Selbstständigkeit & Gründung

Neuer Unternehmertyp "Solopreneur": Allein zum Jobglück

Die Möglichkeiten der vernetzten, digitalen Welt bieten große Chancen für einen neuen Gründertypus: „Solopreneure“ erschaffen und führen kleine, flexible Unternehmen – ganz allein.

Er könne sich nicht mehr erinnern, wo genau er den Begriff „Solopreneur“ zum ersten Mal gelesen habe, erzählt Ehrenfried Conta Gromberg, wahrscheinlich auf einer US-Webseite. Doch das Wort habe ihn sofort fasziniert, sagt der Unternehmensberater und Coach, der mit seiner Frau Brigitte eine Kommunikatonsagentur im Süden Hamburgs führt. Conta Gromberg gilt in Deutschland als Vorreiter und Botschafter dieser Idee eines neuen Unternehmertypus, der das Beste aus zwei Welten – klassischem Freiberuflertum und digitaler Start-Up-Kultur – vereint. Die wichtigsten Thesen hat er in seinem Buch „Solopreneur“ zusammengefasst und damit einen Bestseller in der deutschen Gründerszene gelandet. Im Interview mit XING spielraum spricht Conta Gromberg über typische Wege zum Solopreneur, die Fallstricke dabei und eine entspannte Form des Unternehmertums.

Spielraum: Herr Conta Gromberg, einmal provokant gefragt: Ist der „Solopreneur“ nicht doch nur ein hübsch benannter Freiberufler?

Ehrenfried Conta Gromberg: "Solopreneure wollen mehr vom Leben."

Ehrenfried Conta Gromberg: „Solopreneure wollen mehr vom Leben.“

Ehrenfried Conta Gromberg: Nein, definitv nicht. Wir arbeiten viel mit Selbstständigen zusammen, die den Sprung aus der klassischen Freiberufler-Laufbahn schaffen wollen. Viele Solopreneure starten als Freelancer, aber ihr Ziel ist es, aus dem klassischen Auftrags-Karussell auszusteigen. Ich nehme immer einen Webdesigner als Beispiel. Der sitzt in seinem Büro, der Kunde ruft an und sagt: Bau mir eine Website – dann bekommt er einen Termin, er arbeitet etliche Stunden daran, liefert, schreibt seine Rechnung, fertig. Der nächste Kunde ruft an, das Spiel beginnt von vorne.

Wenn der Freiberufler in dem Muster bleibt, wird er sein Leben lang Webseiten bauen. Er wird sich im vorgegebenen Rahmen weiterentwickeln, wird etwas höhere Honorare bekommen, wird davon normalerweise ganz gut leben können – aber er wird auftragsbezogen arbeiten. Und genau da gehen Solopreneure einen Schritt weiter und sagen: Wir wollen nicht mehr von den Aufträgen anderer abhängig sein. Wir wollen unseren Workflow selbst steuern und deshalb schaffen wir etwas, auf dem unser eigener Name steht: Eine eigene Marke oder ein eigenes Produkt.

Wie konkret sieht dieser Schritt denn beim Webdesigner aus Ihrem Beispiel aus?

Conta Gromberg: Zuerst kommt die Selbstwahrnehmung und die biografische Frage: Was kann ich und was will ich werden? Die eigene Fähigkeit wird in der Regel ein Baustein sein, der in einem neuen Geschäftskonzept weiter genutzt wird. Aber es wird etwas Neues aufgesattelt. Das geht individuell und typbezogen: Welche Rolle kann ich einnehmen, welches Produkt kann ich entwickeln? Möchte der Webdesigner ein dingliches Produkt schaffen, wird er zum Produzenten. Oder will er mehr in die Beratung gehen und mit Informationsprodukten arbeiten? Dann wäre das zum Beispiel ein Solopreneur-Experte. Unternehmerisch wird es etwas Neues sein, aber ein Webdesigner würde natürlich das Design seiner neuen Website selbst beisteuern.

Also eine Evolution in eigener Sache.

Conta Gromberg: Ja. Man braucht bei diesem Wandel aber eine große Rollenklarheit. Sonst verliert man die Einfachheit. Ein Solopreneur arbeitet viel mit digitalen Geschäftsprozessen, muss dabei aber darauf achten, nicht so groß und breit zu denken wie ein Start-up. Er baut die Infrastruktur so um seine Person herum auf, dass er in Zukunft alleine steuern kann. Das funktioniert nicht für komplexe Aufgaben. Wenn der Webdesigner das Ziel hat, mit einer neuen tollen Web-Plattform Google zu schlagen, wird er als Solopreneur scheitern. Wenn ich mich aber begrenze und sage, ich baue eine Webseite, die zum Beispiel eine von mir entwickelten, kleinen neuen Spielzeug-Roboter vertreibt – dann kann ich schon mit geringen Stückzahlen im Geschäft sein. Der Webdesigner muss dann aber verstanden haben, dass er ab dann ein Roboter-Produzent und -Händler ist. Und das ist eine unternehmerische Wende. Zu solchen Wenden ermutigen wir.

So einen Roboter baut der Solopreneur aber nicht selber, oder?

Conta Gromberg: Das braucht der Solopreneur heute ja nicht mehr. Die Welt hat sich soweit vernetzt, dass ich überall auf dem Globus einfach Dinge in Bewegung setzen kann. Ich kann hier Teile bestellen, an anderer Stelle zusammenfügen lassen und die Zulieferer und Produzenten via Laptop steuern. Inzwischen kann jeder aus einem unglaublich großen Angebot von Komponenten und Tools wählen. In unserer letzten Smart Business Intensivgruppe war ein Grafikdesigner, der seine eigene Schokolade in einer sächsischen Schokoladen-Manufaktur herstellen lässt. Bio-zertifiziert. Es gibt überall andere, die für mich gerne produzieren.

Conta-Gromberg-Werk "Solopreneur": "Man muss sich auf Gegenwind einstellen"

Conta-Gromberg-Werk „Solopreneur“: „Man muss sich auf Gegenwind einstellen“

Ihr Buch heißt: „Soloprenuer – allein schneller am Ziel“. Das klingt ein bisschen nach Egotrip.

Conta Gromberg: Wir brauchen mehr Kreativität und neue Gedanken. Die kommen nicht, wenn Menschen sich eingesperrt fühlen. Unabhängigkeit ist einer der größten Motoren für neue Dinge. Viele Solopreneure, sind hochgradig vernetzt, tauschen sich aus. Solo funktioniert häufig besser als Team. Daher haben wir etwas gegen Team-Romantik. Als wenn es so wäre, dass Firmen mit Geschäftspartner immer gute Lösung hervorbrächten. Wenn ich eine andere Person in meine Gesellschaft hineinnehme und dann Entscheidungen im Konsens – oft als Kompromiss – fällen muss, ist das oft nicht der bessere Weg. Viele Team-Start-ups scheitern an zwischenmenschlichen Problemen, nicht an geschäftlichen.

Aber alles allein machen zu wollen, kann doch auch große Nachteile haben: vom ständigen Erfahrungs- und Informationsaustausch bis hin zu einem „seriösen“ Auftritt bei Banken und Investoren – weil Größe im Geschäftsleben doch noch zählt.

Conta Gromberg: Absolut. Und das ist einer der Gründe, warum wir das Buch „Solopreneur“ geschrieben haben. Derjenige, der den Solopreneur-Weg gehen will, muss sich auf Gegenwind einstellen. Sobald ich z.B. als Einzelunternehmer in einer Bank auftauche, werde ich nicht mehr ernst genommen. Egal wie lange Sie schon erfolgreich im Geschäft sind, egal, wie viel Umsatz Sie machen… es wird gefragt: „Sind Sie der einzige Inhaber?“ Ab dann sind Sie ein Risikofaktor, werden bei Krediten geblockt und und und. Sie schneiden als Einzelner auch bei Aufträgen für Großunternehmen schlechter ab. Ja, es gibt Bereiche, wo Solopreneure nicht mehr mitspielen können. Aber, und das ist wichtig: auch gar nicht mehr mitspielen wollen…

…weil auch die Life-Komponente wichtig ist in einem Solopreneur-Lebensentwurf?

Conta Gromberg: SolopreneurInnen wollen mehr vom Leben, als nur zu arbeiten. Und um das hinzubekommen, möchten sie selbst steuern. Das geht nicht mit einer Bank im Nacken. Das ist ein Grund, warum die meisten Solopreneure Bootstrapper sind und aus dem Cashflow heraus investieren. Und fragen Sie einmal einen IT-Freelancer, wie viel Spaß es macht, in einem Konzern-Projekt im Kontrakt zu sein. Das heißt nicht von ungefähr „Body-Leasing“. Seine Arbeitsweise auf sein eigenes Leben anzupassen, fällt für uns unter „Smart Working“. Und das ist immer einfacher möglich. XING ist für uns ein Beispiel für eine Komponente, die smarte Konzepte vereinfacht. Aber wir sehen das nicht nur auf der technischen Ebene. Anders zu arbeiten ist ökologisch und auf vielen anderen Ebenen für unsere Gesellschaft sinnvoll.

Das Interview führte Ralf Klassen


Links:

Ehrenfried Conta Gromberg auf XING

Website: Smart Business Concepts

Solopreneur-Gruppe auf XING

13 Kommentare

Elfie Klemann

27.04.2015

…… für einige richtungsweisend +
sicherlich auch effizient!

Lars Pfeiffer

27.04.2015

….ein interessanter Weg, der Mut erfordert und sicher nicht für jeden geeignet ist!

DerSkeptiker

27.04.2015

Sorry, aber das ist unsachliches, unbewiesenes und darüber hinaus verfehltes Geschwafel….Kurz: Reiht sich nachweislich in die Qualifikation der Generation Y- und Facebook Blödsinn ein; der „Markt“ funktioniert ausschließlich dichotom: Entweder unselbstständig oder selbständig.Er propagandiert einen unselbstständigen Selbstständigen…..==> Paradox. Ich qualifiziere die Aussagen schlicht als Promotion, um sein Buch zu verkaufen.

Verena Czerny

27.04.2015

Die beiden größten Herausforderungen aus meiner Sicht für Solopreneure sind:
1. der Aufbau eines Netzwerks an Kollegen und Freunden, um im Austausch zu bleiben und
2. sehr, sehr fokussiert zu arbeiten: Jeder Schritt muss doppelt gut überlegt sein, da ein Einzlener immer nur einen Schritt nach dem anderen gehen kann.
Danke für den guten Artikel!

Didi

27.04.2015

So interessant und wertvoll die Erfindung bzw. die Rollenklärung des Unternehmertyps „Solopreneur“ ist, so wichtig ist es, für sich selbst zu entscheiden, ob man überhaupt ein Unternehmer in dieser Hinsicht sein möchte und vor allem auch sein kann. Als Spezialist für irgendwas ist man nicht automatisch auch die bestgeeignetste Person ein (Mini-)Unternehmen zu führen. In dem Buch kommt dieser Unternehmertyp natürlich glänzend weg, viel besser als z. B. der Geschäftsführer eines „Start-Up“. Ob die eigene Idee allerdings besser zum Solopreneur oder besser zum Start-Up passt, das muss jeder selber entscheiden. M. E. ist die eigentliche Geschäftsidee aber zunächst das Wichtigste. Hat man die gefunden, kann man checken, ob man die in Form eines Solopreneurships umsetzen kann. In dem Augenblick ist das Buch in meinen Augen sinnvoll.
Haben Sie auch immer die Risiken im Blick. Was ist, wenn Ihre Geschäftsidee nicht den Umsatz bringt, den Sie sich erhofft haben oder ggf. nach 1 – 2 Jahren nicht mehr läuft? Werden Sie dann eine neue entwickelt haben können? Unternehmersein hat immer mit Risiken zu tun, können und wollen Sie diese tragen? Haben Sie genug Unterstützung (Familie, Freunde, Kollegen, etc.)? Haben Sie genug Power? Sind Sie gesund genug?

Nur so ein paar Fragen, die man sich stellen sollte.

Viel Erfolg allen,
Didi

Ursula Gringel

27.04.2015

Dieser Herausforderung habe ich mich bereits gestellt und bin sehr glücklich. Danke, für die Bestätigung meines Weges.

Thomas H

27.04.2015

Hmm, ungefähr in der Mitte des Artikels hat der (bis dato) Web-Designer plötzlich nebenbei einen Roboter entwickelt. Daß er den dann vertreiben will, ist der klassische Fall von „Hobby zum Geschäft gemacht“, und hat mit seiner Tätigkeit als Designer erst mal gar nix zu tun, es war ganz offenbar auch vorher nicht sein Ziel.

Es ist ihm zu wünschen, daß er damit Erfolg hat, aber wieso muss man dieser Entwicklung einen neuen, künstlichen Hype-Begriff überstülpen?

Jocelyne Mouton

27.04.2015

Flexibilität, Zeitsparsamkeit, Stressreduktion.

Jan B.

27.04.2015

Wer glaubt, ein Unternehmen zu gründen (egal ob als Start-up oder Solopreneur) um sich Stress und Arbeitszeit zu sparen, der sollte seine Pläne durchaus noch mal überdenken. Eine Halbtagsstelle tut es da auch…

Michael S.

28.04.2015

Es ist ein super interessanter Beitrag indem ich mich selber wiederfinde. Die Kritik bezüglich der Namensgebung finde ich nicht nachvollziehbar, da die Rahmenbedingungen sich soweit verändert haben, dass auch neue Begrifflichkeiten für neue Vorgehensweisen und Unternehmensstrukturen geschaffen werden sollten. Man glaubt nicht, wie veraltete die Wahrnehmung noch heute ist. Ich kann wirklich mit stolz behaupten, dass ich mithilfe name der Technik, um ein vielfaches Effizienter und Ortsunabhängiger bin. Ich gebe natürlich Recht damit, dass nicht jeder ein geborener Solopreneur ist. Die Kompetenz und der Wille ist Voraussetzung um in seinen persönlichen Bereich Erfolg zu ernten.

Dr. Schmid Bernd

29.04.2015

Unter den vielen kostenlosen Materialien für Professionelle ( Interne, Freiberufler, Unternehmen) findet sich als Ergänzung auch eine kleine Gedankensammlung “ vom Freiberufler zum Unternehmer“ 334 Vom Freiberufler zum Unternehmer – B. Schmid 2010 Wer sich unteressiert: http://www.isb-w.eu dort Downloadbereich/Schriften/II Galerie (oder Suche: Freiberufler) Ich habe schon viele Gründer in Schwierigkeiten beraten und das sind die Erfahrungen.

L. A. Harth

30.04.2015

Meine Frage ist, und wie bewertet unser Sozialversicherungsträger diese Tätigkeit? ist es tatsächlich eine selbständige Tätigkeit, oder eine Scheinselbständigkeit? Abhängig von der beurteilenden Instanz kann es so, oder so ausfallen, und das meist nach mehreren Jahren Tätigkeit….mit all den äußerst negativen Folgen.

Bruno

17.05.2018

Warum macht man denn überhaupt die m.E. lächerlichen Unterscheidungsbezeichnungen zwischen Freelancer –
Selbständige – Solopreneur – Freiberufler – …… ? . Ist dies Wichtigtuerei oder wirklich juristisch begründbar ?