Lebensläufe

„Auslandsaufenthalte werden immer wichtiger“

Anke Schmidt hat mehr als acht Jahre in Asien gearbeitet. Solche Stationen bringen Menschen beruflich wie persönlich weiter, sagt die Leiterin Global Talent Management bei BASF. Sie müssen aber gut vor- und nachbereitet werden.

Talent-Expertin Anke Schmidt: "Ziele des Auslandsaufenthaltes müssen klar formuliert sein"

Talent-Expertin Anke Schmidt: „Ziele des Auslandsaufenthaltes müssen klar formuliert sein“

Von Anke Schmidt, BASF

Auslandsaufenthalte bringen Mitarbeiter weiter – in der persönlichen und professionellen Entwicklung. Das ist meine persönliche Meinung und gleichzeitig mein beruflicher Standpunkt. Als Leiterin des Talent Managements bei BASF weiß ich, wie wichtig eine Zeit im Ausland für die Karriere ist. Und ich habe selbst die Erfahrung gemacht, wie sehr das Leben in einem anderen Land den eigenen Horizont erweitert. Mehr als acht Jahre habe ich in Asien gearbeitet. Ich war zuerst in Singapur, dann in Hongkong (Foto oben) und in weiten Teilen Asiens geschäftlich unterwegs.

Ich habe in Teams mit Kollegen aus verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Nationalitäten, Sprachen, Kulturen und Religionen gearbeitet. Gleichzeitig haben wir trotz der vielen Unterschiede Gemeinsamkeiten in unserer Unternehmenskultur und Arbeitsweise gefunden. Bei BASF spielen Auslandsaufenthalte eine große Rolle. Für uns als globales Unternehmen ist es wichtig, dass unsere Mitarbeiter sich auf internationalem Terrain bewegen und entwickeln. Wer eine Zeit lang im Ausland arbeitet, erlernt interkulturelle Kompetenzen, erhält Einblick in die Geschäftstätigkeit im Gastland und hat ein besseres Verständnis für lokale Gegebenheiten und globale Anforderungen.

Auslandsaufenthalte werden immer wichtiger

Deswegen entsenden wir jährlich rund 600 Mitarbeiter in die ganze Welt, in den vergangenen Jahren viele von ihnen nach Asien. Selbstverständlich kommen auch viele Kollegen aus aller Welt zu uns nach Deutschland. Bei BASF ist internationale Erfahrung eine Voraussetzung für obere Führungspositionen und damit ein Schlüsselelement der Personalentwicklung. Weit mehr als 80 Prozent unserer Führungskräfte sind oder waren im Ausland tätig – Tendenz steigend. Wer bei uns eine von mehr als 700 oberen Führungspositionen anstrebt, sollte deshalb offen für einen längeren Auslandsaufenthalt sein.

Es gibt aus meiner Sicht drei Dinge, die bei einer Delegation besonders wichtig sind. Erstens sollten Ziele und Erwartungen klar formuliert sein. Schließlich sehen die meisten Mitarbeiter darin vor allem berufliche Chancen. Bei BASF nehmen wir diese Erwartungshaltung ernst. Bereits vor der Delegation sprechen wir mit dem Mitarbeiter über mögliche Positionen nach der Rückkehr, oder wir legen diese bereits verbindlich fest. So vermeiden wir Karrierefrust nach der Heimkehr. Deshalb empfehle ich jedem, der ein Angebot zur Delegation bekommt, vorab Entwicklungsmöglichkeiten zu besprechen – nicht nur für den Auslandseinsatz, sondern vor allem auch für die Zeit danach. Während der Delegation heißt es dann „dranbleiben“ und den Kontakt zur Heimat-Abteilung aktiv halten. Am besten über einen festen Ansprechpartner.

Der Kulturschock kommt oft nach der Rückkehr

Zweitens sollten Mitarbeiter nicht nur die Karrierechancen, sondern auch die persönliche Bereicherung eines Auslandsaufenthaltes sehen. Einblick in fremde Kulturen und Lebensweisen, die Reflektion eigener Einstellungen – fast alle unserer Delegierten weltweit geben an, dass der Einsatz im Ausland eine wichtige Erfahrung für ihre persönliche Entwicklung gewesen sei. Gleichzeitig hatten sie die Möglichkeit, ihr Netzwerk zu erweitern, andere Länder und Kulturen kennenzulernen sowie möglicherweise eine weitere Fremdsprache zu lernen. In Asien und insbesondere in den Metropolen Hongkong und Singapur habe ich eine unglaubliche Vielfalt erlebt und war beeindruckt von der großen Toleranz im Zusammenleben der vielen Kulturen. Ob bei grundlegenden Dingen wie dem Essen oder im Arbeitsalltag – es gilt, sich immer wieder auf Neues einzulassen.

Drittens ist bei einem Auslandsaufenthalt ist eine umfassende Vorbereitung wichtig. Damit es im Ausland keine bösen Überraschungen gibt, bietet BASF ihren Mitarbeitern unter anderem kulturelle Trainings und Sprachkurse. Das gilt auch für die Familie, die eine längere Delegation meist begleitet. Wir befürworten das und helfen beispielsweise vor Ort bei der Suche nach einer geeigneten Schule, oder dem richtigen Job für den Partner. Sogar die Rückkehr ins Heimatland begleiten wir mit Trainings und Seminaren. Denn was vielen Delegierten nicht bewusst ist: Bei der Heimkehr schlägt der Kulturschock meist richtig zu. Das war bei mir ganz ähnlich. Als ich nach Asien gegangen bin, gab es noch die D-Mark; als ich zurückkam, war der Euro eingeführt. Mein Tipp für alle, die ins Ausland gehen: sich gut vorbereiten und trotzdem offen bleiben für Neues!

Autorenprofil
Anke Schmidt studierte in Hamburg und Nantes/Frankreich Romanistik, Betriebswirtschaft und Politik. 1996 begann sie bei der BASF in Ludwigshafen ihre Ausbildung zur Kommunikationsexpertin. Nach Kommunikationsaufgaben in unterschiedlichen Einheiten der Zentralabteilung Öffentlichkeitsarbeit der BASF wurde Anke Schmidt 2000 Senior Manager Corporate Communications Asia Pacific mit Sitz in Singapur; von 2004 bis 2008 war sie Leiterin Corporate Communications Asia Pacific mit Sitz in Hongkong. 2008 kehrte sie als Leiterin Corporate Communications der BASF-Gruppe nach Ludwigshafen zurück. Ab Februar 2011 leitete Sie als Senior Vice President das Senior Project Employee Development BASF Group. Nach erfolgreichem Abschluss des Projektes ist Frau Schmidt seit Oktober 2013 Senior Vice President der Einheit Global Talent Management.

Anke Schmidt auf XING


Zur Themenwoche „Pro und Contra Auslandsaufenthalt“

Fast zwei Millionen Deutsche arbeiten aktuell im Ausland. Was für viele als Traum beginnt, endet jedoch oft im bösen Erwachen: Firmen und Personalberater bestrafen die Rückkehrer hart; viele haben Probleme, zuhause einen neuen Job zu finden. Die Bereitschaft, ins Ausland zu gehen, sinkt deswegen stetig. Was heißt das für Sie? Wie wird der Auslandsaufenthalt zum Turbo für Ihre Karriere?

Unsere Themenwoche bietet Ihnen jeden Tag einen neuen Experten-Beitrag.

Montag, 14.09.2015

„Warum ein Indien-Aufenthalt meine Karriere beendet hat“

Volker Müller-Behncke, Unternehmer

Dienstag, 15.09.2015

„Firmen und Mitarbeiter haben Barrieren im Kopf!“

Christoph Kleinen, Partner, Heidrick & Struggles

Mittwoch, 16.09.2015

„Auslandsaufenthalte werden immer wichtiger“

Anke Schmidt, Leiterin Global Talent Management, BASF

Donnerstag, 17.09.2015

„So holen Sie sich internationale Talente ins Haus“

Caroline Dépierre, Research Director, trendence Institut

Freitag, 18.09.2015

„7 Tipps, wie Ihr Auslandsaufenthalt sicher ein Erfolg wird“

Jutta Boenig, Vorstand bei der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung

9 Kommentare

Marvin

16.09.2015

Sehr geehrte Frau Schmidt,
vielen Dank für Ihren Artikel, den ich nur bedingt nachvollziehen kann. Bei der persönlichen Weiterentwicklung kann ich Ihnen gut folgen. Im Ausland werden eigene Werte klarer, das Selbstbild konkretisiert sich, ich denke da sind wir ähnlicher Meinung. Beruflich hat en Auslandsaufenthalt wenig bis keinen Einfluß, so zumindest meine Erfahrung. Ich selbst hatte ein Austauschsemester in Kanada, habe mehrere Monate die Welt bereist, ein Praktikum in der Karibik absolviert, mehrere Jahre in Skandinavien gewohnt und gearbeitet und bin jährlich ca 1 Monat für meinen Auftraggeber im Ausland tätig. Trotzdem hat mir noch nie jemand gesagt „Oh toll, Sie waren im Ausland“, oder gar „Da geben wir Ihnen eine andere Aufgabe mit besserem Gehalt“. Auslandsaufenthalte sind meiner Erfahrung nach noch nicht einmal Thema in Bewerbungsgesprächen, da werden Fremdsprachenkenntnisse mit „Englisch OK?“ abgefragt. Vielleicht ist das bei der BASF anders und wenn ja, welchen Mehrwert lassen Sie einen qualifizierten Mitarbeiter spüren, wenn er im Ausland war?
Gruß und Danke

michael Blahm

16.09.2015

Leben im Ausland , eine andere Welt erleben, ich kann es auch nur jedem empfehlen.
Ich lebe jetzt seit 5 Jahren in Kenia. Und vermisse Deutschland selten.

Kornelia Epping

16.09.2015

Lieber Marvin,
ich kann Ihren Kommentar ebenso nur bedingt nachvollziehen. In meiner Relocation Agentur ist es mein tägliches Brot, internationalen Fach- und Führungskräften das Ankommen in Deutschland oder in Österreich so reibungslos und so unkompliziert wie möglich zu gestalten. Auch Rückkehrer sind darunter. Und ich muss Frau Schmidt beipflichten: Erstens, die Rückkehr ist nicht weniger schwierig und interkulturell belastend, wie der Weg in die Ferne. Aber von meinen Expats höre ich auch sehr, sehr häufig, wie sehr ihnen eine Auslandsentsendung bei der Entwicklung der eigenen Karriere im Unternehmen geholfen hat.
Denn schliesslich bringen die Expats enormes Know-How mit aus den anderen Ländern. Und in sehr vielen Firmen, wie der BASF hat man erkannt, wie wichtig es ist, dieses Know-How abzuholen.
Beste Grüße
Kornelia

Marco

16.09.2015

Ich finde es ein bisschen schade dass bei sowas die Vereinbarkeit mit dem Partner nicht erwähnt wird. Diese ganzen Auslandsdelegationen haben ja gut geklappt als die Ehefrau noch den Haushalt schmiss oder zumindest selbst nicht auf irgendeine Karriere fixiert war und so treu ihrem Gatten nachreisen konnte. Heute ist das ja auch oft nicht mehr so, meine Freundin könnte mich nicht eben mal vier Jahre nach Asien begleiten, dann wäre ihre Karriere halt vorbei…da Auslandsaufenthalte bei ihr eben keine Rolle spielen (Handwerk)

Kilian Chateu

16.09.2015

Ein Auslandsaufenhalt wird absolut überbewertet. Was das meiner Ansicht an „unreifen“ Aussagen wie (hat mich weitergebracht; fremde Kulturen; große Toleranz“ etc als Pro dargelegt wird, stellt lediglich nichts anderes als Psychotherapie für den Expat dar. Wenn ich erst in das Ausland fahren muss, um solch Erkenntnisse zu gewinnen, dann stimmt mich das sehr nachdenklich. Pluralistisches Gesinnung bekommt und lebt man mit der Erziehung und infolge selbst aus, gewinnt man sicherlich nicht mit Auslandsaufenthalte. Das ist nur angelernt Und das ewige Plattitüde, was für einen Schock man bei der Rückkehr in die Heimat erlebt….ich kann es nicht mehr lesen….so unqualifiziert. Und ebenso, dass es bei der Rückkehr im Unternehmen für die Karriere halt…wenn diese also das Kriterium ist, dann stimmt mich das sehr bedenklich. Fazit: Auslandsaufenhalte sind nicht mehr oder weniger als Aufenthalte im Ausland und lassen keinerlei empirischen Rückschluss auf eine Qualifikation geschweigen denn ein Talent des Entsandten bzw Rückkehrer zu. Wie viele weltoffene, pluralistische Menschen es doch gibt, die keine Auslandsaufenthalte tätigten und dankenswerterweise unsäglich (in esoterischer Art und Weise) darüber berichten.

Andreas Riem

16.09.2015

Liebe Frau Schmidt,

ich gehe davon aus, dass Sie das Gesagte auch tatsächlich in die Realität umsetzen und beglückwünsche alle Expats bei BASF, eine solch tolle Fürsprecherin zu haben, die die allseits bekannten Konflikte beim Thema Auslandsentsendung offensichtlich an der Wurzel packt! Ich war für den größten Automobilzulieferer in England, Frankreich, der Türkei und als Revisor für mehr als 80% des Jahres in fast allen Ländern dieser Welt unterwegs – eine Heimkehrunterstützung der vermeintlich Verantwortlichen durfte ich nie erfahren und die immer erfolgreichen Auslandsaufenthalte mit enormer interkultureller und fachlicher Erfahrungs- und Wissenserweiterung haben mir nie einen wesentlich spürbaren Vorsprung vor den Kaminaufsteigern verschafft! Eher das Gegenteil war der Fall – st man erst mal weg, dann gerät man schnell in Vergessenheit, wenn sich nicht ein professionelles Backoffice um diese Leute kümmert – aus den Augen, aus dem Sinn stimmt leider viel zu oft – auch in globalen Konzernen, die sich nach außen gerne professionell darstellen, tatsächlich aber unglaublich amateurhaft agieren! Ich würde aber trotzdem immer wieder ins Ausland gehen, nicht in erster Linie der Karriere wegen sondern wegen den unvergleichlichen Erfahrungen! Wenn man dann noch Profis, wie es offensichtlich bei BASF der Fall ist, in seinem Rücken weiß, dann kann nichts schief gehen – leider ist es aber in 9 von 10 Fällen nicht so…

Karin Sörensen

17.09.2015

Hallo Frau Schmidt,

wie schön, dass es jetzt scheinbar anders läuft bei der BASF. Leider hat sich bei mir niemand dafür interessiert, nachdem ich aus Venezuela zurück kam. Der Sprachunterricht vorher war auch nicht unbedingt üppig. 8 Stunden Intensivunterricht. Eine Personalbeauftragte stellte sich bei mir erst vor, als ich gekündigt hatte und von mir aus nochmals zur BASF Venezolana zurückgekehrt bin. Und eine Rückkehr war dann auch nicht mehr möglich, obwohl immer von der großen BASF-Familie gesprochen wurde. Aber wie gesagt… Schön, dass es jetzt wohl besser ist.
Der Auslandsaufenthalt hat mir auf jeden Fall sowohl persönlich als auch beruflich sehr viel gebracht. Das Erlernte und die Erfahrungen habe ich dann bei anderen Firmen einbringen können.

Anke Schmidt

17.09.2015

Ich freue mich, dass das Thema Karriereperspektiven durch Auslandsaufenthalte auf so viel Interesse stößt. Sicherlich müssen auch hier die Unternehmen Erfahrungen sammeln und dazu lernen – zum Beispiel was die Delegation mit Partner angeht. Damit haben übrigens mein Mann und ich bereits vor 15 Jahren gemischte Erfahrungen gemacht. Hier bieten wir bei BASF heute eine weit bessere Unterstützung von Partnern und Familie. So können zum Beispiel nicht nur unsere Mitarbeiter, sondern auch ihre Partner Sprachkurse nehmen. Außerdem helfen wir bei der Suche nach einem Job für den Partner oder Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder. Oft lassen sich hier Lösungen finden, aber es gibt natürlich auch Grenzen, die von den konkreten Umständen des Paares oder der Familie abhängen. Internationale Erfahrung als non-plus-ultra? Das gilt sicher nicht für jede Stelle gleichermaßen. Aber wer zum Beispiel im globalen Marketing eines Unternehmensbereichs von BASF arbeiten möchte, wird im Bewerbungsgespräch sicherlich nach Auslandserfahrungen gefragt. Wenn die Kandidatin oder der Kandidat dann sogar schon einmal im Ausland gearbeitet hat – umso besser! Denn geschäftliche Gepflogenheiten kann man über eine Reise nicht kennenlernen. Zwar sind Auslandserfahrungen nicht alles, worauf es ankommt, aber sie können einen Eindruck von der Persönlichkeit und den fachlichen Qualifikationen eines Bewerbers geben. Auf beides kommt es an.

DB

21.09.2015

Mein Kommentar:

Wenn man „wohlbehütet“ und „wattiert“ in einem der größten Chemiekonzerne, -und dann womöglich noch im internen Karriereförderprogramm, mal so plötzlich „Lust“ bekommt auf einen Auflandsaufenthalt, -und dann auch die ganzen Jahre dort für dasselbe Unternehmen arbeitet, lässt es sich gut Reden.
So auch bei EADS, Siemens etc. etc.

Ich bin mir sicher hätte sich die Autorin vor ihrer Rückkehr nach Deutschland neu orientieren, bewerben müssen bzw. wollen, -dann wäre bestimmt kein so toller Bericht hierzu herausgekommen.
Meinen Sie jemand der sich auf die Position der Autorin nach Rückkehr aus dem Ausland beworben hätte, wäre eingestellt worden?!
Ich behaupte: ganz sicher nicht!
Zumal diese Stelle ja wohl ausbaufähig weiter für sie bereitgehalten wurde.
Also, bitte mal schön bei der Realität bleiben und keine „Förderkarriere“ als tolles Beispiel nehmen!
Tatsache ist, dass es Auslandsrückkehrer nach langen Jahren, schon ab >3 Jahren, in den allermeisten Fällen in Deutschland schwer haben.

Sicher auch nicht wegen „kultureller“ und „persönlicher“ Befindungen.