Familie & Beruf

Umfrage: Als Vater in Elternzeit? Ja klar, aber...

Ein guter Trend ist das: Vorgesetzte und Kollegen schauen nicht mehr skeptisch, wenn Väter hierzulande in Elternzeit gehen wollen. Aber ganz so selbstverständlich wie bei ihren Frauen läuft es bei den Männer allerdings doch noch nicht.

Gut die Hälfte (53 %) der Erwerbstätigen hält es laut einer forsa-Umfrage für zentral, dass Elternzeit für Männer eine hohe Akzeptanz in ihrem Unternehmen findet. Frauen (61 %) sowie die bis 29-Jährigen (67 %) und 30-39-Jährigen (64 %) messen dieser eine noch größere Bedeutung bei.

In der Praxis findet das „Hotel Papa“ auf Zeit zunehmend Verbreitung, auch wenn sich die Auszeit für Väter noch nicht überall uneingeschränkt durchgesetzt hat: Nur 7 % glauben, dass es ein Karriereknick ist, wenn Männer Elternzeit nehmen. Ein Großteil (41 %) dagegen denkt, dass Elternzeit für Männer inzwischen allgemein in ihrem Unternehmen akzeptiert wird und es daher selbstverständlich ist, dass auch Männer davon Gebrauch machen. 28 % sehen den Ist-Zustand in ihrem beruflichen Umfeld noch etwas skeptischer: Sie geben an, dass zwar immer mehr Männer die Möglichkeit nutzen, ein bis zwei Monate mit ihren Kindern zu verbringen, dieses Modell im Unternehmen aber noch nicht voll etabliert ist.

Banner_NewWorkDay_spielraumImmer mehr Berufstätige achten darauf, dass sich der Job gut mit ihrem Privatleben vereinbaren lässt. 60 % der Erwerbstätigen in Deutschland sagen sogar, dass sie keinesfalls für die Karriere ihr soziales Umfeld aufgeben würden. Wichtiger als berufliches Fortkommen ist den Befragten auch ihre Partnerschaft. Deutlich mehr als die Hälfte (57 %) lehnt eine Fernbeziehung als Preis für die Karriere ab. Auch auf das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben legen die Befragten großen Wert. Flexible Arbeitszeiten stehen dabei ganz oben auf der Wunschliste: 87 % der Befragten halten diese für ein sehr wichtiges beziehungsweise wichtiges Angebot des Arbeitgebers.

Ob ein neuer Arbeitgeber allerdings hält, was er verspricht, zeigt sich meist erst in der Praxis. Die Angst davor, dass ein Unternehmen im Nachhinhein nicht dem entspricht, wie es sich nach außen präsentiert, ist für nahezu zwei von drei Befragten (65 %) mit Abstand der größte Stressfaktor bei der Jobsuche.

Gerade für jüngere Erwerbstätige, die noch Familie planen beziehungsweise bereits Kinder haben, steigen vor dem Hintergrund der sich wandelnden Arbeitswelt die Anforderungen an potenzielle Arbeitgeber im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Als hilfreich empfinden viele Jobsuchende daher Hilfe von außen. Die Befragten setzen ihre Hoffnung beispielsweise auf Erfahrungsberichte und Bewertungen des potenziellen Arbeitgebers durch dessen Mitarbeiter (44 %) oder auf eine Internetplattform, die eine gezielte Jobsuche zu den jeweiligen Lebensumständen ermöglicht (43%).

Für die repräsentative Umfrage hatte forsa Anfang des Jahres 1.008 Erwerbstätige mit höherem Bildungsabschluss befragt.

10 Kommentare

Daniel

05.03.2015

Alleine die Tatsache, dass in dem Artikel von „1-2 Monaten“ für die Väter die Rede ist, zeigt doch sehr deutlich, dass hier keinesfalls ein Umdenken statt gefunden hat.
Ich seblst habe 2 Jahre Elternzeit genommen, und werde es auch wieder tuen.

H. Hofmann

05.03.2015

Viele Unternehmungen, nicht nur kleine und mittelständige, haben mit der Elternteilzeit für Väter noch große Probleme. Auch mit der Work Life Balance können viele nichts anfangen und manche haben sie in ihrer CSR aufgenommen aber in der Praxis sieht es ganz anders aus. Viele Unternehmen können sie auch aus Mangel an Ersatz nicht realisieren / umsetzen. Dies ist auch der engen und sehr straffen Personalpolitik in den Unternehmungen geschuldet, selbst sogar in Konzernen.

O.B.

05.03.2015

Was ist denn mit den Vätern, die sich aufgrund der Deckelung des Elterngeldes gegen Elternzeit entscheiden müssen, weil sie es sich schlicht nicht leisten können?

Markus Koretz

05.03.2015

Hallo,

Ich kann nur jedem Mann empfehlen der der die Möglichkeit hat Elternzeit zu nehmen dies zu tun. Es gibt nichts schöneres als die ersten Monate mit seiner Familie und dem Baby zu verbringen und eine enge emotionale Bindung aufzubauen. Auch wenn man(n) durch die Blume von seinem Arbeitgeber mitgeteilt bekommt, dass es für die Karriere nicht unbedingt förderlich ist.
Für mich war die Entscheidung klar Familie geht vor Karriere, ich arbeite schließlich um meiner Familie ein gutes Leben bieten zu können.

Einzig die sache mit dem Elterngeld sollte vereinfacht werden und nicht über hintertürchen wieder Krankenkassenbeiträge abkassiert werden nur weil meine Frau ind der PKV ist und ich freiwillig in der GKV bin.

Gruß an alle Väter und natürlich auch Mütter in Elternzeit.

Ich

05.03.2015

Ob ein […] Arbeitgeber allerdings hält, was er verspricht, zeigt sich meist erst in der Praxis.
Wie wahr! Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass ein nach außen hin sehr sozial eingestellter AG, der sogar finanzielle Einschnitte der Mitarbeiter durch Krankheit oder Elternzeit durch genese Regelungen abfedert, im Verhältnis zum MA allerdings anders handhabt. MA merken das an spezieller Behandlung durch Vorgesetzte, durch entsprechend (schlechte) Bewertungen mit mitunter finanziellen Folgen und viele weitere „Nettigkeiten“, die man sich dann einfallen lässt. War man(n) vor der Elternzeit noch ein MA mit Potential, so ging dieses Ansehen und die vorher erbrachte Leistung bei diesem AG während der 2 Monate verloren. U.a. weil man den Fortbestand des Unternehmens (320000 MA) gefährdet hat… Stattdessen wurde man mit Mikromanagement und mobbingnahen Aktionen überhäuft.
Zur Anmerkung: genau eben dieser AG benutzt studentische Hilfskräfte um sein Image auf Bewertungsplattformen künstlich einigermassen im positiven zu halten. Auf eine negative (echte!) Bewertung folgt immer prompt mindestens eine sehr positive. Meist sind die positiven Bewertungen jedoch einfach nur übertrieben positiv, plakativ, mit allgemeinen Aussagen und offensichtlich aus der Hand einzelner Personen.

Martina U

05.03.2015

„wegen Deckelung des Elterngelds nicht leisten“? Wenn einem 1800 netto nicht reichen, weiß ich auch nicht. Dann dürfte kein Nicht-Akademiker Kinder kriegen…

BWW

05.03.2015

Beim ersten Kind konnten wir es uns nicht leisten, dass ich in Elternzeit gehe. Beim zweiten habe ich mir jedoch 2 Monate gegönnt und ich bin dem Staat um das Elterngeld sehr dankbar. Ich empfehle auch jedem Vater Elternzeit zu nehmen. Tolle Zeit.
Ich hatte kein Problem Elternzeit zu bekommen, aber was dann kam war nicht so toll. Erst habe ich während der Elternzeit ständig Aufgaben bekommen die „ganz dringend waren und nur schnell mal erledigt werden müssten“ und als ich mich dann in der zweiten Hälfte geweigert habe, in meiner Elternzeit zu arbeiten, hatte ich verspielt. Mittlerweile wurde ich gebeten das Unternehmen zu verlassen, da ich mich nicht genug mit dem Unternehmen identifiziert hätte. Also Elternzeit auf dem Papier kein Problem, aber die Folgen sind nicht vorhersehbar.

frederik

05.03.2015

Stimme Daniel voll und ganz zu. Es wird anscheinend bereits wegen 1-2 Monaten rumgeheult. Vater 12 und Mutti 2 Monate z.B., das sollte wünschenswerterweise mittlerweile auch selbstverständlich sein.

Hendrik

06.03.2015

1-2 Monate Elternzeit macht man(n) bei uns in der Firma oft – bzw. gehört dies mittlerweile sogar schon zum guten Ton. In den meisten Fällen heißt dies dann aber: Urlaub zusammen mit Frau und Kind. Das Männer wirklich allein fürs Kind Sorgen und das sogar für einen längeren Zeitraum bleibt die absolute Ausnahme. Das mag einerseits an häufig leider immer noch großen Unterschieden bei Gehalt liegen, oft Erlebe ich aber auch dass die Mütter nur allzuoft Ihren Männern den Job als Fulltime-Daddy nicht zutrauen bzw. dann auch wirklich Loslassen können. Entsprechend misstrauisch wird man als Mann fast in jedem Krabbelkurs o.ä. Zunächst Von der „Mutti-Mafia“ beäugt.
Aber Nur Mut! Ich mache selbst 6 Monate – und kann dies ebenfalls nur jedem Vater empfehlen.

Steffen

06.03.2015

Das Ego meines Handwerker Chefs verletzt !!!!
Ich war jetzt acht Monate in Elternzeit und mal ganz ehrlich Geld ist doch nicht alles. Aber das was jetzt passiert ist die unterste Schublade. 13 Jahre nach 8 Monaten nichts mehr wert. Hilsarbeiter haben glaube ich einen höheren Stellenwert und ein Spießrutenlauf dagegen nur ein Spaziergang. Da hilft nur eins Office auf und Bewerbungen geschrieben. Bin ja schließlich ein Vater also Arschbacken zusammen und los. PS.: Mein Chef denkt ich war der erste und letzte der so etwas tut. Ich glaube er wird sich noch umgucken. Heutzutage haben auch Frauen gute Jobs und können was erreichen ohne klassisch hinterm Herd zu stehen.