Neue Arbeitswelt trifft Kreativ-Szene - das war der #NewWorkDay

Was für ein Tag! Riesenandrang beim ersten „New Work Day“ in Hamburg: 850 Menschen kamen am Freitag, den 13. März 2015 in der Internationalen Kulturfabrik Kampnagel zusammen – eine spannende Mischung aus Politik- und Wirtschaftsexperten, Personalern, Medien- und Kulturschaffenden, Kreativen und Berufstätigen aller Couleur. Sie alle einte ein Interesse: die Arbeitswelt von heute und morgen. Initiiert von XING, in Kooperation mit der Hamburg Kreativ Gesellschaft und der Internationalen Kulturfabrik Kampnagel, widmete sich der New Work Day als Teil der „Work-in-Progress“-Konferenz dem Paradigmenwechsel in der Arbeitswelt und den damit verbundenen Fragen: Was bedeuten die Veränderungen für Arbeitnehmer? Wie können Unternehmen auf die neuen Entwicklungen reagieren? Welche Konzepte und Ideen funktionieren für welche Branchen? Der New Work Day lieferte Antworten, die über die gängige Diskussion hinausgingen.

Neue Freiheiten, neue Herausforderungen

Nach der offiziellen Eröffnung des Programms durch Hamburgs Ersten Bürgermeister Olaf Scholz formulierte Marc-Sven Kopka den Paradigmenwechsel aus Sicht der Berufstätigen: „Ich bin, was ich tue.“ Die Menschen verstünden heute unter „Karriere“ ganz andere Dinge als früher, ein tolles Gehalt und Aufstiegschancen reichten nicht mehr. Stattdessen gehe es darum, Arbeit und Leben in Einklang zu bringen. „Das Leben kommt zurück in den Lebenslauf“, so Kopka und mit ihm ganz „neue Freiheiten im Denken und Handeln“ der Menschen.

Die neuen Freiheiten, aber auch die aktuellen und zukünftigen Risiken und Herausforderungen bestimmten auch in Folge die Diskussion auf der New Work Day-Bühne, wo sich am Freitag eine Reihe von hochkarätigen Rednern die Klinke in die Hand gaben: Allen voran US-Ökonom und Bestseller-Autor Jeremy Rifkin, der im bis auf den letzten Platz besetzten Konferenzsaal seine Thesen zur „Nullgrenzkosten-Gesellschaft“  erläuterte und anschließend mit dem interessierten Publikum diskutierte. Rifkin zufolge mache eine neue „Sharing Economy“ dem Kapitalismus als Wirtschaftsform Konkurrenz, was einer „dritten Industriellen Revolution“ gleichkomme. Immer mehr Wirtschaftsbereiche wanderten ins „Internet der Dinge“, welches Kommunikations-, Energie- und Logistikströme verknüpfe.  Rifkin rief die Anwesenden auf, angesichts dieser radikalen und unaufhaltsamen Veränderungen die Arbeitswelt der Zukunft aktiv mitzugestalten, denn eines sei klar: „Roboter werden es nicht tun!“ (mehr zu Jeremy Rifkins Thesen zur Zukunft der Arbeit im aktuellen XING spielraum-Video-Interview).

dbtweet


Strategien für die Arbeitswelt von morgen

Als Plädoyer durfte sich auch die anschließende Podiumsdiskussion zum Thema „Strategien für die Arbeitswelt von morgen“ verstanden wissen. Mit dabei: Ex-Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger, die Internetbeauftragte der Regierung, Gesche Joost, Christian Beinke von der demokratisch geführten Agentur Dark Horse – sowie Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, die per Video-Botschaft zu Beginn zugeschaltet war. Sattelberger mahnte, dass sich die Führungskultur in Deutschland dringend ändern müsse, denn sie werde aktuellen Studien zufolge von allen abgelehnt – und trotzdem gelebt. Er forderte: „Deutschland muss ein Land des frischen Mittelstands werden!“ Gesche Joost plädierte dafür, diese Vision auf europäische Ebene zu heben und brach eine Lanze für die „Maker“-Kultur und Open Source-Bewegung: „Einfach machen!“ 

Und so stand auch das Nachmittagsprogramm des New Work Day ganz im Zeichen des Mitmachens und Mitdiskutierens – mit einer Reihe von Workshops von und mit Experten aus der Praxis:

Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Zeiten radikaler Transparenz

Im Workshop „Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Zeiten radikaler Transparenz“ ging es um die Bereitschaft und Fähigkeit von Unternehmen, in die Diskussion mit Mitarbeitern und (potentiellen) Bewerbern zu gehen und so Glaubwürdigkeit im Social Web zu gewinnen. Im „War for Talents“ ist  dies ein ausschlaggebender Punkt, an der Arbeitnehmer die Attraktivität eines Unternehmens bewerten.

Die Teilnehmer interessierten sich besonders für Nutzen, Funktionsweise und Qualitätssicherung der Arbeitgeberbewertungen. Dr. Florian Mann von kununu, David Vitrano von XING und Marco Luschnat von der Agentur Ministry beantworteten die zahlreichen Fragen aus diesen Bereichen (zum Nachlesen: Ausführliche  Hilferessourcen finden Sie hier und im kununu-Blog.sketchnwd

Vom Mitarbeiter zum Unternehmensbürger: Best Practice-Beispiele für mehr Demokratie in Unternehmen

Mit Laila Horsten von Haufe-umantis und Bernd Oestereich von oose Innovative Informatik teilten zwei Vertreter von Pionierunternehmen im Bereich „demokratische Organisation“ ihre Erfahrungswerte mit dem Publikum, zunächst in zehnminütigen Impulsvorträgen, danach in der Diskussion.

Beide Sprecher waren sich einig, dass Unternehmen nur dann erfolgreich sind, wenn „Demokratie nicht mit Konsens verwechselt“ werde. Für eine erfolgreiche Integration demokratischer Strukturen komme es auf die Bereitschaft zum Ausprobieren und den Reifegrad der Organisation an, insbesondere bei Themen der demokratischen Abstimmung oder Offenlegung von Gehältern. Beim Gehalt gingen die Meinungen auseinander: Während Haufe plant, die Gehälter offen zu legen, sofern die Mitarbeiter dies wünschen, ist dies bei oose – wo jeder sein Gehalt selbst bestimmt – nicht der Fall.

In der Fragerunde ging es dann auch vorrangig um das brisante Thema Lohn-Transparenz, die praktische Einführung demokratischer Prozesse und um die spannende Frage, ob das Arbeiten in demokratischen Strukturen Mitarbeitern für herkömmlich organisierte Firmen für immer „verderbe“.

Innovation ist keine Abteilung

Mit Human Centered Design schnell und konstruktiv komplexe und offene Fragestellungen beantworten – ein Thema, das so viele Teilnehmer interessierte, dass sich Christian Beinke und Gregor Kalchthaler von den Innovationsschmieden Darkhorse und Intraprenör bereit erklärten, ihren Workshop noch am selben Abend auf der #wiphh zu wiederholen. Dabei stellten sie die Prinzipien dieser Form von Innovationsentwicklung vor und ermutigten die Workshop-Teilnehmer, diese in die Arbeitskultur ihrer eigenen Unternehmen zu integrieren.zeitgeistigertweet

Den würdigen Abschluss des New Work Day bildete Sascha Lobo mit seinem Vortrag: „Wir nennen es Arbeit – auch ein Jahrzehnt später“. Lobos Vortrag führte von einer unterhaltsamen Rückschau auf sein mittlerweile zehn Jahre altes, richtungsweisendes Werk „Wir nennen es Arbeit“ in seine Zukunftsvision eines „Plattform-Kapitalismus“, in der eine Armada von Hobbykräften den Arbeitsmarkt flutet und neue Regeln schafft. Die digitale soziale Vernetzung habe nicht nur Vorteile für Wirtschaft und Arbeitsleben, so Lobo – und so rief auch er wie vor ihm Rifkin und Sattelberger am Ende des Tages noch einmal dazu auf, Einfluss zu nehmen und die Zukunft der Arbeit aktiv mitzugestalten.


Wer sich einen Eindruck von Atmosphäre und Diskussion verschaffen möchte, der kann diese auf twitter unter #NewWorkDay und #wiphh nachlesen. Sketchnotes von Tilo Lassmann zum gesamten Work-in-Progress-Kongress gibt es hier.

0 Kommentare