Arbeitsplatz Deutschland

Sieger beim New Work Award: Die Telekom, voll social

Mit ihrem internen Social Network verbindet die Telekom über 90.000 Mitarbeiter weltwelt. Und verändert – Stück für Stück – Hierarchien und Denkmuster im Großkonzern.

Von Ralf Klassen

Als bei der Verleihung der New Work Awards 2015 in Berlin der Sieger der Kategorie „Großkonzerne“ ausgerufen wurde, „stürmte“ eine besonders fröhliche Drei-Mann-Truppe die Bühne. Die Herren freuten sich sichtlich über den Preis, den sie für das von Ihnen initiierte und betreute „Social Media Business Programm“ bekamen. Einer von Ihnen trug dabei ein großes, magentafarbenes „T“ im Hiphop-Style um den Hals.

Die Deutsche Telekom, total hip und voll social?

New-Work-Award-Siegerteam der Telekom, Programmverantwortlicher Winfried Ebner (links)

New-Work-Award-Siegerteam der Telekom, Programmverantwortlicher Winfried Ebner (links)

Überraschen kann das freilich nur Außenstehende. Schon länger ist der Telekommunikationskonzern in der internen Zusammenarbeit auf alternativen, digitalen Wegen unterwegs: Bereits seit 2007 nutzen Mitarbeiter und Management Blogs, Netzwerke und Wikis. Dokumente wurden geteilt, man diskutierte in speziellen Forengruppen über Projekte der Abteilungen. Doch eine wirkliche Vernetzung mit allen Ebenen fand erst durch die Einführung des „Telekom Social Networks“ (TSN) im Jahr 2013 statt.

Man schuf damit, aufgesetzt auf der Software Jive, eine völlig neue Plattform, die Kommunikation und Kooperation nahezu konzernweit gebündelt ermöglicht. Mit Followern, Likes, und all dem, was man aus der Welt von Facebook und Twitter kennt.

Und mit dem gleichen, lockeren Selbstverständnis, wie die Telekom-Mitarbeiter die bekannten sozialen Medien privat nutzen, gehen sie nun anscheinend auch im Beruf vor: „Die Diskussions- und Abstimmungsprozesse werden weniger hierarchisch, schneller, transparenter“, berichtet Winfried Ebner, der leitende Programmverantwortliche. Mit dem TSN greife man viel schneller als zuvor auf Wissen und Kompetenz im Haus zurück, durch die offene Struktur könne jeder jederzeit zum Gelingen einer Aufgabe beitragen: „Unsere vertikale Kommunikation weicht immer öfter einer horizontalen“, so Ebner.

Schon jetzt, so Ebner, gebe es „zwar noch Hierarchien in den Organigramen, aber im TSN spielen sie kaum noch eine Rolle“. Apropos Hierarchien:  Wer weiß, dass Kommunikation auch immer ein Herrschaftsinstrument ist, ahnt, wie schwer sich manche Granden in Führungsetagen mit solchen Neuerungen tun. Doch Ebner hat dafür einen ganz simplen Ratschlag parat: „Mein Credo gegenüber Führungskräften lautet immer: Seid dabei, nutzt die Plattform, um eure Themen breiter in der Organisation zu diskutieren.“

Und so sind auch die meisten Telekom-Vorstandsmitglieder mittlerweile in TSN aktiv. Aber sie haben starke Konkurrenz: „Jetzt haben auch Kollegen, die viele Follower im Netzwerk haben, genauso gute Chancen, eine Diskussion loszutreten, wie ein Geschäftsführer, dem schon allein qua seiner Stellung Aufmerksamkeit zuteil wird“, berichtet Winfried Ebner: „Themen – und nicht nur geschäftliche  – werden dann relevant, wenn das Social Network sie nach oben spült.“ Was das für die Mitarbeitermotivation bedeute, sei enorm.

Ein Angebot, das im Konzern offensichtlich ankommt: „Das TSN ist die erste Plattform innerhalb der Telekom, die weltweit – außer in den USA – genutzt wird,“ sagt Ebner, „wir haben zur Zeit insgesamt über 90.000 registrierte Nutzer“.

Neben der technologischen Entwicklung werde das Thema „Anders arbeiten“ auch ständig methodisch weiterentwickelt, berichtet Ebner: „So haben wir beispielsweise spezielle Räume geschaffen für spontane Stehkonferenzen, starre Status-Reports gibt es bei uns nicht mehr; stattdessen bieten wir den Fachbereichen die Möglichkeit, die Themen zu diskutieren, die gerade unter den Nägeln brennen.“

"Social Wall" der Telekom:

„Social Wall“ der Telekom

Besonders auffällig sind auch die speziellen „Telekom Walls“ (siehe Aufmacherbilddie unter anderem auf mehreren großen Flatscreens im Konzerngebäude alles das zeigen, was über das Unternehmen gerade im Social Web gesprochen wird, „inklusive direktem Kundenfeedback„, wie Winfried Ebner betont.

Auf der Wall, die für jedermann erreichbar ist, hat sich nach dem Gewinn des New Work Awards auch Telekom-Marketing-Chef Michael Hagspihl zu Wort gemeldet: Das ausgezeichnete Programm „Anders Arbeiten“ sprenge im Konzern „schon jetzt das Silo-Denken immer mehr weg. Ich bin überzeugt, dass es unsere Unternehmenskultur nachhaltig prägen wird.“

Es sieht so aus, als sei es schon kräftig dabei.

Hier noch der Einspielfilm über das „Social Media Business Programm“ zum 1. Platz beim New Work Award:

 

4 Kommentare

Sebiturbo

03.02.2015

Ist logisch, das ist die Zukunft. Warum soll konzernintern weniger sexy kommuniziert werden, als „draussen“? Es nutzt nur leider nichts, denn die Tekecom hat massive Probleme beim Kunden ihr Produktkuddelmuddelnzum Laufen zu bringen. Der service ist nach wie vor sehr schlecht. Beliebtheit und Image sagen: macht den Laden dicht. Jetzt haben die Mitarbeiter wenigstens die Möglichkeit im Hause sich miteinander zu beschäftigen. Irgendwie muss man die Arbritszeit ja rumbringen. Lest auf FB was der Regisseur Utz Weber mit den Magentas in den letzten Tagen erlebt hat.

Zeljko Celjovski

04.02.2015

Top! Habe vor etwa 1 Jahr eine Masterthesis geschrieben, die genau das im Fazit und in den Erkenntnissen umschreibt („Open Source Innovation Modelle“).

Warum sollte man immer noch Top-down kommunizierne und entscheiden oder ab und zu mal Bottom-up zulassen, wenn es Communities und mehr gibt?

Möchten Sie über meine Masterthesis oder diese innovative Arbeitsform diskutieren? Schreiben Sie mir an zc@ihrepartner.ch.

weisenheimer

04.02.2015

Ich habe /hatte eher negative Erfahrung mit dem TSN: 1.) emails an Personalvorstände werden NICHT beantwortet; 2.) Unerwünschte & kritische Meinungen werden (durch Moderatoren/Meinungsführer)“gefiltert/manipuliert/angepasst“ – sodass ein unerwünschtes „Querdenken“ kaum möglich ist (der Vorstand hat immer recht!) 3.) wie erklärt man sonst die offenbar zunehmenden Verfahren vor den Arbeits-& Verwaltungs-Gerichten ? also für die Lösung von strittigen PERSONALPROBLEMEN ist damit offenbar TSN völlig ungeeignet!!??
4.) auch ist die Umgehung der Hierarchien nur erheblich eingeschränkt möglich, da der Teamleiter fast immer eingebunden ist; hierbei habe ich bei der Telekom leider die Erfahrung gemacht, das der Teamleiter HÄUFIG NICHT der intelligenteste, kompetenteste, leistungsstärkste – sondern eher der angepassteste und naivste ist („nach oben buckeln – nach unten treten!“) – außerhalb der Telekom war & bin ich Mitglied vieler sozialer Netzwerke schon seit ca. fast 20 Jahren- mit durchaus fruchtbaren Erfolg was den internationalen Meinungsaustausch anbetrifft!

Winfried Ebner

15.03.2015

Besten Dank für Ihre Kommentare. Einige Einschätzungen teile ich mit Ihnen, aber viele auch nicht, z.B: Hoffe doch nicht, dass Personalprobleme durch Social Networks gelöst werden wollen… – anbei Link zum Hintergrund von ‚Anders Arbeiten‘ – Impuls, den ich beim letzten Arbeitskreis Social Media der BITKOM gehalten habe: http://bit.ly/1DPz1x1
Beste Grüße, Winfried Ebner
https://www.xing.com/profile/Winfried_Ebner