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Führungsjob-Qualitäten: Schaff' ich Chef (zu sein)?

Haben Sie sich als berufliches Ziel für 2015 vorgenommen, einen, vielleicht ja ihren ersten, Führungsjob zu ergattern? Dann sollten Sie sich – im Interesse aller Beteiligten – vorher fragen, ob das das Richtige für Sie ist.

Von Silja Schriever

Moderne Führung ist ein Mix aus sozialer Kompetenz, Fachwissen, Entscheidungsfähigkeit und der Kunst, das eigene Verhalten zu reflektieren. Gute Führung vereinfacht das Tagesgeschäft in Unternehmen und macht den Mitarbeitern das (Erwerbs-)leben leichter. Ein guter Chef vermittelt eine Vision und inspiriert seine Mitarbeiter. Kann das jeder?

Wer sich beruflich verändern und eine Führungsposition annehmen möchte, sollte zuvor analysieren, ob ihm oder ihr das Chefsein tatsächlich liegt. Denn eine Führungskraft sollte Vorbild sein – und das, was sie von anderen fordert, auch selbst umsetzen können. Egal, ob es um Arbeitseinsatz, Charakterstärke oder Selbstreflexion geht.

An guter Hilfe dabei mangelt es wahrlich nicht. Der Infomarkt für (angehende) Führungskräfte ist überfüllt mit Ratgeberbüchern, Selbstoptimierungskursen und psychologischen Nachhilfeseminaren. Da kann man/frau vor lauter nützlichen und unnützen Tipps und Tricks schon mal den  Überblick verlieren. Seriöse Berater konzentrieren sich auf wenige, aber dafür essenzielle Punkte. Hier sind die sechs unabdingbaren Qualitäten einer guten Führungskraft:

  1. Sie sollte kompetent sein und sich gut in dem eigenen Arbeitsbereich auskennen. (Anmerkung: Das klingt wie eine Binsenweisheit, wird aber durch alltägliche Negativerfahrungen in deutschen Firmen leider häufiger bestätigt.)
  2. Sie sollte gut mit Menschen umgehen können. In vielen Unternehmen arbeiten Menschen mit unterschiedlichen sozialen und kulturellen Hintergründen zusammen. Die Kunst einer Führungskraft muss sein, das Team für ein gemeinsames Ziel zu motivieren und die Mitarbeiter zugleich spürbar wertzuschätzen. Empathie ist entscheidend. Probleme und Unzufriedenheit müssen rechtzeitig erkannt werden.
  3. Führungskräfte müssen strategisch denken und das Unternehmen in die Zukunft führen. Ein gutes Gespür für Entwicklungen ist Voraussetzung.
  4. Entscheidungsfreude ist ein wichtiger Faktor. Eine Führungskraft muss schnell und eindeutig entscheiden – und mit dem Risiko einer Fehleinschätzung leben.
  5. Kritik ist eine nicht zu unterschätzende Informationsquelle. Führungskräfte sollten in der Lage sein, konstruktive Kritik zu akzeptieren, sie ernst zu nehmen und daraus zu lernen.
  6. Eine humorvolle Führungskraft kann Mitarbeiter besser motivieren als ein regelbessener Moralist und wirkt viel entspannender. Humor vermittelt Menschlichkeit und Wärme – und das sollte eine Führungskraft, die für ein gutes Betriebsklima sorgen will, beherrschen. Fröhliche Menschen werden als kompetent und sympathisch wahrgenommen.

Natürlich ist es utopisch zu glauben, dass ein Mensch, vor allem am Anfang seiner Führungskarriere, all dies in Perfektion beherrscht. Aber eine gute Führungskraft sollte sich auch schon am Beginn der Laufbahn darüber klar sein, in den oben genannten Feldern ständig dazulernen zu wollen. Wenn Sie aber Lust und Spaß auch an der eigenen Weiterentwicklung haben, sind Sie schon mal auf einem sehr guten Weg.

Übrigens: Was erwarten denn eigentlich Mitarbeiter von einem guten Vorgesetzten? Eine Studie der Beratungsgesellschaft DDI ergab vor ein paar Jahren die folgenden Antworten:

  • Die Führungskraft nimmt mich angemessen als Menschen wahr.
  • Sie unterstützt mich, ohne mir alles aus der Hand zu nehmen.
  • Sie beteiligt mich an Entscheidungen.
  • Sie hört mir zu.
  • Sie nimmt sich Zeit, um mir den Hintergrund von Entscheidungen zu erklären.
  • Sie ist bemüht, mein Selbstwertgefühl zu stärken.

Na, schaffen Sie das? Dann schaffen Sie auch Chef!

 

12 Kommentare

djredstorm

14.01.2015

Sollte, sollte, sollte… In der Kategorie gibt es ja einige ;)

Ulrich Schönenberg

15.01.2015

Alles wünschenwerte Eigenschaften, die hier aufgezählt werden. Eins vermisse ich jedoch hier und in nahezu allen Führungsratgebern: Eine Führungskraft muss Biss haben, d.h. sie darf keine Angst vor Konflikten haben, muss Auseinandersetzungen mit fairen Mitteln angehen und durchstehen, muss Fehlleistungen oder Fehlverhalten aktiv ansprechen. Leider gibt es zu viele Führungskräfte, die mit einem übersteigerten Harmoniebedürfnis auch bei kritischen Dingen zu gerne wegsehen oder sogar noch rechtfertigen.

Malte

15.01.2015

Den ersten Punkt würde ich so nicht stehen lassen. Wenn eine Führungskraft es schafft, auf die Spezialisten im Team/Unternehmen zu hören und deren Kompetenz anerkennt, dann ist eine eigene Kompetenz deutlich weniger wichtig. Bei allen anderen Punkten stimme ich uneingeschränkt zu.

Gerhard Grimm - Karrierecoach

15.01.2015

den XING-Beitrag unterstütze ich und möchte beim Beitrag von Herrn Schönenberg zum Wort „fair“ ergänzen:Noch viel zu oft werden bei diesen „Auseinandersetzungen“ bzw. beim „Ringen“ um die optmale Lösung“ „Rabattmarken“ geklebt, die bei nächster Gelegenheit ausgezahlt werden. Wenn Führungskräfte davon frei sind und das vorleben, zeigen sie echte Führungs- und Persönlichkeitsstärke; die meisten ihrer Mitarbeiter werden dann gerne für sie und die Ziele arbeiten.

Benjamin Winzer

15.01.2015

Der Artikel fasst einige der Punkte zusammen, die zum ‚Chef sein‘ gehören. Es fehlen mir allerdings noch die ganz entscheidenden Punkte.
Zum einen ist das die von Ulrich Schönenberg bereits genannte Konfliktfähigkeit.
Zum anderen muss eine Führungskraft politisch agieren können um die für das Team notwendigen Rahmenbedingungen schaffen und halten zu können. Besonders in größeren Unternehmen und ganz besonders in Headquartern ist dies eine absolute Notwendigkeit.
Und als dritte Eigenschaft fehlte mir die Fähigkeit zum netzwerken. Die richtigen Informationen zum richtigen Zeitpunkt zu erhalten kann für die Entwicklung des gesamten Teams extrem wichtig sein. Andersherum bringt es sowohl für die Führungskraft als auch für das gesamte Team enorme Vorteile wenn die Themen des Teams im Netzwerk des Chefs richtig positioniert werden.

Ingo

15.01.2015

Ich stimme dem voll und ganz zu. Eine gute Führungskraft sollte außerdem noch sehr gut im Unternehmen vernetzt sein um sicherzustellen, dass sie und ihr Team an den richtigen Dingen mit der abgestimmten Priorität arbeitet.

Patrick Mukherjee

15.01.2015

Der erste Punkt ist in meinen Augen einer der wichtigsten und wird gerade hier in Deutschland oft nicht bedacht!
Der Erfolg von Firmen, die das so leben, wie Google, Apple oder Facebook gibt dem recht.

Ein Experte hat selten den Überblick und kann das Zusammenspiel mit anderen Projekten schwer einschätzten. Er kann auch nicht ständig dabei sein und den Projektmanager beraten.
Er braucht schon eigene Kompetenz, um Zusammenhänge zu erkennen, Risiken einzuschätzen und Deadlines richtig zu kalkulieren. Gerade bei unerwarteten braucht man Fachwissen, um Konsequenzen richtig einschätzen zu können.

Ein Manager mit bereitem Fachwissen kann wirklich führen, erinnert ohne dokumentiert nur im besten Fall und macht unhaltbare Zusagen im schlimmsten Fall!

Ralf Metz

16.01.2015

Ich würde beim Thema Führung doch noch stärker differenzieren, was konkret gefordert ist.
Denn letztlich ist es doch eine Frage der Firmenkultur, wie geführt wird oder werden sollte.
Insbesondere mit Blick auf ‚New Work‘, Dynamic Governance etc hängt es doch ganz klar auch davon ab, wieviel Verantwortung die Mitarbeiter erhalten, was hat der Chef am Ende für Kompetenzen.

Beispiele:
– In einem Team von Spezialisten, das sehr eigenverantwortlich arbeitet und in eigene Projekte eingebunden ist etc. brauche ich vermutlich weniger Zielvorgaben als bei einem, welches das selbe Produkt verkauft.

– Harmonie vs. Konflikt
In einem Team, in dem bereits ständige Konflikte herrschen, mag eine Führungskraft mit Harmonie die Ruhe einbringen, die ansonsten fehlt.

So könnte man die Liste denke ich sehr viel länger fortführen.

Tatsächlich würde ich aber einen noch nicht (explizit) genannten Punkt in den Vordergrund stellen.
Selbst- und Menschenkenntnis als Fundament von allem.

D.h. wer bin ich überhaupt, was kann ich, wie funktioniere ich etc.
Und dann zu wissen, wie die Team-Mitglieder funktionieren, wo die Stärken & Talente liegen.
Ich denke dass dies in JEDER Situation als Führungskraft notwendig ist.

Dr. Timo Müller

16.01.2015

Führungskräfte versäumen es nicht selten, professionelle Konfliktmanagement-Kompetenzen zu erwerben. Die Folge: zwischenmenschliche und finanzielle Kosten.

Die Konflikte, denen Führungskräfte (auch erfahrene) mit Alltagskenntnissen begegnen, überfordern und stressen. Teilweise geben sie den Stress auch an die Mitarbeiter zurück. Unzufriedenheit auf beiden Seiten.
Warum wird das Kompetenz-Feld Konfliktmanagement „übersehen“?
Die Erklärung dafür finden Sie im IKuF-Artikel „Die 4 Irrtümer des Konfliktmanagements“.
So werden u.a. die wirtschaftlichen Folgen übersehen.

Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Timo Müller

Ingo

21.01.2015

Eine gute Führungskraft macht sich erst bemerkbar in „Krisensituationen“ dann aber muss er präsent sein und handeln können.

Uli Sixt

30.01.2015

Neben dem angesprochenen Konfliktmanagement erwarte ich von meinen Vorgesetzten auch Rückgrat und eine klare Haltung.
Nichts ist schlimmer, als wenn der Chef das Fähnchen im Wind ist und vereinbarte Entscheidungen an anderer Stelle wieder kippt.
Viel zu oft treten die „Corporate Soldiers“ mit zwei Gesichtern auf und stellen sich nicht als echte Führungspersönlichkeit vor ihr Team und vertreten ihre (gemeinsame) Meinung.

freundliche Grüße
Uli Sixt

Daniela

14.12.2015

Also, wenn ich so einen Chef in der Hotellerie gefunden hätte, wär ich geblieben. Doch diese Chefs sind so
-flippen aus
-zerreden alles
-fordern ständig Überstunden
-bevorzugen Kolegen
-erklären nichts
Warum ????????
Damit ist das Unternehmen dem Untergang geweiht.