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Karrierehelfer Headhunter: Bei Anruf Job

Headhunter sind nicht nur was für CEOs. Die professionellen Stellenvermittler können auch Ihnen dabei helfen, den Traumjob zu bekommen. Karrierecoach Bernd Slaghuis unterstützt Sie bei den ersten fünf Schritten im Umgang mit den „Kopfjägern“.

1. Den Headhunter finden
Eine schwere Aufgabe, denn: „Eigentlich findet der Headhunter mich, das sagt ja schon das Wort selbst. Trotzdem ist es nicht selten, dass Bewerber erfolgreich selbst einen Headhunter ansprechen“, so Slaghuis. Am schwierigsten ist es, einen Personalberater wirklich persönlich zu treffen, und es auch noch mehr oder weniger zufällig aussehen zu lassen, schließlich möchte niemand als krampfhaft suchend erscheinen – sondern lieber als interessante Entdeckung. „Auf Veranstaltungen von Businessnetzwerken oder hochrangigen Karrieremessen sind Headhunter manchmal selbst vor Ort, da kann man ins Gespräch kommen und ihnen eine Visitenkarte geben“, sagt Slaghuis. Wer im Internet einen zu seiner Branche passenden Personalberater findet, kann ihn auch kontaktieren und ihm initiativ ein Anschreiben und einen kurzen Lebenslauf schicken. „Für Headhunter ist jeder Kontakt mit potenziellen Kandidaten wertvoll.“

Karriereberater Bernd Slaghuis: "Bei Veränderungswünschen soll man viel dafür tun, dass man vom Headhunter gefunden wird" (Foto: privat)

Karriereberater Bernd Slaghuis: „Bei Veränderungswünschen soll man viel dafür tun, dass man vom Headhunter gefunden wird“ (Foto: privat)

2. Sich finden lassen
Weil persönliche Treffen schwer und selten sind, ist es unabdingbar, noch mehr zu tun: „Man muss die aktive Suche umdrehen und viel dafür tun, dass man selbst gefunden wird“, so Slaghuis. Sein Profil breit zu streuen und auf möglichst vielen Karriereportalen und Jobplattformen präsent zu sein, erhöht die Wahrscheinlichkeit, entdeckt zu werden. Die große Gratwanderung ist dabei immer: Wie sehr betone ich, dass ich auf der Suche bin, wenn der aktuelle Arbeitgeber das nicht wissen soll? Slaghuis würde so vorgehen: „Wenn es so weit ist, dass ich einfach von meinen Arbeitgeber weg muss, sollte man das auch deutlich machen sagen, denn die Chance gefunden zu werden, steigt dadurch enorm.“ Ansonsten kann man betonen, dass man auf der Suche nach neuen und interessanten persönlichen Kontakten ist – damit sinkt aber wiederum die Aufmerksamkeit der Headhunter. Was darf im Profil nicht fehlen? „Ganz abgesehen von Qualifikationen entscheidet oft die Persönlichkeit eines Kandidaten, also sprechen Sie über Ihre Werte, Karriereziele, persönliche Erfahrungen, die etwas über Sie aussagen“, so Slaghuis.

3. Bestehende Kontakte nutzen
In den sozialen Netzwerken und auch im echten Leben kennen wir zahlreiche Leute – und auch die könnten zum Kontakt mit dem richtigen Headhunter führen. „Wir sammeln bei Twitter und Facebook jeden Tag neue Follower und Fans, aber wir machen damit nichts“, gibt Slaghuis zu bedenken. Zunächst kann man sich anschauen, wer alles unter den „Freunden“ ist, wer wo arbeitet, wer wohin gewechselt ist, bei wem es nahe liegt, dass er vielleicht sogar durch einen Headhunter zum neuen Job kam. „Dann sollte man die Kontakte einfach mal ansprechen, aktiv kommunizieren, dass man auf der Suche ist, auch gerne wieder die persönlichen Netzwerken im echten Leben dafür nutzen – denn die meisten neuen Jobs ergeben sich über drei Ecken“, sagt Slaghuis.

4. Sich richtig einschätzen
Mit welchem Job und ab welcher Gehaltsstufe lohnt sich ein Kontakt zum Headhunter? „Grob kann man sagen, dass Stellen ab dem mittleren Management und dem unteren Topmanagement ab einem Gehalt von 60.000 Euro für Headhunter interessant sind“, so Slaghuis. Da Headhunter bei gut dotierten Posten auch mehr Geld vom Unternehmen bekommen, sind Stellen unter dieser Grenze für viele Personalberater nicht attraktiv. Kann man im nächsten Job realistisch ab 60.000 Euro verdienen, sollte man sich jedoch nicht scheuen, Kontakt aufzunehmen: „Drei Viertel aller von Headhuntern vermittelten Kandidaten liegen mit ihrem Gehalt unter 150.000 Euro“, so Slaghuis. Auch was die Branche betrifft, gibt es keine Grenzen: „Grundsätzlich ist jeder interessant, viele Unternehmen beauftragen ja gerade Headhunter, wenn die Stelle schwer zu besetzen ist, und da kommen oft Quereinsteiger oder Branchefremde zum Zug.“ Einziges, aber absolutes Don‘t: Wenn man als Berufseinsteiger zum Headhunter geht, könnte es peinlich werden.

NWA_voting5. Seriosität des Headhunters checken
Auf den satten grünen Wiesen der Personalberatung grasen auch viele schwarze Schafe. Doch wie erkennt man die? Bernd Slaghuis rät: „Wird man angerufen, sollte man immer fragen, für welche Personalvermittlung der Anrufer arbeitet. Wird da gezögert oder sagt einem die Firma nichts, kann man eine E-Mail mit weiteren Informationen verlangen und einen Blick in die Signatur sowie auf die Homepage des Unternehmens werfen.“ Bleibt das unklar, könnte es sich um Datensammler handeln, die diese nur auf Halde legen oder sogar verkaufen wollen. Im schlimmsten Fall könnte die Jobsuche zum Arbeitgeber durchdringen. „Beim ersten Kontakt sollte man deshalb nicht so viel rausrücken, sondern erst einmal zuhören und vor allem nicht schlecht über den aktuellen Arbeitgeber reden“, rät Slaghuis. Zwar wird auch der seriöseste Personalberater seinen Auftraggeber im Erstkontakt nicht verraten, aber Branche, Region und Unternehmensgröße darf und sollte man einfordern. Dass man ein wirkliches und echtes Interesse spüren kann, also jemand aktiv zuhört und nachhakt, ist ein weiteres Merkmal für einen guten Headhunter. Geld sollte dieser allerdings nicht verlangen: „Wenn ein Headhunter ein Honorar will, hat er keinen Auftrag und somit auch keinen Job für Sie.“ Gerät man jedoch an einen guten Headhunter, dauert es meist auch nicht mehr lange mit dem neuen Job: „Wenn er anruft, ist die Stelle jetzt vakant und dann kann es schnell gehen“, so Slaghuis.

Text: Maria Huber

6 Kommentare

Sibylle1969

14.01.2015

Die Aussage „Grob kann man sagen, dass Stellen ab dem mittleren Management und dem unteren Topmanagement ab einem Gehalt von 60.000 Euro für Headhunter interessant sind“ stimmt so nicht. Auch für Fachkräfte ohne Führungsverantwortung können Headhunter interessant sein. In der IT-Branche werden nach meinem Eindruck ein Großteil der Stellen für erfahrene Fachkräfte mit mehr als 5 Jahren Berufserfahrung über Headhunter besetzt.

Headhunter können sehr nützlich bei der Jobsuche sein, aber man sollte immer im Hinterkopf behalten, dass sie primär für ihren Auftraggeber, die suchende Firma, arbeiten. Richtig ins Zeug legen tun sich die Headhunter in der Regel daher nur für die aussichtsreichsten Kandidaten. Wenn man in einem Stellenbesetzungsverfahren zu den aussichtsreichsten 2-3 Kandidat/innen gehört, dann kümmern sie sich gut. Ist das nicht der Fall, dann eher nicht.

Andreas

14.01.2015

Leider konnte ich auch schon oft feststellen, dass HeadHunter sich nicht so sehr für die Wünsche, Ziele und Ansprüche der Kandidaten interessieren, wenn Sie den Eindruck haben die Vermittlung in die Vakante Position aufgrund der Qualifikation und Persönlichkeit könnte klappen und damit die Provision fällig werden, dann verkaufen Sie den „Bewerber“ auch ohne Rücksicht auf dessen vorstellungen und versprechen den Stellensuchenden viel was nie gehalten werden kann.

Cosima Kienzle

14.01.2015

Aktiv und sichtbar werden, ist bei einem Veränderungswunsch sicherlich der beste Ratschlag, denn nur so wissen die Headhunter, dass Sie sich verändern wollen. Um Ihre Daten zu schützen, bietet es sich an Headhunter z.B. direkt anzusprechen, idealerweise jemanden, der sich in Ihrer Branche bewegt. Eine andere Möglichkeit wäre es sich einem zielgruppenspezifischen Netzwerk anzuschließen, welches Ihre Daten erst nach Prüfung an ausgewählte Personalberater freigibt. Für weibliche Fach- und Führungskräfte gibt es das branchenübergreifende Portal http://www.femalemanagers.de – Ihre Daten werden nur auf Anfrage akkreditierten und geprüften Personalberatern zugänglich gemacht. Bei Fragen steht Ihnen ein persönlicher Ansprechpartner zur Verfügung. Hilfreiche Services wie ein CV-Check oder ein Interviewtraining bereiten Sie auf den nächsten Schritt in Ihrer Karriere vor.

Arne-Steffen Dehler

14.01.2015

Der beste Headhunter ist der, der seine versprochene Dienstleistung perfekt erfüllt – und damit ausschließlich das Wohl des Auftraggebers im Sinn hat.

Das bedeutet leider umgekehrt, dass Sie, sich als Bewerber nur in diesen Arbeitsfokus einreihen können. Passen Sie zu aktuellen Aufträgen des Personalvermittlers, sind Sie interessant und werden zusammen mit einigen ‚Konkurrenten‘ positioniert, ansonsten landen Sie bestenfalls im Archiv.

Darüberhinaus macht, gerade für Führungskräfte, die Direktansprache von Unternehmen Sinn, schließlich können Headhunter nur Stellen besetzen, für die sie engagiert wurden.

In den Kampagnen meiner Klienten erlebe ich beständig, dass viele offene Stellen im verdeckten Arbeitsmarkt gar nicht ausgeschrieben werden, sondern über das Prinzip ‚die rechte Person zur rechten Zeit‘ besetzt werden.

Sind Sie in dem Moment beim Aufsichtsrat, Vorstand oder Bereichsleiter sichtbar, werden Sie mit Ihrem Können und Wollen direkt berücksichtigt und Sie sprechen meist ohne Mitbewerber über die neue Aufgabe.

Volkmar Jaekel

14.01.2015

Ich habe mit seriösen Headhuntern grundsätzlich nur gute Erfahrungen gemacht. Es gibt jedoch welche, die die Drecksarbeit übernehmen.

Möchte z.B. eine Firma einen Mitarbeiter los werden, beauftragt sie einen Headhunter, der den betreffenden Mitarbeiter mit einem aktraktiven Angebot fiktiv zu einem anderen Unternehmen lockt. Dort wird ihm umgehend unter Vorwand gekündigt. Damit ist der Mitarbeiter kostengünstig und legal „entsorgt“. Ein Verfahren, dass insbesondere bei schwer oder nur kostenintensiv kündbaren Mitarbeitern angewendet wird.
Vorsicht ist also geboten!

Sabine Möbus-Wittig

28.01.2016

Selbstverständlich steigern Initiativbewerbungen bei einer seriösen Personalberatung die Wahrscheinlichkeit, in absehbarer Zeit ein passendes Angebot zu erhalten.
Sie sollten allerdings mit der Erlaubnis versehen werden, die übermittelten Daten/CVs/etc. speichern zu dürfen. In der Regel führen Personalberatungen eine Datenbank, in die sie die Unterlagen einpflegen (das ausdrückliche Einverständnis des Bewerbers vorausgesetzt) und auf die sie zuerst zugreifen, wenn eine Position zu besetzen ist.

Gute Berater haben langjährige Kunden.
Sie haben tatsächlich das Wohl ihrer Auftraggeber im Fokus.
Eben aus diesem Grund sucht der Personalberater nach dem Kandidaten, der – abgesehen von seiner fachlichen Qualifikation – auch von seinen Wertvorstellungen, seinem Typ und Temperament, seinen persönlichen Zielen und seinem privaten Hintergrund gut zur Unternehmenskultur des Auftraggebers passt.
Anders wären wir nicht erfolgreich. Gerade in diesem Punkt liegt doch auch die Schwierigkeit unseres Berufs.