Innovation

Wie entsteht Innovation? Die fünf Phasen des Innovationsprozesses

Was ist Innovation? Sehr kurz gesagt ist eine Innovation eine neue Marktleistung. Also etwas Neues, das es bisher in dieser Form noch nicht gab und das nun für möglichst viele Menschen nützlich ist. Obwohl das vielleicht einfach und logisch klingt, führt es doch zu einer großen Herausforderung. Es führt nämlich zu einem Prozess im Spannungsfeld gegensätzlicher Pole. Neues kann nur entstehen, wenn es auf Erkenntnissen aus der Vergangenheit aufbaut, und es entsteht, um in der Zukunft nützlich zu sein. Realisiert wird die Innovation vom Anbieter und nützlich ist sie für den Anwender. Wer innovieren will, muss sich also sowohl mit seinen Möglichkeiten als Anbieter als auch mit den Bedürfnissen des Anwenders beschäftigen.

Das Herausfordernde beim Innovieren ist, dass sich die innovative Lösung erst nach und nach aus einem Spannungsfeld zwischen Vergangenheit und Zukunft und zwischen Anbieter und Anwender herauskristallisiert. Dies ist ein Prozess, der nicht vollständig gesteuert oder vorausgeplant werden kann. Ein erfolgreiches Management zur Förderung von Innovationen bedeutet daher in erster Linie, die richtigen Rahmenbedingungen für einen Lernprozess zu schaffen, und alles zu unterlassen, das dieses Lernen zerstört.

Gute Innovationsprozesse stehen auf dem Fundament einer guten Innovationskultur

Gemeint ist eine Kultur, durch die alle Mitarbeiter mit ihren Ideen zum Entstehen von Innovationen beitragen. Dies kann gelingen durch eine lebendige Führungskultur, die einkalkuliert, dass die Dinge anders sein können als vermutet, und in der Erlebnisse, welche das bestätigen, nicht als Ärgernisse eingestuft werden, sondern als wertvolle Lerngelegenheiten. In dieser Kultur werden Mittel und Wege gefunden, um konstruktiv mit Ungewissheit umzugehen. Dazu braucht es Mut, Optimismus, geistigen Freiraum und die Bereitschaft, jeden Tag dazu zu lernen. Oft bleibt dabei nichts anders übrig, als das unternehmerische Risiko einzugehen, sich auf den Weg zu machen und auf Basis der verfügbaren Mittel und Erkenntnisse Entscheidungen für den nächsten Schritt zu treffen.

In einer perfekten Innovationskultur befinden sich die Mitarbeiter in einem regen Austausch: Alle bauen auf den Ideen der anderen auf, bringen sich mit ihren besonderen Talenten ein und lassen mit Begeisterung Produkte entstehen, nach denen sich die Kunden sehnen. Die Mitarbeiter sind auf ihr Schaffen stolz und freuen sich über neue Herausforderungen. Da es ihnen gelingt, eigene Ideen zu verwirklichen, haben sie ein erfülltes Arbeitsleben, das ihnen Freude bereitet.

Die fünf Phasen des Innovationsprozesses

Der Innovationsprozess selbst kann in fünf Phasen gegliedert werden. Diese sind niemals scharf voneinander getrennt, sondern gehen fließend ineinander über, doch im Groben bildet sich in den jeweiligen Phasen ein Ergebnis heraus, das als Grundlage für die jeweils nächste Phase dient. Diese Ergebnisse entstehen emergent im Spannungsfeld zwischen den Kundenbedürfnissen und den eigenen Möglichkeiten. Auch beim Wachstum von Kristallen oder Lebewesen handelt es sich um emergente Prozesse. Um das Wesen des Innovationsprozesses besser zu begreifen, hilft das Bild des Wachsenlassens.

1. Phase: Vorstellungen

In der ersten Phase sind es die Vorstellungen, die wachsen. Sie wachsen, indem man sie (mit)teilt, also darüber kommuniziert. Die Kommunikation von Vorstellungen, Ideen, Gedanken und Intuitionen führt dazu, dass sie sich selbst weiterentwickeln. Seien Sie neugierig, welche neuen Gedanken Sie durch die Kommunikation Ihrer Ideen auslösen können. Um neue Produktideen wachsen zu lassen, müssen sowohl Vorstellungen über die Möglichkeiten der eigenen Organisation als auch Vorstellungen über die Bedürfnisse der Kunden ausgetauscht und ebenso die Kommunikation über die Vergangenheit und über die Zukunft geführt werden. Die Diskrepanz zwischen Bedürfnissen und Möglichkeiten ist in dieser Phase noch recht groß und der Prozess ist noch relativ ungerichtet. Mit der Zeit wird sich weisen, welche Vorstellungen gut genug sind, weiter verfolgt zu werden.

2. Phase: Vorhaben

Beim Innovieren gibt es ein fortwährendes Dilemma, das in dieser Phase besonders deutlich wird. Um das gemeinsame Vorhaben zu starten, wird eine gemeinsame Orientierung benötigt, doch weder der Weg noch das Ziel können beim Innovieren eindeutig definiert werden. Um sich auf den Weg zu machen, wird auch Zuversicht benötigt. Doch wie kann sie ohne einen verbindlichen Plan entstehen? Das Vorhaben wachsen zu lassen, bedeutet, gemeinsam Orientierung und Zuversicht entstehen zu lassen. Fragen Sie nach der Orientierung mit der Frage: „Was soll durch das Vorhaben ermöglicht werden?“ Fragen Sie nach der Zuversicht durch die Hinterfragung von drei Themengebieten:
„Haben wir das notwendige Vertrauen, dass wir das ermöglichen können?“ „Sind wir in der geeigneten Weise vernetzt?“ „Haben wir die geeigneten Ressourcen?“ Vorhaben wachsen durch ein vielfältiges Klären dieser Fragen und Abstimmen der Antworten.

3. Phase: Lösungen

Damit Lösungen gedeihen, eignet sich eine zirkuläre, iterative Arbeitsweise sowohl auf der Seite der Bedürfnisse als auch auf der Seite der Möglichkeiten.
Die beiden Schleifen in der Prozessdarstellung deuten an, dass hierbei das zirkuläre, iterative Arbeiten mit Kundenbedürfnissen und eigenen Möglichkeiten von besonderer Bedeutung ist. Dahinter verbirgt sich ein mentales Modell, das als Leitfaden dient, um die beteiligten Köpfe mit den richtigen Themen zu beschäftigen, schrittweise hilfreiche Erkenntnisse zu erarbeiten und interessante Lösungen herausrieseln zu lassen.

4. Phase: Angebote

In der vierten Phase kristallisiert sich das konkrete Angebot an die Kunden heraus. Die Erarbeitung des Angebotes mit Leistungsversprechen, Lieferzeiten, Kosten usw. geschieht erst, nachdem die Lösung vorhanden ist. Wer diese Reihenfolge umdreht und bereits mit dem Vorhaben das Angebot festlegt, verbaut sich die Freiheit, neue Erkenntnisse für die Optimierung des Angebotes zu verwenden. Auch wenn es bereits zu Beginn des Projektes eine Idee davon geben kann, wie all das sein soll, lässt es sich erst definitiv klären, nachdem die Lösung existiert. Das konkrete Angebot kristallisiert sich in dieser Phase nach und nach heraus, doch die Ungewissheit und der Bedarf an Iterationen haben bereits deutlich abgenommen. Klassisches lineares Projektmanagement eignet sich hier relativ gut.

5. Phase: Verbundenheit

In der fünften Phase entsteht das, worum es eigentlich geht, nämlich die Kundenbeziehung. Das ganze Streben im Innovationsprozess zielt schließlich darauf ab, dass durch das Angebot die Verbindung des Unternehmens zu seinen Kunden (und weiteren Stakeholdern) verbessert oder aufrechterhalten wird. Inwiefern es gelingt, die Verbundenheit zu verbessern, zeigt sich erst, wenn das Angebot existiert. Dann kristallisiert sich heraus, wie die Kunden das Angebot annehmen und was durch das Angebot noch alles ausgelöst wird. Nehmen die Kunden deswegen auch noch andere Angebote des Unternehmens wahr? Werden neue Kunden auf das Unternehmen aufmerksam? Gewinnt das Unternehmen auch an Reputation am Arbeitsmarkt? Erst dadurch, dass das Angebot existiert und die Kunden darauf reagieren können, wird erkennbar, in welche Richtung das Angebot gegebenenfalls noch verändert werden sollte. Doch falls die vier Phasen zuvor richtig gemacht wurden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das neue Angebot erfolgreich ist.

Fazit:

Gute Rahmenbedingungen für Innovation erfordern also gute Innovationsprozesse auf der Grundlage einer guten Innovationskultur. Entscheidend dafür ist, wie im Unternehmen über Innovation gesprochen wird. Welche Kommunikation entsteht, wenn jemand von einer neuen Idee oder einer neuen Erkenntnis berichtet? Welche Entscheidungen werden dadurch angestoßen? Seien Sie wachsam dafür! Sie basiert auf der Haltung, welche die Menschen bezüglich Innovation in sich tragen und die Haltung wird wiederum aufgrund der Kommunikation geformt.


Literatur
Buck, B. und Buck, U.: INNERINNOVATION – Innovationen aus eigenem Anbau. literatur-vsm, 2014


Über den Autor:

Bernd Buck_300-200

Bernd Buck ist diplomierter Physiker, hat in Konstanz Physik studiert und war anschließend als Entwickler, Entwicklungsleiter und Technischer Geschäftsführer bei ifm electronic gmbh tätig. Er ist als systemischer Organisationsberater mit Schwerpunkt Innovationsprozesse und Innovationskultur im Rahmen der Beratungsfirma TeamThink tätig. Autor des Buches „INNERINNOVATION – Innovationen aus eigenem Anbau“.

1 Kommentare

Verena Czerny

02.12.2014

Ein großes Hindernis in Innovationsprozessen stellt die Angst vorm Scheitern dar. Vielleicht finden Sie dieses einfache Schema von Coca-Cola spannend, mit dem Sie Ihre monetären und zeitlichen Risiken kontrollierbar machen.
http://www.clever-change.de/innovationszyklen/