Selbstständigkeit & Gründung

Finanztipps für Gründer: So bekommen Sie Starthilfe

Ob frischer Gründer oder Freiberufler: Für die Umsetzung seines neu geplanten Geschäftsmodells genügt es nicht, nur gute Ideen zu haben. Man sollte auch frühzeitig mit der Finanzplanung beginnen.

Von Jan-Menko Grummer

(Hinweis: ´Weitere Details zu den Finanzierungsformen finden Sie durch Klick auf die jeweiligen, grün hervorgehobenen, Begriffe)

Die Beschaffung ausreichender liquider Mittel ist eine der wesentlichen Hürden bei der Gründung und Entwicklung eines jungen Unternehmens. Es ist wichtig, die Finanzierungsform zu finden, welche hinsichtlich der Anforderungen und Flexibilität am besten zum Geschäftsmodell und der Gründungsphase passt. Und es sollte schon frühzeitig an weitere Finanzierungen gedacht werden, um die dafür nötigen Flexibilitäten aufrecht zu erhalten. Denn je nach Geschäftsmodell kann der Finanzierungsbedarf, der vor allem durch den Kostenumfang für Produktentwicklung und Markteinführung definiert wird, stark variieren.

In der Seed-Phase, auch als Vorgründungsphase bezeichnet, steht erst einmal das Bemühen im Vordergrund, die Geschäftsidee zu einem marktfähigen Unternehmenskonzept zu entwickeln. Die Kosten in dieser Phase beinhalten insbesondere Ausgaben für Forschung und Entwicklung, die Durchführung von Markt- und Kundenanalysen, externe Beratung sowie die Kosten für den Grundbedarf an Büro und Geschäftsausstattung.

Während sich nicht forschungsintensive Geschäftsideen meist durch den Entrepreneur selbst, dessen direktes Umfeld (Familie oder Freunde) oder durch Mikrokredite finanzieren lassen, benötigen forschungsintensivere Geschäftsideen regelmäßig die Unterstützung durch öffentliche Zuschüsse oder High-Tech Gründerfonds.

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Die folgende Start-up-Phase umfasst die Fertigstellung eines marktreifen Produktes sowie den Abschluss eines tragfähigen Geschäftskonzeptes. Hier steht, neben der rechtlichen Gründung, die Gestaltung der Vertriebs- und Produktionsmöglichkeiten im Fokus. Es gilt, erste Marketingkampagnen zu realisieren, um mögliche Kunden zu akquirieren. Mit fortschreitender Gründungsphase steigen auch die Erwartungen von Investoren im Hinblick auf den Detailierungsgrad des vorgelegten Konzepts. Hierbei kann eine aussagekräftige und transparente Finanzplanung das Vertrauen potentieller Investoren in die Unternehmung stärken und somit zur Gewinnung neuer Kapitalgeber beitragen.

Grundsätzlich ist hierbei zwischen der Innen- und der Außenfinanzierung zu unterscheiden. Bei der Innenfinanzierung werden Mittel aus dem laufenden Geschäftsbetrieb in liquide Mittel umgewandelt, beispielsweise durch den Verkauf von Unternehmensanteilen. Da in der Start-up-Phase jedoch eher mit Verlusten oder nur mit geringen Gewinnen zu rechnen ist, ist diese Art der Eigenkapitalbeschaffung eher für spätere Entwicklungsphasen geeignet.

Für die Deckung des steigenden Finanzmittelbedarfs steht demnach nur die Außenfinanzierung zur Verfügung. Der Gründer hat hierbei mehrere Alternativen zur Auswahl: Neben den öffentlichen Förderprogrammen, beispielsweise durch direkte finanzielle Förderung oder durch indirekte Förderung durch Realleistung, stehen dem Gründer auch Finanzierungen durch private Anleger zur Verfügung -beispielweise durch Business Angels oder durch Crowdfunding, durch direkte oder indirekte Beteiligung durch Venture-Capital-Gesellschaften, wie etwa Banken, Versicherungen, Unternehmen oder Finanzintermediäre.

Auf der einen Seite kann der Gründer neben der höheren Liquidität und Kreditwürdigkeit auch von möglichen Synergieeffekten profitieren. Auf der anderen Seite besteht aber auch die Gefahr des Verlusts an unternehmerischer Selbstständigkeit, da sich privatrechtliche Beteiligungen meist Mitspracherechte als Investitionsschutz einräumen lassen.

Crowdfunding-Erfolgsbeispiel Protonet: Finanzierung und Feedback

Crowdfunding-Erfolgsbeispiel Protonet: „Finanzierung und Feedback“

Das Crowdfunding stellt in Deutschland eine noch recht unbekannte, jedoch aufstrebende Form der Beteiligungsfinanzierung dar. Hierbei gilt es, private Investoren von seiner Geschäftsidee zu überzeugen. Neben einer möglichen Finanzierung erhalten die Start-ups auch wertvolles Feedback. Crowdfunding eignet sich in erster Linie für Geschäftsideen mit einem überschaubaren Finanzbedarf.

Neben der Aufnahme weiteren Eigenkapitals stellt auch die Ergänzung durch Fremdkapital, in Form von Kontokorrentkrediten und Betriebsmitteldarlehen ein probates Mittel für die Finanzierung dar. Diese sollten anhand der Geschäftsentwicklung regelmäßig angepasst werden.

Hat sich das Unternehmen im Markt etabliert und erzielt konstante Gewinne, so sind weitere Marktaktivitäten notwendig. Die Marktanteile sollen in der Wachstumsphase ausgeweitet und neues Kundenpotenzial soll generiert werden. Auch hier wird die Selbstfinanzierung der Investition in aller Regel nicht ausreichen, um den meist hohen Kapitalbedarf zu decken.

Neben den zuvor genannten Finanzierungsmöglichkeiten ist jetzt auch der Bezug von Fremdkapital in größerem Umfang, beispielsweise durch Kredite, möglich. Da das Unternehmen bereits am Markt etabliert ist und Gewinne generiert, sinkt das Risiko bei einer Finanzierung und steigert somit die Attraktivität der Kreditvergabe von Banken und vergleichbaren Institutionen. Eine weitere Möglichkeit, die sich dem Gründer bietet, ist die „Mezzanine Finanzierungsform“. Diese stellt eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital dar. Die klassische Form der Mezzaninen Finanzierung führt dem Unternehmen wirtschaftliches oder bilanzielles Eigenkapital zu, im Gegenzug erhält der Kapitalgeber, anders als ein Gesellschafter, keine Stimm- oder Einflussnahmerechte. Allerdings sind die Ansprüche an die Gewährung dieser Finanzierungsform ungleich höher als bei anderen Finanzierungsformen.

Ist das Unternehmen mit seinem Geschäftsmodell erfolgreich im Markt etabliert und soll nun expandiert werden, ist die Weiterentwicklung der Produkte und/oder Dienstleistung sowie die Erweiterung der Vertriebssysteme unabdingbar. Einhergehend mit einer Expansion ist wiederum ein erheblicher Anstieg des Investitionsbedarfs. Der hierfür benötigte Kapitalbedarf und die Erfolgsaussichten der Expansionsstrategie können in dieser Phase meist nur durch einen Börsengang realisiert werden.


Jan-Menko Grummer

Jan-Menko Grummer

Über den Autor:

Jan-Menko Grummer leitet als Partner den Bereich „Assurance Services“ der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft „Ernst & Young“ in der Region Nord-Ost. Seit mehreren Jahren betreut er größere internationale und börsennotierte Prüfungsmandante in verschiedenen Industriesegmenten. Seine Beratungsfelder liegen insbesondere in der Unterstützung bei Börsengängen und bei der Implementierung von Anforderungen an Risikomanagement- und Kontrollsystemen. Gemeinsam mit seinem Kollegen Jan Brorhilker veröffentlicht Jan-Menko Grummer regelmäßig Beiträge rund um den Bereich Finanzen für Start-Up Unternehmen auf Gründerszene.de.

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