Kreativität

Harmoniesucht, Drückeberger, Ja-Sager: die Fallen beim Teamwork

Teamwork kann helfen, schwierige Aufgaben lösen, klar. Aber leider funktioniert die Arbeit in der Gruppe oft nicht so gut wie gewünscht. Das liegt in der Natur der Sache, erklären Experten – und an einigen sehr bekannten Kollegen-Typen.

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Nur wenige Stellenanzeigen kommen heutzutage ohne das Schlagwort „Teamfähigkeit“ aus. Die Anforderung, in einer Gruppe kreativ und produktiv zum Wohl des Unternehmens zu arbeiten, steht ganz oben auf der Liste der Arbeitgeberwünsche. Doch beim Teamwork lauern einige Fallen:

Die Drückeberger-Falle: Ein typisches Problem der Gruppenarbeit: In der Masse kann sich der Einzelne prima hinter den anderen verstecken – aus Trägheit oder Böswilligkeit. Jemand anderes wird die Arbeit schon machen. „Untersuchungen haben gezeigt, dass sich jeder Einzelne weniger anstrengt, je größer die Gruppe ist“, sagt der Berliner Buchautor Volker Kitz. Die Leistung nimmt ab, das schlägt sich auf die Produktivität nieder und schließlich auf die eigene Motivation. In so einer Situation ist der Teamleiter gefragt, jedem eine klare Aufgabe zuzuteilen, deren Erfolg am Ende messbar ist und nicht im großen Mischmasch verschwindet.

Die Konformitäts-Falle: Gibt es keine klare Aufgabenverteilung, gerät die Teamarbeit schnell zur Konformitätspresse, sagt Prof. Dietrich von der Oelsnitz. Er ist Leiter des Instituts für Unternehmensführung an der Technischen Universität Braunschweig. „Ansichten werden auf Einstimmigkeit getrimmt, Konventionen und Verhaltensstandards breiten sich aus.“ Wenn sich am Ende keiner mehr im Projekt wiedererkennt und auf seine eigene Leistung stolz sein kann, sinkt die Motivation.

Neben einer klaren Aufgabenverteilung ist es deshalb wichtig, die Zusammensetzung regelmäßig zu wechseln: „Gerade in kreativen Bereichen sollte das Kernteam gesetzt sein, das Randteam aber stets neu besetzt werden.“ Das sei ähnlich wie in der Filmbranche. Viele Regisseure arbeiten mit ein paar festen Kameraleuten oder Schauspielern zusammen, der Rest variiert.

Die Ja-Sager-Falle: „Gerade große Teambesprechungen fördern die Harmoniesucht und verleiten dazu, sich schlechter vorzubereiten“, erklärt Kitz. Das bremst die Kreativität. „Ideen werden im Zweifelsfall von den Vielrednern erstickt, oder man hat es sich schon vorher in der Masse bequem gemacht“, ergänzt der Hamburger Teamcoach Thorsten Visbal. Deswegen rät er bei Besprechungen, wieder auf Papier umzusteigen. „Wenn jeder seine Idee aufschreiben muss, ist er gezwungen, sich Gedanken zu machen“, sagt Visbal. Außerdem sollten Teams nicht zu groß sein. „Je mehr Mitarbeiter zusammensitzen, desto schneller werden Entscheidungen blockiert“, warnt er. Er empfiehlt deshalb Teams von etwa sieben Mitarbeitern.

Die Homogenitäts-Falle: Ob ein Team erfolgreich ist, hängt auch von der Zusammensetzung ab. „Bei Routinearbeiten, etwa in Montageteams, ist es hilfreich, wenn eine hohe Homogenität herrscht, um Hand in Hand zu arbeiten“, erklärt Prof. von der Oelsnitz. Für Kreativteams rät er allerdings zu hoher Diversität, damit sich die einzelnen Teamplayer gegenseitig befruchten können. Ein Überflieger, also ein sehr fähiger Kollege, kann die anderen allerdings schwächen. „Eine amerikanische Kollegin hat den Begriff Tiger-Woods-Effekt geprägt“, sagt von der Oelsnitz. Untersuchungen haben ergeben, dass andere Spitzenspieler schlechter abschneiden, wenn sie gegen den Ausnahmegolfer antreten mussten. Superstars frustrieren häufig die Leistungsschwächeren, die sich daraufhin mehr zurücknehmen.

Die Familien-Falle: «Viele schätzen ein Team, weil sie sich wohlfühlen, sie sagen `Ich geh auch wegen meiner netten Kollegen zur Arbeit´“, erzählt Kitz. Für dieses Wohlgefühl muss man aber nicht im Team arbeiten. Es reicht, wenn Berufstätige sich in der Teeküche treffen oder die Mittagspause zusammen verbringen. Die Gefahr ist, dass sonst in so einer Atmosphäre die Arbeit in den Hintergrund rückt.

Prof. von der Oelsnitz bewertet den sozialen Faktor nicht so negativ: „In Teams, die auf einer persönlichen Ebene funktionieren, gibt es weniger Krankschreibungen und weniger Fluktuation, die Motivation ist tendenziell höher.“ Ein gutes Teamklima sei ein Stresspuffer. Gut sei das bei ehrenamtlicher Arbeit zu beobachten. „Da will jeder seinen Teil zum Buffet beitragen und den leckersten Kuchen backen. Die erlebte Solidarität steigert die Arbeitsfreude.“

Text: Britta Schmeis

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