Digitalisierung

Kollege Roboter? Ist schon da!

Roboter führen durchs Museum, arbeiten als Lehrer, trainieren Patienten in der Reha oder helfen im Baumarkt, die gesuchten Werkzeuge zu finden. Was sich anhört wie Science Fiction, ist nicht nur in der Autobranche längst Teil des Arbeitsalltags  – oder auf dem schnellsten Weg dahin. „Wall-E“ und „R2D2“ können nach Hause gehen – hier kommen die echten, hart arbeitenden Roboter.

Recherche und Texte: Maria Huber

Pflegeroboter "Care-o-bot" (Foto: Fraunhofer IPA)

Pflegeroboter „Care-o-bot“ (Foto: Fraunhofer IPA)

1. Der Pflegeroboter sagt’s durch die Blume

Sie kommen in Altenheimen und Kliniken zum Einsatz: Pflegeroboter. Gerade in diesem Bereich, der mit Personalmangel zu kämpfen hat, können viele standardisierte Abläufe von Robotern erledigt werden. Aber sie können auch anders: Der „Care-O-bot“, entwickelt vom Fraunhofer Institut, kann sich Gesichter merken, Gefühle widerspiegeln, nicken oder den Kopf schütteln. Zum Servieren von Getränken kann eine Hand durch ein Tablett ersetzt werden oder er wird gleich komplett zum Servierwagen umgebaut. Wählerisch ist der Care-O-bot nicht: Statt im Pflegebereich würde er auch als Informationskiosk im Flughafen oder als Hol- und Bringdienst in einem Büro arbeiten.

 

 

 

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Service-Roboter „Toomas“ im Baumarkt (Foto: TU Ilmenau)

2. Toomas zeigt, wo der Hammer hängt

Erfolglos auf der Suche nach Seitenschneider, Mutterschlüssel oder Vorstechahle? Und wieder mal kein Mitarbeiter in Sicht? Kein Problem für“ Toomas“: Der Shopping-Roboter arbeitet unter anderem in Baumärkten und führt die Kunden zielstrebig zum richtigen Produkt. Das rote Männchen hat Augen und der verzweifelt suchende Kunde kann „Dichtungsring“ auf ihm eintippen, schon findet Toomas den Weg in die passende Abteilung. Wenn er den Kunden nicht mehr sehen kann, sagt er: „Bitte bleiben Sie dicht bei mir, ich kann Sie am besten sehen, wenn Sie einen Meter hinter mir sind.“ Entwickelt wurde der Shopping-Roboter von der TU Ilmenau, der Roboter-Firma MetraLabs und der Baumarkt-Kette Toom. Weltweit sind bereits mehr als 40 von Toomas’ Kollegen im praktischen Einsatz im Handel, im Labor oder in Hotels.

 

 

 

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Museumsführer „tesaro“ (Foto: Technische Sammlungen Dresden)

3. Zurück in die Zukunft? Tesaro führt durchs Museum

Museumsführer aus Fleisch und Blut sind Ihnen zu langweilig? Dann laufen Sie doch einem Roboter hinterher! In den „Technischen Sammlungen Dresden“ wurde „Tesaro“ zum Museumsguide ausgebildet und trat schon bei Museumsfesten und Veranstaltungen in Aktion. Er findet sich allein in der Ausstellung zurecht, kennt die Standorte der Exponate und kann sie anfahren. Laut der HTW Dresden, die den Roboter für die Technikausstellung konzipiert hat, soll er künftig auch die Besucher begrüßen, seine Funktionen vorstellen und die Gäste begleiten. Der Roboter soll dann die Ausstellungsstücke erklären und historische Rechentechnik wieder zum Leben erwecken: Er projiziert deren Funktion direkt auf sie. Doch die Besucher lässt er nicht aus den Roboter-Augen: Er kann sie kontinuierlich verfolgen und Blickkontakt herstellen.

 

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Transportroboter in der Immanuel Klinik Rüdersdorf (Foto: Edgar Zippel)

4. Lassen Sie mich durch, ich bin Roboter!

Die neuen Mitarbeiter an der „Immanuel Klinik Rüdersdorf“ können rund 500 Kilo auf einmal tragen. Doch das Krankenhaus hat keine muskelbepackten Kraftpakete eingestellt, sondern Lastenroboter angeschafft. Vollgepackt mit schwerer Wäsche oder als Essenswagen rauschen die elektronischen Mitarbeiter durch die Gänge der Klinik in der Nähe von Berlin. Das Personal kann sich also auf die Patienten konzentrieren, während der Roboter Bettzeug, Mittagessen und sterile Instrumente von A nach B bringt. Die elektronischen Krankenschwestern fahren vollautomatisch durch das Gebäude, wissen, wo Türen oder Flurkreuzungen sind und werden dort langsamer. Kommt ein Patient auf Krücken nicht schnell genug weg, fährt der Roboter ihn nicht um, sondern spricht sogar mit ihm: „Bitte gehen Sie zur Seite!“ Der Roboter öffnet auch selbst Türen und fährt allein mit dem Fahrstuhl.

 

 

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„Telepräsenz“-Roboter RP-Vita1 (Foto: iRobot)

5. Hey du da, im Roboter!

Banner_NewWorkDay_spielraumEigentlich ist es fast wie Beamen: So genannte „Telepräsenzroboter“ bringen Menschen an Orte, an denen sie nicht sind. Mit dem „RP Vita“ von iRobot zum Beispiel sprechen Ärzte mit ihren Patienten, während sie am anderen Ende der Welt, im Auto oder am Strand sitzen. Das Bild des Arztes wird dabei als „Kopf“ des Roboters projiziert, über die Funktionen des Roboters kann er den Patienten hören, sehen und mit ihm sprechen. Routine-Besuche lassen sich so günstig und ohne Anreise realisieren. Auch für andere Bereiche der Arbeitswelt werden solche Roboter eingesetzt: Weil sich dieser auch bewegen kann, kann ein Mitarbeiter mit seinem Chef in Roboterform einen Rundgang durch die Abteilung machen, ohne dass er vor Ort ist. Auch ein Stadtrundgang durchs antike Rom wäre damit für einen Menschen möglich, der in einer Bar auf Cuba sitzt. In Rom wäre dann zeitgleich ein Stadtführer mit vielen Robotern unterwegs, die an eine Mischung aus Segway und iPad erinnern.

 

 

 

 

 

 

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DHL-„Paketkopter“ vor Testflug (Foto: Deutsche Post DHL)

6. Der bringt’s: Der Paketkopter kommt von oben

Der Postbote bringt die Pakete? Das ist so 80-iger! Die „Deutsche Post DHL“ und auch Amazon erproben Drohnen und Minihelikopter, um Pakete vor allem in entlegenere Regionen zu bringen. Der „Paketkopter“ der Post hatte Ende 2014 zu Forschungszwecken den ersten Linienbetrieb zur Nordseeinsel Juist aufgenommen – ein weltweit einzigartiges Pilotprojekt: Der Paketkopter übernahm den Transport von Medikamenten oder anderen dringend benötigten Gütern zu bestimmten Uhrzeiten (siehe auch hier im Video). Ein wasserfester Behälter stellt sicher, dass die Ware auch bei einer Wasserlandung nicht zu Schaden kommt. Wann DHL Paketkopter außerhalb solcher einzelner Projekte zur Paketzustellung starten könnten, sagt die Post bislang nicht. Für die Zustellung besonders eiliger Güter in dünn besiedelten oder schlecht erreichbaren Gebieten sowie bei der Notfallversorgung sei ein Einsatz aber denkbar.

 

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Pflegeroboter „roreas“ (Foto: TU Ilmenau)

7. Roreas führt Schlaganfall-Patienten zurück ins Leben

Die Reha ist gerade bei Schlaganfall-Patienten zentral, viele Übungen und Schritte sind nötig, um zurück ins Leben zu finden und wieder sicher allein gehen zu können. Doch oft hat das Klinikpersonal nicht die Zeit, ständig individuell mit jedem Patienten zu trainieren – und allein trauen sich viele nicht, aus Angst, sich zu verlaufen oder zu überfordern. Dem soll „Roreas“ Abhilfe schaffen: Zusammen mit Partnern hat die TU Ilmenau ihn entwickelt, an der Reha-Klinik Bad Liebenstein wird er getestet: Der fast menschengroße Reha-Roboter begleitet die Schlaganfallpatienten bei Lauf- oder Orientierungsübungen. Auch auf den belebten Klinikfluren mit all ihren Hindernissen kann sich Roreas mühelos auf Rollen fortbewegen. Mit unbegrenzter Zeit und Geduld übt der „Personal Trainer“ mit den Patienten und beobachtet die Trainingseinheiten. Er führt Buch über jeden Schritt und bei Erfolg kann er die Patienten selbst loben. Mehr Eigentraining der Patienten führe schneller zum Erfolg und damit zu geringeren Kosten im Gesundheitswesen, so die TU Ilmenau.

 

Küchenroboter "Armar" (Foto: Karlsruher Institut für Technologie, KIT)

Küchenroboter „Armar“ (Foto: Karlsruher Institut für Technologie, KIT)

8. Armar hat alle Tassen im Geschirrspüler

Er kann, was mancher Mann nicht schafft: „Armar“ orientiert sich selbständig in der Küche. Ein Roboter, der die Spülmaschine einräumt. Klingt wie ein Traum? Ein bisschen ist es das auch noch. Der Roboter wird zwar noch nicht in der Praxis eingesetzt, doch an ihm werden viele praktische Anwendungen erprobt, die einmal Leben und Arbeitsalltag erleichtern könnten. Und ein Promi-Date hatte Armar immerhin auch schon: Er hat die Kanzlerin begrüßt und ihr eine Rose überreicht. Zuhause ist Armar noch am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Dort lehren ihn die Forscher auch, wie man die Arbeitsplatte wischt – einfach, indem sie es ihm vormachen (siehe dieses Video). Auch wie man Milch aus dem Kühlschrank holt, schaut sich Armar einfach von seinen menschlichen Kollegen ab. Was sich Armar im Büroalltag abschauen und nachmachen könnte, könnte in Zukunft also große Arbeitserleichterungen bringen.

 

 

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Roboter-Restaurant in Shinjuku-ku, Japan

9. Einmal Nudeln vollautomatisch, bitte!

Nirgends ist die Begeisterung für Roboter größer als in Japan und China: Je künstlicher und technischer, desto besser. In Nagoya in Japan gibt es einen Nudelimbiss, der vollautomatisch ist: Die Gäste stellen auf Displays die Geschmacksrichtung ein, die die Roboter dann mischen. Sie stellen die Teller bereit und kippen mit Kellen und Schüsseln die Zutaten für das Gericht hinein (hier im Video). In den Pausen vollführen sie Kunststücke und drehen Teller in der Luft. Im „Robot Restaurant“ in Kunshan bei Shanghai bedienen Roboter, die an R2D2 erinnern: Sie fahren die Theke an, nehmen Tabletts auf  und servieren sie den Gästen: „Bitte nehmen Sie Ihre Speisen“. Im „Robot Restaurant“ im japanischen Shinjuku-ku (s. Foto) tanzen zwar nur verkleidete Roboter – aber das tut der Faszination der Asiaten für ihre elektronischen Gefährten keinen Abbruch.

 

AI-Lehrerin "Saya" (Foto: AP / Koji Sasahara)

AI-Lehrerin „Saya“ (Foto: AP / Koji Sasahara)

10. Guten Morgen, Frau Roboter!

Wie „Frau Saya“ auf Pupskissen und Spickzettel reagiert, weiß man nicht, doch streng schauen, kann sie auf jeden Fall: In Tokio unterrichtet die Gummi-Lehrerin in einer Grundschule – passenderweise: Technikunterricht. Unter dem etwas wachsig wirkenden Gesicht verbergen sich mehr als ein Dutzend Motoren, die Frau Saya Gesichtsausdrücke wie Überraschung, Angst, Empörung oder Freude nachstellen lassen. Die sehr kleine, zierliche Roboter-Frau hat ein Puppengesicht, das aber sehr verzerrt wirkt und zusammen mit der schnarrenden Stimme wohl nicht bei jedem Schüler Sympathie auslösen dürfte. Während Online-Unterricht, Tablets und Apps im Unterricht auch in Deutschland gerade in immer mehr Klassenzimmer einziehen, dürfte es mit der Roboter-Lehrerin wohl noch etwas dauern. Große pädagogische Erfolge mit der elektronischen Lehrerin wurden auch noch nicht berichtet: Doch welcher Lehrerin darf man schon am Ende der Stunde ungestraft in die Nase kneifen?

 

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Staubsauger-Roboter (Foto: Maria Huber)

11. Saugt Staub, spart Zeit

Eine wahre Roboter-Revolution für den Arbeitsplatz im Home-Office ist der automatische Staubsauger. Wer sich schon Dutzende Male vor der Arbeit gedrückt hat und stattdessen mal schnell Staub gewischt und durchgesaugt hat, hat nun keine Ausreden mehr. Auch das Gefühl der Vereinsamung ist direkt mit weggesaugt: Schließlich ist jemand da, der putzt. Der Saugroboter saugt, während mal selbst effektiv der Arbeit nachgehen kann /muss. Diese Geräte – die auch in Deutschland seit Jahren mit zweistelligen Steigerungsraten verkauft werden – werden immer intelligenter, erkennen Türschwellen und Stufen, so dass sie nicht abstürzen können. Besonders ausgereifte Varianten kann man instruieren, dass sie immer dienstags um 9.37 Uhr auf Putz-Fahrt gehen und erst von einem Zimmer ins nächste wechseln, wenn sie jede Stelle mindestens einmal gesaugt haben. Es gibt auch Varianten, die feucht durchwischen, den Rasen mähen, die Dachrinne putzen oder als Pool-Roboter die Poolreinigung übernehmen. Aber wer tatsächlich am heimischen Pool im Home-Office sitzt, muss die Digitalisierung ja auch nicht übertreiben – und kann sich wahlweise auch an einem Poolboy oder Poolgirl aus Fleisch und Blut erfreuen.

 


 

 

4 Kommentare

david

16.03.2015

Sogar die Messehostessen sind schon Opfer von Telepresence-Robotern geworden, wie die Mazda CX-3 Präsentation zeigte…

Manfred Zettler

16.03.2015

Es wird höchste Zeit

martini

17.03.2015

Naja, um den Menschen von schwerer Arbeit zu entlasten, dazu wurden Maschinen schließlich geschaffen. Aber ob ihr Einsatz in Bereichen, in denen der soziale Kontakt für die Menschen von Belang ist, nicht ein Irrweg ist, sollte erwogen werden. Die momentanen Vorstöße in diese Richtung muten jedenfalls oft an, wie ein bloßer „Gimmick“…

Ulli Pesch

22.06.2016

Die Entwicklung wird nicht aufzuhalten sein. Das ist das Eine. Und dass sie die Menschen in eine Welt voller Glückseligkeit führen (weil sie ihm die Arbeit „abnehmen“), halte ich für einen eher gefährlichen Gedankengang. Was möglich ist, wird getan werden. So wie die Erfindung der Wasserstoffspaltung eigentlich eine rein wissenschaftliche Entdeckung war. Daraus wurde eine der schrecklichsten Waffen der Menschheit. Außerdem: es geht hierbei überhaupt nicht darum, dass dem Menschen alles „erleichtert“ und vereinfacht wird. Das Gehirn hat davon nur, dass es nicht mehr viel arbeiten muss. Und ob es wirklich erstrebenswert ist, à la Eloi aus H.G. Wells´ Zeitmaschine den ganzen Tag auf dem Rasen rumzuflenzen und bei einem Hupen zum Essen zu gehen (das wäre dann, auf heute – oder morgen – übertragen, womöglich die intelligente Küche, die virtuos die leckersten Sachen, die per 3D-Drucker gezaubert werden, serviert). Na, ob das wirklich spaßig ist. Selbst wenn die wohl meisten von uns sich in einer Spaßgesellschaft wohlzufühlen scheinen.
Letztlich führt das m.E. zu einem geistigen Rückschritt – und damit zu einem Rückschritt für den Menschen. Na gut, sowas kann man dann immer noch Evolution nennen.
Nicht umsonst arbeiten die Experten von Deep Mind (Alphabets Tochtergesellschaft [Alphabet = ehemals Google, für die, die das vergessen oder nicht mitbekommen haben sollten]) und der Oxford Universität zurzeit mit hohem Aufwand an einem Algorithmus, der auf jeden Fall sicherstellen soll, dass sich intelligente Roboter (Stichwort „Singularität“) nicht doch irgendwann mal gegen den Menschen wenden. Und denen kann man nun wirklich nicht nachsagen, dass sie nicht zukunftsorientiert denken und vor allem handeln würden. Also: keine Schwarzmalerei bitte!
Und das ist die andere Seite.
Mal abgesehen von den zurzeit kursierenden und viel diskutierten Studien von Osbourne/Frey, der ING DiBa und der Foresight Alliance, die alle irgendwie sehen, dass doch „womöglich“ 50% aller Arbeitsplätze der Digitalisierung zum Opfer fallen werden (Pflege- und Soziale Dienste und die, die bisher relativ gut ohne Computer auskommen, ausgenommen).
Fazit: es wird spannend. Aber die Diskussion sollte und darf nicht einseitig zugunsten der Technik geführt werden.
Ich denke – so im ganz großen Rahmen gedacht – uns wird das letztlich nicht gut tun. Dem Planeten auf dem wir wohnen, dann vielleicht irgendwann doch – wenn es uns nicht mehr geben wird. Denn richtig intelligente Organismen zerstören nicht ihre Lebensgrundlage.