Arbeitsplatz Deutschland

Matthias Horx über die Zukunft der Arbeit: "Work-Life-Balance ist eine Illusion"

Wie weit werden die teils radikalen Veränderungen der neuen Arbeitswelt noch reichen? Bedroht die Digitalisierung wirklich unsere Erwerbsgrundlagen? Verschmelzen Leben und Arbeit komplett miteinander? Matthias Horx, Gründer des renommierten Zukunftsinstituts, gibt Antworten.

Von Matthias Horx

Zukunftsforscher Matthias Horx:  "Selbstbestimmte Arbeit bleibt eine harte, lebenslange Aufgabe." (Foto: Klaus Vyhnalek)

Zukunftsforscher Matthias Horx: „Selbstbestimmte Arbeit bleibt eine harte, lebenslange Aufgabe.“ (Foto: Klaus Vyhnalek)

I. Das FLEXICURITY-PRINZIP

„Arbeit in Zukunft ist jene Leidenschaft, die sich selbst bezahlt“ – so brachte Charles Handy vor 15 Jahren die Utopie von „New Work“ auf den Punkt. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts schien diese Vision nicht allzu fern: Von der Fremdbestimmung zur Selbstbestimmung, vom „Lohnempfänger“ zum “Entrepreneur” (oder „Intrapreneur“). Vernetzte Wissensarbeit schien die Arbeitswelt von innen heraus radikal umzukrempeln, zu revolutionieren. „Free Agent Nation“ hieß ein Bestseller im Jahr 2000, der euphorisch ein neues Zeitalter der Innovation und Selbstbestimmung ausrief.
Die heutige Realität sieht etwas anders aus. Zwar ist der Anteil der Selbständigen, der Gründer, Co-Worker, Projektarbeiter, Self-Entrepreneure, deutlich gestiegen. Aber nach wie vor bildet abhängige Lohn-Arbeit die zentrale kulturelle Matrix. Die Angst vor dem Sicherheitsverlust ist teilweise sogar noch größer geworden – hysterisierte Debatten um „Burnout“, „Prekariat“ und Billiglöhne verstärkten eher die Ängste, als Freiheiten zu befördern. Angst aber zementiert das Gestrige, betoniert Hierarchien und Ausbeutungs-Verhältnisse.
Und dennoch hat sich tief im Organismus der Arbeit etwas verändert. Hierarchien werden flacher, Erwerbsformen flexibler und mobiler; langsam löst sich Arbeit von der Präsenz. FLEXICURITY wird zum gesellschaftlichen UND ökonomischen Grundgedanken. Besonders in Skandinavien pflegt man heute eine dynamische Mischung von Job-Training und Individualisierung der Arbeit, die Sicherheit mit Mobilität kombiniert. Dass dieser Transformationsprozess weitergehen wird, dafür sorgen schon die aktiven Megatrends: Durch den Megatrend Female Shift entstehen vielfältige Arbeitsmodelle jenseits der Acht-Stunden-Logik – auch für Männer. Der demographische Wandel öffnet die Arbeitswelt in der biographischen Achse: Die Talente der Älteren werden zunehmend gesucht. Die Suche nach Eigenständigkeit und Emanzipation in der Arbeit ist inzwischen Chefsache, weil Flexibilität und Innovationsdenken in einer komplex-globalen Wirtschaftswelt längst ein PRODUKTIONSFAKTOR ist. Melancholisch ausgedrückt: Die Revolution der Arbeit wird weniger von denen vorangetrieben, die ihre Kreativität ausüben, als von denen, die – nach wie vor – Arbeit VON OBEN ORGANISIEREN.

 

II. WORK-LIFE-BALANCE ist eine Illusion

Eines der konzeptuellen Missverständnisse der Neuen Arbeit ist die Idee, zwischen „Arbeit“ und „Leben“ ließe sich eine perfekte Balance herstellen. Erstens sind beide Bereiche nicht wirklich zu trennen: Arbeit IST Leben, und vice versa. Zweitens entspricht das Ideal einer „Balance“ nicht der realen Welt mit ihren Turbulenzen. Es ist wie mit der berühmten “Nachhaltigkeit”: ein Ideal, das umso abgestandener wird, je mehr man sich ihm nähert. Wer “halb” arbeitet und „halb“ lebt, macht beides nicht wirklich.
Statt „Balance“ sollten wir lieber von INTEGRATION oder Work-Life-DYNAMIK sprechen. Es gibt Zeiten im Leben, in denen das Leben die Arbeit ergreift – Arbeit wird dann schöpferische Zeit. Und es gibt Zeiten, in denen die Familie in ihren vielen Formen Freiräume vom Erwerb einfordert. Dazwischen müssen wir improvisieren, kombinieren, hin- und herschwingen. Man kann sein Vater- oder Muttersein nicht beim Pförtner abgeben, ebensowenig wie man seinen Beruf (oder seine Berufung) in der heimatlichen Garage lässt. Im besten Sinne können sich beide Sphären gegenseitig befruchten, in jenen Tugenden und Eigenschaften, die das Leben wie auch die Arbeit bereichern: Kreativität, Resilienz, Störungsbreitschaft, Neugier… Lebensfreude.

 

III. Technologie bringt IMMER NEUE ARBEIT hervor

In zyklischen Abständen geht im Reich der Arbeitsdebatte das Gespenst der radikalen Verknappung um. Derzeit predigen Jeremy Rifkin und andere Theoretiker wieder das „Ende der Arbeit“: „Industrie 4.0“ und „Künstliche Intelligenz“ sowie die „Null-Grenzkosten-Gesellschaft“ werden massenweise „Arbeit vernichten“ – und zu einer gewaltigen Krise der Erwerbsgesellschaft führen.
Das ist, war und bleibt Unsinn – auch wenn es immer sehr überzeugend klingt. So wenig, wie uns die Ressourcen ausgehen (das Öl ist billig wie nie, Seltene Erden sind häufiger als gedacht, Energie ist prinzipiell unendlich erneuerbar), wird uns die Arbeit „ausgehen“. Arbeit ist kein Kuchen, der irgendwann vertilgt ist. Jeder Technologieschub erzeugt eine Rekursion, eine Komplexitäts-Kaskade, die zu gesteigerten Nachfragen und ganz neuen Bedürfnissen führt. Automatisierte Fabriken erzeugen Bedarf nach „High Services“ und technischer Expertise, aber nach „Low Services“ im Bereich von Wartung und Betreuung. Die „Freigesetzten“ finden rasch neue Jobs in Berufen, von denen man gestern noch nichts ahnte. Arbeit ist eine ÖKOLOGIE, in der die nichtlinearen Gesetze der Evolution gelten. Automatisierung – weniger körperliche Arbeit – erzeugt sofort einen riesigen Bewegungs- und Gesundheits-Markt. Ubiquitäre Information erzeugt nicht den Wegfall von Wissensberufen, sie VARIIERT vielmehr das Wissen in Richtung Kunst, Entertainment, Kommunikations- und Erlebnis-Kultur, wobei jede dieser Sektoren wiederum neue Kaskaden von Dienstleistung erzeugt. Wenn alles lärmt und schreit, vermehren sich die Yoga-Lehrer exponentiell. Den menschlichen Leidenschaften, Wünschen und Nöten sind ebenso wenig Grenzen gesetzt wie unserer Fähigkeit, immer “unmöglichere” Bedürfnisse zu befriedigen – und damit Geld zu verdienen.

 

IV. Die Zukunft gehört den NEUEN AGENTEN

Auch das Internet hat uns nicht aus dem Joch der stupiden Arbeit befreit. Im Gegenteil: In den dunklen Nischen des Netzes entwickeln sich neue Abhängigkeiten und Überforderungen. Was im Supermarkt seinen Anfang nahm – die ständige Bereitschaft des Kunden, Servicetätigkeiten SELBST zu verrichten – hat sich längst auf das digitale Universum ausgeweitet. Um den billigsten Flug zu bekommen, recherchieren wir endlos im Netz. Um Geld zu überweisen, geben wir mühsam 24-stellige Nummern ein. Ständig müssen wir Hardware und Software upgraden und -updaten, unentwegt erledigen wir Eingabe-Routinen, für die es kein Personal mehr gibt. Im Namen der allgegenwärtigen Digitalität sind wir längst zu Sklaven der Bildschirme und Tastaturen geworden. Das Gefühl, in einer Verwirrungs- und Ablenkungswelt zu leben, nimmt unerhörte Ausmaße an. Unser Zeitgefühl lautet: TOO MUCH INFORMATION.
„Wir ertrinken in Informationen und hungern nach Wissen“ – wie es John Naisbitt ausdrückte. Aber WISSEN – im Sinne von Kompetenzen, „Ermächtigungen“ – ist immer an den Menschen und seine emotionalen, instinktiven, sinngebenden Fähigkeiten gebunden. Die Zukunft gehört nicht den Avataren, sondern den HUMANAGENTEN die uns dabei helfen, unser Leben zu bewältigen. In Zukunft leisten wir uns einen persönlichen Gesundheits-Coach. Einen Wohlstands-Guide. Einen Bildungs-Berater. Einen Mobilitäts-Agenten. Einen Wissen-Navigator. In unserem Namen untersuchen diese Agenten die Myriaden von Informationen des Internets. Unsere neuen Freunde und Helfer sind nicht digital, sie NUTZEN den Segen der Digitalität, um zu humanem Wachstum beizutragen.

 

nwd_spielraum_headergrafikV. SMART WORK, HARD WORK, ANTI-WORK…

„Arbeit in Zukunft ist jene Leidenschaft, die sich selbst bezahlt“ – erinnern wir uns noch einmal an den Ausgangspunkt der New-Work-Utopie. Um ihr näher zu kommen, oder sie zumindest „wach zu halten“, müssen wir uns von einigen Illusionen verabschieden. Etwa, dass Kreativität „leicht“ wäre. Selbstbestimmte Arbeit bleibt eine harte, lebenslange Aufgabe. Sie erfordert neue Kulturtechniken: Emotionale Intelligenz. Kommunikations-Intelligenz. Netzwerk-Intelligenz.. Sie fragt uns hartnäckig nach uns selbst, unserem inneren Menschsein, unserem TALENT: Wer sind wir – und wer wollen wir sein?
An Bedeutung zunehmen wird aber auch das, was der Publizist Brian Dean „Antiwork“ nennt: „Antiwork ist eine moralische Alternative zu unserer Obsession mit ‚Jobs‘, die unsere Gesellschaft schon so lange plagt. Ein Projekt, um Arbeit und Freizeit radikal zu re-organisieren. Eine kognitive Gegenmacht zu jener ‚Harten Arbeit‘, die als Resultat calvinistischer Arbeitsethik unser Bewusstsein und unsere Zeit prägt.“

Zu Hard Work und Smart Work gesellt sich ein dritter Sektor der Arbeit: In den neuen Ökonomien des Tauschens, im Urban Gardening und Co-Working, in vielen, noch nicht kommerzialisierten Bereichen der Sharing Economy, aber auch im ständig breiter werdenden Sektor des Volunteering, der sozialen Arbeit und des politischen Engagements. Er entsteht dort, wo Tätigkeit und Muße, Engagement und Talent ineinander übergehen, wo Arbeit Kontemplation wird und sich von den Gesetzen des Geldes verabschiedet. Still und leise, unsichtbar fast, erhebt sich die Arbeit tatsächlich von den Plätzen. Und wird wieder zur genuinen Tätigkeit des ganzen Menschen. Wir werden es erleben. Wir erleben es schon.


Über den Autor:

Matthias Horx ist Inhaber des 1998 gegründeten Zukunftsinstituts und profilierter Zukunftsvisionär. Das Zukunftsinstitut gilt heute als einer der einflussreichsten Think-Tanks der europäischen Trend- und Zukunftsforschung und ist eine zentrale Informations- und Inspirationsquelle für Entscheider und Weiterdenker. Mehr über das Thema New Work und die Megatrends, die unsere Zukunft prägen, erfahren Sie auf zukunftsinstitut.de

 
28 Kommentare

H. Hernandez

05.02.2015

Danke für Ihre Einschätzungen, Herr Horx. Es bleibt spannend.. In eigenem Interesse frage ich Sie zu diesem Punkt Zitat: „Der demographische Wandel öffnet die Arbeitswelt in der biographischen Achse: Die Talente der Älteren werden zunehmend gesucht.“ Was schlagen Sie mir als Vorbereitung auf die berufliche Zukunft als Jobsuchende 50plus vor? Ich habe vor, die nächsten 10 +/- Jahre dabei zu sein, so wie viele andere AN auch. Welche Talente zeichnen die Erfahrenen Ihrer Ansicht nach aus? Und wie macht man die auf dem Arbeitsmarkt den Entscheidern ’schmackhaft‘?

Torsten Irion

06.02.2015

Hi,

als 50+ (bin ich selber auch gerade geworden) würde ich meinen Fokus nicht so sehr darauf legen, wie ich dem Rest der Welt erkläre, was ich besonders toll kann. Stattdessen würde ich versuchen wollen zu verstehen, was der Markt gerade braucht und ob ich mit meiner Erfahrung, Vorwissen, … hineinpasse; es kann dabei in vielen Bereichen sein, dass meine Erfahrung kein besonderer Vorteil ist: die Technologie hat sich schneller gewandelt als ich und meine Weiterbildung, ich (persönlich) bin heute nicht mehr so belastbar (und auch hungrig) wie mit 30 etc.

Das kann dann heißen, dass ich von Abteilungsleiterposten mich auf kleinere Teams zurück entwickele, eher in Nischen gehe, die dann doch von meiner spezifischen Erfahrung profitieren, eher in eine moderierende Rolle gehe statt in eine kreative etc., aber wie Horx schreibt: die Menge an Arbeit ist auf jeden Fall groß genug, dass jeder die Möglichkeit hat, was zu finden. Aber der aktiv suchende bin auf jeden Fall stärker ich, einfach weil ich selber ein höheres Interesse an meinem Job habe, als ein Arbeitgeber, der „einfach nur eine Stelle irgendwie gut besetzen will“

zumindest meine Einschätzung dazu

Maik

06.02.2015

Jeremy Rifkin als theoretischen Prediger in die Ecke zu stellen ist nicht die Form der Auseinandersetzung, die man sich in einem solchen (wichtigen) Thema wünscht; käme zumindest mir auch nach der Lektüre seiner „Null-Grenzkosten-Gesellschaft“ gar nicht in den Sinn; ich finde ja eher dass sich hier kluge Gedankengänge ergänzen…

Triton

06.02.2015

„Arbeit ist eine ÖKOLOGIE, in der die nichtlinearen Gesetze der Evolution gelten.“ – und was will uns der Verfasser mit dieser unsinnigen Anreihung von Wörtern sagen ?..

CD

06.02.2015

„Arbeit IST Leben, und vice versa“
Eiskalt.

lrrm

06.02.2015

Das ist doch eher eine Work-Tide-Balance als eine Work-Life Balance. Im Bereich Wissensarbeit ist neben Fleiß auch Kreativität gefragt. Beides gleichzeitig kann man nicht wirklich erzwingen. Sie kommen wann sie wollen, und wenn sie da sind muss man damit umgehen, bis die Tide sich wieder zurück zieht. Man kann ja mal Pause machen, wenn Ebbe ist.

Der Begriff Work-Life Balance geht von einem gestrigen Arbeitswelt aus, in dem festgefügte Produktionsabläufe das Arbeitsleben bestimmt haben. Das diese in der heutigen Zeit ausufern und der auch der Arbeitskampf nichts daran ändern kann hat den Ruf nach einer Widerkehr des alten Lebensbild der 8:00-16:00 Arbeit mit Anschließender Familien- oder Freizeit laut werden lassen.

Die Work-Life Balance ist der alte Schlauch in den der Wein der moderne Arbeitswelt abgefüllt werden soll. Das das nicht unbedingt schmeckt ist selbstverständlich.

KS

06.02.2015

Lieber Autor,

wenn es nach Ihren Visionen geht, dann sollten wir eher 24 Stunden am Tag statt zu leben uns lieber auf die Arbeit konzentrieren, welches ich als Mensch (und nicht Arbeitsmaschine) nicht so teilen kann. Es liegt an uns in welcher Zukunft wir leben möchten. Und Ihre Zukunft ist ganz sicher keine erstrebenswerte.

Ich bin dafür, daß wir Ihre Zukunft niemals wahr werden lassen :)

In diesem Sinne
Beste Grüße
KS

Rob

06.02.2015

Wenn ich den Billiglohn/Zeit/Leiharbeits-Sektor sehe und was die meisten berufe inhaltlich ausmacht, dann ist dieses der Text oben eher als Wunsch zu bezeichnen. Ich glaube, dass wir zuerst Modell wie ein Bürgergeld brauchen, um die Menschen von der Sklaverei durch Erpressung seitens der Arbeitgeber zu befreien. Danach kann man sich Gedanken darum machen, wie man arbeiten kann. Aber zuerst muss diese Sklaverei abgeschafft werden. Das muss die Grundvoraussetzung sein.

ray

06.02.2015

Mein erster Eindruck war: „Wieder einmal einer der wundersamen Prediger, der meint zu wissen wie es in der Realität aussieht“. Meine Kritik ist nicht darauf gerichtet die Kompetenz des Herrn Horx in Frage zu stellen, aber ich finde Herr Horx sollte sich mehr mit den +50 Fachkräften unterhalten die gerade Arbeitslos geworden sind und einen neuen Arbeitsplatz suchen. Nehmen Sie sich die Zeit und
gehen Sie zum Arbeitsamt. Fragen bei der Jobbörse nach, wann die nächsten Termine zu bestimmten Informationsveranstaltungen stattfinden und interviewen dort die +50 Arbeitssuchenden um ein realistisches Bild Ihrer Thesen zu bekommen.

In der Regel bringen die Fachkräfte ein fundiertes Wissen in sehr spezifischen Fachbereichen mit, aber gerade nicht die Fähigkeiten, die am Markt gesucht werden. Obwohl die Bereitschaft der Arbeitssuchenden da ist, neue Fähigkeit zu erlernen, sträuben sich Arbeitgeber in einen Mitarbeiter zu investieren, der nur noch eine überschaubare Zeit auf dem Arbeitsmarkt einsetzbar ist.

Auch wenn der Arbeitssuchende neues Wissen sich aneignet, ist das immer noch keine Garantie einen neuen Job zu finden.

Was bleibt ist der Karriere Abstieg. Mitarbeiter zum Regal Einräumen und an der Kasse, werden immer gesucht. Für mich hört sich das so an. Einem Hochleistungssportler der sein ganzes Leben lang die 100m Strecke gelaufen ist, soll mal schnell zum Stabhochspringer umtrainiert werden.
Mag sein das, das das im Einzelfall funktioniert, aber das ist nicht die Regel.

Zum Thema Work-Life-Balance gehe ich konform. Immer mehr Arbeit, weil die Technik sich rasant ändert. Damit ist auch klar, das die Halbwertzeit des Kow-How-Value-Add sich drastisch verkürzt und keiner so richtig weiß wie die Dinge funktionieren. Die Geräte müssen deshalb einfacher, billiger und dümmer werden. Wenn das Teil nicht geht, weg damit und neu kaufen. Stellt sich die Frage wie lange wir uns das noch leisten können.

Mathematisch gesehen beschreibt die Erde eine endliche Größe. Obwohl wir uns nur auf der Oberfläche bewegen, nimmt die Resourcen Verschwendung immer mehr zu, weil es in unserer Welt nicht die regenerierbaren Kreisläufe gibt, wie die Natur uns es vormacht. Alles ist gut und nur weiter so,
kann ich absolut nicht unterstützen.

Ich möchte hier die These in den Raum stellen. „Jedes Bit was ich von A nach B bewege, verbraucht Energie“ auch nach zu lesen in http://de.wikipedia.org/wiki/Energieniveau Das ist das was Millionenfach in den Transistoren und Schaltkreisen passiert.

Da wir in den nächsten 5-10 Jahren eine Vervielfachung des jetzigen Datenaufkommens realisieren, werden wir uns Gedanken machen müssen ob wir diese sinnlosen technischen Gadgets überhaupt zum Leben brauchen und uns nicht wieder auf alte Werte zurück besinnen.

Angesichts der vielen Probleme die wir in der Welt haben, ist es an der Zeit sich Gedanken über eine neue Ethik in der IT Welt zu machen.

Michaela

06.02.2015

zu Punkt 5 – die Bezeichnung Anti-Work klingt antiquiert – diese Gruppe der 20-30jährigen arbeitet genauso, unterwirft sich jedoch nicht den derzeit herrschenden Regeln der Erwerbstätigkeit. Ich erlebe diese Menschen als stark im Hier und Jetzt verwurzelt, die sich liebevoll und verantwortungsbewusst auf ihre unmittelbaren Mitmenschen konzentrieren. Die großen Konzerne mit ihren undurchsichtigen und menschenverachtenden Strukturen sind ihnen verhasst, in ihren (und auch meinen) Augen nehmen diese Konzerne „keine“ Verantwortung für unsere Welt wahr, Egozentrik steht bei diesen im Fokus, alles Werte, mit denen sich Gott-sei-Dank viele nicht mehr identifizieren wollen!
Herzlichst, MP

Sascha Büttner

06.02.2015

Herrlich, Herr Horx!
Smart Work – quasi als Destillat der smarten Macht: Statt disziplinieren und gefügig machen nun die freundliche Variante des Verführens.
Als Apologet des Neoliberlismus hatte ich Sie bisher nicht wahrgenommen. Das irritiert mich. Dennoch, Ihre Kommentare sind wichtig. Einfach um zu verstehen, wo der Hase langläuft.

Beste Grüße,
Sascha Büttner

PS: Ihre Abneigung gegen „Work-Life-Balance“ ist insofern etwas abwegig, da diese Laien-Psycho-Spiele zum Einführungsrepertoire von Smart Work und damit wesentlicher Bestandteil der Smarten Macht sind.

Henning

06.02.2015

„So wenig, wie uns die Ressourcen ausgehen (das Öl ist billig wie nie, Seltene Erden sind häufiger als gedacht, Energie ist prinzipiell unendlich erneuerbar“ Das ist keine schlüssige Argumentation: Die Resourcen dieser Erde sind begrenzt durch das räumliche Volumen dieses Planeten. Der Preis (für Öl) ist ein schlüssiger Indikator für das Verhältnis von Nachfrage und Angebote, nicht für die absolute Menge. Das es mehr seltene Erden gibt als gedacht bedeutet ebenfalls nicht, dass es genug für immer und für jede Art von Wachstum gibt. Es gibt kein unbegrenztes Wachstum und Wachstum ist nicht der einzige Indikator für Fortschritt – wir haben nur leider aktuell keine überzeugenden Gegenmodelle.

BS

06.02.2015

Ich schließe mich den Anmerkungen von H. Hernandez und ray an.
Als 50+ Bewerberin und Opfer einer Konzernreorganisation mit „super CV“, wie viele Personalberater bereits anmerkten, bekomme ich nur Absagen. Und rund um mich herum – Freunde, Bekannte in derselben Altersgruppe – Aufhebungsverträge, befristete Verträge etc. Diese Vision von Zukunft ist verstörend und beängstigend.
Nein, ich bin natürlich kein Digital-Native und kein Vertriebs-Profi …und ich bin eine Frau. Über den Mega Trend Female Shift kann ich nur lachen. Ja, vielleicht ist es in 2050 realistisch, aber da bin ich nicht mehr dabei.

Jochen-Pierre

06.02.2015

Hallo Herr Horx,
danke für den Beitrag. Im Prinzip sehe ich das ähnlich wie Sie. Vor allem die positiven Ausblicke. Trotz Neocortex sind wir Menschen Teil der Natur. Wir brauchen gute Bedingungen um selbst gut und zufrieden sein zu können. Deshalb gibt es auf Bergen die Baumgrenzen, oberhalb derer nichts mehr wachsen kann. WLB ist/war ein erster Versuch, das Bewusstsein dafür zu schärfen. Die Zukunft heißt zum Glück wohl eher Vielfalt und nicht Matrix. Es sind auch nicht die alten Werte, auf die wir uns besinnen. Es sind die Werte, die zu kultivierten Menschen gehören. Humanes Wachstum aus der Quelle „human nature“. Leider ist diese Entwicklung derzeit viel stärker bedroht, als wir wahrhaben wollen. Im Moment brauchen wir erst einmal wieder die Perspektive auf Frieden.

Danke + viele Grüße
Jochen-Pierre

Finanzberater

06.02.2015

Wenn man seinen Job nicht als Berufung sieht bzw. ausführt, wird es nie zu einer ausgewogenen Work-Life-Balance kommen.

Achim

06.02.2015

Ich möchte ein Feedback geben zu Herrn Horx Einschätzung „die Talente der Älteren werden zunehmend gesucht“.
Ich (gerade 50 geworden, 21 Jahre Konzern, 8 Jobs, 4 locations, internationale Prägung, 10 „Awards“, Reorganisation nach Ost-Europa) oute mich jetzt einmal: Seit über einem Jahr suche ich schon eine qualifizierte Tätigkeit und bekomme idR nur Absagen.
Personaler sagen mir „Sie waren aber lange in einer Firma“. Junge einstellende Manager sagen „Wow, Ihr CV ist aber lang [3 Seiten])“. Vermittler sagen: „Sie haben aber einen schönen Werdegang“. Große Firmen sagen „nichts“ -> einfach nur Absage, am besten ohne Name und Telefon-Nummer. Kleine Firmen sagen „der war zu lange im Konzern und ist zu „eng“ aufgestellt“.

Ich sage: „Hey, ich habe noch (aufgerundet) 20 Jahre Berufserfahrung VOR mir, ich bin nicht tod, habe mir nichts zu Schulden kommen lassen, sondern immer nur viel gearbeitet und Opfer gebracht“.

Aber: ich bekomme nicht mal die Chance auf ein Vorstellungsgespräch. Die Crux ist m. E. darin begründet dass viele Einsteller selber erst um die 30 – 38 sind und die sortieren eben einen 50 jährigen aus. Leider lesen die Herr Horx‘ Text nicht.

Ich schliesse mich voll und ganz Ray’s, Hernandez und BS’s Meinung an: Unbedingt mal tatsächlich mit der 50 plus Gruppe persönlich reden.

Wenn es volkswirtschaftlich funktionieren soll: Dann unbedingt die Frauenquote überführen in eine ältere Mitarbeiter Quote bei Einstellung (nur so kann das System überleben).

PS: An Torsten Irion: vor dem Wegfall meines Arbeitsplatzes hätte ich ähnlich argumentiert. Die brutale und schmerzhafte Realität ist dass man eben NICHT die Gelegenheit bekommt sich vorzustellen und der Druck in Firmen ist so hoch bloß kein „Risiko“ einzugehen.

Peter

06.02.2015

Sehr geehrter Autor,

in Ihrem Artikel vermisse ich eine Komponente als zentralen Mittelpunkt: Den Menschen und die Natur als Grundlage für unsere Existenz – Achtung: Ich bin kein Öko!.

Aus meiner Sicht kann es nicht darum gehen, die Ökonomie und deren Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen. Die Ökonomie dient zwar ebenfalls Menschen allerdings nur wenigen, die das Kapital besitzen und an der Arbeit anderer verdienen. Das Gros der Menschen verdingt sich um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Freiheit der Wahl nach einer erfüllenden Arbeit, der man am liebsten 24 Stunden am Tag nachgeht ist da recht begrenzt und nur wenigen vorbehalten. Die Heere der Ein-Euro und Minijobber, der 50+ Arbeitslosen und der Jugendlichen in Europa die keine Chance auf eine Ausbildung und Job haben (Spanien, Griechenland, Italien, Portugal) zeichnen ein ganz konkretes, wesentlich weniger philosophisches und viel hässlicheres Bild.

Unterm Strich kommt das von Ihnen gezeichnete Bild bei mir so an: Leben um zu arbeiten anstatt arbeiten um zu leben.

Da vermag mich auch das recht schöne Bild von den fast unerschöpflichen Ressourcen auf de Erde kaum zu beruhigen: Die vielen Windgeneratoren auf der schwäbischen Alb der Nordsee und anderswo, die Lager für radioaktiven Strommüll die immer fragwürdigeren Methoden der Erdölgewinnung, erzählen eine ganz andere Geschichte.

Für mich (50+, Familienvater, berufstätig) beides keine erstrebenswerte Vision.
Konzepte für Frieden, Verträglichkeit von Job und Familie, Leben in Würde müssen her.

Dogy

06.02.2015

Eines der großen Probleme ist, dass wir heute die Folgen der Automatisierung erleben, während gleichzeitig die Digitalisierung einen neuen Teil der Arbeitsplätze wegfrisst. Das alles hat man schon lange kommen sehen, aber über die Folgen wurde nie genug nachgedacht, so dass unsere Gesellschaftsstrukturen heute noch dieselben sind wie vor 50 Jahren.

Arbeit kann nicht mehr der entscheidende Faktor fürs Überlebensein, einfach, weil es längst nicht mehr genug Arbeit für alle gibt, egal wie qualifiziert sie sein mögen. Es müssen andere Strukturen die bisherigen Strategien ersetzen, nicht nur sog. Transferleistungen, die aus einem Großteil der Gesellschaft moderne Pariahs macht. Geld muss auf andere Weise verteilt werden, es kann nicht sein, dass ein paar Industrielle sich durch das Wegrationalisieren von Arbeitsplätzen eine goldene Nase verdienen, während gleichzeitig immer größere Kreise unserer Gesellschaft in Armut und Unsicherheit abrutschen. Heute ist es eben nicht mehr der Wille, zu arbeiten, der zählt, weil es nicht mehr so viel Arbeit gibt, schlicht und ergreifend.

Erst wenn wir neue Wege finden, die Probleme zu lösen, haben wir eine Chance auf ein „goldenes Zeitalter“.

Ein Bürgergeld (anstelle von Transferleistungen, die immer einen Beigeschmack von Almosen haben) wäre ein erster Schritt. Des weiteren muss auch darüber nachgedacht werden dürfen, ob es wirklich noch zeitgemäß ist , wenn eine kleine, elitäre Gruppen von Individuen über mehr Geld verfügt als der Großteil der Gesellschaft zusammengenommen. Solange wir diese Konzentration von Ressourcen in der Hand einiger Weniger zulassen, verwandeln sich die Segnungen des Fortschritts für immer mehr in die 7 Plagen.

AM

06.02.2015

Nun, ich bin nicht verwundert über den Beitrag von Hr.Horx, das ist altbekanntes umformuliert. Ich wundere mich über die Beiträge in Richtung 50+. Ich bin 50+ und bekomme mehr als eine Anfrage pro Jahr, in der meine Bereitschaft nachgefragt wird, den Arbeitgeber wechseln zu wollen……….! ich verstehe hier das Problem nicht!

Jürgen Peters

06.02.2015

Hallo Zusammen,
in den ganzen Kommentaren dring ein Klagen durch. Es wird Zeit, das Arbeit (Erwerbsarbeit oder Nicht-Erwerbsarbeit) und die Form der Arbeit immer in einem historischen Kontext betrachtet werden muß. Historischer Kontexte sind auch immer zeitlich begrenzt. Das Probelm besteht darin, das wir (50+) in einem historischen Kontext aufgewachsen und auch dort die historischen Regeln gelernt habe, die seit mindestenz 20 Jahre auslaufen und auch nicht wieder zurück kommen. Also weiter Klagen oder die Herausforderung annehmen und gestalten.
Gruß
j.p.

Felicitas Richter

07.02.2015

Danke, Hr. Horx, für die Einschätzung Punkt II: Die Erfahrung, dass „Work-Life-Balance“ im Alltag tatsächlich nur ein Modell darstellt, machen berufstätige Eltern tagtäglich. Das ist keine neue Erfahrung: der Arbeitstag war anstrengend, also nach „Feierabend“ mal die Beine hochlegen? Eine Illusion! Die Aufforderung, „mal an sich zu denken“ und „mal was für sich zu tun“, empfinden Menschen, die Familie und Beruf unter einen Hut bringen wollen, meist als zusätzliches „to do“ auf einer ohnehin schon viel zu langen Liste. Das Work-Life-Balance-Modell stammt aus einer anderen Zeit und den heutigen Alltag wieder dem damaligen anzupassen (Arbeit von 8-16 Uhr, danach „Feierabend“), damit das Modell wieder passt, ist Quatsch. Und die meisten Menschen wollen das ja auch gar nicht. Es braucht etwas Neues. In meinem Buch „Schluss mit dem Spagat“, das Ende März erscheint, stelle ich ein neues Konzept für berufstätige Eltern vor: simple present – Bleibe bei dir und du kannst überall sein. Egal ob der Moment des Bilderbuchvorlesens oder ein wichtiges Meeting – konzentriere dich darauf und lass dich nicht zerreißen… http://www.randomhouse.de/Paperback/Schluss-mit-dem-Spagat/Felicitas-Richter/e462999.rhd

JK

07.02.2015

Bei dem Artikel von Herrn Horx ist auch der Beruf (Job) des Übersetzers (Translators) gesichert. Kompliziert (Komplex) geschrieben und viele (multae) Fremdwörter. Er lebt wohl noch nach dem Motto Intelligent ist, wer mit vielen Fremdwörtern um sich werfen kann.

Avant

07.02.2015

Guten Tag Herr Horx,

nach intensiverer Lektüre Ihres Beitrages fand ich mich mitten im Trendgeschehen persönlich wieder.
Sehr gelungene Kurzdarstellung der aktuellen Entwicklungen also !!

Meine resultierende Antwort lautet : Stellen Sie mich morgen ein ?

Die dazu erforderlichen Referenzen liefert Mutter GOOGLE, Onkel XING und Kind facebook !!!

Freue mich schon sehr, bald von etwas von Ihnen zu hören.Oder doch sogar zu lesen ? Oder doch sogar etwas zu erleben ? Oder doch sogar…nein, dass kann ich derzeit noch nicht glauben !

Personnel Consultancy
Personal Coaching
Education Guiding
Business Consultancy(~Unternehmensberater „SERVICE as SERVICE can“,2015)

Klaus F. Salein

09.02.2015

Danke für die „Erdung“! – In der Hektik und oft unnötigen Überspitzung (um nicht effekthascherische Skandalisierung zu sagen) gaukeln uns oft Medien und selbsterenannte Spezialsten Probleme vor, die nur kurzfristig valide sind.

Leben, Wirtschaft und Natur sind komplexe, dynamische Systeme, die selbstregulierend sind. Für das Individuum sind Veränderungen oft tragisch, für das Gesamtsysteme aber meist beherrschbar. Mit etwas zeitlichem Abstand hat man immer festgestellt, das es nicht so schlimm kam wie vorausgesagt. Im Gegenteil meist ist das Resultat weit zukunftsweisender als erwartet.

H. Hernandez

12.02.2015

Zitat:

“Als 50+ Bewerberin und Opfer einer Konzernreorganisation mit “super CV”, wie viele Personalberater bereits anmerkten, bekomme ich nur Absagen. Und rund um mich herum – Freunde, Bekannte in derselben Altersgruppe – Aufhebungsverträge, befristete Verträge etc. Diese Vision von Zukunft ist verstörend und beängstigend.”

Wenn das als Klagelied gehört wird, weiß ich auch nicht weiter.

Von 100%, Einsatz/VZ auf H4 ohne Klage.. ÜBERQUALIFIZIERT!! Ja, ich schreie es in die Welt hinaus. Ich bin nämlich stinksauer, weil es eine unglaubliche Energie, Lebenskraft und Lebensfreude kostet laufend auf allen Kanälen präsent zu sein und nach dem einen Schuh im Jobmarkt zu schauen, der einem passt (passen könnte) und dabei völlig entspannt zu bleiben.

Ich weiß seit 2+ Jahren nicht mehr, was ich mir noch einfallen lassen soll.

Tagtäglich kommen Angebote von Menschen, die es besser wissen – gegen bahre Münze versteht sich. Auch ungebetene gut gemeinte Ratschläge – die sich von Coach zu Coach wiedersprechen (können), zerren am Selbstbewußtsein. Wechselbäder zwischen Hoffnung und Absage bringen den Kreislauf gehörig auf Trapp und die Seele in Unordnung. Nur gut, dass ich keine Familienmitgliedr mehr zu versorgen habe.

Wer dies nicht selbst mitgemacht hat, kann weiterhin gern von Jammern auf hohem Niveau sprechen.

Und glauben Sie bitte nicht, es ginge den jungen Menschen besser. In meinem Umfeld/Familie leben auch 20-35 Jährige. Die freuen sich schon auf die Zukunft der Arbeit..

“Für das Individuum sind Veränderungen oft tragisch, für das Gesamtsysteme aber meist beherrschbar. Mit etwas zeitlichem Abstand hat man immer festgestellt, das es nicht so schlimm kam wie vorausgesagt. Im Gegenteil meist ist das Resultat weit zukunftsweisender als erwartet.”

Na, dann..

Lorberth

13.02.2015

Leider strotzt der Artikel nur so von Fehlern und Falschinformationen. Herr Horx benutzt wie schon seit Jahren gerne seine Buzzwörter mit der sich Wichtigmacher immer wieder gerne schmücken. „Megatrends“, „Flexicurity“ usw. usf. Gesellschaftliche Realitäten bildet Horx höchstens für einen kleinen Teil der Gesellschaft ab. Neueste Studien scheint er zu ignorieren, wonach die Altersarmut steigen wird, die Schere zwischen arm und reich immer größer, die Privatschulden sich immer mehr anhäufen mit gleichzeitigem Rückgang der privaten Rücklagen, Gemeingut immer mehr in Privateigentum umgewandelt wird..et cetera
Grundlegende soziologische Begriffe und präzise Begriffe wie Arbeit, abstrakte Arbeit und Erwerbsarbeit welche einer genauen Beschreibung bedürfen scheinen in seiner Gedankenwelt zu einem wirren Brei verworren zu sein. Seine Analysen sind somit wie schon seit Jahren oberflächlich und selbstgefällig – kein Wunder ist man doch schon seit Ewigkeiten bei der Machern in der Oberflächlichkeitsindustrie (sogenannten „Kreativen“ in der Werbeindustrie) äußerst beliebt, weil man sich dort seines Weltbildes stehts rückversichert wird. Wer aber davon ausgeht das unsere Ressourcen nie ausgehen werden und sein Argument damit begründet, das Öl so billig ist wie nie zuvor oder das Technologie immer neue Arbeit hervorbringt der hat den Schuß wohl nicht gehört.

Bernd Jensen

23.02.2015

Gespenst der radikalen Verknappung:

Hierzu empfehle ich jedem den Artikel „Arbeitsvolumen“ in der deutschsprachigen Wikipedia.

Zitat:
„Das Arbeitsvolumen in der Bundesrepublik Deutschland sinkt in seiner Tendenz seit 1960. Lediglich in den Phasen der Hochkonjunktur stieg es jeweils vorübergehend an. Das Arbeitsvolumen sinkt, wenn die gesamte Wirtschaftsleistung eines Landes (BIP) langsamer wächst als die Arbeitsproduktivität (AP = Wirtschaftsleistung der Beschäftigten pro Stunde). Dies war in Deutschland langfristig seit 1960 immer der Fall, d.h. die Arbeitsproduktivität ist im Dekadenvergleich immer schneller gewachsen als das BIP.

Gegenwärtig würden 31,8 Mio. Erwerbstätige in Vollzeit (40 Stunden /Woche) zur Bewältigung des Arbeitsvolumens ausreichen, so dass ca. 13 Mio. Menschen von offener Arbeitslosigkeit betroffen wären. Bei einer seit 2005 in der Diskussion befindlichen Verlängerung der regulären Arbeitszeit auf 48 Stunden pro Woche (analog 1956) wäre die Zahl der Arbeitslosen noch höher (ca. 18,5 Mio.). Hingegen würde eine Gleichverteilung von Arbeit bei einem aktuellen Erwerbspersonenpotential von 44,5 Mio. Menschen zu einer Wochenarbeitszeit von ca. 30 Stunden führen“

Kann mir jemand vielleicht erklären, wie diese FAKTEN mit der hier mehrfach geäußerten Aussage (sinngemäß) „Es gibt genügend Arbeit für alle“ vereinbar sind??

Wolfgang Merkel

03.03.2015

„sie werden hier nicht mehr verdienen, als Sie in Ihrer freien Zeit ausgeben können“- So klappt´s mit der Work-Life-Balance.

Cartoon, SPON.