Selbstständigkeit & Gründung

Editorial: Der Traum, sein eigener Chef zu sein

Der Schritt in die Selbstständigkeit oder die Gründung einer eigenen Firma ist auch im digitalen, globalen Zeitalter immer noch ein Abenteuer. Aber eines, das sehr viel Spaß machen kann.

Der Chef nervt, die Kollegen sind unmodern, die Karriere stockt trotz sklavenartiger Anstrengungen und überhaupt: Das könnte man doch alles viel besser machen! Unter uns: Wer hat solche oder ähnliche Gedanken nicht schon einmal gehabt?

Spielraum-Redaktionsleiter Ralf Klassen

Spielraum-Redaktionsleiter Ralf Klassen

Auch wenn (kurzzeitiger) Frust keine Basis für eine berufliche Radikalveränderung sein sollte, so kann er doch der erste Impuls sein, über den Job nachzudenken. Nicht wenige kommen da ins Träumen: Wie wäre es, endlich mal sein eigener Chef sein zu können? Wäre man nicht besser dran, wenn man selber entscheiden könnte, was zu tun ist? Hätte man nicht viel mehr Chancen, seine Ideen zu verwirklichen? Gäbe es nicht deutliche flexiblere Möglichkeiten, Beruf und Familie endlich vernünftig unter einen Hut zu bringen?

Tatsache ist: Nie war es so einfach, sich selbstständig zu machen oder ein neues Unternehmen zu gründen. Die Digitalisierung hat die Produktion, die Vermarktung und den Vertrieb vieler Dienstleistungen und Waren so günstig gemacht, dass selbst junge Firmen ohne großen Apparat in kürzester Zeit auf ihren jeweiligen Märkten Fuß fassen können.

Aber obwohl die Zahl der Neugründungen in Deutschland in den vergangenen Jahren zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder etwas gestiegen ist, haben wir hierzulande einen gewaltigen Nachholbedarf. Nur etwas über drei Prozent der „erwerbsfähigen Bevölkerung“, wie es in der Statistikersprache heißt, ist in Deutschland „in Gründungsvorgängen involviert“, deutlich weniger als in anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Großbritannien oder den skandinavischen Staaten. Und erst recht im Vergleich zu den USA, wo seit Jahrzehnten schon permanent jeder zehnte Erwerbstätige „auf eigene Rechnung“ unterwegs ist.

Die Gründe für diese noch geringe Gründungsquote bei uns ist, neben einer stabil guten Lage auf dem Arbeitsmarkt, sicher auch eine gewisse Scheu vor finanziellen Risiken und einer unkalkulierbaren Zukunft – die womöglich wirklich unter uns Deutschen größer ist als bei anderen Völkern.

Wir wollen mit unserem neuen Schwerpunktthema „Selbstständigkeit und Gründung“ nun aber versuchen, diese Scheu zumindest ein wenig abzubauen. Denn eine gelungene Gründung oder Selbstständigkeit kann tatsächlich – auch ohne wirtschaftliche Riesenerfolge – Spaß machen, Freude und Erfüllung bringen. Und aus dem Frustberuf wieder eine Leidenschaft machen.

Allerdings: Von alleine läuft beim Sprung in das eigene Geschäft auch im digitalen Hochtechnologiezeitalter nichts. Den vielbeschworenen Einsatz von Blut, Schweiß und Tränen braucht dabei niemand – aber Zeit, Geld und Nerven sollten Sie vor allem in der ersten Phase ihres neuen Berufslebens schon einkalkulieren.

Gut informiert zu sein, hilft dabei sehr und dazu möchten wir unseren Teil beitragen: So geben wir Ihnen in den nächsten Wochen beispielsweise Entscheidungshilfen, ob Sie wirklich ein Gründertyp sind. Wir bieten Ratgeberstücke zur Finanzierungsfragen und Selbstmanagement, präsentieren große, kleine und ungewöhnliche Erfolgsstorys – und erzählen auch Geschichten vom Scheitern.

Denn auch das gehört zum Abenteuer Gründung dazu. Aber nicht immer.

Viel Freude bei der Lektüre,

Ihr

Ralf Klassen

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