Digitalisierung

Andrea Nahles: "Die Digitalisierung macht mir keine Angst"

„Wir brauchen keine neuen (Arbeits-) Regeln, nur weil jeder Beschäftigte ein Smartphone in der Tasche hat.“ Anlässlich des New Work Days 2015 spricht Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles im Interview mit XING spielraum über die Folgen der Digitalisierung für die Arbeitswelt.

Frau Ministerin, die Veränderung der Arbeitswelt geht rasant schnell – und bisweilen radikal – voran. Welche Rolle wird Arbeit in Zukunft einnehmen?
Andrea Nahles: Die Arbeitswelt ist in der Tat im Wandel. Aber ich sehe hier mehr Evolution als Revolution. Die letzten zwei Jahrzehnte waren geprägt durch Globalisierung, Informatisierung und die Zunahme von Dienstleistungsarbeit. Aber auch durch einen stärkeren Druck auf Sozialstaat und Arbeitnehmerrechte. Die Arbeit 4.0, wenn Sie so wollen, wird vermutlich vernetzter, digitaler und flexibler sein. Wie diese genau aussehen wird, ist offen. Ich bin mir sicher: Arbeit wird auch in Zukunft eine zentrale Rolle in unserer Gesellschaft spielen. Umso mehr müssen wir schon heute die Arbeit der Zukunft gestalten.

Welchen Stellenwert hat das Thema „New Work“ denn innerhalb ihres Ministeriums?
Nahles: Wir blicken mit großem Interesse auf diese Entwicklungen. An vielen Orten in Deutschland entwickeln Unternehmen, Beschäftige und Betriebsräte innovative Antworten auf die zentralen Fragen zur Zukunft der Arbeit. Wie kann man Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mehr Teilhabe und Teilnahme ermöglichen? Wie lässt sich eine bessere Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Privatleben erreichen? Wie sieht gute Unternehmensführung aus? Das sind Fragen, die uns auch im Ministerium umtreiben.

Stichwort Digitalisierung: Wie eng hängen Digitalisierung und New Work zusammen?
Nahles: Die Digitalisierung bietet sicherlich große Chancen, auf die gerade genannten Fragen Antworten zu finden, die den Anforderungen von Unternehmen und den Bedürfnisse der Beschäftigten gleichermaßen Rechnung tragen. Ich denke da zum Beispiel an mehr Zeitsouveränität durch mobiles Arbeiten oder neue Formen der digital vermittelten Mitarbeiterbeteiligung. Politik und Sozialpartner sind allerdings auch gefordert, dafür Sorge zu tragen, dass Entgrenzung, Arbeitsverdichtung und Arbeitsplatzunsicherheit nicht die Chancen, die die Digitalisierung ohne Frage bietet, konterkarieren.

Neben vielen unbestrittenen Vorteilen macht die Digitalisierung auch vielen Menschen Angst. Ihnen auch?
Nahles: Nein! Und ich erlebe das auch nicht so. Die Menschen sehen in der Digitalisierung zunächst eine Chance. Nun wird es darum gehen, dass Politik, Unternehmen, Sozialpartner und Beschäftigte gemeinsam das Potenzial der Digitalisierung für eine selbstbestimmte, familienfreundliche und lebenswerte Arbeitswelt realisieren.

Mehr Flexibilität bei Arbeitszeit und Bezahlung, mehr „Unternehmergeist“ auch unter Angestellten, mehr Mitbestimmung in den Firmen: Sind in Anbetracht dieser Entwicklungen die Gesetze, mit denen wir in Deutschland Arbeit „regeln“, überhaupt noch zeitgemäß?
Nahles: Wir wissen noch nicht, wie die Arbeit der Zukunft aussehen wird. Insofern kann es heute nicht darum gehen, Regeln zur Disposition zu stellen, auf die wir uns als Gesellschaft geeinigt haben und die eine Grundlage unseres wirtschaftlichen Erfolges sind, nur weil jeder Beschäftigte heute ein Smartphone in der Tasche hat. Ich denke eines ist klar: Auch in Zukunft werden wir Regeln brauchen, die den unterschiedlichsten Formen gesellschaftlicher Zusammenarbeit einen sicheren Rahmen geben und die die Wahrung der Interessen des Einzelnen sicherstellen. Die gute Verabredungskultur, die wir in Deutschland haben, wird uns dabei helfen die richtigen Antworten zu finden.


New Work Day 2015: Bei der Podiumsdiskussion zum Thema „Strategien für die Arbeitswelt von morgen“ mit Ex-Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger, der Internetbeauftragten der Regierung, Gesche Joost und Christian Beinke von der demokratisch organisierten Berliner Agentur Dark Horse Innovation auf dem New Work Day 2015 am 13. März in Hamburg richtete Andreas Nahles das Wort per Video-Botschaft an Teilnehmer und Gäste.

4 Kommentare

S. Steadler

13.03.2015

Es fehlen hier wichtige Angaben zu den Quellen des Interviews (war es eines?) – Autor, Art der Kommunikation, Zeitpunkt, …

Bisa

13.03.2015

Ein gutes Zeugnis dafür, daß Frau Nahles immer noch auf dem Stand von Web 0.5 ist: „ahnunglos“!

Sabine Brockmeier

16.03.2015

Sehr geehrte(r) S. Steadler,

bei der Quelle handelt es sich um XING spielraum selbst, das Interview wurde vergangene Woche schriftlich mit Frau Nahles geführt.

Beste Grüße
Sabine Brockmeier
Redaktion XING spielraum

P.Dvorny

17.03.2015

So lange man der „Digitalizier“ ist, braucht man keine Angst haben!