Arbeit & Recht

Das ABC des Arbeitsrechts - von Abmahnung bis Zeugnis

Wie viel Urlaub steht mir zu? Brauche ich immer eine Krankschreibung, wenn ich daheim bleibe? Sind Kettenbefristungen zulässig? Spielraum erläutert die wichtigsten Stichworte rund ums Arbeitsrecht und verrät, welche Rechte und Pflichten Arbeitnehmer haben.

Von Peter Neitzsch

Abmahnung

Eine Abmahnung ist die gelbe Karte im Job: Der Arbeitgeber zeigt sie, wenn ein Mitarbeiter ein Foul begangen hat. Dabei muss das Fehlverhalten konkret benannt werden und zwar schriftlich. Jede Abmahnung muss außerdem eine Warnung enthalten: Im Wiederholungsfall droht die rote Karte – also arbeitsrechtliche Konsequenzen bis hin zur Kündigung.

Aufhebungsvertrag

Wenn Arbeitnehmer und Arbeitgeber einvernehmlich das Arbeitsverhältnis beenden, wird das im Aufhebungsvertrag festgehalten. Die Alternative zur einseitigen Kündigung schont Zeit und Nerven. Doch Vorsicht: Nicht immer ist das für den Arbeitnehmer die beste Lösung. Er verzichtet auf seinen Kündigungsschutz und riskiert eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld.

Befristung

Wird ein Arbeitsverhältnis nur für eine bestimmte Dauer geschlossen, spricht man von Befristung. Der Job endet dann zum vereinbarten Datum oder mit dem Abschluss des Projekts – ganz ohne Kündigung. Allerdings sind Kettenbefristungen verboten: Ohne Sachgrund darf die Befristung nur drei mal verlängert werden und insgesamt bloß zwei Jahre dauern.

Betriebsrat

In Betrieben mit fünf Mitarbeitern oder mehr hat die Belegschaft das Recht, einen Betriebsrat zu wählen, der ihre Interessen vertritt. Das Gremium verfügt über weitgehende Mitwirkungs- und Mitbestimmungsrechte, weshalb manche Unternehmen versuchen seine Gründung zu verhindern. Oft ist der Betriebsrat die erste Anlaufstelle für Arbeitnehmer bei Problemen.

Dienstwagen

In manchen Positionen stellt der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern einen Dienstwagen zur Verfügung. Das bedeutet: Die Firma zahlt und der Arbeitnehmer kann das Auto zu dienstlichen Zwecken nutzen. In der Regel sind auch Privatfahrten mit dem Firmenwagen möglich. Allerdings gilt das als geldwerter Vorteil, der beim Fiskus versteuert werden muss.

© Cello Armstrong - Fotolia.com

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Elternzeit

Eine Auszeit vom Beruf wird Müttern und Vätern durch die Elternzeit ermöglicht. Der Arbeitgeber muss jeden Mitarbeiter bis zu drei Jahre für die Kindererziehung freistellen. Im Anschluss muss er die Rückkehr auf den alten – oder einen vergleichbaren – Arbeitsplatz gewährleisten. Für mindestens ein Jahr hilft der Staat Erziehenden zudem mit dem Elterngeld.

Krankmeldung

Eine korrekte Krankmeldung ist für jeden Arbeitnehmer Pflicht: Der Anruf beim Arbeitgeber sollte daher noch vor dem Gang zum Arzt erfolgen – spätestens jedoch bei Dienstbeginn. Am dritten Kalendertag nach der Krankmeldung ist eine ärztliche Krankschreibung erforderlich. Das Bett muss aber nicht gehütet werden: Auch ein Ausflug kann ja zur Genesung beitragen.

Kündigung

Will ein Arbeitgeber ein Arbeitsverhältnis beenden, muss er sich an die Kündigungsfristen halten. Eine fristlose Kündigung ist nur in Ausnahmefällen zulässig. Zudem braucht es in Betrieben mit mehr als zehn Mitarbeitern immer einen stichhaltigen Kündigungsgrund. Dabei wird zwischen personen-, verhaltens- oder betriebsbedingter Kündigung unterschieden.

Kündigungsschutzklage

Jeder Arbeitnehmer kann sich mit einer Kündigungsschutzklage gegen seinen Rauswurf wehren – die Frist dafür beträgt drei Wochen nach Zugang der Kündigung. Ein Arbeitsrichter überprüft dann, ob die Entlassung rechtens war. Sehr oft endet einen Kündigungsschutzklage in einem Vergleich – zum Beispiel mit einer Abfindung für den Arbeitnehmer.

Leiharbeit

Leih- und Zeitarbeiter haben die gleichen Rechte wie andere Arbeitnehmer auch: Die Zeitarbeitsfirma muss den Lohn im Krankheitsfall fortzahlen, Sozialversicherungsbeiträge abführen und Kündigungsfristen einhalten. Der Arbeitsvertrag sollte regeln, welche Arbeiten abgelehnt werden dürfen. Der Einsatz als Streikbrecher darf immer verweigert werden.

Mindestlohn

Seit 2015 gilt bundesweit ein Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Allerdings gibt es für einige Branchen Übergangsregelungen – wie im Frisörgewerbe und in der Fleischindustrie. Ausnahmen sind u.a. auch für Langzeitarbeitslose oder Schülerpraktikanten vorgesehen. Bei Minijobbern auf 450-Euro-Basis begrenzt der Mindestlohn die monatliche Arbeitszeit.

Mobbing

Wird ein Mitarbeiter systematisch im Job schikaniert, angefeindet oder diskriminiert, dann liegt Mobbing vor. Egal ob die Schikane vom Chef ausgeht oder von Kollegen, der Arbeitgeber hat eine Fürsorgepflicht und muss Mobbing unterbinden: Den Täter muss er anweisen, die Handlungen zu unterlassen, und ihm mit arbeitsrechtliche Schritten drohen.

Praktikum

Praktika reichen vom Schnuppertag bis zur regelmäßigen Mitarbeit: Entscheidend ist nicht die Dauer, sondern das etwas gelernt wird. Pflichtpraktika müssen nicht bezahlt werden. Sind Ausbildung oder Studium abgeschlossen, besteht dagegen Anspruch auf Mindestlohn. Wird der Praktikant als normaler Mitarbeiter eingesetzt, muss er branchenüblich vergütet werden.

Teilzeit

Wenn sich Arbeitnehmer für eine verkürzte Wochenarbeitszeit entscheiden, dürfen sie im Betrieb nicht schlechter gestellt werden als Vollzeitkräfte. Sie haben den gleichen Anspruch auf Fortbildungen, Urlaub oder Sozialleistungen. Der Arbeitgeber ist gesetzlich verpflichtet, dem Wunsch eines Mitarbeiters nach Teilzeit nachzukommen, wenn er dies einrichten kann.

Überstunden_Die Welt

Überstunden

Wer mehr arbeitet als im Arbeitsvertrag steht, macht Überstunden. Entlohnt werden muss die Mehrarbeit jedoch nur, wenn sie vom Arbeitgeber angeordnet wurde. Wer freiwillig länger im Büro bleibt, hat keinen Anspruch auf Vergütung. Ohnehin gilt: Nur erfasste Überstunden werden auch bezahlt. Wichtig ist deshalb eine klare Regelung im Tarif- oder Arbeitsvertrag.

Urlaub

Urlaub ist bezahlte Freizeit, und die muss der Erholung dienen. Ferienjobs im Urlaub zu übernehmen, ist für Angestellte daher tabu. Laut Gesetz stehen jedem Arbeitnehmer pro Jahr mindestens 24 Werktage Urlaub zu. Daneben werden oft individuelle Urlaubsregelungen getroffen – in Betriebsvereinbarungen, Tarif- und Arbeitsverträgen.

Versetzung

Wird einem Mitarbeiter ungefragt eine neue Stelle mit neuen Aufgaben zugewiesen, spricht man von Versetzung. Betroffene können sich darüber beim Betriebsrat beschweren, der ein Mitspracherecht hat. Unzulässig ist eine Versetzung immer dann, wenn die neue Stelle dem Jobprofil im Arbeitsvertrag widerspricht. Der Arbeitnehmer kann dann dagegen klagen.

Zeugnis

Jeder Arbeitnehmer hat beim Ausscheiden aus dem Unternehmen Anspruch auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis, wenn er dies verlangt. Der Arbeitgeber muss die Leistungen und das Verhalten seines Mitarbeiters dann schriftlich beurteilen. Ein Arbeitszeugnis muss immer wohlwollend formuliert sein – ein Grund für die oft verklausulierte Zeugnissprache.


xanp-logoWeitere Informationen zu den Themen Arbeitszeugnis, Arbeitsvertrag sowie Elternzeit und Elterngeld bietet das XING Arbeitnehmerportal. Das Portal bietet Arbeitnehmern verbindliche Informationen, nützliche Werkzeuge sowie hilfreiche Services zu ihren Rechten und Pflichten in der modernen Arbeitswelt.


 

 

2 Kommentare

Müller

18.05.2015

Krankmeldung:
Oft verlangen Arbeitgeber in Ihren Arbeitsverträgen die Krankmeldung mittels Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung schon ab dem ersten Krankheitstag.

Christoph Lützen

25.05.2015

Das ist zulässig. „Der Arbeitgeber ist berechtigt, die Vorlage der ärztlichen
Bescheinigung früher zu verlangen“ (§ 5 Abs. 1 Satz 2 Entgeltfortzahlungsgesetz). Und zwar ab dem ersten Tag. Und auch dann, wenn der Arbeitgeber das in der Vergangenheit nicht getan hat.