleistung mehr durch Rente (verfälschter Generationenvertrag), was sich jetzt eben als kapitaler Irrweg herausstellt: Die Bestverdienenden, die keine Lücken in ihrer Erwerbsbiographie wegen Kindererziehung haben, erwerben den höchsten Rentenanspruch. Mütter (Väter, die Frau Schwesig auf den Leim gehen auch) schauen weitgehend in die Röhre, bzw. werden mit Almosen abgespeist. Argument: Systemfremder Anspruch!!!
Es ist ja schön, wenn Eltern einsehen, dass sie – verglichen mit Kollegen, die keine Verantwortung für Kinder haben – einfach anspruchsloser leben und überhaupt mehr Einsatz bringen sollen. Sie geben ihren Kindern ein gutes Beispiel von Selbstlosigkeit und Dämlichkeit.
So leid es mir tut, aber in der ganzen Debatte müssen die Kinderlosen mehr in den Fokus gerückt werden. Sie profitieren- natürlich ohne direkte Absicht – von diesem ungerechten System. Zusätzlich profitieren sie beim Wettbewerb um Arbeitsplätze, denn gegenüber den bekinderten Eltern sind sie aus Sicht des Arbeitgebers immer die zu Bevorzugenden. Noch nicht erwähnt habe ich jetzt die wie hirngewaschene Selbstverständlichkeit mit der „moderne“ Eltern schon ihr Einjähriges in die Kita geben, obwohl bei den meisten die eigentliche Vorstellung von Familie und Elternverantwortung dagegen spricht. Meine These: Die wirkliche Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist nur erreichbar, wenn die Familienarbeit eine ihrem gesellschaftlichen Wert entsprechende finanzielle Honorierung durch ein steuer- und sozialabgabepflichtiges Erziehungsentgelt erfährt. Die elterliche Erziehungs- und Pflegearbeit muss im Bruttoinlandsprodukt (BIP)
Aufnahme finden, wie jede andere Arbeit auch. Erst dann sind all die familienfreundlichen (verlogenen) Arbeitszeitmodelle, die immer irgendwelche Freistellungen für Familienzeit und selbstverständlich entsprechende Kürzungen beim Einkommen vorsehen, realistisch diskutabel.

Hauswirth Sabine

08.10.2015

Ich fasse mich kurz: der Tag hat nur 24 Stunden und ALLES hat seinen Preis. Und innerhalb dieses Rahmens gilt es sich einzurichten: sich zu entscheiden für das Leben, das man/frau führen mag. Auch in engeren Rahmenbedingungen. Es ist manchmal auch eine Entscheidung gegen den Mainstream und gegen eine hedonistische Tretmühle. Und gegen Perfektionismus.

Mueller

29.10.2015

Wir haben es durch.
Es geht nicht nur nicht, es macht sich bemerkbar, daß dem Beruf „hinterherzuziehen“, also die Heimat dafür zu verlassen, ein eklatanter Fehler war.
In der Fremde waren wir auf uns allein gestellt, das Fehlen der Großeltern wird durch keine staatliche Institution kompensiert. Ganz im Gegenteil schützen die Institutionen vor, doch statt auf sie, auf die Großeltern zuzugehen.
Weiterhin sollten wir doch auf dem Kinderspielplatz fremde Eltern ansprechen uns Unterstützung zu geben!
Lächerlich!
Wir raten daher jedem, über den Sinn des Lebens grundlegend nachzudenken.
Wenn wir feststellen, daß Kinder für im Beruf Stehende, ohnehin in Zahl begrenzt sind, und man sich grad so 2 Stück „leisten“ kann, dann ist die Perspektive, auf den Beruf zu verzichten und sich zu bescheiden eine wesentlich sinnvollere Maßnahme!
Es gibt fast nichts, was in diesem System so schlecht zusammenpasst, wie Beruf und Familie!
Die Geburtenzahlen sind der Beweis und der „Abgesang“ des Systems!
Schmeißt Euren Job hin, er bringt Euch als Familie NETTO garnichts und setzt Prioritäten!
Eure nach 40 Berufsjahren unzählig gewordenen Chefs werden keiner jemals an Eurem Sterbebett stehen und Euch für die Leistungen bedanken! Eure Kinder demgegenüber werden es alle tun!
Wer seinen Job, der hundertausendfach zu Kinderverzicht führt über die Familie stellt, pinkelt auf das Grab seiner Vorfahren! So einfach ist es!
Es ist an der Zeit, dazu aufzurufen, die Menschen an den rein biologischen Lebenssinn zu erinnern!
Wie weit sie in diesem Land davon entfernt sind ist erschreckend!
In jedem anderen Land der Welt sind die Menschen dahingehend „normaler“, weil besser also natürlich erzogen!
Dieses System macht aus Menschen, die sich ihm beugen, zeugungsverweigernde konsumkorrumpierte Arbeitsroboter!

NB

01.12.2015

Nach meinen persönlichen Erfahrungen kann ich nur sagen, doch es geht!
Selbstverständlich hängt es nicht nur vom eigenen „Wollen“ sondern auch von der Einstellung des Arbeitgebers ab. Und natürlich ist es nicht immer einfach alles unter einem Hut zu kriegen. Aber vielmehr spielen die eigenen Werte, Einstellungen, Emotionen und vor allem die „Rückenstärkung“ von außen eine sehr große Rolle. Ich habe angefangen zu studieren, da war meine Tochter 2 Jahre alt. Damals war die Entscheidung mit Kind studieren zu gehen, wirklich nicht einfach. Ich hatte ein schlechtes Gewissen meinem Kind gegenüber, dachte es würde zu kurz kommen. Aus der heutigen Sicht, bin ich froh, dass ich diesen Weg gegangen bin! Die Studienzeit war eine sehr schöne aber dennoch auch sehr anstrengende Phase. Ich bin immer wieder an meine Grenzen gekommen und habe oft mit dem Gedanken gespielt, mein Studium abzubrechen. Zum Glück habe ich es nicht gemacht, mein „Wollen“ war so stark, dass ich letztendlich mein Studium erfolgreich absolivert habe und meine Tochter nicht zu kurz kam! Ja, es ist tatsächlich eine Frage der Organisation, des eigenen Wollen, Einstellung und vor allem auch wie viel man sich selbst zu traut (gerade dann, wenn andere meinen „Das schafft die nicht“ ;) ) Ich muss gestehen, genau das hat mich erst recht motiviert.
Heute nach meinem Studium und Kind (und alleinerziehend), arbeite ich in einem Konzern, habe einen Arbeitgeber der sehr familienfreundlich ist und ggfl bei Krankheit des Kindes Homeoffice anbietet. Und genau, dass ist es was die Frau / Mutter von heute braucht! Einen Arbeitgeber der bewusst mit diesem Thema umgeht und dann denke ich, ist das „Wollen“ auch da.
Ps: meine Tochter ist heute 10 Jahre alt, geht auf das Gymnasium und Zeit für mein Kind nehme ich mir immer. Natürlich habe ich auch zwischendurch schwierige Phasen / Situationen. Und gerade dann ist es wichtig, sich die Zeit zu nehmen und zurückzuziehen, es sich selbst zu erlauben!
Ich möchte an dieser Stelle Mut aussprechen. Es ist vieles machbar, man muss nur die richtige Einstellung und natürlich auch Mut haben.

Tanja Schmidt

15.12.2015

Heute ist unsere Tochter 14 Jahre alt, sehr selbständig und realitätsnahe. Seit dem sie 6 Monate alt ist gehe ich arbeiten im Aussendienst in einer Männerdominierenten Branche – der grafischen Druckindustrie. Wir haben von Tagesmutter, private Kindertagessstätten bis privat gegründeten Schulen alles organisiert oder erst aufbauen müssen. Vor 14 Jahren waren die Einrichtungen spärlich und dünn gesät. Es gab monatelange Wartezeiten und wir – eine handvoll Eltern haben uns zusammen gesetzt und beraten. Wir wollten ein Kinderhaus wo sich Eltern wie Kinder wohl fühlten. Öffnungszeiten von 7. – 19.00 Uhr ggf. länger für Alle von uns. Flexibel und dann ohne Rumkutschierung von einem Ort ( Musik, Kinderturnen oder andere Hobbys ) Wir luden Englisch-, Musik- und Sportlehrer zu uns ein. Es war genial. Erzieher, Eltern, Lehrer und unsere Kinder wurden Freunde – und sind es noch heute. Wie arbeiten ohne schlechten Gewissen, leben und sind Teil dieser Verbindung Haben gute Jobs und unsere Kinder die Jugend von heute. Selbsständig und Kritsch und doch sie selbst…..

Lisa

06.05.2016

Mich macht wütend, dass in SÄMTLICHEN Artikeln und Büchern zum Thema NUR von Angestellten die Rede ist – „familienfreundliche Unternehmen“, „Betriebsrat“, „Teilzeitjobs nach Elternzeit“ blablabla. Ich bin freiberuflich tätig und wünsche mir, endlich auch mal aus dieser Sicht Betrachtungen zum Thema vorzufinden! In meinem Umfeld haben nur die wenigsten einen klassischen Job in Festanstellung, und ich begreife nicht, dass das im Jahr 2016 noch immer nicht thematisiert wird.

Carolin

08.05.2016

Hallo,
ich bin 29 Jahre alt und habe 6 Jahre studiert. Jobbedingt lebe ich nicht mehr an meinem Geburtsort. Ich verdiene 2000 Euro netto in Vollzeit. Ich denke seit einiger Zeit über ein Kind nach aber für mich spricht alles dagegen. Die Betreuungsmöglichkeiten sind schlecht und sehr teuer. Zudem sind die Lebenshaltungskosten hier so hoch und die Mieten steigen ständig. Mir graut es schon wenn mein 17 Jahre altes Auto auseinander fällt und ich für ein anderes auch noch Geld ausgeben muss das ich nicht habe. Mein Arbeitgeber wirbt damit familienfreundlich zu sein. In der Praxis sieht das aber anders aus. Nachdem was eine Kollegin nach der Bekanntmachung ihrer Schwangerschaft durchmachen musste, kommt die nicht zurück. Sie wollte beides, Kind und Karriere. Leider wird man abgestempelt, wenn man ein Kind bekommt. Es ist dann einfach vorbei. Ich bin sehr engagiert und bewege gerne etwas und ich will nicht abgestempelt werden. Mein Job bringt es auch mit sich das ich alle 2 Wochen ein paar Tage auf Dienstreise bin. Ich weiß wirklich nicht wie das alles funktionieren soll. Wegen dem Geld auch weil ich mich lange an der Uni gequält habe möchte ich Vollzeit arbeiten aber das mit dem Kind wird wohl unter all den Umständen nichts.

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