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Arbeitsplatz der Zukunft

FutureMe-Traumberufe: Wie wird man eigentlich Innenarchitektin?

Bei unserem XING spielraum-Monatsthema „Arbeitsplatz der Zukunft“ dreht sich alles um die Frage, wie der Arbeitsplatz von morgen aussehen wird. Jemand, der sich damit auskennt, ist Daniela Störzinger: Sie ist Innenarchitektin mit Spezialgebiet „Büroeinrichtung“ und Gründerin des Unternehmens ABOUT HUMAN OFFICE und entwickelt seit 15 Jahren Bürowelten. Im Interview mit XING spielraum verrät sie, welche Trends die Bürolandschaft von morgen prägen, wie der Arbeitsplatz der Zukunft aussehen könnte und welcher Fehler man bei der Büroeinrichtung vermeiden sollte. Darüber hinaus haben wir in unserer FutureMe-Faktenbox (s.u.) die wichtigsten Key Facts zum Beruf „Innenarchitektin“ zusammengestellt.

Wie wird man eigentlich Innenarchitektin mit dem Schwerpunkt „Büroeinrichtung“ und welche Skills und Qualifikationen braucht man dafür?

Grundsätzlich kann sich jeder „Büroeinrichter“ nennen – diese Berufsbezeichnung ist nicht geschützt. Ich persönlich habe Architektur mit Fachrichtung Innenarchitektur studiert und beschäftige mich seit 20 Jahren mit Gestaltungstrends in der Arbeitswelt. Die Einrichtung eines Büros ist mehr als das Aufstellen von Möbeln, es handelt sich eigentlich immer um komplexe Projekte, die neben der Möblierung vielfältige Bauaufgaben, aber auch technische und soziale Themenbereiche umfassen. Neben dem reinen Expertenwissen im Bereich Architektur/Innenarchitektur sind Erfahrungen im Projekt- und Risikomanagement, Grundkenntnisse der Informations- und Medientechnik und darüber hinaus eine fundierte Expertise in Organisationssoziologie wesentliche Qualifikationen, um ein funktionierendes, nachhaltiges Arbeitsplatzszenario zu entwickeln.

Welche Trends lassen sich in der Einrichtung der Bürowelt beobachten?

DaSt_293Die Rahmenbedingungen für die Gestaltung von Büros haben sich in den letzten 20 Jahren gravierend verändert. Während früher Themen wie Ergonomie und die Abbildung von Kommunikationswegen im Vordergrund standen, sind es heute Diversität und Multifunktionalität von Bürolandschaften. Diese Bürolandschaften müssen so flexibel und funktional gestaltet sein, dass unterschiedliche Arbeitsweisen – konzentrierte wie kommunikative – unterstützt werden. Effizienz, Flexibilität, Nachhaltigkeit und ein einladendes, attraktives Nutzungskonzept sind die Parameter, die die Büroarbeit von morgen bestimmen und gestalten werden. Dies bedeutet eine erhebliche Veränderung für bisherige bürotypische Arbeitsweisen. Arbeit wird das sein, was man gerade tut, nicht der Ort, den man dafür aufsucht. Die Fähigkeit zum Multitasking und zur permanenten Vernetzung bei gleichzeitiger Resilienz sind gefragte Skills in dieser Bürozukunft. Das klingt recht anstrengend – ist es auch daher haben viele Unternehmen erkannt, dass die Mitarbeiter Unterstützung benötigen, um solche Bürokonzepte erfolgreich für sich umzusetzen. Ein begleitendes Changemanagement und Coaching ist wesentlicher Bestandteil bei der Realisierung erfolgreicher und zukunftsfähiger Bürowelten – und das nicht nur bis zum Einzug, sondern auch und gerade darüber hinaus.

Inwieweit beeinflusst der Trend zu flexiblem, mobilen Arbeiten die Gestaltung des Arbeitsplatzes?

Erheblich! Waren bisher Anschlüsse möglichst verdeckt und fest verkabelt im Tisch oder Schrank versteckt, sollten sie heute frei zugänglich und leicht erreichbar sein. „Plug & Play“ ist unabdingbare Voraussetzung einer mobilen Arbeitsweise. Die Herausforderung dabei ist, solche Arbeitsplätze trotzdem so attraktiv und aufgeräumt wie möglich zu gestalten. Um unterschiedliche Arbeitsstile zu unterstützen, müssen unterschiedlichste Bedürfnisse von Mitarbeitern analysiert und verstanden werden. Den Arbeitsplatz mit definierten ergonomischen und technischen Anforderungen gibt es nicht mehr. Vielmehr muss heute sichergestellt werden, dass der Mitarbeiter in jedem Arbeitsplatzszenario seinen „Desktop“ darstellen, nutzen und idealerweise auch teilen kann. Die dafür notwendigen Werkzeuge wie Smart Phones, Tablets und Laptops unterschiedlicher Hersteller, gemeinsam genutzte Projektoren und Screens müssen für jeden intuitiv verständlich integriert werden. Auch ergonomisch stellen die neue Flexibilität und Mobilität eine Herausforderung dar. Der bei vielen so beliebte Sitzsack ist für Bandscheibenvorfall-Patienten nicht ideal und die Schriftgröße auf einem Meetingraum-Display wird von unterschiedlichen Altersklassen sehr unterschiedlich bewertet. Auch sozial ergeben sich einige Unterschiede zum traditionellen Büroalltag. Konnte man bisher seinen festen Arbeitsplatz individuell gestalten, so ist in einem flexiblen Arbeitsszenario Rücksichtnahme und Einfühlungsvermögen gegenüber Kollegen respektive Mitbenutzern gefragt. Der Bürogestalter muss sich daher fragen, wie er – zumindest ein Stück weit – Individualität und Persönlichkeit in seinen Konzepten schaffen kann und welche Gewichtung die Corporate Identity des Unternehmens in diesem Szenario hat.

Was unterscheidet den Arbeitsplatz der Zukunft von dem von heute?

Der Arbeitsplatz der Zukunft wird noch mehr zu unserem individuellen und persönlich-privatem Leben gehören. Die Daseinszustände werden sich noch mehr vermischen und die Kunst wird sein, sein Berufs- und Privatleben zu seinem persönlichen Lebensentwurf zu machen. On-Off-Szenarien und 9to5-Arbeitszeiten werden zumindest nicht der Regelfall sein. Das persönliche Engagement jedes Einzelnen zählt für den Unternehmenserfolg. Das spiegelt sich bei der Bürogestaltung wieder. Als sicher kann wohl gelten, dass der Arbeitsplatz der Zukunft ein Platz der Kreativität und des Austauschs von Wissen sein wird – wie immer das umgesetzt werden wird. Spaß machen sollte er in jedem Fall!

Welche Rahmenbedingungen müssen am Arbeitsplatz gegeben sein, um produktiv arbeiten zu können?

DaSt_249Zum einen sollten die physiologischen Rahmenbedingungen passen. Häufig wechselnde Körperhaltungen, sitzen, stehen und bewegen sind optimal und regen nicht nur den körperlichen sondern auch den geistigen Kreislauf an. Höhenverstellbare Tische, ergonomische Stühle und ein gesundes Snack-Angebot sind dafür gute Grundvoraussetzungen. Gerade in einer offenen Bürolandschaft sind darüber hinaus noch Faktoren wie Beleuchtung/Belichtung, Raumklima und insbesondere eine gute Akustik wesentlich für das Wohlbefinden der Mitarbeiter. Der wichtigste Faktor ist aber sicher der Mensch, der in einem motivierten Team, in einer maßgeschneiderten Arbeitsplatzumgebung Freude an der Arbeit hat.

Welchen Fehler sollte man bei der Büroeinrichtung unbedingt vermeiden?

Der größte Fehler ist heute wohl, die Einrichtung eines Büros auf die Büroeinrichtung zu reduzieren. Büroarbeit besteht heute oft nicht mehr nur aus dem Abarbeiten von Einzeltätigkeiten, sondern erfordern vernetztes Arbeiten und Denken. Abteilungen zerfallen in Projektteams und formieren sich neu wie ein Bienenschwarm. Agile Projektmethoden sichern dabei Schnelligkeit und Innovationskraft eines Teams/eines Unternehmens. Darauf muss eine nachhaltige und flexible Büroeinrichtung ausgerichtet sein.

Wie sieht ihr persönlicher Arbeitsplatz aus?

Auch wir haben uns in den letzten fünf Jahren an moderne Arbeitsweisen angenähert. Obwohl in Architekturbüros typischerweise mit viel Papier und großen Plänen gearbeitet wird, haben wir unsere Ablage mittlerweile vollständig digitalisiert. Ein Teil unseres Teams arbeitet im Home Office und wir treffen uns im Rahmen von Projekten beim Kunden oder auf der Baustelle. In unserem Büro arbeiten wir an langen Tischen für vier bis sechs Personen. Webbasierte Konferenztools ermöglichen uns eine einfache und kostengünstige Kommunikation im Team, aber auch mit unseren Kunden und Partnern. Cloud-Dienste sichern Datenzugriff von überall her. Das persönliche Gespräch und die wöchentlichen Teammeetings sind für uns aber trotzdem wichtig und unersetzlich!


FutureMe-Profil: Innenarchitekt auf XING

XING Mitglieder, die als Innenarchitekt arbeiten, sind zwischen 38 und 43 Jahre alt und haben überwiegend Innenarchitektur, Architektur oder Interior architecture studiert. Sie arbeiten häufig in der Architecture & Planning Industrie und leben in München mit einem geschätzten Jahresgehalt von etwa 43000 EUR.

Typische Qualifikationen: Innenarchitektur, Möbeldesign, Einrichtungsberatung, Innenausbau, Raumgestaltung

Ausbildungsgänge: Innenarchitektur & Architektur

Berufe vor der Innenarchitekten-Karriere: Trainee, Mitarbeiter, Bauzeichner, Designer, Projektleiter

Berufe nach der Innenarchitekten-Karriere: Geschäftsführer, Projektassistent, Architekt, Dozent

Gehaltsspanne: 34.000 – 52.000 EURO

*Die hier angegebenen Daten basieren lediglich auf den Daten der Mitglieder von XING

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