Arbeit & Liebe

Liebe am Arbeitsplatz? Das geht - und das gar nicht!

Verstohlene Blicke hinter dem Monitor, flüchtige Berührungen in der Kaffeeküche: Liebe im Büro kann durchaus heikel sein. Soll man seine Gefühle geheim halten oder offen zeigen? Den Chef einweihen? Das erklärt Psychotherapeut und Buchautor Wolfgang Krüger.

"Kein Küssen, kein Händchenhalten, das gehört einfach nicht ins Büro" (©Foto: KieferPix / Shutterstock)

„Kein Küssen, kein Händchenhalten, das gehört einfach nicht ins Büro“ (©Foto: KieferPix / Shutterstock)

Herr Krüger, wer mit einem Kollegen eine Beziehung hat, hat es ja nicht unbedingt leicht. Wie tolerant ist man hierzulande mit der Liebe am Arbeitsplatz?

Wolfgang Krüger: Das ist unterschiedlich. Früher wurden Verhältnisse bei der Arbeit nicht gern gesehen. Es gab Firmen, bei denen vereinbart wurde, dass Liebesfälle zu melden sind. Das gilt in den meisten Firmen immer noch.

Gibt es auch Firmen, bei denen Liebe unter Mitarbeitern kein Problem ist?

Krüger: Mittlerweile gibt es aber auch Unternehmen, die Liebe am Arbeitsplatz nicht nur tolerieren, sondern als normal erachten. Viele begrüßen die Liebe sogar. Sie sind der Meinung, das Arbeitsklima verbessert sich dadurch. Viele Firmen gehen davon aus, dass der Aufenthalt am Arbeitsplatz nicht nur aus Arbeit besteht, sondern auch Freizeit dazu gehört. Wir wissen auch, dass jede dritte Beziehung am Arbeitsplatz stattfindet. Was auch klar ist, wenn man dort jeden Tag acht Stunden verbringt.

Was sollte man beachten, wenn man sich am Arbeitsplatz verliebt?

Krüger: Ich würde erstmal nach drei Dingen gucken. Das erste ist, ob die Liebe anhält. Nach einem Vierteljahr merke ich normalerweise, ob es etwas Ernstes ist oder nicht. Deshalb erstmal die Füße und Hände stillhalten. Wenn die Beziehung länger als drei Monate dauert und ich merke, dass es ernst wird, kann ich etwas unternehmen. Dann macht es zweitens Sinn, die engeren Kollegen und den Chef bei Kaffee und Kuchen einzuweihen.

Und was ist der dritte Punkt?

Krüger: Das dritte ist, dass ich nichts Persönliches am Arbeitsplatz mache. Kein Küssen, kein Händchenhalten, das gehört da einfach nicht hin. Das gibt böses Blut, vor allem, wenn es mehrere machen. Mitarbeiter reden dann häufig nur noch darüber, wer was mit wem treibt, wer wo Sex hatte, und das Unternehmen verwandelt sich in eine Klatschpresse. Genauso sollte man sich nicht in der Mittagspause mit dem Liebsten zurückziehen. Es gilt der Grundsatz: Arbeit ist Arbeit, Privates ist Privates.

Liebesexperte Wolfgang Krüger: "Eine Beziehung im Büro können Sie nicht verheimlichen"

Liebesexperte Wolfgang Krüger: „Eine Beziehung im Büro können Sie nicht verheiimlichen“

Kann man die Liebe auf lange Zeit verheimlichen?

Kürger: Sie müssen von einer Sache ausgehen: Wenn Sie eine längere Beziehung haben, dann kriegen die anderen das mit. Das strahlen Sie aus, so etwas ist schwer zu verbergen.

Was sind die Anzeichen?

Krüger: Sie gucken den Kollegen anders an, haben glänzende Augen. Wenn Sie neben ihm sitzen, verhalten Sie sich anders. Vielleicht entfernen Sie einen Krümel von seinem Anzug, kleine Gesten. Jeder in der Firma kriegt mit, die beiden haben was miteinander. Deshalb ist es einfach besser zu sagen „Wir sind zusammen“. Allerdings sollte das erst bei einer längeren Beziehung der Fall sein, wenn die Probezeit überstanden ist. Man möchte nun auch nicht immer falschen Alarm schlagen.

Was passiert bei einer Trennung?

Krüger: Sie können wieder im kleinen Kreis kommunizieren, dass es vorbei ist. Die meisten werden nichts dagegen haben, Trennungen sind normal. Wenn Sie sich fünfmal hintereinander trennen, kommt das anderen vielleicht etwas merkwürdig vor. Wenn Sie sich im Guten getrennt haben, müssen Sie sich auch nicht unbedingt versetzen lassen. Es kommt darauf an, ob sie mit der Person noch zusammenarbeiten wollen.

Buchtipp zum Thema: Wolfgang Krüger: Liebe ist – den ersten Schritt zu tun, 160 Seiten, Verlag Herder, 2015, 14,99 Euro, ISBN-13: 345161328X

4 Kommentare

Lange

10.08.2015

Ich finde Ihren Artikel gut. Es kommt sicher auf die Professionalität an wie Man und Frau damit umgehen. Der Job muss gemacht werden und keine Partnerschaftsproblem sind vor Ort in der Firma zu lösen oder zu verteilen.
Meine Frau war zuerst bei mir angestellt und wir haben in der Regel immer zusammen im Bereich des Consultings die Kunden gearbeitet. Wir haben informiert und unsere Projekte im In- und Ausland zusammen professionell bearbeitet. Vor 3 Jahren habe ich eine kleine Storenfabrik hinzugekauft die wir ebenso mit unseren Mitarbeitern (ca.15) gestalten. Probleme gab es bis jetzt nie. Ich denke, es ist sogar positiv zu sehen, das wir ein familiäres Umfeld aufgebaut haben. Nach 8 Jahren Beziehung haben wir im vergangenen Jahr geheiratet.

Doroteja

07.09.2015

In den meisten Fällen wäre es wohl besser, nicht offen zu zeigen, dass man mit einem Kollegen etwas hat. Nur wie soll das gehen? Ich halte es für schlichtweg illusorisch, das ein Vierteljahr lang zu verbergen, wie es Herr Krüger empfiehlt. Ich war bis über beide Ohren in einen Arbeitsanleiter verliebt, nach kurzem wusste das Jeder, der uns zusammen gesehen hat, obwohl wir natürlich nicht Händchen gehalten haben oder so, aber allein schon, wie ich auf alles angesprungen bin, was er gesagt hat, die Art meiner Kommentare, mein auffällig fröhliches Lächeln und Lachen, das sofort zunahm, wenn er in meiner Nähe war… All diese Signale hätte ich gar nicht unterdrücken können, so verliebt, wie ich war. Ebensowenig konnte er seine Signale unterdrücken, dass er mich attraktiv findet. Dabei war er nach seinen eigenen Worten nicht einmal verliebt.

Erst einmal ist es ganz toll!!! Ich schwebte buchstäblich im siebten Himmel, konnte es gar nicht erwarten, zur Arbeit zu kommen und war immer etwas traurig, wenn der Feierabend kam.
Als er dann weg war, brauchte ich erst einmal ein paar Wochen, bis ich verinnerlicht hatte, dass er weg war, und zwar für immer. Von da an tat es mir jedesmal weh, an den Ort zu kommen, wo wir zusammen gearbeitet hatten, und ich fieberte nur noch dem Moment entgegen, wo ich dort aufhören und etwas Neues beginnen konnte.

Daniela

11.12.2015

Das ist ein absolutes No-go!
Man fängt nichts mit Arbeitskollegen, Vorgesetzten oder Kunden an. Egal in welcher Branche. Es heißt nicht umsonst Arbeitsplatz, da ist nur Platz für die Arbeit.

Stefan

27.09.2016

Der Artikel ist zwar schon älter aber deswegen nicht weniger aktuell. Ich bin mit unserer Stationsleitung liiert. Lange konnten wir es vor den Kollegen nicht geheim halten da auch diese Augen haben. Selbst Patienten haben es gemerkt obwohl wir es ( unseres Erachtens nach) geheim gehalten hatten. Wir kannten uns schon sehr lange ( lang bevor wir Arbeitskollegen wurden) gefunkt hat es aber erst kurz bevor sie meine Vorgesetzte wurde. Wir arbeiten nach wie vor sehr professionell und unsere Beziehung hat keinerlei Einfluss auf unsere Arbeit. Jedoch ging natürlich das Gerede unter den Kollegen los. Die eine Seite die einem alles gute wünscht und sich für einen freut und dann gibt es da die andere Seite …… Die , die sofort bei der Leitung oder Personalabteilung Beschwerde einlegen. Ja , es ist manchmal schwierig aber wenn man stark ist, das negative nicht an die Beziehung lässt und weiterhin professionell arbeitet funktioniert es sehr gut.