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"Augenhöhe'"-Filmprojekt: 400 Menschen feiern Premiere – und organisieren sich selbst

Ein Film über und für eine bessere Arbeitswelt, durch Crowdfunding finanziert von 350 Privatpersonen und 20 Unternehmen – nur konsequent, dass auch die Filmpremiere etwas anders ausfiel, als man es gewohnt war: Als „Film- und Dialog-Veranstaltung“ deklariert, fand am Freitagabend, 30. Januar 2015, die Premierenfeier des Augenhöhe-Filmprojekts in Hamburg statt. Rund 400 Menschen feierten im Museum der Arbeit – und organisierten sich selbst: Selbstbedienung statt Servicekräfte, freie Wahl zwischen unterschiedlichen Vorführsälen (und Laudatoren), Gruppenarbeit an Stehtischen – der Abend stand ganz im Zeichen der Selbstorganisation und des Dialogs. Und es funktionierte – genau wie die Beispiele im Augenhöhe-Film.

Sven Franke, Unternehmer und einer der fünf Macher des Films, skizzierte in seiner Laudatio die Erfolgsgeschichte des Projekts: Wie der Film in nur 66 Tagen 52.000 Euro einsammelte (was ihn direkt in die weltweite Top 15 der Crowdfunding-Projekte katapultierte), wie aktiv sich die wachsende Augenhöhe-Community engagierte – und welche Rolle XING dabei spielte: Als Heimat für die Community sowie als Netzwerk, das die Macher zusammenbrachte, online und offline. Auch die Idee zur Location wurde auf einem XING-Event geboren: Museumsdirektorin Rita Müller berichtete von der „Spielraum Talk“-Veranstaltung im Sommer 2014, auf der sie „über einer Currywurst“ Mit-Initiatorin Silke Luistra kennengelernt hatte. Auch einen Platz auf der Shortlist des von XING initiierten New Work Awards konnte das Augenhöhe-Projekt zuletzt ergattern.

Noch ein weiteres Netzwerk spielte eine große Rolle an diesem Abend: intrinsify.me, dessen Mitgründer Mark Poppenborg die Bedeutung des Films vorab zusammenfasste: „Der Film liefert eine Sprache, er liefert praktikable Beispiele – und er macht Mut!“

Dann hieß es endlich „Film ab“ für den mit Spannung erwarteten Dokumentarfilm.In 53 fesselnden und emotionalen Minuten porträtiert Augenhöhe insgesamt sechs sehr unterschiedliche Unternehmen, deren Mitarbeiter „auf Augenhöhe“ zusammenarbeiten: den Maschinenhersteller allsafe Jungfalk, das ostdeutsche Kollektiv Premium Cola, die Brandschutz-Firma hhp Berlin, das sysTelios Therapiezentrum sowie die Konzerne adidas und Unilever. Der Film zeigt Menschen und Firmen, die, so die Macher, „Entscheidendes anders und vieles besser machen, die inspirieren und ermutigen“: Vom Job-Sharing-Modell bei Unilever, einem vermeintlich „planlosen“ Umzug im Therapiezentrum, der abteilungsübergreifenden Entwicklung des russischen WM-Trikots bei adidas bis hin zu einer Firma, die darüber streitet, ob sie nun kapitalistisch sei oder nicht. Letztere, die Macher der Protest-Brause „Premium Cola“, leben das mit Abstand revolutionärste Modell der porträtierten Unternehmen: Eine Firma, die nicht wachsen will, die keine Werbung macht und deren Mitarbeiter sagen, dass sie nicht „abhängig beschäftigt“ sein wollen.

Derart neue Wege zu gehen, sei für kleine Firmen natürlich deutlich leichter als für Großkonzerne, sagt Thomas Sattelberger im Film-Interview. Der ehemalige Personalvorstand der deutschen Telekom, New Work-Vordenker (und Jury-Mitglied des XING New Work Awards) bereichert den Film durch seine treffenden Analysen zur Arbeitswelt von heute und morgen. Er ruft gerade große Unternehmen dazu auf, „Schneisen zu schlagen für eine souveränere, diversere und offenere Arbeitskultur“. Sattelbergers Schlusswort: „Der Film ist nur der Appetizer, nur 5 Prozent, die anderen 95 Prozent sind harte Veränderungsarbeit.“ Packen wir’s an!

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