Neue Führung

Wenn ER mal wieder nervt: So händeln Sie stressige Chefs

Niemand will Ärger mit seinem Chef. Aber mancher Vorgesetzter raubt seinen Mitarbeitern wirklich den letzten Nerv. Doch dagegen kann man etwas tun. Entscheidend ist die richtige Ansprache – und ein paar Tricks.

© iluistrator / Shutterstock

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Flippt auch ihr Chef in Meetings öfter aus oder kommt nicht auf den Punkt? So etwas kann den Arbeitsalltag zur Hölle machen. Experten erklären, wie man Veränderungen erreicht, ohne den Arbeitsplatz zu gefährden. Hier sind die verschiedenen Stress-Chef-Typen:

Chef flippt aus: Ein cholerischer Arbeitgeber ist für Angestellte die Pest – besonders, wenn sich die Wut gegen einzelne Personen und ihre Handlungen richtet. Mitarbeiter sollten versuchen, das Verhalten nicht persönlich zu nehmen. „Machen Sie sich klar: Der ist so, und das hat nichts mit mir zu tun“, sagt Michael Rossié, Kommunikationstrainer aus Gräfelfing bei München.

Gelingt das Prinzip „links rein, rechts raus“ nicht, suchen Arbeitnehmer am besten das Gespräch. Rossié empfiehlt, ein Hilfsangebot zu machen: „Lieber Chef, Sie haben sich gestern furchtbar aufgeregt, das hat mich sehr erschreckt. Kann ich etwas tun, damit so etwas nicht wieder passiert?“ Bei verbalen Totalausfällen ist es wichtig, Grenzen zu ziehen. „Sagen Sie freundlich, dass es bis hierhin okay war, Sie das Gespräch aber nun beenden und morgen weiterreden möchten.“

Chef zerredet alles: Laberrhabarberfaselsülz – Besprechungen werden zur echten Geduldsprobe, wenn der Chef nicht zum Ende kommt. Am besten ist es, den Vorgesetzten gemeinsam mit Kollegen darauf anzusprechen, sagt Karrierecoach Ute Bölke aus Wiesbaden. Dabei gilt die Regel: Erst mal loben! Mitarbeiter können sich etwa beim Chef bedanken, dass er in Meetings immer viel Input gibt. Dann weisen sie darauf hin, dass die Zeit knapp ist und nicht jeder zu Wort kommt. Und sie bieten an, eine Agenda einzuführen, damit Meetings klarer strukturiert werden.

Chef fordert ständig Überstunden: Noch eine Akte kurz vor Feierabend, Anrufe am Wochenende – manche Arbeitgeber verlangen ständige Bereitschaft. „Es hilft nichts. Hier muss man Grenzen setzen – und zwar je früher, desto besser“, erklärt Svenja Hofert, Karriereberaterin aus Hamburg. Sonst wird das Verhalten schnell zur Gewohnheit. Viele Arbeitgeber testen gezielt aus, wie weit sie gehen können. Wer sich dann freundlich, aber konsequent positioniert und sein Recht auf Freizeit einfordert, kann nicht selten sogar an Ansehen gewinnen: „Oft steigt der Respekt, wenn man Grenzen setzt.“

Chef bevorzugt Kollegen: Die Lieblingskollegin darf immer nettere Jobs machen oder früher nach Hause? Wer sich benachteiligt sieht, sollte das Gefühl erst einmal hinterfragen, rät Bölke. Manche Bevorzugungen haben einen guten Grund. „Vielleicht hat die Kollegin ein krankes Kind oder muss häufig zum Arzt.“ Oft sorgen Missverständnisse dafür, dass Neid unter Kollegen entsteht. Ist eine Bevorzugung ungerechtfertigt, haken Mitarbeiter beim Chef nach – etwa so: „Ich interessiere mich auch für die Tätigkeiten, die Kollegin XY macht. Was kann ich tun, um in diesem Bereich eingesetzt zu werden?“

Chef erklärt nichts: „Machen Sie mal» – solche Anweisungen sind für Angestellte nicht immer hilfreich. „Es gibt Chefs, die stoßen einen ins kalte Wasser und erwarten, dass man sich dort zurechtfindet“, erläutert Hofert. Für manche Kollegen ist das kein Problem. Allen anderen rät Hofert, immer wieder nachzufragen und den Chef um Erläuterungen zu bitten. „Fragen Sie zum Beispiel, welche konkrete Erwartung der Chef an das Projekt hat. Oder bitten Sie um eine genaue Anleitung für das weitere Vorgehen.“

Text: Bettina Levecke

12 Kommentare

Anne

23.07.2015

Wieso ER?

Hermann Rochholz

23.07.2015

M.E. liegt das wahre Problem in den seltensten Fällen an der Abteilungsleitern selbst:
Das Problem liegt in der Ebene „Schnittstelle“ zwischen Vorstand und Abteilungsleiter. Dies ist u.A. die Ebene, die Abteilungsleiter überhaupt zu Abteilungsleitern macht und diese auch einschätzt.
Mein letzter Abteilungsleiter hatte einen „Code“: wenn er auf eine Beschwerde meinerseits „wouw“ sagte, dann wusste ich, dass auch er wusste, dass Unsinn verlangt wurde, aber auch er diesbezüglich machtlos war.

Svenja

23.07.2015

Um Bezug den Kommentar meiner Vorrednerin zu nehmen, stellt sich mir die selbe Frage: Wieso DER Chef? In zeiten von Frauenquote und Gleichberechtigung und einer Umstellung von ‚Studentenwerk‘ zu ‚Studierendenwerk‘, um ja Studenten (oder Studierende) beiden Geschlechts mit einzubeziehen, wäre es doch anzunehmen, dass sowohl Männer als auch Frauen in den höheren Positionen mitwirken dürfen und dementsprechend beide Geschlechter in ihrer Rolle als Chef oder Chefin anstrengend sein können.

LG

23.07.2015

Guter Artikel mit guten Tipps – vielen Dank!
Doch „er“ und „Chef“? Schade, dass die Frauen auch geschrieben in der Führungsriege auf der Strecke bleiben… Gerade von xing hätte ich mir da ein positives Beispiel gewünscht!

Fabian

23.07.2015

Es heißt nunmal DER Chef. Und nicht die Chef. Und schon gleich gar nicht das Chef.

Klar, man kann auch alles mit „die Chefin“ schreiben, aber dann schreibt der erste Mann hier drunter: „Wieso SIE?“ – achso, nein… Männer interessiert das ja gar nicht… Hm, dann nächstes Mal vllt. so…

Immer diese unsinnigen Diskussionen zum Thema Gleichberechtigung :(

Bruno Vincent Carl Fiala

23.07.2015

Wieso „hÄndeln“? Das Wort „handleN“ ist doch schon eingedeutscht genug.
Davon abgesehen. Der gesamte Artikel gibt kaugummiautomatenartige-Tipps.
Aus meiner Angestellten-Praxis weiß ich, es hilft bei (psychopathischen) uneinsichtigen Chefinnen nur der Austieg aus dem Unternehmen. Wenn man mit jemandem nicht vernünftig reden kann, weil sie/er in anderen Realitäten schwebt, hilft nur der Ausstieg aus eben diesem Betrieb…

Ulrike

24.07.2015

Guten Morgen,
„händeln“ ist wirklich ein interessantes Verb, nur existiert es nicht: http://www.duden.de/suchen/dudenonline/h%C3%A4ndeln.
Nachdem der Artikel auf Deutsch geschrieben ist, hätte ich „so gehen Sie mit stressigen Chefs um“ vorgeschlagen….
Ich bin ansonsten alles andere als eine Verfechterin puristischer deutscher Sprache, aber……gleich in der Überschrift sowas?

Swantje

01.08.2015

Wieso »ER« habe ich mich auch gefragt. Da ein Portal für eine neue Arbeitswelt sich sicherlich bewusst ist, dass es in Zeiten, in denen wir Stereotype überwinden, genau so gut ein »SIE« sein kann, muss es sich bei dieser versal betonten Bezeichnung um spitzfindiges Kalkül handeln und bedeuten, dass weibliche Führungskräfte mehr auf Einlenken und ein intaktes Netzwerk bedacht sind, somit umsichtigere und gewissenhaftere Führungsqualitäten zeigen und deshalb für die Erwähnung in diesem Artikel deutlich ungeeigneter wären.
Eine andere Möglichkeit wäre, dass die Autorin sich selbst in einem klassischen Rollenbild wiederspiegelt, was ich zu bezweifeln hoffe.
Es könnte sich aber auch um einen Aufforderung handeln, dass definitiv mehr Frauen diese Position für sich beanspruchen und wir gemeinsam am Miteinander arbeiten sollten, sodass solche Artikel gar nicht mehr zu Stande kommen müssen. Und ich wünschte mir, dass eben solche Intentionen mehr durchkommen in Artikeln, die für unseren Arbeitsmarkt relevant sind!

Ingo

08.12.2015

Der Artikel ist sehr/zu plakativ und die kaugummiautomatenartige-Tipps (Danke Bruno für den für mich neuen Begriff) sind wenig hilfreich. Und es gibt keine Stereotypen im wahren Leben.
Du kannst sie/ihn nicht ändern, nur deine Einstellung zu ihr/ihm.

Love it, change it or leave it. Doch die Befolgung dieses Prinzips ist mit Aufwand und Kosten verbunden. Wenn du dich ändern und weiterentwickeln willst, dann musst du damit rechnen, dass es Schwierigkeiten geben wird. Eine Änderung ist immer mit Aufwand und Kosten verbunden. Wenn dir das bewusst ist und du bereit dazu bist, dann kann es aber klappen.

Daniela

11.12.2015

Also, hier geht es um einen Typ von Mensch, nicht um das Geschlecht.Sehr oft findet man alle 4 Typen in einer Person wieder. Und noch ein Tip.
Diese Typen kommen immer in Führungspositione, weil Er oder Sie als Chefs genauso sind.

Verena

25.01.2016

Ich kann mich diversen Vorredner/innen nur anschließen: Warum muss in der Überschrift explizit „ER“ stehen? Willkommen im 21. Jahrhundert, lieber Autor! Ja, es gibt Frauen in Führungspositionen. Schauen Sie mal um sich.