Selbstständigkeit & Gründung

Gastbeitrag: Franchise - viel besser als sein Ruf

Sich mit einem bereits bewährten Geschäftskonzept selbstständig machen – das ist die Idee hinter „Franchise“. Doch nach einigen Skandalen in der Vergangenheit leidet das Konzept bei manchen unter einem schlechten Image. Zu Unrecht, wie unser Gastautor Jochen Ewald meint.

Von Jochen Ewald

Was ist Franchise eigentlich?

Franchise ist eine Form der Kooperation zwischen rechtlich und finanziell selbstständigen Partnern, dem Franchisegeber und seinen Franchisenehmern / Franchisepartnern. Ziel der Partnerschaft ist eine organisatorisch sehr enge und möglichst langjährige Zusammenarbeit.

Die Geschichte des Franchise:

Franchise ist keine Modeerscheinung. Die Spuren führen zurück bis ins Jahr 1863, als der Nähmaschinenfabrikant Singer in Amerika seinen Vertrieb mit den Grundelementen des heutigen Franchising organisierte. In den frühen fünfziger Jahren begann die Franchise-Idee auch in Deutschland Fuß zu fassen. Nachdem der Weltklasseboxer Max Schmeling seine sportliche Karriere beendet hatte, wurde er in Norddeutschland durch die Abfüllung und den Vertrieb von Coca-Cola als Franchise-(Unter)nehmer äußerst erfolgreich. Seit den siebziger Jahren wächst die Franchisewirtschaft in Deutschland, unabhängig von der allgemeinen Wirtschaftslage, Jahr für Jahr, und ist inzwischen eine feste Größe für die mittelständische Wirtschaft. Beispiele dafür sind die Fastfood-Kette „Burger King“ (s. Aufmacherbild), der Imbiss-Anbieter „Subway“ oder auch die Geschäfte von „Blume 2000“.

Basis einer Franchise:

Der Franchisegeber gewährt seinen Franchisepartnern Rechte am System und der Marke, legt ihnen aber auch klare Pflichten auf, den Geschäftsbetrieb entsprechend des Konzeptes zu führen. Für die Übertragung des Know-how und für die laufende Unterstützung zahlt der Franchisepartner i.d.R. eine einmalige und eine laufende monatliche Gebühr. Die Leistungspakete der Systeme sind dabei sehr unterschiedlich. Standard ist das Marketing, ein einheitlicher Markenauftritt, (Shop-) Design, Homepage, Softwarelösungen sowie ein gemeinschaftlicher Einkauf mit günstigeren Konditionen, die zu einem Alleinstellungsmerkmal und einem Wettbewerbsvorteil gegenüber einem individuellen Gründer führen.

Vorteile für Franchisegeber:

Unternehmen, die ein überzeugendes Geschäftskonzept haben und darauf basierend ein System entwickeln, ermöglicht Franchising eine deutlich schnellere Markterschließung mit weniger Kapitaleinsatz als bei einer klassischen Filialstrategie.

Vorteil für Franchisepartner:

Als Existenzgründer bietet Franchise eine professionelle und chancenreiche Alternative zur Individualgründung. Das System muss den Partner in die Lage versetzen, seine regionale Markterschließung schneller als bei einer Einzelgründung zu vollziehen und dauerhafte Vorteile bei Umsatz und Ertrag zu erzielen.

Wichtig ist, dass langfristig ein Marktpotential vorhanden sein muss. Das System sollte vom Franchisegeber an zwei weiteren Standorten über ein Jahr erprobt worden sein. Das Know-how des Systems muss in einen Handbuch beschrieben sein. Neben der Marke muss der Franchisegeber auch über ein Schulungskonzept, eine entsprechende Organisation sowie über eine solide Kapitalbasis verfügen, um das Konzept auch in Zukunft weiterzuentwickeln. Dafür zahlt der Partner schließlich seine Franchisegebühren.

Die Vorteile einer Existenzgründung mit einem erprobten Franchisekonzept sind messbar. Weniger als 20 Prozent der Franchisepartner scheitern in den ersten vier Jahren der Gründung, wogegen fast 80 Prozent aller Individualgründer in dieser Zeit aufgeben. Die Hauptgründe sind eine mangelhafte Finanzierung, gepaart mit einer schlechten Kalkulation aufgrund kaufmännischer Mängel, sowie fehlenden Branchenkenntnissen und mangelndem Detailwissen. Alle diese Punkte, wie die Investitionen, die Kostenstruktur und die Dauer der Anlaufphase muss ein gutes Franchisesystem dem Gründer belegen können, wodurch sich das Risiko minimiert.

Wie ist die Marktverteilung?

Der überwiegende Teil der Franchisesysteme sind Dienstleister, gefolgt von Konzepten im Einzelhandel. Die Systemgastronomie und das Handwerk stellen zusammen rund ein Viertel aller Geschäftsmodelle dar. In der Fitnessbranche geben Franchiseunternehmen den Ton an und sind schnell zum Marktführer geworden.

Wie groß ist der Franchisemarkt in D/A/CH? In den Medien spricht man gerne von 1.000 Unternehmen, die ein System anbieten. Allein in Deutschland soll es ca. 76.000 Franchisenehmer geben, die rund 525.000 Arbeitsplätze zur Verfügung stellen. Der Gesamtumsatz soll 63 Milliarden Euro betragen haben. In Einkaufscentern sind Franchises immer gern gesehen, weil die Marke und die Professionalität der Systeme Kunden anziehen. Nach eigenen Recherchen des Autors gibt es aber höchstens 400 marktfähige Systeme.

Achtung, Risiken:

Für einen möglichen Gründer liegt hier die Problematik. Wie kann er ein gutes von einem schlechten System unterscheiden? Fälschlicherweise werden oft auch Multi-Level-Marketing- oder Network-Marketing-Unternehmen als Franchisesystem bezeichnet. Oft wird dabei versucht, mit vollmundigen Versprechungen Gründungswillige zu ködern. Behauptungen wie „kein Risiko, keine Investitionen, tausende Euros Gewinn ab dem ersten Monat“ gehören ins Märchenbuch. Motivationsveranstaltungen in Hotels, der zeitliche Druck, sofort einen Vertrag unterschreiben zu müssen, oder der Firmensitz im Ausland sind ebenfalls Alarmzeichen für unseriöse Geschäftemacher.

Die Entscheidung zur Selbstständigkeit als Franchisepartner sollte daher niemals unter Zeitdruck oder nur mit blauäugigem Vertrauen auf Grundlage der Versprechen des Systemgebers zur wirtschaftlichen Perspektive getroffen werden. Die Entscheidungsfindung ist von so großer Tragweite, dass sie unbedingt von einem neutralen und in Franchisefragen erfahrenen Berater begleitet werden sollte. Der Franchise Business Club auf XING, berät potentielle Gründer bei der Suche nach dem für sie passenden Franchise-System. Die Gründer werden aufgrund Ihrer Interessen, Wünsche und Investitionsbereitschaft mit den Anforderungen der Franchisegeber „gematcht“ und erst dann einander vorgestellt. Alle empfohlenen System wurde im Rahmen einen Empfehlungscheck auf deren Marktfähigkeit geprüft.

jochen_ewald_portrait

Über den Autor:

Jochen Ewald ist Gründer und Geschäftsführer von McDATA, einem Franchise-System für Buchhaltungsbüro und „Xpert Ambassador Franchise“ bei XING. Seit 2005 betreibt er in XING den Franchise Business Club, welcher die größte interaktive Franchise-Community im deutschsprachigen Raum ist.


 

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