Studie: Was bewegt die Beschäftigten in Deutschland?

Weniger arbeiten, mehr leben: Die sogenannten „Wissensarbeiter“ haben ganz eigene Ansprüche – sie würden für bessere Arbeitsatmosphäre und Selbstbestimmung sogar auf Gehalt verzichten. Was die Beschäftigten in Zeiten des Wandels sonst noch bewegt, zeigt die Studie „Kompass Neue Arbeitswelt“, die XING und Statista in Berlin vorgestellt haben.

Die Arbeitswelt ist im Wandel, darüber sind sich alle Experten einig. Für die Studie „Kompass Neue Arbeitswelt“ haben XING und das Meinungsforschungsinstitut Statista nun diejenigen befragt, die von den Veränderungen am stärksten betroffen sind – die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Herausgekommen ist ein detailliertes Bild der deutschen Beschäftigtenlandschaft, welches zentrale Fragen beantwortet: Wie beurteilen Arbeitnehmer ihre Jobsituation? Was erwarten sie von der Zukunft? Welche Bedürfnisse werden durch Arbeit erfüllt, welche nicht? Und: Welche Segmente von Arbeitnehmern gibt es?

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Die komplette Studie als PDF zum Download.

Die Studie wurde gestern, am 28. April 2015, in den Design Offices in Berlin vorgestellt (und steht hier komplett zum Download zur Verfügung). Studienleiterin Dr. Adriane Hartmann von Statista präsentierte die Ergebnisse vor gut 80 geladenen Gästen aus Politik, Medien und Wirtschaft.

Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick:

  • Herauskristallisiert haben sich fünf Segmente der Arbeitnehmer (basierend auf ihrer Einstellung zur Arbeit): „Teilzeitkräfte / Projektmitarbeiter o.Ä.“, „Wissensarbeiter“, „Gehaltsoptimierer“, „Soziale Berufe“ und „Blue Collar“.
  • Die Veränderungen des eigenen Berufsfelds sehen 71 Prozent der Arbeitnehmer gelassen bis positiv.
  • Sicherheit ist der Mehrheit der Befragten wichtiger als Selbstbestimmung.
  • Weniger als 40 Prozent der Vollzeitarbeitnehmer im typischen Familienalter können von ihrem Gehalt alleine eine Familie ernähren.
  • 15 Prozent der Arbeitnehmer vermuten, dass ihr Arbeitgeber Frauen weniger zahlt als Männern.
  • Arbeitnehmer würden im Schnitt gerne fünf Stunden weniger arbeiten.
  • Gut die Hälfte der Arbeitnehmer bewertet ihre/n Vorgesetzten durchweg positiv, etwa ein Fünftel hat Probleme mit ihm/ihr.
  • Fast jeder dritte Arbeitgeber unterstützt Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht.
  • Großteil der Arbeitnehmer nimmt Diversität am Arbeitsplatz als Bereicherung wahr.
  • Die Hälfte der Arbeitnehmer wünscht sich eine stärkere Beteiligung der Beschäftigten an Entscheidungen.
  • Die sog. „Wissensarbeiter“ unterscheiden sich in ihren Bedürfnissen und Ansprüchen deutlich von den restlichen Befragten: Autonomes Arbeiten, Flexibilität und Arbeitsatmosphäre sind ihnen überdurchschnittlich wichtig, das Sicherheitsbedürfnis im Gegenzug deutlich weniger ausgeprägt.
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Bei der Vorstellung der Studie „Kompass Neue Arbeitswelt“ in Berlin vor Ort (von links oben nach rechts unten): XING-CEO Thomas Vollmoeller, Dr. Adriane Hartmann von Statista, Marc-Sven Kopka VP External Affairs von XING, Benjamin Mikfeld, Strategie-Chef des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales und Ex-Personal-Vorstand und Publizist Thomas Sattelberger.

Was XING-CEO Thomas Vollmoeller in seiner Eröffnungsrede daraus ableitete, war ein Appell an die anwesenden Politiker und Unternehmensvertreter – Zitat:

  1. „Nur innovative Arbeitgeber ziehen innovative Köpfe an. Gleichzeitig befinden sich Arbeitgeber in rechtlichen Korsetts, die ihre Möglichkeiten einschränken. Wir brauchen Rahmenbedingungen, die es möglich machen, attraktive, innovative Arbeitgeber zu sein. Lassen wir die Unternehmen mal machen. Und lassen wir die Wissensarbeiter machen. Unterstützen wir sie. Erlauben wir ihnen mehr Buntheit. Zwängen wir sie nicht in Korsetts. Geben wir ihnen den Raum, damit sie ihre Ideen äußern und entwickeln können. Nach Ergebnissen, nicht Arbeitszeit bezahlt werden können. Wer neu, quer oder anders denkt, braucht dazu die Freiheit, das tun zu dürfen. Und keine engen Schablonen. Das Silicon Valley zeichnet sich nicht nur durch das Vorhandensein von Kapital und Know-how aus. Es zeichnet sich durch einen Lebensstil aus, der für die Talente hoch attraktiv ist. Wenn wir über Cluster und europäische Champions nachdenken, greift die Agenda viel zu kurz, wenn wie nur an Venture Capital und Standford-Kopien nachdenken. Ein entscheidender Aspekt der fehlt ist: Hochattraktive, innovative und neuartige Arbeitsbedingungen. Die Digitale Agenda der Bundesregierung greift hier bislang genauso zu kurz wie die der EU.
  2. Das „Normalarbeitsverhältnis“ gibt es nicht. Denn es gibt auch nicht den „Normal-Menschen“ oder den „Normal-Mitarbeiter“ mit „normalen Bedürfnissen“.Deshalb gibt es auch keine idealen Arbeitsbedingungen. Die Komplexität der individuellen Lebensentwürfe ist zu hoch als dass wir sie schematisch abbilden und strukturieren könnten.
  1. Wenn das so ist, dann ist mein Appell an die Arbeitgeber: Lasst uns in den Unternehmen – frei nach Willy Brandt – mehr Demokratie wagen. Mehr Transparenz, Mitbestimmung – und das jenseits althergebrachter Strukturen. Menschen sind verschieden, Unternehmen sind verschieden. Lasst uns diese Verschiedenheit fördern und nicht nivellieren. Diversität und Querdenkertum wachsen auf diesem Nährboden – und in der Folge Innovationen. Um das zu leisten – und das ist mir ganz wichtig zu betonen -, reicht es meines Erachtens nicht, die bestehenden Mitbestimmungsstrukturen hier und da ein wenig aufzuhübschen. Ich glaube, wir müssen im Zeitalter mündiger Kunden, mündiger Leser und mündiger Bürger auch zeitgemäße Strukturen neu schaffen, die den mündigen Arbeitnehmer möglich machen.“

Für die repräsentative Studie hat das Hamburger Meinungsforschungsinstitut Statista im März und April 2015 4.000 Beschäftigte aller Berufsklassen befragt. Erste Ergebnisse zu Themenfeldern wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Hierarchie und Arbeitszeiten-Gestaltung hatte XING bereits am 20. April dieses Jahres veröffentlicht.

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24 Kommentare

L. A. Harth

30.04.2015

Wenn auch die Überschriften eher das Positive herausstreichen, müssten die Ergebnisse doch zu denken geben. Wenn gut die Hälfte den Vorgesetzten durchweg positiv bewertet, heißt das im Umkehrschluss, dass etwa die Hälfte unzufrieden ist. Eine beachtliche Menge und keine gute Grundlage für Kreativität, die eine Wohlfühlatmosphäre benötigt um neue Ideen zu entwickeln.
Jene die vom Gehalt „gut leben“ können, werden auch jene sein, die ihr Gehalt für angemessen halten. Und wenn ca. 29% der arbeitenden Bevölkerung glauben mit ihren Gehalt eine Familie nicht ernähren zu können, dann ist es bedenklich, denn der Trend geht unbeirrt weiter. Einerseits zur Automatisierung/ Rationalisierung, d. h. damit einhergehend weniger Arbeitsplätze, andererseits steigt die Bemühung auf günstigere Stundensätze, also eine Verschärfung der Lage.
Sicherheit im Job, für 67% ein wichtiger Faktor, der heute nicht mehr gewährleistet werden kann. Das wirtschaftliche Auf und Ab erfolgt in immer kürzere Abstände und die o. g. Veränderungen in der Arbeitswelt untergräbt jede Hoffnung auf Besserung. Hinzu kommt eine Politik, die durch realitätsferne Gesetzte jede Anpassung und Flexibilität behindert. Man denke hier nur an die Auflagen zur Beurteilung einer „selbständigen Arbeit“ und die Folgen bei nicht Einhaltung. Auch solche Gesetze die mit der heutigen Arbeitswelt nichts mehr zu tun haben, verstärken diese Unsicherheit und behindern alternative Entwicklungen und freie Entfaltung.

Birgit Bernhardt,MAS

01.05.2015

Danke für diese Studie- ich bin bei einer Dehnung stecken geblieben- die da heißt:
„Sicherheit ist der Mehrheit der Befragten wichtiger als Selbstbestimmung.“
Gleichzeitig aber auch: „Die Hälfte der Arbeitnehmer wünscht sich eine stärkere Beteiligung der Beschäftigten an Entscheidungen.“
Und dann zu den Arbeitgebern: „Fast jeder dritte Arbeitgeber unterstützt Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht.“

Das sind enorme Diskrepanzen für mich und riecht nach Motivationshemmern- Aussichtslosigkeit- Resignation- Aufgeben-Stagnation.

Mich wundert immer wieder, welches Führungsverhalten noch von der breiten Masse ausgeübt und – ich sage bewusst- „verbrochen“ wird.
Was fehlt?
Ein tragfähiger, innovativer Ansatz in der Unternehmensberatung um genau solche verhärteten Denkstrukturen und Krusten zu lösen- bestimmt und behutsam- ich sehe viel Hilflosigkeit und auch keine Vorbilder für die Mehrheit der ArbeitgeberInnen um da weiter zu kommen in der Veränderung.
Klar- den wesentlichen Teil müssen die Führungskräfte selber verändern und einsehen und auch mutig sein, Wege zu verlassen, die ins Nichts führen und nur jede Menge Energie kosten und unbrauchbare destruktive Energie erzeugen.
Was nun die klare Konsequenz wäre: Holt die Führungskräfte und Unternehmen, UnternehmerInnen hervor, hebt die heraus, denen es gelungen ist ein Miteinander zu gehen und klare Positionierungen von ArbeitnehmerIn und ArbeitgeberIn in einer fördernden und gesunden, wachsenden Art und Weise zu leben.

Veronika Vehr - Expertin für Führung und Vertrieb

04.05.2015

Eine wirklich interessante Studie. Für alle, die Mitarbeiter wertschätzend und mit Freude führen, eine Pflichtlektüre.

Uwe Janikovits

04.05.2015

Ich arbeite seit 2005 als freiberuflicher Coach. Mein Kernthema ist die Verwurzelung von Menschen in Unternehmen. Das Leitbild und die Kultur, entscheidend beeinflusst und umgesetzt durch die Kommunikation, sind hierbei essentiell. Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit, Leitbilder authentisch und aufrichtig zu realisieren. Hochglänzende Prospekte reichen nicht aus. Ich arbeite sehr intensiv mit öffentlichen Einrichtungen. Hier wird das aktive Mitarbeiten durch Korsetts wesentlich erschwert. Eigene Ideen fallen der Struktur oftmals zum Opfer. Motivation jenseits der 50 Jahre wird eher schwierig. Unsere Regierung oder die EU sind auch Behörden. Ist es nicht schwer, Wasser zu predigen und selbst Wein zu trinken? Die Vorbildfunktion scheint in Deutschland eher wankelmütig zu sein. Herzlichen Gruß und viel Erfolg und allen beim Aufbruch. Uwe Janikovits

22 century

04.05.2015

Weniger ArbeitsZEIT kann ich ihnen empfehlen. Ich habe viele Jahre Teilzeit (4 x 7,5 ) gearbeitet. Allerdings mußten meine Aufträge immer bis zum Ende der Woche fertig sein. Entsprechend mußte ich „Ackern“ Freitag war „FREI- Tag“ . Sehr empfehlenswert. Mit vielen Grüßen.

Ralf Scholz

04.05.2015

Müssen Sie das nun tatsächlich in allen erreichbaren Gruppen posten und so meinen Posteingang restlos verstopfen? Freundliche Grüße, Ralf Scholz

Andreas Riem

04.05.2015

„52% sagen, dass ihr Vorgesetzter Ihnen Wertschätzung entgegenbringt“ – das heißt natürlich im Umkehrschluss, dass die anderen 48% tatsächlich nur „Vorgesetzte“ und keine Führungskräfte sind und wenn man darüber hinaus bedenkt, dass jede Wertschöpfung mit Wertschätzung beginnt, dann halte ich alles unter 100% für einen absolut mickrigen Wert!

B. Morgenröthe

04.05.2015

Ich arbeite in einem amerikanischen Konzern im mittleren Management. Wir hören jedes Jahr erneut „Shareholder Value“. Klar, das ist für ein börsennotiertes Unternehmen und seine Entwicklung Ziel Nr. 1 und wichtig. Doch mir werden die darauf abgestimmten Ziel zu sehr 1:1 nach unten durch gereicht. Wo ist der innovative und selbst denkende Vorgesetzte der diese Linie durchbricht geblieben, der hier auch einmal seine Bedenken einbringt und Ideen für Seitensprünge und andere Visionen einbringt? Und – Geschäfte werden immer noch unter Menschen gemacht. Das gilt in der heutigen Informationsgesellschaft ebenso wie früher. Mehr Basisbezug der Konzerne würde alle weiter bringen, für mehr Zufriedenheit unter den Mitarbeitern sorgen und wesentlich zum Unternehmenserfolg beitragen.

Gerriet Biehle

04.05.2015

Solange Arbeitgeber sich als Alleinherrscher gebärden und Mitarbeiter nur als Kostenfaktor ansehen, wird sich die Arbeitszufriedenheit immer mehr verschlechtern, mit den Folgen: Innere Kündigung (kostet den Arbeitgeber gewaltige Summen, die er leicht vermeiden kann, wenn er mehr auf den arbeitenden (= Gewinn erziehlenden) Mitarbeiter als Mensch eingeht, der Bedürfnisse hat), erhöhter Krankenstand, psychische Krankheiten (die immer längere Produktionsausfälle (die nicht problemlos von den noch vorhandenen Mitarbeitern miterledigt werden) nach sich ziehen) und am Schluss Burnout und Schluss mit Arbeit = Produktivität = Geld verdienen für beide Seiten.

„Komisch“, dass viele Arbeitgeber nur die Arbeitskosten der Mitarbeiter senken (dafür die „Führungskosten“ entsprechend erhöhen), ohne daran zu denken:
Jeder Arbeitnehmer ist auch ein Konsument der Firma und die sollte man doch hegen! – Aber so weit denken ist halt nicht üblich, wie bei Bosch und Würth u.a.:
Deshalb ist Bosch und Würth so erfolgreich geworden: „Ich bin reich geworden, weil ich meine Arbeitnehmer gut bezahle (und wertschätze, nicht nur in Worten sondern auch in Taten)!

Worte der Wertschätzung sind sehr wichtig!
Doch werden sie immer weniger glaubhaft, wenn die Taten das nicht auch unterstreichen.

Solange Unternehmer die meistens berechtigte Kritik (Jeder Arbeitnehmer überlegt eher 5x bevor er eine Kritik äußert!) der Arbeitnehmer nicht als Möglichkeit der Verbesserung, sondern nur als Abwertung sehen, so lange werden sie als Vorgesetzte auch nicht anerkannt.

Christian Anner

04.05.2015

Heute beruht der Wettbewerb auf Kosteneffizienz, operational excellence. Morgen vielleicht eher auf Effektivität in Analyse und Entscheidung.

Heureka

04.05.2015

Man muss diese Umfrageergebnisse immer von zwei Seiten betrachten.
Wenn 4 von 10 Befragten ihr Gehalt für angemessen halten, dann heißt das, daß 6 von 10 (also die Mehrheit) das nicht tut. Wenn 46 Prozent von ihrem Gehalt gut leben können, was ist dann mit den mehrheitlichen 54 Prozent, deren Gehalt offenbar zu gering ist? Knapp über die Hälfte erfährt Wertschätzung von ihrer Führungskraft, die andere Hälfte aber nicht.
Da sollten eigentlich die Alarmglocken läuten.
Neoliberaler Geist, Klientelpolitik für die globale Wirtschaft (und gegen die mehrheitliche Bevölkerung), Sozialdarwinismus – wird das denn wirklich allenthalben als „ganz normal“ hingenommen? Ist es wirklich die erstrebenswerteste Situation, wenn die Mitarbeiter billig sind und vorgeblich spuren, weil sie sich vor dem Rauswurf fürchten, aber unzufrieden sind und ausgebremst werden? So züchtet man sich murrende Sklaven heran, die nicht im Sinne des Unternehmens mitdenken – schon weil sie es gar nicht dürfen. Und die bei der nächsten Gelegenheit das Unternehmen wieder verlassen, schon um ihre Existenz durch ein höheres Entgelt besser abzusichern.
Die starre Fixierung auf Kosten, das Behandeln des Menschenmaterials nach ausschließlich finanziellen Aspekten – das sollte eigentlich der Vergangenheit angehören. Tut es aber nicht.
Also – nicht wundern, wenn die einstmals so innovative deutsche Wirtschaft immer mehr zu einer altbackenen Produktions- und Handelsstätte verkommt. Mit Arbeitsbedingungen wie in der Frühindustrialisierung und Gehältern wie in osteuropäischen Fabriken kriegt man keine kreativen Köpfe.

Ralf Lange

04.05.2015

Das Traurigste an der ganzen Sache ist doch die Tatsache, dass ein vollverdienender Mann oder Frau nicht in der Lage ist, eine Familie zu ernähren.
Die Mitarbeiter würden gerne 5 Stunden weniger arbeiten, mich würde direkt interessieren, was die denn verdienen? Ich würde auch gerne, aber leisten könnte ich mir das nicht. Und wenn meine Frau nicht auch noch ein wenig arbeiten würde, dann hätten wir mit zwei Kindern nicht wirklich viel zu lachen.
Ich bin der Meinung, dass gerade diese Themen zuweit weg sind und auch nur sehr stiefmütterlich behandelt werden. Die Politik macht die Augen zu.
Für jemanden mit 40h Vertrag kommt auch nur unter bestimmten Voraussetzungen ein Nebenjob in Frage, denn man muss sich ja an das Arbeitszeitgesetz halten (Stichwort 11h Ruhezeit usw.)… Vielleicht kommt dem einen oder anderen der Kommentar etwas verwirrt vor, aber ich muss mich wirklich beherrschen…

Renate Engel

04.05.2015

Herr Biehle bringt es auf den Punkt. Wer keine Wertschätzung als Mensch und Fachkraft erfährt (in Worten, Taten und Gehalt), wenn Verbesserungsvorschläge mit einem Achselzucken abgewimmelt werden, wenn Einwände für eine bessere Arbeitsqualität nicht anerkannt werden, wenn mündliche Versprechen nicht eingehalten werden (da nicht schriftlich festgehalten) braucht sich nicht wundern, wenn der Arbeitnehmer seine innerliche Kündigung schon abgegeben hat. Das ist, wie Heureka geschrieben hat …“die bei der nächsten Gelegenheit das Unternehmen wieder verlassen, schon um ihre Existenz durch ein höheres Entgelt besser abzusichern….“!

Günther H. Schust

04.05.2015

Das Ganze steht und fällt mit der Einstellung der Führung/Chefs/Teamleiter zu Ihren Mitarbeitern. Gut 1/5 haben doch echte Probleme mit Ihnen, was ausreicht um die Performance eines ganzen Betriebes „lahm zu legen“. Auch ist die Entwertung der Personalabteilung in den vergangenen Jahren mit den Händen zu greifen. Bei den Themen, wie z.B., Vorbildhafte Führungskultur, Strategie, emotionale + persönliche Kompetenzen, hat die Personalabteilung fast gar keine Mitwirkung aufzuweisen. Die Personalabteilung ist also nur so gut wie die Führung selbst.

Die traditionelle Führung wird aber heute von jüngeren Führungskräften und Mitarbeitern schon massiv in Frage gestellt. Gründe für die Unzufriedenheit sind nicht nur mangelnde Digitalkompetenzen der Vorgesetzten, sondern vor allem und im Besonderen deren Führungsschwächen und mangelnde Kommunikation. Hier gilt es dringend anzusetzen, denn es ist offensichtlich, dass Firmen die über glaubhafte „Vorbilder“ und werteschätzende Führungskulturen verfügen, den Erfolg, die Energie und die Kreativität des Unternehmens massiv beeinflussen. Der Autor dieses Kommentars hat deshalb eine transformationale Anleitung veröffentlicht, die dem Leser von Nutzen sein kann. Sein neues eBook2 wird von der Universität St. Gallen/Schweiz als hervorragendes Führungsbuch 2015 empfohlen: „Führung 5.0: Intelligent vernetzen-unterstützen-entfalten“. Herunterladbar unter ‚Schust‘ im Verlag: http://www.bookboon.com

Dr.-Ing. Anke Schmietainski

04.05.2015

Die Studie zeigt gut, was Arbeitnehmer und im Speziellen Wissensarbeiter sich wünschen. Wie kann das in der Praxis umgesetzt werden? Auch bei widrigen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen haben Firmen Gestaltungsspielräume, die sich dann auch wirtschaftlich auswirken. Ein begeisterter Mitarbeiter arbeitet effizienter. Prof. Wolfgang Berger vom Business Reframing Institut (www.business-reframing.de) hat Prozesse entwickelt mit denen in den Firmen gemeinsam mit Führungskräften und Mitarbeitern solche Strukturen geschaffen werden können. Einen ersten Eindruck bekommt man in seinen Büchern: „Anleitung zur Artgerechten Menschenhaltung: Mehr Freude, Farbe und Freiheit im Beruf“ und „Business Reframing: Entfesseln Sie die Genialität in Ihrem Unternehmen: offen, human, mutig“ – beide wirklich lesenswert.

Christian Lemiesz

04.05.2015

„Neue Arbeitswelt ohne Gesundheit ?“

Ich vermisse die Betrachtung der „Gesundheit am Arbeitsplatz“!

Wie sieht der Arbeitnehmer den Stellenwert seiner Gesundheit am Arbeitsplatz ?
Spielt Gesundheit bei der Betrachtung von Arbeitsplätzen heute keine Rolle ?
Warum wurde diese Betrachtung in der Studie ausgeklammert ?

Die Basis um überhaupt arbeiten zu können ist es „gesund“ zu sein. Produktivität hat als Basis die Gesundheit des Arbeitnehmers – ohne gesunde Beschäftigte fällt auch das Interesse an der Arbeitsstelle. Kausalität: „Gesundheitsklima“ = „Arbeitsklima“ = „Betriebsklima“ – garantiert die Arbeitsstelle von Heute auch „Gesundheit“ ?

Chemische und physikalische Zustände wirken auf die Gesundheit – hier gibt es eine Vielzahl an Emittenten.

Das größte Organ des Menschen ist die Haut: Chemische Verbindungen werden über die Haut und Schleimhäute (Augen, Nase, Mund) aufgenommen.

Eine kleine Auswahl an gängige Emittenten:

– Gebäudeschadstoffe: Altlasten (PCB, PAK, Asbest u.a.), Weichmacher, Flammschutzmittel, Insektizide (Teppiche), Öle/Treibstoffe (TCP, Organophosphate), Bauschäume (Isocyanate), Teppichkleber, Holzständerbauweise (Cloranisole, PCP, Lindan, DDT), andere chemische Verbindungen
– Oberflächenversiegelungen: Altlasten Holzschutzmittel (=PCP), Lacke, Öle usw.
– Interieur: Laminat (=Formaldehyd), Möbel (Pressspan=Formaldehyd), Tapeten, Bodenbeläge usw.
– Bürokommunikation (Nanoparikel, EMF, NF/HF, immer noch Weichmacher, Immer noch Flammschutzmittel usw.)
– Duftstoffe: Seifen, Raumversprüher, Parfüme, Reinigungsmittel usw.
– Pestizide („Tötungsmittel“): Biozide, Herbizide, Insektizide, Fungizide in vielerlei Gegenständen des täglichen Lebens
usw.

All diese Stoffe und Zustände wirken auf den Menschen täglich ein und bestimmen seine Gesundheit.

Lt. Umweltmediziner gibt es bereits 30 Mio. Umwelterkrankte in Deutschland; 40-50% davon sind Allergiker – die meisten Betroffene wissen gar nicht, dass sie bereits krank sind: Über einen Umweltmediziner kann z.B. über ein großes Blutbild viele Emittenten nachgewiesen werden, um die richtige Therapie einleiten zu können.

Warum beschäftigt sich keine einzige Frage in der Studie mit der „Gesundheit am Arbeitsplatz“ ?

Wo ist diese Betrachtung der „garantierten Gesundheit“ durch den Arbeitsplatz in der Studie erwähnt ?

Was bewegt die Beschäftigten bei „weniger arbeiten., mehr leben“ in Deutschland wirklich ?

Kann Gesundheit am Arbeitsplatz heute nicht garantiert werden ?

Ein Ansatz im Gebäudebereich das Bewusstsein der Menschen auf Ihre eigene Gesundheit zu fokussieren:

http://www.das-gebaeude-gesundheitszeugnis.de

Wann kommt ein „Update“ der Studie mit Betrachtung des „gesunden Arbeitsplatzes“ ?

Hermann Rochholz

04.05.2015

Zunächst einmal vielen Dank Herrn Gerrit Biehle. Fehler gibt es keine mehr und somit kann/darf man keine abstellen. In den meisten Firmen existieren komplette „Filterebenen“. Was hier herauskommt erkennt man bspw. beim NH90 (Politik identisch).
Schon wieder wird im 3. Satz der Studie der „Fachkräftemangel“ kolportiert. Immerhin- hier ist es offiziell auf einige Bereiche beschränkt. Ich empfehle, dies alles zu überprüfen und verweise auf bspw. „Das Märchen von Fachkräftemangel“ und andere Beträge, die zeigen, wie Zahlen manipuliert werden. Multiple Wiederholungen sind unabhängig vom Wahrheitsgehalt der Aussage. Leider muss man das gesondert erwähnen.
Wie ist Fachkraft definiert- und wo ist der Unterschied zum „Wissenarbeiter“?
Der Rest ist eine „Statistik der Gefühle“, die nachweisbar nicht mit der Realität korreliert. Aus dieser werden Schlussfolgerungen gezogen, die in der Statistik tw. nicht nicht angesprochen werden. In der Zusammenfassung gegenüber dem Publikum wird die kognitive Dissonanz desselben zielgruppenspezifisch gestärkt („Zwangsjacke“- die armen). Die Statistik ist von einer einzelnen Person verfasst. Mit dieser nicht ISO-konformen Studie beschäftigt sich dann ein CEO. Meine Zusammenfassung: Alles normal.

Max Porzig

04.05.2015

Problem ist, wer schon kann einen Nutzen darin erkennen, dass wir nach EU-und Zollvorschriften genau nach Vorschrift arbeiten müssen, soll ja recht sein, wenn wir bei Kunststoffplatten-Verzollungen auch noch einen Code einfügen müssen, dass darin keine Katzen- und Hundefelle enthalten sind!
Das ist die eine Seite des Frusts, die andere ist, dass auf der Schweizer Seite die Konkurrenz wesentlich bessere Rahmenbedingungen hat, Lohnnebenkosten, Frankenkurs und Wirtschaftsfreundlichkeit sind ausgeprägteer. Hier kümmert sich keiner mehr um Verkehrsprobleme z.B. Wir müssen aufpassen, dass wir selbst nicht so konsequenter als nach Vorschrift unsere Eingaben machen. Ich kann dies jetzt aus der Sicht eines Chefs i.R. sagen, dass mit unseren Export- und Importbestimmungen einiges nur dazu dient, dass die Verwaltung aufgebläht weiterblühen kann. Die Installation der EDV wurde nicht für Vereinfachungen geschaffen, sondern soviel Bites wie möglich, um den EU-Salat anzurühren

Lange

04.05.2015

klasse Artikel – Umdenken dauert lange, ggf. auch bei den Arbeitnehmern.

Hafensteiner Hans-Dieter

05.05.2015

Die Studie ist teilweise sehr beschämend. In dem Appell an die anwesenden Politiker und Unternehmensvertreter, hätte insbesondere die Situation der
älteren Arbeitnehmer in Anbetracht zur geplanten Rentenerhöhung auf 67 Altersjahre vorgebracht werden müssen. Es gibt sehr viele ältere
Arbeitnehmer im Alter +55 welche Ihren Arbeitsplatz verloren haben und aufgrund des hohen Alters keineArbeitsstelle mehr vorfinden, bzw. auf der Suche nach einem Arbeitsplatz von potenziellen Arbeitgebern und Unternehmen von vornherein abgelehnt werden, obwohl diese ältere Generation noch arbeitswillig ist. Hier werden ältere Arbeitnehmer ganz massiv von Arbeitgebern und Unternehmen diskriminiert. Eine Statistik sagt aus,das ca. 90% der arbeitslosen Generation +55 arbeitswillig sind und händeringend Arbeit suchen um Ihre Familie ernähren und versorgen zu können, aber keine Arbeitsstelle erhalten. Diese Situation führt zu einer ganz erheblichen Altersarmut und belastet die öffentlichen Kassen ganz enorm. Wenn nur 50% der arbeitslosen Generation +55 Jahren, einen Arbeitsplatz in deutschen Unternehmen finden würden, wäre das eine Entlastung der öffentlichen Kassen um mehrere hundert Millionen Euro. Der angebliche Fachkräftemangel in Deutschland, ist nichts weiter als ein ganz großer Schwindel der deutschen
Politiker und Unternehmen. Mit diesem Schwindel werden nur Billig- Lohnkräfte aus den benachbarten EU- und Nicht-EU-Ländern nach Deutschland gelockt. An deutschen Fachkräften im Alter 55+ besteht in den deutschen Unternehmen kein Interesse mehr und die Politiker unterstützen dieses auch noch. Die
Kostenlast trägt der Deutsche Steuerzahler.

P.S.: Auch mir ergeht es so. 186 Bewerbungen als Fachkraft mit „mittlerer Reife“ und betriebswirtschaftlichen Backround in nur 8 Monaten. Fazit: über 170 negative Absagen. Was sagen Sie dazu,….Herr Benjamin Mikfeld, als Strategie-Chef des Bundesministeriums für Arbeit- und Soziales??????

Daniel

05.05.2015

Weniger als 40 Prozent der Vollzeitarbeitnehmer im typischen Familienalter können von ihrem Gehalt alleine eine Familie ernähren.

Das sagt alles. Wer hat uns verraten ?

Sabine

05.05.2015

Dass man kaum über 50 schon nicht mehr für den Arbeitsmarkt interessant ist, kann ich bestätigen. Bin 54 und suche seit 1 Jahr einen neuen Job. Ich höre immer wieder „das ist doch klar, dass Du in Deinem Alter keinen Job mehr bekommst“. Kaum zu glauben, oder?

Friedrich Lorenz

07.05.2015

Visionäre, oder auch einfach nur weit voraus denkende, werden in hiesigen Unternehmensstrukturen ebenfalls auf subtile Weise ausgebeutet. Sie entwickeln den Fortschritt mit ihren Ideen und Konzepten … von denen zunächst aber niemand etwas wissen will … weil niemand diese Arbeit (Spinnerei) finanzieren will. Später, wenn diese Mitarbeiter längst zu anderen Unternehmen gewechselt oder für andere Kunden tätig geworden sind – (gefrustet zu Selbständigen geworden sind) – , finden ihre Arbeitsergebnisse dann doch die verdiente Aufmerksamkeit, werden umgesetzt und mit ihnen genau die Ergebnisse produziert, für die sie einst schon gedacht waren. Die eigentlichen Initatoren bleiben als Vordenker dabei stets – vergütungsmäßig betrachtet – „auf der Strecke“!
Das Patentrecht ist nicht geeignet für angestellte Vordenker. Es schützt nicht die Urheber sondern die Inhaber von Kno-How. Weshalb immer mehr der besten Ideen – zusammen mit ihren Urhebern – erst lange Zeit auf Wanderschaft sind, bis sie realisiert werden können. Oder ganz abwandern. Das bremst die gesamte Gesellschaft aus. Wir sind ein ideenfeindliches Land. Dabei könnten wir mit unserem Ideenreichtum ohne Zweifel alle Probleme, die die Studie anspricht, beheben.
Eine entscheidende Bedeutung haben dabei wohl Frage und die Antwort nach zukünftigem Management von (gemeinschaftlichen/wirtschaftlichen) Risiken sowie (universaler) Anerkennung von Leistungsbereitschaft. (Nicht Leistungsfähigkeit allein oder an sich, die ist zu sehr von Zufällen abhängig. Sondern im tatsächlichen Sinne des kategorischen Imperativs von Kant. Sonst bleiben Gerechtigkeit und Motivation sogleich wieder auf der Strecke.)

Alois Brinkmann

26.05.2015

Ich habe mir mal einige Kommentare angeschaut. Bin Jahrgang 1960 und mit 55 Jahren wohl auch auf dem Arbeitsmarkt alt. In diesem Alter bleibt sehr wahrscheinlich nur noch der Schritt in die Selbständigkeit.
Schöne Grüße aus dem Emsland