5 Fragen zum Thema „New Work“ an: Dr. Hans-Christoph Kürn, Siemens AG

New Work ist in aller Munde. Doch was bedeutet „neues Arbeiten“ eigentlich? Wie übersetzen den Begriff Menschen, die tagtäglich daran arbeiten, moderne Arbeitsbedingungen zu schaffen, für sich und ihre Mitarbeiter, für ihr Unternehmen und darüber hinaus? Was verstehen sie ganz persönlich unter New Work / Old Work, wie denken sie über neue Führung und die Jobs der Zukunft? In Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeberbewertungsportal kununu befragen wir von nun an regelmäßig Experten, deren Unternehmen bei kununu gut bewertet werden – wir freuen uns auf viele spannende und überraschende Einblicke! Den Auftakt macht Dr. Hans-Christoph Kürn, eRecruiting- und Employer Branding-Experte und bei der Siemens AG aktuell als Head of Social Media tätig.

Meine persönliche Übersetzung von “New Work“ : …

Für mich ist New Work viel mehr als nur ein „wohnlicheres“ Arbeitsambiente, viel mehr als die Freiheit, nicht immer an meinem Schreibtisch sitzen zu müssen (den es gar nicht mehr gibt!). Es bedeutet, dass ich mich je nach Aufgabe wirklich räumlich verändern und dort arbeiten kann, wo ich nicht nur die Aufgaben am besten erledigen kann, sondern wo ich mich auch wohl fühle: vom Schreibtisch zum Think Tank, vom „Meet and speak“ bis zum Phone Chair, auch am Flughafen oder zuhause. Heißt, enorm flexibel zu sein, entspannter zu arbeiten und damit die Grundvoraussetzung für echte „Work-Life-Balance“ zu schaffen.
Die große Flexibilität beim Arbeiten hat natürlich auch einen grenzenlosen Nimbus: Ich kann immer und überall arbeiten – und es liegt an mir, mir selbst Grenzen zu setzen. „Leben“ heißt eben nicht „nur arbeiten“, sondern auch „leben“!

Wenn ich an mein Unternehmen denke, was ist dort ehrlicherweise eher „Old Work“?

Das gibt es ganz sicher noch und es gibt sicher auch noch Kollegen/-innen, die sich mit „Old Work“ wohlfühlen. Für mich ist das eine Kopfsache, die viel mit dem berühmten „Bewusstsein“, mit einer Grundeinstellung zu tun hat: New Worker sind reflexiv, modern, neue Medien bejahend (und benutzend), zeigen einen gewissen „Drive“. Die, die das nicht bei sich selbst realisieren können, haben in Kürze definitiv Schwierigkeiten mit ihrer Arbeit, aber auch mit sich selbst!

So will ich auf keinen Fall werden! Das denke ich, wenn ich an folgende Eigenheiten meiner früheren Chefs denke:

Permanent kontrollierend, enge Terminrahmen setzend, Präsenzpflicht einfordernd, geringe bis keine Wertschätzung, Feedback nach dem Motto „Nicht gemeckert ist schon genug gelobt“, Mitarbeiter als „Arbeitstiere“ wahrnehmen, kein Impulsgeber sein.

Mein Traum-Beruf, wenn ich nicht Head of Social Media wäre:…

Ganz ehrlich: Mein jetziger Job! Neue Ansätze im Personal Marketing und Employer Branding umzusetzen und die Zielgruppe, ganz authentisch und emotional abzuholen – mit neuen Medien und meinem (echten) „Herzblut“! Das ist für mich ein Traum-Job.

Zeitreise ins Jahr 2025: In 10 Jahren wird …. ein echter Traumberuf sein.

Wir leben zur Zeit aufgrund der zunehmenden Vernetzung mitten in einer neuen „industriellen Revolution“ und sind hier erst ganz am Anfang angelangt. Nur: Technik ist nicht alleine zu denken, sie hat immer Auswirkungen auf den einzelnen Menschen, auf Gruppen, auf die Gesellschaft. Hier muss Technikfolgenabschätzung ansetzen und das wäre in zehn Jahren ein echter Traumjob für mich: Mir darüber ernsthafte Gedanken zu machen! Und das kann ich auch noch machen, wenn ich in zehn Jahren die dann sicher flexiblere Pensionsgrenze schon überschritten habe.


Über Dr. Hans-Christoph Kürn

drhanschristophkürnqDr. rer pol. Hans-Christoph Kürn studierte an der LMU München Soziologie und VWL. Seit 1986 ist er in verschiedensten Funktionen im Bereich„Human Ressources“ bei der Siemens AG beschäftigt. Hier zieht sich sein Tätigkeitsfeld von „Gesellschaftspolitische Grundsatz- und Bildungsarbeit“ über den „Aufbau der HR Organisation in den neuen Bundesländern“, „Personalentwicklung“ bis zur Funktion „Personalorganisation“. Heute ist er im Konzern Siemens Deutschland für das Thema „Social Media“ verantwortlich.

Über New Work bei der Siemens AG

siemensMit einer durchschnittlichen Bewertung von 3,64 Punkten schneidet die Siemens AG auf der Arbeitgeberbewertungsplattform kununu überdurchschnittlich gut ab. Das liegt nicht zuletzt an den modernen Arbeitsbedingungen, die Siemens schafft. Das Unternehmen hat es sich auf die Fahnen geschrieben, als flexibler Arbeitgeber die verschiedenen Lebensphasen und die vielseitigen Anforderungen der Mitarbeiter zu berücksichtigen. Die Siemens AG unterstützt die Mitarbeiter bei der Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Karriere und sorgt für flexible Arbeitsbedingungen durch echte Work-Life-Integration (flexible Arbeitszeit- und Arbeitsplatzvarianten, Gleit- und Teilzeitmodelle, Altersteilzeit und längerer Auszeiten wie ein Sabbatical, Telearbeit, betriebsnahe Kinderbetreuung u.v.m.) oder durch das Office-Konzept „New way of working“ (Flexibilität bei der Arbeitsplatzwahl, moderne IT, freie Auswahl von unterschiedlichen Arbeitsplatztypen u.v.m). Weitere Informationen unter Arbeiten bei Siemens.

4 Kommentare

Ernst Holzmann

19.06.2015

Auch wenn sich der Interview-Partner bei einigen Aussagen „gedrückt“, oder sehr diplomatisch verhalten hat (z.B. „was ist noch old school“ und „was wäre Ihr Traumjob“) beschreibt er schon treffend alte und bekannte Verhaltensweisen bei meinem ehemaligen Arbeitgeber. Auch auf Basis meiner gemachten Erfahrungen würde ich den Unterschied zwischen „Old und New Work“ eher wie folgt definieren: Weniger Kommandieren, Kontrollieren und Korrigieren und mehr Koordinieren, Kooperieren und Kommunizieren. Womit er aber auf jeden Fall Recht hat ist Anerkennung und Feedback geben, eher zu viel, als zu wenig!

Eva Kippenberg

19.06.2015

Für mich ist der Knackpunkt aus dem Interview mit Herrn Dr. Kürn das Wort „Wertschätzung“. Aus der Wertschätzung der Mitarbeiter als Menschen folgt fast automatisch deren Selbstverantwortlichkeit im Job. Wie ich in den Wald hineinrufe, so schallt es heraus. Unterstützung und Wertschätzung (auch gezeigt durch konstruktives Feedback) ist niemals eine Einbahnstraße.

Fritz Müller

20.06.2015

Aber Herr Kürn … was schreiben Sie denn ..“Permanent kontrollierend, enge Terminrahmen setzend, Präsenzpflicht einfordernd, geringe bis keine Wertschätzung, Feedback nach dem Motto „Nicht gemeckert ist schon genug gelobt“, Mitarbeiter als „Arbeitstiere“ wahrnehmen, kein Impulsgeber sein.“

Das ist doch gelebte Realität, wo immer Sie hinschauen. Ihre Wünsche kann ich nur frei interpretieren „Deine Worte hör ich wohl, allein fehlt mir der rechte Glaube.

Wie wollen Sie Ihr Freidenken umsetzen, wenn jedes Jahr wieder 5% oder mehr an Effizienzsteigerung vom Management gefordert wird?

Das ist doch gerade das Problem, noch nie wurden die Mitarbeiter so verheizt wie heute. Gehen Sie mal in eine ärztliche Praxis und fragen mal, wie viele Patienen sich wegen diesem Managementstil stillschweigend psychisch und physisch behandeln lassen müssen.

Sorry, nett zum Lesen, aber keine Chance auf Umsetzung, gerade in der Automobilindustrie.

Uwe Stengel

20.06.2015

Viel Worte wenig Klarheit.
New work meint doch new staff? Meint Anforderungen Enterprise 4.0 sucht HR Skills 4.0 Also hochfrequente, hochvernetzte big Data Performance? Schaffe ich dies mit alten top down Strukturen in friendly Atmosphäre? Oder trainiere ich nicht besser bottom up diese hochfrequente, hochvernetzte big Data Performance auf mentaler Ebene? Oder geht es tatsächlich nicht um Output Optimierung?