Flexible Arbeitsmodelle: Fünf Wege zu mehr Freiheit

Mehr Luft für die Kinder? Eine ausgedehnte Weltreise machen? Die langersehnte Promotion angehen? Nie waren die Chancen größer als heute, beim Chef flexible Arbeitszeiten durchzusetzen. Wir stellen Ihnen fünf verschiedene Arbeitsmodelle vor.

GLEITZEIT – Die Urform aller flexiblen Arbeitsmodelle

ANWENDUNG
Zahlen, wie viele Unternehmen Gleitzeit oder Vertrauensarbeitszeit anbieten, existieren nicht. Der Trend geht aber eindeutig weg von starren Vorgaben, die unbedingt eingehalten werden müssen. Die einfache Gleitzeit, Urform aller flexiblen Arbeitszeitmodelle, ermöglicht es den Mitarbeitern, Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit frei zu wählen. Bei der qualiflzierten Gleitzeit kann zusätzlich über die Dauer der täglichen Arbeitszeit entschieden werden. In der Regel werden Kernarbeitszeiten festgelegt, um für Kunden oder Geschäftspartner erreichbar zu sein sowie um einen Rahmen für interne Besprechungen zu setzen.

WIRKUNGSWEISE
Für Arbeitnehmer erleichtern flexible Arbeitszeiten die Tagesplanung erheblich: Hat man am Morgen die U-Bahn verpasst? Kein Grund zur Sorge. Muss das Kind am Nachmittag zum Arzt? Kein Problem. Wenn Mitarbeiter ohnehin an definierten Zielen gemessen werden und nicht an der Zahl der geleisteten Stunden, tritt die Arbeitszeit ebenfalls in den Hintergrund. Und werden Abläufe teamintern so organisiert, dass immer jemand erreichbar ist, entstehen für den Arbeitgeber keine Nachteile.

RISIKEN/NEBENWIRKUNGEN
Nach Meinung von Experten und Personalmanagern: keine. Sogar die Bundesagentur für Arbeit meint: ,,Konkrete Nachteile dieses Modells gibt es nicht.”

 

LANGZEITARBEITSKONTEN – Überstunden aufsparen und gesammelt besser nutzen

ANWENDUNG
Langzeitarbeitskonten gibt es seit gut 20 Jahren. Der Flughafenbetreiber Fraport gehörte zu den Pionieren. Das Prinzip: Arbeitnehmer sparen über einen längeren Zeitraum Überstunden an, um sie gesammelt für eine Weltreise, eine Weiterbildung, den Bau des Eigenheims oder sogar den früheren Renteneintritt zu nutzen. Sich die Überstunden auszahlen zu lassen, ist auch eine mögliche Alternative.

WIRKUNGSWEISE
Wer von der Hochschule kommt und viel Elan mitbringt, arbeitet möglicherweise ohnehin 50 Stunden pro Woche. Diese Plusstunden können dem Mitarbeiter zugutekommen, wenn er kleine Kinder hat: Dann ist eine Wochenarbeitszeit von 30 Stunden möglich, trotz Vollzeitvertrag und vollem Gehalt. In der Regel vereinbaren Arbeitgeber und Betriebsrat Limits: Bei Fraport darf das Arbeitskonto pro Mitarbeiter nicht um mehr als 200 Stunden jährlich wachsen. Die absolute Obergrenze liegt bei 3000 Plusstunden. Umgerechnet kommt man damit auf eine mögliche Freistellung von 1,5 Jahren.

RISIKEN/NEBENWIRKUNGEN
Im Alleingang sind Arbeitszeitkonten nicht durchsetzbar. Die Einführung erfolgt auf Initiative des Arbeitgebers oder des Betriebsrats. Gegner der Konten befürchten, dass Firmen Langzeitkonten ausnutzen könnten, um Mitarbeiter in Boomzeiten zu Überstunden zu zwingen und bei Auftragseinbruch in den Zwangsurlaub zu schicken. In der Regel ist die Nutzung von Arbeitszeit-konten jedoch freiwillig.

 

HOMEOFFICE – Chance für disziplinierte Mitarbeiter und Chefs, die loslassen können

ANWENDUNG
Homeoffice klingt für viele Beschäftigte gut, ist aber nicht für jeden etwas: Fragen Sie sich aufrichtig, ob Sie so diszipliniert sind, Ihren Tag außerhalb des Unternehmens produktiv gestalten zu können. Wer von zu Hause aus arbeitet, muss sich selbst managen können, Verantwortung übernehmen und den Arbeitsrhythmus selbst definieren. Es ist wichtig, sich regelmäßig mit Kollegen per Telefon, Video oder in Bildschirm-Sessions auszutauschen, ebenso wichtig ist es aber auch, Feierabend zu machen, wenn das Tagewerk erledigt ist. Das gilt es selbstbewusst zu kommunizieren.

WIRKUNGSWEISE
Wer konzentriert ein Konzept schreiben muss oder Gehirnschmalz in eine Präsentation stecken will, kann das zu Hause manchmal ungestört am besten tun. Wer im Großraumbüro arbeitet und längere Telefonate führen muss, ist ebenfalls außerhalb der Firma besser aufgehoben. Angenehmer Nebeneffekt: Wer nicht durch den täglichen Berufsverkehr pendeln muss, spart Zeit und Geld. Und weil in der Mittagspause eine Joggingrunde im Wald statt des Kantinengangs möglich ist, steigen zugleich Laune und Leistungsfähigkeit, womöglich sinkt sogar das Gewicht.

RISIKEN/NEBENWIRKUNGEN
Viele Arbeitgeber sträuben sich dagegen, Homeoffice-Angebote zu machen: Sie fürchten den Kontrollverlust über ihre Mitarbeiter. Häufigstes vorgeschobenes Argument: Der informelle Austausch in der Kaffeeküche, das spontane Meeting mit Kollegen fällt dann weg – und Ideen entstehen nun einmal durch informellen Austausch. Das passende Gegenargument: Verabreden Sie verlässliche Firmentage und feste Heimarbeitstage. Und definieren Sie mit Ihrem Vorgesetzten Ziele, deren Erreichung Sie regelmäßig besprechen. Firmen wie SAP oder Microsoft leben vor, dass man trotz Homeoffice erfolgreich sein kann.

Lesen Sie hier mehr über wichtigen Regelungen zum Homeoffice.

 

SABBATICAL – Auszeit vereinbaren, Abstand gewinnen und mit neuen Ideen an den Arbeitsplatz zurückkommen.

ANWENDUNG
Wer seinen Chef für eine Auszeit gewinnen will, sollte sich gute Argumente zurechtlegen: Plant man eine Weltreise, kann man mit Erholung, neuen Ideen und Kreativität punkten, wovon auch das Unternehmen profitiert. Wer sich weiterbilden will, hat ohnehin einen triftigen Grund, sofern das Erlernte ins Jobumfeld passt. Auch das Timing ist wichtig: Bei schlechter Auftragslage oder nach Beendigung eines Projekts lässt man Mitarbeiter womöglich eher in die Auszeit ziehen als in Boomzeiten. Denken Sie auch an die Zeit nach der Pause und vereinbaren Sie eine Rückkehrgarantie mit Ihrem Chef.

WIRKUNGSWEISE
Wer permanent auf Hochtouren läuft oder schon seit Langem im selben Job tätig ist, könnte vom Sabbatical profitieren: Abstand zu gewinnen, Raum für neue Gedanken zu schaffen und aus einem durchstrukturierten und -organisierten Leben auszubrechen, könnten Ziele sein. Oder aber mehr Zeit mit der Familie zu verbringen oder die lang angestrebte Promotion zum Abschluss zu bringen. Sogar die Firmen profitieren: Seit der Wirtschaftskrise nutzen Arbeit-geber längere Auszeiten gern als Instrument zur Kostensenkung.

RISIKEN/NEBENWIRKUNGEN
Ein Recht auf ein Sabbatical, das üblicherweise zwischen zwei Monaten und einem Jahr dauert, gibt es nicht. Stellt der Chef sich quer, weil etwa der Betrieb klein ist und niemand so einfach für ein halbes Jahr ersetzt werden kann, bleibt dem Arbeitnehmer nur die Kündigung – als drastischstes Mittel. Möglicherweise bedarf es einfach etwas Geduld, bis das Unternehmen sich mit der Idee anfreunden kann. Geben Sie nicht nach dem ersten Nein klein bei, sondern wiederholen Sie Ihren Wunsch in Personalgesprächen. Ohnehin ist das Vorhaben langfristig anzugehen: Um auch während der Auszeit eine Bezahlung zu erhalten, sollten Mitarbeiter im Vorwege auf einen Teil des Gehalts verzichten beziehungsweise Überstunden und Urlaubstage ansparen. Dann — und im Falle von unbezahltem Urlaub — gilt die Auszeit sogar als Beschäftigungszeit.

 

TEILZEIT – Mit einem „Job light” beruflich am Ball bleiben, Geld verdienen und mehr Zeit für das Privatleben haben.

ANWENDUNG
Immer mehr Deutsche arbeiten Teilzeit. Insbesondere Frauen fragen diese Jobs nach, 45 Prozent der Arbeitnehmerinnen sind in Teilzeit beschäftigt. Zum Vergleich: Europaweit sind es im Schnitt nur 31 Prozent. Hiesige Firmen – egal ob Adidas, Commerzbank, VW oder Mittelständler wie Trumpf – stellen schon viele Teilzeitarbeitsplätze zur Verfügung. Jeder Arbeitnehmer hat sogar einen Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit; vorausgesetzt, es stehen keine betrieblichen Gründe entgegen. Aber Vorsicht: Wer aus einem Vollzeitjob in eine Teilzeitbeschäftigung wechselt, hat kein automatisches Anrecht darauf, zurück in eine 100-Prozent-Stelle zu wechseln.

WIRKUNGSWEISE
Wer Teilzeit arbeitet, hat meist familiäre Verpflichtungen, etwa kleine Kinder oder ältere Angehörige, die zu betreuen sind. Mit einem ̒Job light” erhält man die Möglichkeit, beruflich am Ball zu bleiben und Geld zu verdienen. Zusätzlich gibt es einen Trend zu Teilzeit als finanzieller Basis, um sich in der restlichen Zeit anderweitig verwirklichen zu können: künstlerisch tätig zu sein, eine Selbstständigkeit vorzubereiten oder ein Buch zu schreiben. Für Arbeitgeber bedeuten Teilzeitstellen hingegen erhöhten Organisationsaufwand, höhere Kosten, und sie fürchten Planungsunsicherheit. Daher gilt es, gute Argumente parat zu haben, um den eigenen Chef für eine Teilzeitstelle zu begeistern.

RISIKEN/NEBENWIRKUNGEN
Viele Teilzeitbeschäftigte klagen über unbefriedigende Bedingungen: Weil Kollegen mehr erwarten, als in der reduzierten Zeit möglich ist. Weil externe Ansprechpartner keine Rücksicht auf freie Nachmittage nehmen. Oder weil der Job aufgrund von Überstunden zu einem Vollzeitjob mit schlechter Bezahlung wird. Wer gegen den Willen des Chefs auf Teilzeit pocht, muss damit rechnen, eine Tätigkeit übertragen zu bekommen, die mit dem bisherigen Job wenig zu tun hat. Argumentieren Sie daher mit Ihrer Erfahrung und Ihrem Wissen: Kann Ihr Arbeitgeber es sich leisten, eine wertvolle Kraft zu verlieren?

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