Arbeit & Liebe

Mailflut? Terminstau? So schaffen Sie die Tage nach dem Urlaub

Die E-Mails im Postfach türmen sich, und der Terminkalender platzt aus den Nähten: Nach einem längeren Urlaub kann die Rückkehr zum Job zum Stresstest werden. Damit der Erholungseffekt nicht gleich wieder verpufft, sollten Beschäftigte den Übergang zur Arbeit sanft gestalten.

Schön war's: Um sich im Büro ein bisschen Urlaubsstimmung zu bewahren, hilft ein Andenken am Schreibtisch. Warum nicht ein Foto vom Ferienort als Desktop-Hintergrund nehmen? (©Foto: Andrea Warnecke /dpa)

Schön war’s: Um sich im Büro ein bisschen Urlaubsstimmung zu bewahren, hilft ein Andenken am Schreibtisch. Warum nicht ein Foto vom Ferienort als Desktop-Hintergrund nehmen? (©Foto: Andrea Warnecke /dpa)

„Langsam wieder Fahrt aufnehmen, nicht direkt wieder in den roten Bereich drehen“, rät der Organisationspsychologe Stefan Poppelreuter aus Bonn. Einige Tipps, um die ersten Arbeitstage nach dem Urlaub zu meistern:

Übergangsphase

Beschäftigte sollten zwischen Urlaub, Reisestrapazen und Arbeitsbeginn eine Übergangsphase einplanen, rät Poppelreuter. „Ein Kollege, der in der Nacht zuvor aus Thailand zurückgekommen ist, kann einfach noch nicht wieder konzentriert am Schreibtisch sitzen.“ Sinnvoll sei ein Puffer von ein bis zwei Tagen, empfiehlt Tim Hagemann, Arbeitspsychologe an der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld. So kann man noch entspannt die Koffer auspacken, einkaufen oder Wäsche waschen.

Pausen einlegen

„Am ersten Tag im Büro mehr noch als sonst auf Pausen, Ablenkung und Unterbrechung achten“, sagt Poppelreuter. Außerdem empfiehlt Hagemann, die Pausen aktiv zu gestalten. Also nicht vor dem Bildschirm sitzen bleiben, sondern beispielsweise einen Spaziergang machen oder mit Kollegen einen Plausch halten. „Und am ersten Tag möglichst pünktlich Schluss machen.“

Überblick verschaffen

„Gerade wenn sich viel Arbeit aufgetürmt hat, führt dies schnell zu Unübersichtlichkeit, Unsicherheit und damit Stress“, warnt Hagemann. Daher sollten Beschäftigte die ersten Arbeitsstunden nutzen, um sich einen Überblick über die anstehenden Aufgaben zu verschaffen. Dann erstellen sie am besten einen nach Wichtigkeit sortierten Plan, wie und wann sie die Aufgaben bearbeiten.

Langsam starten

Der Wechsel zwischen Urlaubs- und Arbeitszeit sollte nicht zu radikal sein. „Bewährt hat sich der langsame Einstieg zurück in den Arbeitsalltag“, sagt der Düsseldorfer Karriereberater Henryk Lüderitz. Am ersten Tag noch keine Termine, sondern ausreichend Zeit für persönliche Gespräche einplanen, in denen man mit den Kollegen auch über Urlaubserlebnisse spricht. Hilfreich ist es auch, die Abwesenheitsnotiz für externe Mails im E-Mail-Programm etwas länger anzulassen. Gerade nach einem längeren Urlaub müssen viele erst einmal einen prall gefüllten E-Mail-Posteingang abarbeiten.

Urlaubsgefühl verlängern

Der Urlaub ist vorbei, jetzt wieder ein Jahr warten – dieser Gedanke schlägt vielen auf die Stimmung. Dabei kann es helfen, eine Urlaubserinnerung mit ins Büro zu nehmen: eine Muschel, einen Stein, ein Foto an der Wand oder auf dem Bildschirmschoner. „In stressigen Situationen hilft dann schon der Blick auf den eingerahmten Urlaubsstrand, um einen Teil der Urlaubsgelassenheit zu reaktivieren“, sagt Lüderitz.

Vorbereitung

Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub. Die ersten Tage nach einer Reise sind daher auch eine Gelegenheit, sich zu überlegen und mit Kollegen zu besprechen, was man beim nächsten Mal noch besser machen kann bei der Übergabe. Denn für eine entspannte Rückkehr aus dem Urlaub ist die Vorbereitung entscheidend. „Wenn man einfach abhaut und irgendwann zurückkommt, überrollen einen schnell die Ereignisse“, sagt Lüderitz.

Optimalerweise sollte man bereits vor der nächsten Reise die Termine nach dem Urlaub planen – und zwar so, dass die ersten ein bis zwei Tage relativ ruhig sind. Essenziell ist ein gutes Briefing für die Urlaubsvertretung. Hilfreich ist auch eine aussagekräftige Abwesenheitsnotiz in der Vertreter und Ansprechpartner mit E-Mail und Telefonnummer benannt sind. Ebenfalls möglich: Einem Kollegen Zugriff auf das Mail-Postfach geben und im Urlaub die Mails sortieren lassen.

Text: Jonas Schöll

2 Kommentare

Karin Brockmann

24.08.2015

Was sich bei mir auch gut bewährt hat: Feedback-Gespräche mit den Vertretern am 2. Tag nach dem Urlaub. Da hat man schon halbwegs einen Überblick und macht auch möglichst erst dann eine Rück-Übergabe. Das habe ich in meinem Team eingeführt. Generelle Themen sind da immer an den Rückkehrer: wie hast du deinen Platz vorgefunden, wie dein Mailpostfach? An beide: gibt es offene Fälle und Fragen dazu? Auch: hätte man etwas besser machen können? Ziel ist niemals Fingerpointing, sondern Optimierung. Und da dieses Gespräch nach jedem Urlaub ansteht und jeder mal weg ist und gut vertreten werden möchte, gilt auch: Was du nicht willst was man dir tu, das füg auch keinem anderen zu ;-)

Sibylle1969

07.10.2015

Ich reise für mein Leben gern und nutze daher meine Urlaubstage aufs Äußerste zum Reisen aus. Ein zuhause verbrachter Urlaubstag ist ja Verschwendung. Am letzten Arbeitstag wird früh Feierabend gemacht (klappt dank guter Organisation eigentlich immer), abends gepackt, und am nächsten Morgen geht es früh los. Am Rückreisetag kommt man spätabends zurück, am nächsten Tag geht es zur Arbeit. Allerdings lege ich mir auf gar keinen Fall Kundentermine (meist auswärts) in die ersten 2-3 Arbeitstage nach dem Urlaub. Das klappt eigentlich auch immer. So kommt man auch einigermaßen entspannt zurück in den Alltagsmodus.