Auf neuen Wegen

Gehalt und steile Karriere um jeden Preis war gestern. Arbeitnehmer – vor allem die jüngeren – wünschen sich einen Job, der Spaß und Sinn macht und nicht nur das Konto füllt. Dieser Artikel ist im Beileger “FOCUS Network – 44 Seiten Karriere-Extra”  des aktuellen FOCUS-Magazins (Nr. 14/2015) erschienen. In Kooperation mit XING bietet der Beileger zahlreiche weitere Karriere-Themen, Interviews, Network-Tipps, Termine und Events (zum kostenlosen Download).

Sebastian Herzog will alles: einen anspruchsvollen Job, berufliche Herausforderungen – und den Freiraum, um regelmäßig sein Fernweh zu stillen und Zeit mit seinen Söhnen zu verbringen. Deshalb hat sich der 32-Jährige, der als Manager bei Lufthansa eine beeindruckende Karriere gemacht hat, bereits mehrmals in seinem Berufsleben den Luxus einer längeren Auszeit gegönnt – und ist um die Welt gereist.

Auf den richtigen Zeitpunkt für eine solche Pause hat Herzog, der sich schon nach dem Abitur und als Student viel in der Welt herumgetrieben hat, nie gewartet: „Den gibt es nicht, das ist wie mit dem Kinderkriegen“, ist der zweifache Vater überzeugt. „Man muss es einfach tun.“ Als stellvertretender Abteilungsleiter bei Deutschlands größter Fluggesellschaft tauschte er vor einiger Zeit zwei Monate lang den Schreibtisch gegen sein Motorrad, um mit einem Freund durch Afrika zu reisen. Über dieses Abenteuer schrieb Herzog ein Buch, „Auszeit Afrika“, und brachte es im Eigenverlag heraus. Als der Nachwuchsmanager zum ersten Mal Vater wurde, ging er in Elternzeit und tourte mit Frau und Baby in einem umgebauten VW-Bus durch Norwegen.

focus2

„In meinen Auszeiten kann ich meine Batterien wieder komplett aufladen“ Sebastian Herzog – Leiter des Lufthansa Innovation Hub

Die traditionellen Werte des Arbeitslebens haben ausgedient: Nicht nur Herzog misst traditionellen Statussymbolen wie Titeln, Posten und Gehalt nur noch begrenzte Bedeutung bei. Angestellte, Führungskräfte und Top-Manager sehnen sich zunehmend nach Veränderung und suchen einen Job, der nicht nur Geld und Prestige bringt, sondern vor allem Sinn stiftet, Spaß macht und auch noch Raum für ein erfülltes Privatleben lässt. Besonders Letzteres ist den Deutschen laut einer Forsa- Umfrage wichtig: Danach wünschen sich 82 Prozent, dass neben ihrem Job mehr Zeit für Familie, Partner und Freunde vorhanden ist. Vorreiter dieses Trends, der Unternehmen vor völlig neue Herausforderungen stellt, ist einerseits die Generation Y, also die zwischen 1980 und 2000 Geborenen. Aber auch viele 30- bis 45-Jährige hinterfragen bestehende Karrieremuster und Leistungsanreize – und suchen nach Alternativen.

Ein Grund für den Wandel: Das alte Vorbild vom Karrieristen und Einzelkämpfer bröckelt. „Die junge Generation sieht, dass klassische Karrieremuster nur selten glückliche, stolze und zufriedene Menschen hervorgebracht haben“, sagt die Psychologin Tatjana Schnell, die sich seit Jahren an der Universität Innsbruck mit dem Thema Sinnforschung beschäftigt. „Hohe Gehälter, Karriere und Statussymbole werden durch Selbstausbeutung erkauft und enden viel zu oft im Burn-out. Das ist kein Vorbild, an dem man sich orientieren möchte.“

Eine repräsentative Studie der Non-Profit-Organisation Ashoka und der Unternehmensberatung McKinsey stützt die Einschätzung der Psychologin: Danach lehnen es mehr als ein Drittel der Befragten ab, in einem Job zu arbeiten, den sie nicht als Sinn stiftend erleben. Dazu gehört das Gefühl, mit der eigenen Tätigkeit etwas zu bewirken und sich mit ihr zu identifizieren, aber auch der Wunsch nach Wertschätzung und einem Umfeld, in dem Entscheidungen gemeinschaftlich getroffen werden. Wichtig ist es den Sinnsuchenden zudem, den eigenen Lebensplan zu verfolgen, Fernweh und Karriere zu verbinden.

frage1

Quelle: Studie des Netzwerks Enactus und HHL Leipzig

Immer mehr Deutsche wünschen sich Auszeiten wie die von Sebastian Herzog. Laut einer Forsa-Studie kann sich jeder Zweite gut vorstellen, ein Sabbatical zu nehmen. Herzog selbst ist überzeugt, dass ihn die regelmäßigen Pausen vor einem Burn-out bewahren. „Ich kann meine Batterien wieder voll aufladen“, sagt der Kaufmann, der seit Anfang des Jahres eine neu gegründete Tochter seines Arbeitgebers leitet – den Lufthansa Innovation Hub in Berlin.

„Unterwegs merke ich nach einer Weile, wie schön Entschleunigung ist und dass das Leben weit mehr zu bieten hat als einen Job“, erzählt er. „Dann habe ich auch wieder die Muße, mich den wichtigen Fragen des Lebens zu widmen: Wer bin ich, wo stehe ich, was will ich vom Leben?“

Sich alle paar Jahre eine mehrmonatige Jobpause gönnen zu können ist für den Manager zudem Ausdruck von Selbstbestimmtheit. Die lebt Herzog auch im Alltag: Zwei Tage in der Woche versucht er, sein Büro pünktlich um 16 Uhr zu verlassen, damit er die Nachmittage mit seinen Söhnen verbringen kann. Erst am Abend klappt er dann wieder den Firmenlaptop auf, um sich beruflichen Themen zu widmen.

So war es zumindest bisher: „In meiner neuen Position ist das aktuell leider nur sehr selten drin, aber langfristig will ich da wieder hinkommen“, betont Herzog. Auch die nächste Auszeit hat er schon fest eingeplant: „Im Sommer 2017 sind zwei bis drei Monate in meinem Terminkalender geblockt. Da reise ich mit meiner Familie durch Südafrika.“

Selbstbestimmt zu arbeiten und eine ausgeglichene Balance zwischen Beruf und Privatleben zu finden, das wünschen sich viele Sinnsucher der Generation Y. Sie werden die Jobwelt mit ihren neuen Werten nachhaltig verändern und auch den Sinn der Arbeit neu definieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Studie von Enactus und dem SCI-Stiftungslehrstuhl für Marketing der HHL Leipzig Graduate School of Management mit dem vielsagenden Titel „Sinnsucher-Generation Y“.

Quelle: Studie des Netzwerks Enactus und HHL Leipzig

Quelle: Studie des Netzwerks Enactus und HHL Leipzig

Dabei sind die Arbeitnehmer der neuen Generation alles andere als weltfremde Aussteigertypen. Im Gegenteil: „Ein gutes Gehalt wird bei der Wahl des Wunscharbeitgebers ebenso vorausgesetzt wie ein sicherer Arbeitsplatz“, sagt Petra Lewe, Geschäftsführerin von Enactus Deutschland, einer gemeinnützigen Organisation für Projekte in der Wirtschaft. „Unternehmen, die es schaffen, die Sinnsucher aus der Generation Y für sich zu gewinnen und zu binden, verfügen damit über besonders vielversprechende, engagierte Mitarbeiter, die ein großes Maß an Innovationskraft und Unternehmergeist mitbringen.“

Auf solche Mitarbeiter will niemand verzichten, daher lassen sich immer mehr Unternehmen im Wettbewerb um die besten Nachwuchskräfte viel einfallen. Sie haben erkannt, dass es langfristig vor allem darauf ankommt, dass sich die Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen. „Bei Bewerbungen ist und bleibt das Gehalt zwar ein wichtiger Faktor, gleich danach kommt jedoch die Frage: ,Und was bietet ihr sonst noch?‘“, erzählt Arndt Moeller, Personalverantwortlicher bei Loyalty Partner, der Holding, zu der das Bonusprogramm Payback gehört. Das Düsseldorfer Top Employer Institut zeichnete die Unternehmensgruppe kürzlich als Top-Arbeitgeber für seine außerordentliche Mitarbeiterorientierung aus. „Karriere ja, aber nur, wenn die Balance zwischen Beruf und Privatleben stimmt“, fasst Moeller die Wünsche von Mitarbeitern und Bewerbern zusammen. Um
diesen gerecht zu werden, gehört bei Payback eine Kantine, die gesundes und biologisches Essen bietet, genauso zum Programm wie das unternehmenseigene Fitness-Studio und ein Spielzimmer mit Tischtennis und Videospielen für den Spaß zwischendurch, schließlich ist ein Drittel der Belegschaft 30 Jahre oder jünger.

Auf dem Markt präsent: Patrick und Karin Hallinger werben auf Taxis für ihre Schokoladenmanufaktur

Auf dem Markt präsent: Patrick und Karin Hallinger werben auf Taxis für ihre Schokoladenmanufaktur

Neue Wege der Unternehmens- und Mitarbeiterführung geht auch die Drogeriemarktkette dm, deren Gründer Götz Werner als fairer Arbeitgeber Akzente setzen will. Alle Filialen werden von eigenständigen Teams geleitet – mit einem großen Maß an Mitsprache und Mitbestimmung für alle Mitarbeiter. Oder der Textilproduzent Gore, Erfinder der weltbekannten Kunststoffmembran Goretex, bei dem es keine Chefs gibt, die von oben herab Anweisungen erteilen, sondern nur Teams aus gleichgestellten Kollegen auf Augenhöhe. Innovativ ist auch die Organisationsstruktur bei Gore: Jedes Werk bildet eine eigenständige Einheit mit maximal 200 Mitarbeitern. Wächst der Standort, gründet das Unternehmen einen neuen. So bleiben die Werke kleine, gut funktionierende Einheiten mit flachen Hierarchien. Neue Wege wollte auch Patrick Hallinger gehen und bewies viel Mut zur Veränderung: Kurz vor dem Aufstieg zum Partner bei einer großen Unternehmensberatung, sechsstelliges Jahresgehalt inklusive, legte der Wirtschaftsingenieur seine Beraterkarriere auf Eis. Mit seiner Frau Karin gründete er in seinem bayerischen Heimatort Landsberg am Lech eine Schokoladenmanufaktur. „Ich wollte endlich etwas Eigenes schaffen – und zwar von A bis Z und mit allen Konsequenzen“, erklärt der 37-Jährige die Gründe für seinen radikalen Neustart. Seine Entscheidung hat Hallinger nicht bereut: Mittlerweile beschäftigt er fast 30 Mitarbeiter, betreibt neben dem Produktionsstandort in Landsberg fünf eigene Läden und ist mit seinen Produkten bei Amazon vertreten. Seine langjährige Erfahrung als Berater war für den Start in die Selbstständigkeit äußerst wertvoll: Die Fähigkeit, strukturiert zu arbeiten und Probleme zu lösen, halfen ihm ebenso wie die Souveränität und Routine bei Präsentationen oder Businessgesprächen, etwa als Hallinger der Bank seinen Businessplan vorstellte. „Mein Beraterjob war eine gute Lehrzeit – da habe ich das nötige Handwerkszeug gelernt, das mir heute täglich hilft, meinen ganz persönlichen Traum zu leben.“

Text: Katja Stricker / Header-Foto: Marco Priske für FOCUS-Magazin

16 Kommentare

Sibylle1969

01.04.2015

Ich würde auch gerne mal alle paar Jahre eine Auszeit von mehreren Monaten nehmen, um mein Fernweh zu stillen. 6 Wochen Jahresurlaub sind dafür leider nicht genug. Aber ich war noch nie bei einem Arbeitgeber, wo ich das Gefühl hatte, nach so etwas fragen zu können, und ich kenne auch niemanden, der das bei seinem Arbeitgeber gekonnt hätte. Eine Ausnahme: eine Lehrerin (Beamtin in BW) arbeitete einige Jahre für ein reduziertes Gehalt und konnte dann ein Jahr lang aussetzen, was sie für eine Reise durch Asien nutzte. Alle anderen, die eine längere Reise gemacht haben, mussten dafür ihren Job kündigen und hinterher wieder einen neuen Job suchen. Meinen Job kündigen würde ich niemals, dafür ist die Angst zu groß, hinterher nichts adäquates mehr zu finden.

Andreas

01.04.2015

Hm interessant, die Einstellung bzw. Anforderungen an den Job beobachte ich seit einiger Zeit bei meinen „neuen“ Kollegen. Sie legen viel Wert auf einen ausgeglichenen Tag, soziale Kontakte in der Freizeit und Selbstverwirklichung.
Macht es Sinn dies bei Stellenausschreibungen zu berücksichtigen?

Julia Groß

01.04.2015

Die Joberwartungen der jungen Generation Y sind im Artikel „Ein Arbeitgeber muss “attraktiv und sexy” sein, denn die Generation Y stellt häufig ganz andere Anforderungen an ihren zukünftigen Arbeitsplatz als dies noch vor Jahren der Fall war“ (Quelle: http://crosswater-job-guide.com/archives/48922 ) am Beispiel staatlicher Arbeitgeber recht gut dargestellt.

Simon1979

01.04.2015

Die Ansprüche der Generation Y sind nicht neu. Obgleich ich als 79iger Baujahr noch fast darunter zähle. Ich glaube auch, dass sich sehr viele Arbeitnehmer die nicht mehr unter diese Generation fallen ein Sabbatical vorstellen können aber lassen sie uns doch mal ehrlich sein wer kann sich das denn Leisten? 2 Monate Gehaltsausfall oder Reduktion. Als Lufthansa Abteilungsleiter kann man ja gut sagen, dass das Gehalt nicht so wichtig ist, da man ohnehin bereits am oberen Ende der Mittelschicht ist und im Vorfeld Rücklagen bilden kann.

Ich glaube auch, dass das Wichtigste an der Arbeit ist, dass sie den eigenen Wertansprüchen genügen muss. Für mich sind das vor allem ein guter Umgang miteinander sowie sinnvolle und nicht eintönige Aufgaben und Gestaltungsfreiheit. Das Gehalt sollte so gut sein das man sein Lebensalltag bestreiten und trotzdem das Leben genießen kann.

Manuela

01.04.2015

In meinen Augen nimmt die Generation Y nur sich selbst wahr und übersieht all die Leute, die vor ihnen tolle Ideen in Form von Lebensgemeinschaften, Gemeinschaftsprojekte, ökologischen Landbau, Solar- und Windenergie etc. – fast immer gemeinsam mit anderen Familien und Freunden – aufgebaut haben und die auch alle MEHR und ANDERES wollten als Karriere, allerdings waren die nicht so ich-fixiert, dass sie nur für SICH alles am besten haben wollen, sondern sie haben vieles aufgebaut, wovon die ganze Gesellschaft und gerade die Generation ihrer KINDER- diese egozentrischen Y-ler – etwas haben sollten. Das Neue an der Generation Y ist: Dass sich nur sich selbst lobt und nicht wahrnimmt, was auch schon vor ihrer Existenz alles Tolles JENSEITS von stumpfem Karrieredenken aufgebaut wurde. Mir geht der Narzissmus dieser Generation eher ziemlich auf den Sa..!

Tom625

01.04.2015

Wir stellen leider öfter fest, dass die Ansprüche der GenY hoch aber leider die Leistungsbereitschaft niedrig ist. Es fehlt auch oft an einer realistischen Selbsteinschätzung, da nicht jeder Bewerber außergewöhnliches bietet. Die Aussagen aus dem Artikel gelten daher nur für einen kleinen Teil der GenY-Arbeitnehmer.

M. Grütz

01.04.2015

Alix Fassmann „Arbeit ist nicht unser Leben“ Ihr Buch erschien am 15.04.2014

Vanessa Hindinger

01.04.2015

Bin selbst GenY und stimme dem Artikel zu, sehr ausführlich recherchiert. Danke für die individuellen Beispiele. Diese Infografik zum Thema finde ich auch ganz klasse, kurz und knackig: http://berufebilder.de/2014/millennials-generation-fuehren/

Alex Linos

01.04.2015

Die Entwicklung auf den Berufsalltag, die von der Generation Y ausgeht, erachte ich als äußerst positiv. Sie wird zu ausgeglichenen Arbeitsverhältnissen, glücklicheren Mitarbeitern und beliebteren Arbeitgebern führen, soweit diese bereit sind, diese Wandlung mitzzumachen (um längerfristig keine Wettbewerbsnachteile zu erleiden). Als Vertreter der Generation X, die es zurzeit anders gewohnt ist, freue ich mich darauf.

FH

01.04.2015

Es ist wieder einmal herzerfrischen, wie realitätsfern diese Artikel sin. Ich denke, etwa 99,9% aller Angestellten machen so etwas genau einmal. Vor der Langzeitarbeitslosigkeit. Der Rest von uns hat weder das Geld noch den Arbeitgeber für so etwas. Die Spassgesellschaft ist vorbei. Ich finde es unverantwortlich, jungen Leuten mit solchen Artikeln ein total verkehrtes Weltbild zu vermitteln. Das Geschilderte ist eine krasse Ausnahme und sollte nicht als Maßstab verkauft werden!

Alex

01.04.2015

Sehr interessant, aber gibt es diesen mal Stefan und dann Sebastian genannten Herrn Herzog wirklich, oder ist die Geschichte Fiktion? Seine Kollegen werden jedenfalls kaum glücklich darüber sein, dass er sie ab und an mal einige Monate im Stich lässt. Wer übernimmt dann seinen Job! Oder ist er entbehrlich?

Patrick

02.04.2015

@Tom und Manuela: ihr habt oberflächlich gesehen recht: GenY wirkt etwas egozentrischer und pseudoselbstverwirklichender als die Alternativos von damals.

Aber Selbstüberschätzung, Schnackertum und Egoismus waren auch in den Kommunen, Kibbuzim und co. nicht selten.

Neu ist an GenY, dass die in den Unternehmen auf alle möglichen Positionen angelangt sind, wogegen die von Manuela erwähnten Alternativen damals eher Aussteiger wurden oder z.B. Lehrer (meiner Schulerfahrung 1984-1997 nach war das für einige dasselbe).

Heute gehen Boston Consulter in Kinderstiftungen, erfahren sich Topmanager beim Kreativbacken neu oder es reden Politiker wie Ole v. Beust und ex HSV Topmanager bei Markus Lanz wie selbstverständlich mit gescheiterten Apnoetauchern und depressiven Onanasten (nix für ungut Ray) über Macht, Sinn und Erfüllung als wäre das alles vergleichbar – anything goes. Just do it. Live your dream. Etc. Die Sprüche sind auch von damals, klar. Aber dass eine Generation die mehr oder weniger durchzieht, trotz Karriere, ist schon eine neue Entwicklung.

Erfolg wird immer weniger definiert als 60 Stunden kloppen bis man der Herr Direktor ist, sondern mehr und mehr als der vermeintliche Grad der erreichten Selbstverwirklichung plus möglichst eine Prise Chuzpe oder Crazyness, optimal aber doch mit ein paar Jahren strategy consultant oder zumindest im Konzern kurz gezeigt haben dass man es im Prinzip drauf hat.

Die schöne neue YWelt erzeugt aber auch wieder neuen Druck. Erstens nehmen die sinnsuchenden business boys (Aussteiger von McKinsey und Co.) zunehmend den klassischen „Alternativen“ die typischen Jobs weg (in Kunst, Handwerk, Stiftungen etc. wird jetzt auch Business gemacht statt jesusgelatscht, siehe z.B. Benckiser Stiftung Zukunft) Und zweitens ist „Sinn“ der neue Porsche – wer immer noch keinen hat muss sich aber ranhalten!

Tingletangle

02.04.2015

Meine Erfahrung ist, dass solche Ausstiege auf Zeit öfter möglich sind als man denkt. Ich selber konnte meine Sachen so regeln dass ich für meinen bisherigen Arbeitgeber bei reduzierter Arbeitszeit übers Internet arbeiten kann. Meine Frau und ich sind seit 1,5 Jahren im südlichen Afrika unterwegs. Alles was ich brauche ist Laptop und Internet. Selbst Anrufe sind kein Problem über VoIP.

Freunde besuchen uns gerade für 3 Monate – er arbeitet bei Siemens, sie bei einem mittelständischen Möbelhändler. Es sind also nicht nur die Großkonzerne oder Unternehmensberatungen die sowas ermöglichen. Einfach trauen und fragen – und vorher gut durchdenken, so dass es auch für den Arbeitgeber Sinn macht.

Und ob man sich das „leisten“ kann ist einfach nur eine Frage der Prioritäten. Man muss halt auch mal auf was verzichten können.

Sebastian Herzog

02.04.2015

@Alex: Ja, den Geschilderten gibt es wirklich. ;-) Ich bin Sebastian Herzog. Warum ich in dem Artikel 1x als „Stefan“ beschrieben bin, weiß wohl nur der Autor. Kannst mich gern auf Xing oder LinkedIn suchen. Zu Deiner Frage, ob ich entbehrlich bin? Ja, unbedingt! Nur wer sich entbehrlich und ersetzbar macht kann auch gehen. Das widerspricht leider „altem“ Herrschaftsdenken bei dem es vor allem um „Informationshoheit und Intransparenz“ geht. Bei der Umsetzung kommt es für mich auf Offenheit, Klarheit und eine durchdachte Argumentation an. Natürlich kann ich nicht zu meinem Chef und den Kollegen gehen und sagen: „Ab morgen bin ich dann mal weg“. Sowohl bei meiner Aufrika-Auszeit als auch bei der Elternzeit habe ich das 1 Jahr vorher angekündigt und einen Plan vorgelegt wie die Zeit ohne mich läuft. Denn ich wollte richtig abschalten (kein Handy, kein Laptop). Wie Du im Artikel lesen kannst, plane ich die nächste Auszeit 2017. Das weiß jeder der mich kennt. Privat und beruflich. So etwas kann man planen. Es ist im Kalender geblockt. Aber das heißt auch: Spannende Projekte oder Jobwechsel um den Zeitraum sind dann tabu. Ich unterstütze Kollegen darin, mich zu ersetzen und werde in den Vormonaten Schritt für Schritt mehr Verantwortung abgeben. Viele (auch gleichaltrige) Kollegen schütteln dabei mit dem Kopf und glauben, dass ich mir dadurch meine Karriere verbaue und nach jeder Auszeit wieder bei Null anfangen muss. Ich hingegen glaube, dass nur wer immer wieder bei Null anfängt, auch wirklich beschleunigen kann.

Sebastian Herzog

02.04.2015

@FH: Ich denke auch, dass Biografien wie meine (noch) in der Unterzahl sind. Aber krasse Ausnahmen sind es nicht. Siehe auch Kommentar von tingletangle.
Und bzgl. Geld ist es eine Frage der Prioritäten & der Disziplin:
Wenn ich jeder Monat auf 8% meines Gehalts verzichte, dann kann ich nach einem Jahr schon 1 Monat bezahlt freimachen. Wenn ich in der Zeit noch meine Wohnung untervermiete (weil alles vorher planbar), habe ich kaum Fixkosten und kann das überwiesene Gehalt zum Reisen verwenden…
Vielleicht sind 8% sparen nicht für jeden drin. Dann sind es halt 4% pro Monat über 2 Jahre. Aber machbar ist es.

Hermann Henniger

25.04.2015

In welcher Welt lebt eigentlich der Schreiberling des Artikels? Bei Alice im Wunderland?

Sinnsuche, Sabbatical, Weltreisen, 6-stelliges Gehalt – und sicheren Arbeitsplatz – NATÜRLICH vorausgesetzt.

Und dann eine süße Schokofirma gründen. Hat die Truppe – mit sicherlich guter Schokolade – den Artikel gesponsert?

Es waren ja nur ein paar Seiten zu lesen. Aber die waren unsäglich unsinnig, unreflektiert.

Fakt ist, dass sich Leute, die ich und vermutlich alle außer Ihrem Schreiberling kennen – Angestellte im mittleren Alter – alles tun, um ihr 65. Lebensjahr zu erreichen (Herzinfarkt inklusive) und dass junge, bestens ausgebildete Leute mit aller Mühe versuchen, Fuß zu fassen.

Als Satire kann man sich ja so eine Träumerei erlauben. Diesen Unsinn aus dem Reich der Riesenwaschkraft.