Kreativität

Kreativitätstechniken: Fünf Tipps gegen die Ideen-Blockade

Im digitalen Zeitalter sind ständig Ideen gefragt – und das fast immer auf Knopfdruck. Es gibt Tage, da fällt einem sofort was ein – und Tage, an denen uns das leere Blatt anstarrt. Auch Autor Stefan von Gagern kennt dieses Problem. Hier sind seine Tipps, die der Kreativität auf die Sprünge helfen.

Neue Ideen werden andauernd gebraucht: Fürs nächste Konzept, den nächsten Social Post, die Website, die nächste Kampagne, den Event, die Präsentation, eine gute Bildidee, Schwerpunkte fürs Meeting undundund. Lange Zeit zum Überlegen ist so gut wie nie. E-Mail, Instant Messenger & Co geben ein strammes Tempo vor. Wenn es heißt „bis morgen“ oder „nächste Woche“, dann hat man schon viel Zeit. Eigentlich erwarten Chefs und Kunden immer eine schnelle Antwort mit einer guten Idee.

Ideen haben mit Talent zu tun – und mit Kreativität. Doch die ist leider auch von der Tagesform abhängig. Es gibt Tage, da sprudeln die Ideen nur so und manche, da kommt erst einmal wenig oder nichts. An diesen Tagen bringt es wenig, zu verzweifeln. Was – auch mir – hilft, ist Methodik. Dabei handelt es sich um keine esoterischen Wundertechniken. Sondern um recht einfache Vorgehensweisen, die helfen, vorn anzufangen, erste Ideen vielleicht aus – tagesformunabhängigen – Basiselementen zu entwickeln. Routinen, die verhindern können, sich ständig selbst zu blockieren.

1) Sich inspirieren lassen

George Lucas hat vor „Star Wars“ die alte „Flash Gordon“ Science-Fiction-TV-Serie gesehen, Led Zeppelin haben vor dem ersten Album viel alten Blues von Robert Johnson gehört. Fast kein Geniestreich wird ohne Inspiration geboren. Natürlich soll es nicht um Ideenklau oder Abschreiben gehen, aber es ist völlig okay, sich bei der Ideensuche umzuschauen, was gerade angesagt ist, was andere so machen oder an etwas schon Bestehendes zu denken. Schnell ist oft zumindest eine Idee da, wo die Richtung hingehen soll. Wichtig ist es, etwas Eigenes aus den Vorbildern abzuleiten. Das macht zum Beispiel fast jeder Grafiker ständig und es gibt massig Inspirationsportale dafür im Netz, zum Beispiel das Kreativ-Portal Behance. Genauso funktioniert das mit der Themensuche bei Newsportalen, in branchenspezifischen Gruppen auf Xing usw.

MindMapExample

2) Gedanken fließen lassen

Probieren Sie mehrere Ansätze, statt sich gleich auf einen festzulegen. Eine gute Technik ist das Brainstorming, bei dem Sie einfach alle Begriffe aufschreiben, die Ihnen spontan einfallen. Mit Mindmapping können Sie Ihre Gedanken mit Linien rund um den Hauptgedanken verbinden und so eine Art „Landkarte“ ihres Gedankenganges aufzeichnen. Mindmaps erleichtern es, komplexe Themen aufzuzeichnen, verschiedene Gedankengänge auszuprobieren, die Informationsflut zu bewältigen, sowie am Ende viel einfacher und schneller Ideen zu entwickeln.

3) Vom Groben zum Feinen

Der erste Satz, die erste Folie, die ersten Striche sind die schwierigsten. Machen Sie es sich einfach. Fangen Sie an, Ihre Website, Ihr Produkt, Ihr Logo mit Bleistift auf Papier zu skizzieren, statt sich gleich in die Technik drum herum oder Feinheiten zu stürzen. Machen Sie sich Notizen auf einem Zettel, oder auf dem Smartphone, wenn eine Idee kommt. Schreiben Sie in Stichpunkten, statt sich mit Formulierungen und Kommasetzung herumzuschlagen. Es geht erst einmal um die grobe Idee, die Richtung, später kommen schrittweise die Feinheiten dazu.

4) Kompetenz einholen

Warum nur alleine über der Ideenfindung brüten? Sie müssen aber nicht gleich einen großen Aufwand betreiben und das ganze Team zum Meeting zusammentrommeln. Unterhalten Sie sich mit Kollegen, Freunden und auch ruhig in der Familie darüber, was sie gerade beschäftigt. Wagen Sie ruhig ein bisschen eigene Marktforschung: Fragen Sie Ihre Kunden auf Facebook wie das nächste Produkt aussehen soll, welche Features am aktuellen noch fehlen. Und recherchieren Sie bei Google, Xing & Co., was dem Netz dazu schon eingefallen ist.

5) Blockaden lösen

Es gibt Tage und Aufgabenstellungen, da geht einfach erst mal nichts. Hier ist es wichtig, erstens cool zu bleiben – auch eine komplette Blockade heißt lange nicht, dass Ihnen dazu morgen oder in einer Stunde auch nichts einfallen wird – und zweitens, nochmal etwas Luft zu holen und dann einen neuen Anlauf zu nehmen. Widmen Sie sich erst einmal wieder anderen Themen und Aufgaben. Gehen Sie eine Runde um den Block, oder joggen oder schlafen Sie drüber. Draußen, bei Bewegung kommen oft die besseren Ideen als am Schreibtisch, wo E-Mails auf Sie einprasseln. Mit etwas Abstand sieht die Sache oft viel einfacher aus. Ein frischer Tag bringt neue Gedanken – und oft ist dann der richtige im zweiten oder dritten Anlauf dabei.

2 Kommentare

Rosa Hauch

20.07.2015

Erst wenn Projektleiter und Führungskräfte das Beschäftigen mit Kreativtechniken nicht als verschenke Zeit betrachten, wird sich in dem ganzen Prozess etwas ändern. Ein Umweg mit einer FlipFlop oder Reizworttechnik wird Zeit sparen. Doch oft dürfen Kreative das nicht beweisen. Zwei Stunden gut vorbereitetes Brainstorming bringen mehr als sieben Überstunden. Frage an Sender Jerewan: Was muss passieren, bis Kreativtechniken akzeptiert werden wie Methoden der Softwareentwicklung?

R. Schwaiger

03.08.2015

@Rosa Rauch: Sie müssen erstens angewendet und zweitens letztendlich messbare Ergebnisse bringen, dann werden sie auch akzeptiert werden (a lá „das probieren wir noch mal“). Aber das ist ein längerer Prozess und geht nicht von heute auf morgen.