Arbeitsplatz Deutschland

Frauen sind deutlich unzufriedener in ihrem Job

Die Kollegen hui, die Chefs eher pfui, das Gehalt ganz okay – die Zensuren der deutschen Arbeitnehmer für ihren Job fallen eigentlich zufriedenstellend aus. Wenn da nicht ein signifikanter Unterschied wäre.

Von Gleichberechtigung keine Spur: Nach wie vor sind Arbeitnehmerinnen in Deutschland mit ihrem Gehalt, den Karrieremöglichkeiten und Arbeitszeitbedingungen deutlich unzufriedener als ihre männlichen Kollegen. Während 41 Prozent der Männer mit ihrem Einkommen „zufrieden“ oder sogar „sehr zufrieden“ sind, ist es bei den Frauen weniger als ein Drittel (31 Prozent), auch in Hinblick auf die Karrierechancen fällt die Beurteilung unterschiedlich (32 zu 25) Prozent  aus.  Am signifikantesten weichen die Zufriedenheitswerte bei der Frage nach flexiblen Arbeitszeitangeboten voneinander ab. Hier geben fast zwei Drittel (65 Prozent) der Männer ihrem Arbeitgeber eine gute Note, aber nur knapp die Hälfte der Frauen (52 Prozent).

Infografik_XING-Umfrage_Spielraum110215Dies sind die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage unter XING-Mitgliedern, die wir für unser Schwerpunktthema „Arbeitsplatz Deutschland“ um ein „Zeugnis“ ihrer derzeitigen Jobsituation gebeten hatten. Die unterschiedlichen Werte zwischen Frauen und Männern sind vor allem auch deshalb so interessant, weil sich Frauen in solchen Umfragen noch eher mit Kritik zurückhalten, während Männer meist noch stärker negative Aspekte betonen. Man kann also davon ausgehen, dass der Graben zwischen den Geschlechtern in Sachen Zufriedenheit noch weitaus größer ist.

Ebenfalls interessant sind die Unterschiede in den Beurteilungen zwischen jüngeren und älteren Arbeitnehmer/- innen: Hier sind es die Jüngeren, die in vielen Punkten deutlich zufriedener sind als ihre älteren Kollegen. Auch die Differenzen zwischen Führungspersonal und „normalen“ Angestellten fallen zum Teil sehr groß aus, vor allem bei den Noten für den eigenen Arbeitsplatz, den Karrieremöglichkeit und der Führungskultur im Unternehmen.

In punkto Führung bestätigt unsere Umfrage damit viele Studien der vergangenen Monate, in denen die befragten Arbeitnehmer zum Teil erhebliche Kritik an der Führung ihrer Firmen äußerten. Und genauso übereinstimmend waren die guten Noten, die die Befragten für ihre Kollegen vergaben: Über zwei Drittel der Deutschen sind nämlich mit und in ihrem Team sehr glücklich.

14 Kommentare

thg

16.02.2015

Vielleicht sollte man diese Statistik mal ausbauen und Mitarbeiter mit blauen Augen vergleichen mit Mitarbeitern mit dunklen Augenfarben. Das Ergebnis fände ich sehr interessant

KlausE

16.02.2015

Die Beurteilung der Chefs würde bei mir (männl.) etwas günstiger ausfallen. Aber diee negative Beurteilung passt perfekt zu der Studie, nach der in den Führungsebenen 6mal häufiger Psychopathen anzutreffen sind als in den „unteren“ Ebenen.
Es gilt eben hier wie überall: Nicht die besten setzen sich durch, sondern die, die sich am besten durchsetzen können. Und oft sind diese beiden Typen nicht unbedingt identisch ;-))

Jörg K. Unkrig

16.02.2015

Das kann ich in Teilbereichen unterschreiben, gerade was auch die Kritik an Führungsverhalten angeht. Leider ändert sich erst ganz langsam etwas in diesem Bereich, insbesondere was die Einstellungen betrifft, wie eine Führungskraft sein sollte und auch daran, wie die Führungskräfte von morgen ausgewählt werden bzw. wer sie auswählt (nämlich die Führungskräfte von gestern).

Hugo Raible

16.02.2015

Nun ist ja die Zufriedenheit immer auch eine Sache der inneren Einstellung. Inwieweit hat die Studie kontrolliert, ob zum Beispiel ein Mann und eine Frau in der gleichen Position mit gleichem Gehalt und gleichen Arbeitszeiten unterschiedliche Statements bzgl. ihrer Zufriedenheit abgeben?

„Von Gleichberechtigung keine Spur“? Diese Aussage bezweifle ich.

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

17.02.2015

In der Wirtschaft fehlen die Möglichkeiten es in den DAX-Vorstand zu schaffen, in der Hochschulkarriere kommt es auf den Anteil der Forschung statt der Lehre an, so dass Frauen hier meist ins soziale Karriereloch abgeschoben werden. Aufgrund der teuren Professuren im lebenslangen Beamtenverhältnis fehlt es an einer Diversifikation der Stellen unterhalb der Professur, dabei will nicht jeder Wissenschaftler auch Professor und schon gar nicht Beamter werden.

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

17.02.2015

Hohe Identifikation mit dem eigenen Beruf, der möglichst eine Berufung sein sollte, ist leider heute in Zeiten der „Jobs“ und der Jobcenter völlig aus dem allgemeinen Bewusstsein geraten. Lebenszufriedenheit, Sinn und Lebensleistung hängen aber maßgeblich damit zusammen. Bei Wissenschaftlern unterhalb der Professur geht es allen schlecht in Deutschland, aufgrund der Gesetzesvorlagen.

Sylvia Smetana

17.02.2015

Es wäre interessant zu sehen, wie ein Vergleich von Männern im Durchschnitt mit Männern, die neben dem Vollzeitjob auch die Kindererziehung und Haushalt übernehmen, aussehen würde. Ich denke, dann würde die Zufriedenheit der zweiten Gruppe von Männern in Bezug auf Arbeitszeitflexibilität auch niedriger sein. Und betreffend Gehalt ist ja bekannt, dass Frauen für jeden €1 den Männer verdienen im Durchscnitt nur 0,75 € bekommen. Solange diese Differenz besteht, werden Frauen im Durchschnitt auch mit dem Gehalt unzufriedener sein, aus gutem Grunde. Deshalb gibt es ja auch die Initiative Equal Pay Day!

Ingrid Schwanda

17.02.2015

Arbeitszeitmodelle, die sich mit Familie vereinbaren lassen, sind Frauen wichtig . Für einen Mann stellt sich die Frage zumeist gar nicht.
Gleiche Tätigkeit – gleiche Bezahlung. Für diese Selbstverständlichkeit wird schon Jahrzehnte mit mäßigen Erfolg gekämpft.
Die modernen Führungskräfteprogramme setzen viel auf Selbstbestimmtheit und der damit verbundenen Selbstverantwortung. Wird nicht von Allen positiv gesehen.

Fred Jupiter

18.02.2015

Die Unzufriedenheit bzgl. Gehalt ist nachvollziehbar, es ist kein Geheimnis, dass Frauen immer noch weniger bekommen als Männer bei gleicher Tätigkeit, Ausbildung und Erfahrung. Gleiches gilt für Benefits und Karrieremöglichkeiten.
Aber die Unzufriedenheit bzgl. flexibler Arbeitszeiten und der Familienfreundlichkeit betrachte ich kritisch. Könnte es sein, dass hier einfach ein höherer Anspruch als bei Männern besteht, der nicht erfüllt wird und damit Unzufriedenheit erzeugt?

Dr. Timo Müller

19.02.2015

Wesentliche Gründe, warum Führungskräfte nicht besser bewertet werden, ist die häufige fehlende Kompetenz, professionell Feedback zu geben + mit Konflikten angemessen umzugehen.

Hier ist auch die Geschäftsführung und Personalabteilung in der Verantwortung.
Dies zeigt beispielhaft der IKuF-Artikel „Mittelständische Geschäftsführungen und Personalabteilungen
versäumen Führungskräfte mit dem notwendigen, professionellen
Know-how auszurüsten: Ein Konflikt am Arbeitsplatz ist kein Problem, wenn das Personal professionelle Konfliktmanagement-Fähigkeiten erworben hat“

Die Führungskraft wird nicht selten, alleingelassen. D.h. sie wird nicht adäquat qualfiziert, um als Führungskraft erfolgreich handeln zu können.

Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Timo Müller

Johannes Krauth

21.02.2015

Ich denke, Fred Jupitere hat Recht: Die Antwort auf die Frage: „Wie zufrieden sind Sie?“ hat nur wenig zu tun mit der Frage: „Wie ist es wirklich?“
Wie viele Antworten hat es überhaupt gegeben, wieviele von Männern, wieviele von Frauen? Die Unterschiede sind bei vielen Fragen vernachlässsigbar, bei nur einer knapp über 10%. Ist das Grund zur Beunruhigung?
Wie groß wären die Unterschiede zwischen jungen und alten, zwischen oberer und unterer Ebene, zwischen Migranten und anderen?
Ungleiche Bezahlung ist nach wie vor ein Skandal. Der eigentliche Skandal aber ist, dass man/frau sich überhaupt verkaufen muss. Dass nur der /die ein vollwertiges Mitglied unserer Gesellschaft ist, de/die einen Arbeitsplatz ausfüllt – egal, wie nützlich oder schädlich diese Arbeit auch sein mag.

FlorianL

23.02.2015

Ich wäre schon froh wenn sich an geltendes Arbeitsrecht gehalten würde.
Allein die Erwähnung eines Paragraphen führt ja häufig schon zur Kündigung, oder zur Rausekelung. Selbst Kollegen sind entsetzt wenn man sein Recht durchsetzen möchte.

FlorianF

24.02.2015

Diese Unfrage besitzt ja wohl absolut keine Aussagekraft!

Die Zufriedenheit in Sachen flexible Arbeitszeitmodelle ist ja wohl vom Arbeitgeber abhängig und nicht generell (oder überhaupt) getrennt nach Männlein und Weiblein.

Wie man daraus Vergleiche ziehen kann ist mir leider absolut nicht plausibel.

Die Modelle zur freien Arbeitszeitregelung gehen teilweise soweit auseinander oder sind mancher Orts immer noch dermaßen verpönt, dass das sicher nicht auf das Geschlecht der Mitarbeiter heruntergebrachten werden kann, ob eine solche Regelung im allgemeinen sinnvoll und praktisch für Mitarbeiter sein kann, oder nicht.

In vielen Betrieben ist diese auf Grund gewisser Gegebenheiten schlicht und ergreifend auch gar nicht möglich.

Stehen gar Maschinen in einer Produktion still, weil gerade alle noch einen Termin außerhalb wahrnehmen ist das mehr als nur geschäftsschädigend.

enisa

10.03.2015

super