Kreativität

Mehr frische Ideen? Raus aus den Meetingrooms!

Neugier spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Kreativität und Innovation: Im fünften Teil unserer Serie „Zukunftsräume“ in Kooperation mit dem Zukunftsinstitut geht es um die menschliche Lust auf Neues, interessante Experimente – und leere Whiteboards.

"In Zeiten der Disruption von Geschäftsmodellen und Arbeitsformen haben Neugierige die Nase vorn" (©Foto: Orla / shutterstock)

„In Zeiten der Disruption von Geschäftsmodellen und Arbeitsformen haben Neugierige die Nase vorn“ (©Foto: Orla / shutterstock)

Von Dr.Carl Naughton

These 1: Neugier ist der zentrale Treibstoff für Innovation

Die menschliche Neugier steuert zwei entscheidende Verhaltensweisen, welche die Basis der Kreativität bilden:

  • Das Aufspüren von Neuem
  • Das Durchdringen des Neuen

Mathematisch ausgedrückt: Wissenwollen x dranbleiben = Kreativität. Wird die Neugier nicht geweckt, entsteht auch nichts Neues. Deshalb ist Neugier der Motor der Kreativität. Das ist sogar messbar: Untersuchungen zeigen deutlich, dass Menschen mit höherem Neugier-Index offener sind für neue Ideen, leichter lernen und sich gewissenhafter verhalten. Sie sind die zentralen Treiber und Advokaten des Neuen.

These 2: Neugierige sind die Innovationstreiber

Im Rahmen der Zukunftsinstitut-Studie „Neugier-Management“ haben wir in eigenen Versuchsreihen herausgefunden: Menschen mit einem hohen Neugier-Index haben in der Regel mehr und qualitativ bessere Ideen. In klassischen Kreativitätsexperimenten à la „Finden Sie möglichst viele Verwendungsmöglichkeiten für einen Backstein“ kommen diese Menschen auf ungewöhnlichere Lösungsmöglichkeiten als Nicht-Neugierige. Es wird für Unternehmen also entscheidend sein, wie sie zukünftig ihre kreativen Teams zusammenstellen. Die tradierten Praktiken, etwa der „Nasenfaktor“ oder das politische Kalkül, haben hier ausgedient.

These 3: Neugierige sind entscheidend für die „BIG-C-Creativity“

Disruption ist in aller Munde und auf jeder Agenda. Disruption und das notwendige radikale In-Frage-Stellen herkömmlicher Geschäftsmodelle ist nichts für Zartbesaitete. Und auch hier haben Neugierige die Nase vorn: Studien der Uni Würzburg zeigen, dass Menschen mit höherem Neugier-Index über höhere Resilienz verfügen, also eine größere Widerstandskraft gegen Störungen und Krisen besitzen. Auf eine Frage wie „Was würde unser Geschäftsmodell komplett zerstören?“ reagieren sie nicht mit Angst, sondern mit Interesse. Und genau solche Fragestellungen machen die „BIG-C-Creativity“ und die Suche nach den großen, den revolutionären Umwälzungen aus. Für dieses Spielfeld innovativer Unternehmen sind die beruflich Neugierigen unabdingbar.

Zwar ist auch die „little-c-Creativity“ essenziell für Unternehmen: Sie fokussiert sich auf das inkrementelle, schrittweise und ständige Weiterentwickeln bestehender Lösungen. Hier ist Neuerung gleich Verbesserung. Doch wirklich entscheidend für unsere Zukunft ist die „BIG-C-Creativity“, denn dort bedeutet Neuerung Umwälzung – und der Umgang damit prägt unsere Zukunftsfitness.

These 4: Wir brauchen einen Paradigmenwechsel in der Auswahl kreativer Umfelder

Kuriositätenkabinette waren in der Renaissance der Renner: Neue Impulse in jeder Ecke. Wo aber gehen wir heutzutage hin, um kreativ zu denken? In einen Raum mit fünf Resopal-Tischen, einem Whiteboard und einem halbvollen Mülleimer. Der Ortswechsel jedoch ist entscheidend. Unsere Experimente mit der „Zukunftsinstitut Workshop GmbH“ und der Braincheck GmbH haben ergeben: Der Ort, an dem wir uns aufhalten, wie auch die Dinge, die wir direkt vor dem kreativen Denken tun, haben einen entscheidenden Einfluss auf die Denkergebnisse. Das Investment in eine kuriose Location, etwa einen Indoor-Campingplatz, hat einen belastbaren ROI – einen Return on Ideas.

These 5: Kreativität ist eine Funktion der „Embodied Cognition“

Ein Wort, so unbekannt wie seine Wirkung radikal ist: Embodied Cognition ist ein Konzept der Psychologie, das belegt, welchen Einfluss zum Beispiel verkörperte Metaphern auf das kreative Denken haben. In unseren „Creativity-Postern“, das sind „Rezepte gegen das Brett vor dem Kopf“, fassen wir diese neuen und im wahrsten Sinne des Wortes „bahnbrechenden“ Ansätze zusammen.

Zur Veranschaulichung hier zwei der skurrilsten, aber wirksamsten Erkenntnisse:
Wenn Sie Menschen in Schlangenlinien durch einen Raum gehen lassen, kommen diese Menschen auf mehr und auf ungewöhnlichere Ideen. Der Gang ist die physische Umsetzung und das Erlebnis des „Vom-geraden-Weg-Abweichen“.
Ähnliches passiert, wenn Sie Menschen auf den Ausspruch „Out of the Box“ aufmerksam machen und sie dann neben eine Pappbox setzen. Diese Menschen haben signifikant mehr Ideen als andere Menschen, die in der Box sitzen.

Fazit:

Für eine erfolgreiche Zukunft der Ideen der Zukunft gehören drei Dinge zusammen:
Ein fokussiertes Neugiermanagement für die „BIG-C-Creativity“.
Ein professionalisierter Umgang mit Umfeldern für neues Impulsmanagement.
Ein ungewöhnlicher Zugang mit der verkörperten Wahrnehmung (embodied cognition) für echtes Out-of-the-Box-Denken.

Also: Out of the Box and into the new – it’ s up to you!

Carl_Naughton_Autorenfoto

Über den Autor: Dr. Carl Naughton ist Autor, Coach und Speaker des Zukunftsinstituts. Der ausgebildete Schauspieler und promovierte Linguist war mehr als acht Jahre in Lehre und Forschung an der Universität Köln tätig und steht seit über 17 Jahren vor der Kamera und auf der Bühne.

Das 1998 gegründete Zukunftsinstitut gilt heute als einer der einflussreichsten Think-Tanks der europäischen Trend- und Zukunftsforschung und ist eine zentrale Informations- und Inspirationsquelle für Entscheider und Weiterdenker. Mehr über das Thema New Work und die Megatrends, die unsere Zukunft prägen, erfahren Sie auf zukunftsinstitut.de.

 

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