Digitalisierung

Editorial: Wie gefährlich ist die Digitalisierung für unsere Jobs?

Wird auch Ihr Chef bald ein Computer sein ? Macht ein Roboter oder eine Software demnächst Ihren Job? Das Tempo, mit dem die Digitalisierung Gesellschaft und Wirtschaft durchdringt, wirft Fragen – und Ängste – auf, die wir nur gemeinsam lösen können.

Der atemberaubende Fortschritt der Digitalisierung, die Verdoppelung der Rechenkapazitäten etwa alle zwei Jahre, die exponentielle Entwicklung des technischen Fortschritts machen heute Dinge möglich, die noch vor nicht allzu langer Zeit als Science Fiction galten: Selbstfahrende Autos, Programme, die journalistische Texte schreiben, Roboter, die als Lehrer arbeiten.

Marc-Sven Kopka, VP External Affairs XING AG

Marc-Sven Kopka, VP External Affairs XING AG

Ist das nicht großartig? Ja. Denn viele der neuen Möglichkeiten machen das Leben sicherer und leichter. Und gleichzeitig ist die Antwort nein. Denn wenn man versucht, die technische Entwicklung weiterzudenken, dünkt vielen Beobachtern nicht nur Gutes. So warnt der britische Astrophysiker Stephen Hawking ganz explizit vor den Gefahren durch Künstliche Intelligenz: „Ihre weitere Entwicklung könnte das Ende der Menschheit bedeuten“, so das düstere Diktum des Physikers. Elon Musk, Chef des Elektroautokonzerns Tesla, und ebenfalls nicht übertriebenen Zukunftspessimismus verdächtig, äußert sich ähnlich.

Bevor es vorbei ist mit der Menschheit, sind die Jobs, die heute von Menschen erledigt werden, durch den anhaltenden Siegeszug der Technologie in Gefahr. Nichts Neues? Nun, wenn die Wirtschaftswoche Recht behält, „schicken sich nun Chips und Algorithmen an, Geistesleistungen zu ersetzen. Und zwar in gigantischem Ausmaß: 2025 schon könnten schlaue Maschinen die Arbeit von 140 Millionen Wissensarbeitern leisten.“ Es geht den Wissensarbeitern also an den Kragen. Das, was mathematisch abbildbar ist, wird aus Perspektive warnender Zukunftsforscher schneller und besser von Maschinen übernommen werden können. Und die Botschaft trifft auf offene Ohren. So ist kürzlich dem bis dahin weitgehend unbekannten jungen Autor Federico Pistono ein Überraschungserfolg mit dem Buch „Robots will steal your jobs but that’s ok“ gelungen. Die Autoren von „The second machine age“, die beiden MIT-Professoren Erik Brynjolfsson und Andrew McAfee, geben zu, ihr Buch „aus Verwirrung“ angesichts der aktuellen Entwicklung geschrieben zu haben. Auszüge aus ihrer Analyse des „zweiten Maschinenalters“ werden wir diesen Monat hier aus XING spielraum veröffentlichen. Und Sascha Lobo stellt im Video-Interview mit XING spielraum fest: „Das Festanstellungssystem löst sich auf.“

Banner_NewWorkDay_spielraumMüssen sich künftig Heerscharen von Sachbearbeitern, Anwälten, Wirtschaftsprüfern und Programmierern vor Arbeitslosigkeit fürchten? Wird auch Ihr „Chef ein Computer“? Müssen wir unser Wirtschaftssystem radikal verändern, da künftig viel zu wenig Jobs für Menschen existieren?

Die Beantwortung dieser Fragen kann derzeit wohl niemand leisten. Allerdings empfinden wir sie als dringlich genug, uns mit ihnen in unserem neuen Fokusthema „Digitalisierung“ zu beschäftigen. Vielleicht haben Sie Lust, über diese und viele weitere Themen zur Arbeitswelt der Zukunft mit anderen Interessierten zu diskutieren? Dann besuchen Sie unsere Gruppe Arbeit.Zeit.Leben.

In diesem Sinne wünsche ich: Viel Spaß bei der Lektüre – und gute Dialoge!

Ihr Marc-Sven Kopka

5 Kommentare

Lars Hahn

10.03.2015

Man muss sich ja nur einmal die Entwicklungen im Bankensektor anschauen, dann bekommt man einen Vorgeschmack darauf, was die Schattenseite der Digitalisierung bedeuten könnte. Die Filialbanken alter Natur wird’s vielleicht in ein paar Jahren nicht mehr geben.

Meine These ist ja, dass möglicherweise auch klassische Bereiche wie die Automobilindustrie dahinschmelzen werden. Und zwar nicht, weil die Automatisierung der Arbeit geschieht, sondern weil das Produkt Auto schlichtweg durch ein Produkt digitalisierter Mobilität ersetzt werden wird.

Mark Schwan

16.03.2015

Dazu ist auch die Webseite „Will your job be replaced by a robot? ganz interessant: http://www.replacedbyrobot.info/

Franz Gans

16.03.2015

replacedbyrobot.info und die Oxford Studie betrachten nur einen Teil der Entwicklung (Roboter). Bezieht man Software/AI mit ein, dürften über 90% der Jobs, die in der Liste noch als „weniger als zu 50% gefährdet“ betrachtet werden, ebenfalls auf 100% Rationalisierungspotential gehen. Selbst (oder gerade) so „kreative“ Jobs wie Webmaster, Netzwerkanalyst, Software Developer werden in etwas weiterer Zukunft von Synthetischen Intelligenzen billiger, schneller und effizienter bewältigt werden. Die alte These, dass sich eine Elite von gut ausgebildeten Wissenschaftlern halten wird, ist meiner Meinung nach unhaltbar. Dies gilt ausschließlich für die sehr kurze Zeitspanne der Capable Intelligence und Entwicklung von Robotern für manuelle Arbeiten, in der wie uns gerade befinden. Die Bildung der Singularität, die wohl unvermeidlich ist, wird schlagartig das Ende des Bedarfs an menschlichen Akademikern und Wissenschaftlern bedeuten, die sich dann zu den dann schon etwas länger arbeitslosen ehemaligen Arbeitern gesellen dürfen.

Volker P. Andelfinger

16.03.2015

Ich sehe es wie Brynjolfsson und McAfee. Es entstehen neue Jobs und alte Jobs fallen weg. Das Problem ist, dass dies viel schneller geschieht, als solche Entwicklungen bisher abgelaufen sind. Das bedeutet: die Menschen, die aus dem System fallen, können nicht schnell genug für die neuen Jobs qualifiziert werden. Keiner weiß, wieviele Jobs wegfallen oder neu entstehen. Keiner weiß genau, wie die neuen Jobs aussehen und wie sie heißen. Was wegfällt, ist leichter zu definieren. Weiterer Faktor: die demografische Entwicklung kann einerseits die Jobkiller ausbremsen, andererseits Fachkräftemangel bei den neuen Jobs begünstigen. Eine unübersichtliche Gemengelage, das führt zu sehr viel Kaffeesatzleserei. Da ist noch viel zu klären.

Ali Can Celik

16.03.2015

Wir müssen endlich realisieren, dass wir uns zurzeit in einer digitalen und softwarebedingten Leben befinden. Die Menschen und die Technologie verbessern sich nicht statisch sondern es ist eine dynamische Entwicklung. Um im Universum noch mehr Geheimnisse ergründen zu können, müssen wir den stetigen Wandel in jeder Hinsicht in Kauf nehmen. Hier geht es nicht um Individuen sondern um den gesamten Fortschritt der Menschheit. Widerstand ist zwecklos, lieber die Flussrichtung als begleitfähige Hilfe ansehen.