Selbstständigkeit & Gründung

Zahlen, Daten, Fakten: So gründet Deutschland (oder auch nicht)

Wie viele Gründungen gibt es eigentlich pro Jahr in Deutschland? Wie ist dabei die Verteilung von Frauen, Männern, älteren und jungen Menschen? Und wie sieht es im internationalen Vergleich aus? In Kooperation mit Statista präsentieren wir die wichtigsten Zahlen zum Gründertum in Deutschland

In Deutschland wird weniger gegründet.
Das zeigen Daten des Statistischen Bundesamtes. Im vergangenen Jahr hat die Zahl der Neuerrichtungen von Gewerben den tiefsten Stand seit 2002 erreicht. Die Aufgabe von Gewerben lag dabei in etwa auf Vorjahresniveau und somit nur noch kann über der Zahl der Neuerrichtungen. Der Wert der Neuerrichtungen besteht weitestgehend aus dem der Neugründungen und zu einem kleinen Anteil aus Umwandlungen.

Besonders zurückgegangen ist die Zahl neu gegründeter Kleinunternehmen (-11,5 Prozent auf 211.000). Diese Entwicklung sei laut Statistischen Bundesamt unter anderem dadurch verursacht worden, dass die Zahl der Gründer von Kleinunternehmen mit bulgarischer oder rumänischer Staatsangehörigkeit um 40 Prozent auf 28 000 sank. Der Grund für diesen Rückgang dürfte die seit 1. Januar 2014 geltende uneingeschränkte Arbeitnehmerfreizügigkeit für Staatsangehörige aus Bulgarien und Rumänien gewesen sein, teilt das Amt mit. Seit dem genannten Datum können Bürger dieser beiden EU-Mitgliedstaaten ohne Beschränkungen eine abhängige Beschäftigung in Deutschland aufnehmen.

Infografik: Gründer auf dem Rückzug | Statista


Gründungen sind in Deutschland überdurchschnittlich oft auf einen Mangel an Alternativen zurückzuführen.
Das zeigen Daten des aktuellen GEM-Länderberichts für 2014. Demnach kommt auf einen Gründer, der mangels Erwerbsalternativen zum Entrepreneur wird, mit 3,27 Gründern, die aufgrund einer Marktchance gründen, zwar immer noch eine Überzahl an sogenannten Opportunity-Gründern, das Verhältnis ist jedoch deutlich geringer als in anderen Staaten. In Frankreich kommen 5,1 Opportunity-Gründer auf einen „Necessity-Gründer“. In Schweden, Dänemark und Norwegen sind es zum Teil deutlich über zehn. In den USA sind es sogar über sechzig.

Dies spiegelt eine ganz andere Einstellung zum Thema Selbstständigkeit und Unternehmertum wieder. In vielen dieser Länder gilt der Start eines eigenen Unternehmens als normal, wohingegen in Deutschland eine Mentalität zum Angestellten-Dasein herrscht und häufig nur aus der Not heraus gegründet wird. Gerade junge Menschen in Deutschland wollen nicht gründen. Viele sehen sich aber auch nicht ausreichend für diesen Schritt vorbereitet: Laut Europäischer Kommission halten sich in Deutschland nur rund ein Drittel der Personen zwischen 15 und 64 Jahren durch ihre Ausbildung für befähigt, ein eigenes Unternehmen zu führen.

Infografik: Deutsche Gründer sind verhältnismäßig oft Gründer wider Willen | Statista


Unternehmensgründungen werden noch immer überwiegend von Männern bestritten.
Das zeigen Daten des aktuellen GEM-Länderberichts für 2014. In Deutschland lag die Gründerquote bei Männern zuletzt bei 6,54 Prozent, bei Frauen bei 3,97 Prozent. In anderen Ländern, darunter auch Österreich, sind die Werte deutlich höher. Doch auch hier sind die Quoten bei den Männern über denen bei den Frauen. Eine Ausnahme bildet die Schweiz. Die skizzierten Gründerquoten drücken den Anteil der Personen zwischen 18 und 64 Jahren mit „Gründungsaktivität im frühen Stadium“ aus, was bedeutet, dass es nicht bei allen dieser Personen auch tatsächlich zu einer vollständigen, dauerhaften Unternehmensgründung kommt.

Infografik: Meist immer noch weniger Gründerinnen als Gründer | Statista


Nur ein Viertel der Gründer in Deutschland hat im vergangenen Jahr Förderkredite in Anspruch genommen.
Zuschüsse durch die Bundesagentur für Arbeit halfen sogar nur 13,5 Prozent von ihnen. Deutlich verbreiteter ist Unterstützung aus dem privaten Umfeld. Laut KfW haben fast 40 Prozent der Gründer ein Darlehen oder Geschenke von Verwandten oder Freunden genutzt, um ihre Selbstständigkeit zu finanzieren.

Infografik: Freunde und Verwandte sind größter Gründungsmotor | Statista


Die GmbH ist bei deutschen Gründern weiter hoch im Kurs.
Insgesamt 48.689 Betriebsgründungen als GmbH gab es in Deutschland im vergangenen Jahr. Das sind fast 40 Prozent aller eingetragenen Betriebsgründungen. An zweiter Stelle folgen Einzelunternehmen, gefolgt von der Gesellschaft bürgerlichen Rechts. Mit der Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt), der sogenannten „kleinen GmbH“ und der GmbH & Co. KG folgen weitere Sonderformen der GmbH. Kaum eine Rolle spielen andere Rechtsformen bei Betriebsgründungen: Gerade einmal ein Prozent wurde in Form einer AG gegründet, Vereine (0,4 Prozent) und Genossenschaften (0,2 Prozent) sind die absolute Ausnahme.

Infografik: GmbH weiter hoch im Kurs | Statista


7 Kommentare

Jentzsch

18.05.2015

Der Artikel war für mich sehr aufschlussreich, allerdings vermisse ich einen Hinweis bei der Gründung aus der Arbeitslosigkeit im Zusammenhang mit dem Wegfall des Rechtsanspruchs auf den Gründungszuschuss. Diese Tatsache hat einen nicht unerheblichen Anteil an der nicht steigenden Gründungswilligkeit, vor allem junger Menschen.

Pradler

18.05.2015

Der Problematik rund um das Thema Gründung aus der Arbeitslosigkeit kann ich nur zustimmen. Die derzeitige Bundesregierung erweist dem Unternehmertum einen Bärendienst, in dem sie der Agentur für Arbeit klare Vorgaben gibt, Arbeitslose vom Weg in die berufliche Selbstständigkeit zu verwehren und die Arbeitssuchenden mit allen Mitteln in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen zu halten. Da ist es auch wenig dienlich, dass das Bundeswirtschaftsministerium, von Herrn Gabriel viele Millionen Euro an Werbung eben für den Weg in die Selbstständigkeit aufwendet. Es wäre dringend an der Zeit, dass die SPD als Regierungspartei eine klare und PRO Unternehmertum gerichtete Position einnimmt und die Fördermittel dafür koordiniert und zielgerichtet einsetzt. Deutschland braucht den Mittelstand mehr denn je. Die KMU Unternehmen bilden seit je her die Basis für Wirtschaftskraft, Beschäftigung und damit sozialem Wohlstand in unserem Lande.
Jörg M. Pradler Stuttgart + Budweis

Olaf Hoprich

18.05.2015

Schöne Sammlung von Fakten des Gründungsgeschehens. Leider wird immer wieder vergessen das 2014 das mittlerweile dritte Jahr ist mit einem negativen Gründungssaldo. Dies gab es das letzte mal Mitte der 1970er Jahre. Wir haben seit 2012 78.000 Unternehmen verloren. Trotz einer guten Konjuntur und niedrigen Zinsen. Deutschland ein Gründerland weit gefehlt. Auch die massive Unterstützung von Startups wird diese Lücke nicht schließen. Sie wird nur die Schere zwischen Arm und reich noch größer werden lassen. Ebenso wird mir der Fakt der Kleinunternehmen mit bulgarischer oder rumänischer Staatsangehörigkeit zu wenig betrachtet. Dieser Efekt müsste meiner Meinung nach aus der Statistik herrausgerechnet werden. Also liebe Bundesregierung weiter so.

martini

18.05.2015

Sagen wir’s mal so: Die Daten, die der Artikel präsentiert, sind höchst interessant.

Allerdings sollte man die Lage der Fakten nicht mit deren Interpretation verwechseln.
Etwa bei der Aussage „…Dies spiegelt eine ganz andere Einstellung zum Thema Selbstständigkeit und Unternehmertum wieder. In vielen dieser Länder gilt der Start eines eigenen Unternehmens als normal, wohingegen in Deutschland eine Mentalität zum Angestellten-Dasein herrscht…“ handelt es sich eindeutig um eine Bewertung. Ohne diese allerdings mit eindeutigen Fakten zu belegen – der Satz ist bloße Interpretation der Datenlage, die behauptete Kausalität erscheint mir jedoch recht willkürlich

Sebastian

20.05.2015

Die Daten finde ich sehr spannend!

Ich habe diese als Grundlage verwendet unsere Gründerkultur in Deutschland in Frage zu stellen!

http://www.fromherotozero.de/deutschland-keine-gruenderkultur/

Rainer Schmidt

26.05.2015

Interessant waere auch gewesen, die „vorbildhaften Laender“ darauf zu pruefen, ob auch dort eine so unsaegliche Buerokratie herrscht wie bei uns. Bevor auch nur 1 ct verdient wurde, stehen schon alle moeglichen Instituitionen Schlange, die alle die Hand aufhalten

gonzo

13.01.2016

Tja, als Kleinunternehmer, oder gar als Solo-Selbständiger, guckt man nach der „goldenen Ära der Ich-AG“ nun in die Röhre .. der Politik, die alles was noch kriecht in die RV zwingen will.

Jenseits des Atlantik gibt es nicht mehr viel Vorbildliches, aber:
– Start-Ups in der Garage > in Deutschland verboten.
– Die Studenten, die als „Cookie-Mafia“ erfolgreich sind, wären in D schon gehörig abgestraft, allein wegen fehlender Bäcker-(Meisterzwangs!-)Ausbildung.