Selbstständigkeit & Gründung

Happy End mit Käsekuchen

Sie gab sich nicht auf – und ihre Geschäftsidee auch nicht: Claudia Domnik wagte den Schritt in die Selbstständigkeit nach einer schweren Krankheit. Doch der Kampf gegen den Krebs war dabei nicht das einzige Hindernis.

Von Peter Neitzsch

„Ich wollte etwas Besonderes machen“, sagt Claudia Domnik, wenn sie gefragt wird, warum sie sich ausgerechnet mit einem Marktstand für Käsekuchen selbstständig gemacht hat. Und so etwas Besonderes ist ihr Produkt – „Stefans Käsekuchen“. Wenn sie von dem spricht, gerät die Betreiberin des „Kuchenseppel“ ins Schwärmen: „Ich war früher oft in Freiburg und dort kommt ja niemand an diesem Käsekuchen vorbei.“

Begehrt: "Stefans Käsekuchen" vom "Kuchenseppel"

Begehrt: „Stefans Käsekuchen“ vom „Kuchenseppel“

Nach jedem Besuch habe sie mehrere Exemplare der süßen Freiburger Spezialität für Freunde und Verwandte gekauft. „Dabei habe ich mich immer gefragt, warum so ein tolles Produkt nicht über die Grenzen von Baden-Württemberg hinaus bekannt ist.“ Die Idee, den Käsekuchen in ihrer Heimatstadt zu vermarkten, hatte die Frankfurterin schon früher: „Ich habe den Gedanken dann zurückgestellt, weil ich mich in einer Festanstellung befunden habe.“

Bis die Geschäftsidee Wirklichkeit wurde, sollten noch einige Jahre vergehen – schwere Jahre: 2010 erkrankte Domnik an einem bösartigen Tumor in der Augenhöhle. Um nach dem langen Krankheitsverlauf mit mehreren Operationen ihren Anspruch auf Arbeitslosengeld aufrecht zu erhalten, musste sie 2010 einen Antrag auf „Leistung zur medizinischen Rehabilitation oder Erwerbsminderungsrente“ bei der Deutschen Rentenversicherung stellen. Während des laufenden Verfahrens hatte sie keinen Anspruch auf Vermittlung durch die Arbeitsagentur.

Aber nichts jedoch lag Domnik ferner als der Gedanke an Erwerbsunfähigkeitsrente. Sie wollte wieder arbeiten. Ihre Lebensenergie hat sie nie verloren. Nach dem Motto: „Wenn ihr mich nicht arbeiten lassen wollt, mache ich mich eben selbständig.“ Und zwar mit jener Geschäftsidee, die Jahre zuvor entstanden war. „Im Juli 2011 setzte ich die Schmerzmittel Opium und Morphium von heute auf morgen ab, um einen klaren Kopf zu bekommen, und habe dann in jeder freien Minute an der Kalkulation gefeilt.“

Ausgezeichnet: Claudia Domnik bei der Verleihung des Werner-Bonhoff-Preises (Foto: ©Werner-Bonhoff-Stiftung)

Ausgezeichnet: Claudia Domnik bei der Verleihung des Werner-Bonhoff-Preises (Foto: ©Werner-Bonhoff-Stiftung)

Am Ende stand ein wasserdichter Businessplan. „Ich hatte nie Zweifel, dass das gelingt“, berichtet die Gründerin. „Denn ich habe das Geschäftsmodell nicht durch die rosarote Brille gesehen, sondern immer auch bedacht, dass es mal schlecht laufen könnte.“ Der – wegen der Schwere ihrer Erkrankung pflichtgemäß abgegebene – Antrag bei der Rentenversicherung war jedoch Grund genug für die Arbeitsagentur, die damals 42-Jährige nicht in ihrem Tatendrang zu unterstützen: Eine neue Begutachtung beim arbeitsmedizinischen Dienst wurde ebenso verweigert wie der Antrag auf Gründerzuschuss.

„Der Gedanke lag nahe, dass man mich in die Rente abschieben wollte“, sagt Domnik heute. Erst als sie an die Öffentlichkeit ging und die „Bild“-Zeitung um Hilfe bat, erhielt sie einen neuen Termin beim arbeitsmedizinischen Dienst, schließlich wurde auch der Gründerzuschuss bewilligt. Für ihren Kampf gegen die Bürokratie wurde sie mit dem Werner-Bonhoff-Preis ausgezeichnet.

Aber der angehenden Kuchenverkäuferin wurden noch weitere Steine in den Weg gelegt: So hoffte Domnik vergebens auf einen Bankkredit: „Meine Hausbank wollte mir erst keinen KfW-Kredit vermitteln mit der Begründung, das würde zuviel Arbeit machen.“ Stattdessen bot ihr die Bank einen Kontokorrentkredit in gleicher Höhe an. Eine andere Bank verlangte eine Erkenntlichkeit in Höhe von 500 bis 1000 Euro für die Bearbeitung des KfW-Kredits. Domnik verzichtete und finanzierte die Gründung letztlich durch Verkauf allen verzichtbaren Hab und Guts und ihres geliebten Motorrads.

Trotz aller Widerstände war es dann am 15. November 2011 soweit: Domnik verkaufte ihren ersten Kuchen auf einem Frankfurter Wochenmarkt. „Ich bin der Meinung: Es gibt nur einen richtigen Zeitpunkt und der ist sofort“, sagt die Gründerin. Abwarten und Tee trinken – das ist nicht ihre Sache. „Wir haben uns erstmal bei den Marktkollegen bekannt gemacht und jedem ein Stück Käsekuchen zum Kosten vorbeigebracht“, erzählt sie. „Die haben dann ihren Kunden davon erzählt.“ Mundpropaganda (hier im doppelten Wortsinn) sei schließlich die beste Werbung.

Mittlerweile ist der Kuchenseppel auf mehreren Wochenmärkten im Raum Frankfurt vertreten. Die kleine Firma beschäftigt einen festen Mitarbeiter und vier Aushilfskräfte. „Ich würde sehr gerne noch einen weiteren festen Mitarbeiter mit ins Team holen“, sagt die Unternehmerin. Aber dafür brauche es auch mehr Vermarktungsmöglichkeiten. Die entscheidende Frage sei: „Wie viele Kuchen müsste ein neuer Mitarbeiter mindestens verkaufen, damit es sich lohnt ihn einzustellen?“

Als Selbstständiger müsse man damit rechnen, dass das Geschäft auch mal schlecht laufe. „Wir haben neue Wochenmärkte prinzipiell in schlechten Zeiten angefangen – zum Beispiel im Winter oder in den Sommerferien“, sagt Domnik. „Damit wussten wir im Folgejahr immer genau, wie die Sauregurkenzeit laufen wird.“ Und noch einen Ratschlag hat die Geschäftsfrau: Unternehmensgründer sollten darauf achten, sich treu zu bleiben. „Wer sein Wesen nicht verstellt, dem wird auch etwas abgekauft.“

Claudia Domniks Profil auf XING
Der „Kuchenseppel“ im Netz

10 Kommentare

Frank W. Burgi

15.04.2015

Hut ab vor so viel Ehrgeiz, Idealismus, Energie und Hartnäckigkeit! Ich wünsche Ihnen, Frau Domnik, dass Sie gesund bleiben und weiter expandieren können.
Trotz aller „Bemühungen“ der Beamten und mancher unseriöser Banken haben Sie es geschafft, sich weder frustrieren, noch einschüchtern, noch abschieben zu lassen.

Atelier Ossiander

15.04.2015

Sich- bzw. einen Wunsch nicht aufgeben.
Oft nicht leicht, da- wie sich in diesem Fall zeigte, die „Bürokratie“ zuschlägt.
Diese Abhängigkeiten im System.
Wenn nicht jetzt, wann dann. Dabei ist immer das Gefühl- die Vision für das Ganze entscheidend. Zumindest war und ist es das für mich. Grüsse von „Ossi“

Erwin Häcker

15.04.2015

Hut ab, vor dem Mut sich mit Kuchen selbständig zu machen und vor allem auch gegen die vielen Widrigkeiten zu kämpfen.

Das kann nur eine sehr starke Frau !

Kai

15.04.2015

Respekt vor dieser Frau! Ich bin selbst seit vier Jahren Gründer. Hätten mich in dieser Phase noch Krankheit und Behördenwillkür beeinträchtigt, hätte ein Aufgeben nahe gelegen. Tolle Leistung von ihr!

Günter Heini

15.04.2015

Sehr beeindruckend diese Geschichte! Vor allem der Mut von Frau Domnik, gegen alle Widerstände anzukämpfen und den Traum durchzusetzen. Ich habe großen Respekt vor dieser Leistung! Danke für das Vorbild!

Edwin

15.04.2015

Schon zig mal gesagt, dennoch:

RESPEKT!

Bin aus Frankfurt, sobald ich mal einen Kuchenseppelstand sehe, werde ich aus Prinzip einen Kuchen kaufen – wird mir nicht schwerfallen, wer mag schon keinen Käsekuchen.

Markus

16.04.2015

Den kleinen roten Wagen seh ich jeden 2. Tag, die Dame ist nicht aus Frankfurt sondern aus Neu-Isenburg. Mist, jetzt habe ich Appetit auf Käsekuchen… ich glaube den muss ich mal probieren, wenn der so lecker ist…

andy

16.04.2015

Hallo Edwin. Der Kuchenseppel steht jexen Freitag von 10-20 Uhr in Ffm auf dem Wochenmarkt am Friedberger Platz.

Weitere Standorte unter http://www.kuchenseppel.de

Erika

16.04.2015

Prima, dass Sie so viel Kraft haben! Respekt! Auch ich möchte mich Selbstständig machen und bin hin und her gerissen ob man alles hinbekommen wird. Braucht man nicht um Konditorei-Erzeugnisse zu verkaufen den Meisterbrief. Haben Sie eine andere Lösung für dieses Problem gefunden? Über eine ehrliche Antworten würde ichmich freuen. Viele Grüße, Erika

Günter Heini

17.04.2015

Dazu passt wunderbar das Zitat von Paulo Coelho:
„Erst die Möglichkeit einen Traum zu erfüllen macht unser Leben lebenswert.“