Innovation

FutureMe-Traumberufe: Wie wird man eigentlich Innovationsmanager?

Innovation ist der Schlüssel zum Unternehmenserfolg. Doch wie entsteht eigentlich Innovation? Wie die Beiträge im Rahmen unseres XING spielraum-Monatsthemas „Innovation“  anschaulich belegen, entsteht Innovation in der Regel durch die kreativen Ideen, Einfälle und Geistesblitze der Mitarbeiter. Und es gibt sogar Berufe, die sich ausschließlich um die Förderung dieser Ideen kümmern: Sogenannte Innovationsmanager, Innovationsberater oder Ideenmanager. Björn Schmalfuß ist einer von ihnen. Er arbeitet bei Fraunhofer Venture in der Projektgruppe „Fraunhofer fördert Intrapreneurship“ – mit dem Ziel, eine nachhaltige Unternehmerkultur innerhalb der Fraunhofer-Gesellschaft zu fördern. Mit XING spielraum spricht er über seinen Werdegang und seinen Berufsalltag und gibt Einblicke in ein interessantes Berufsbild.

Herr Schmalfuß, Sie  arbeiten im Bereich „Innovation und Intrapreneurship“ bei Fraunhofer Venture, dem Gründungsarm der Fraunhofer-Gesellschaft. Wie darf man sich Ihren Beruf vorstellen?

Ich bin Teil eines sechsköpfigen Teams, welches das Ziel verfolgt „Intrapreneurship“ – also unternehmerisches Denken und Handeln innerhalb des Unternehmens, bei Fraunhofer zu fördern und erlebbar zu machen. Wir haben hierzu verschiedene Werkzeuge, Methoden, Workshops und Prozesse entwickelt, die die Fraunhofer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei unterstützen sollen, ihre Ideen nicht nur in technischer, sondern auch in marktseitiger Richtung weiter zu entwickeln. Um also Produkte zu entwickeln, die sich an realen Kundenbedürfnissen orientieren, und um diese mittels Start-up-Methoden schnell und iterativ zur Marktreife zu bringen. Daher würde ich unsere Rolle eher als Förderer von innovativem und unternehmerischem Handeln sehen. Dennoch könnte man unsere Projektgruppe, aufgrund der neuartigen Herangehensweise auch als Erfinder-Team– oder auch als Start-up im Unternehmen Fraunhofer bezeichnen.

Was verstehen Sie unter dem Begriff  Innovation?

Innovation ist für mich ein Prozess, durch den aus einer anfänglichen Idee, iterativ durch viele Höhen und Tiefen, etwas entsteht, das neuartig ist. Dies umfasst technologische Neuartigkeit ebenso wie neue Geschäftsmodelle, neue Prozesse und neue Geschäftsfelder. Zudem sollte Innovation auch immer den Nutzer und den Nutzen berücksichtigen. Forschung allein ist daher nicht unbedingt gleich zu setzten mit Innovation – es ist aber häufig die notwendige Grundlage.

Wie kommt man dazu, sich beruflich mit dem Thema Innovation auseinanderzusetzen?

Mich haben schon immer alle neuartigen Technologien und Produkte fasziniert. Im Rahmen meines Industrie-Design-Studiums lernte ich, wie man Konzepte systematisch generiert und seine eigenen Ideen anderen kommuniziert. Ich merkte jedoch, dass der Designprozess häufig zu spät ansetzt, daher wollte ich weiter nach vorne im Entstehungsprozess – so kam ich zum Thema Innovation. Das Thema Intrapreneurship bietet hierzu passend spannende Werkzeuge, mit denen Ideen umgesetzt und verwertet werden können.

Sind es immer die Querdenker und Freigeister, die Innovation vorantreiben?IMG_7043

Es sind meist Freigeister – wobei ich diesen Begriff schöner finde als Querdenker – die die richtigen Fragen stellen und somit den Blick über den Alltag hinaus weiten und damit die Grundlage für innovative Ansätze liefern. Dennoch müssen Ideen und Konzepte auch am Widerstand von „Bedenkenträgern“ reifen und durch Menschen, die zielstrebig sind, umgesetzt werden. Gleichzeitig braucht es Entscheider, die Freigeistern auch den notwendigen Freiraum geben, ihre Ideen zu entwickeln, die ihnen im richtigen Moment den Rücken stärken und die schlussendlich auch konkrete Ergebnisse einfordern, um Innovation wirklich voranzutreiben. Kurzum: Freigeister sind häufig die Funken, die Innovation entfachen können. Dafür brauchen sie aber auch das richtige Klima – und ab und an jemanden, der ihnen im richtigen Moment Unterstützung bietet.

Vor welcher Herausforderung  stehen die meisten Menschen, die Sie beraten? Was ist die größte Innovationsbarriere?  

Wie auch beim Thema Entrepreneurship gibt es, speziell in Deutschland, im Bereich Innovation ein Thema, das sowohl Segen als auch Fluch darstellt – der Umgang mit Risiko und etwaigen Fehlschlägen. Wie bereits beschrieben braucht Innovation ein Klima, in dem Fehlschläge toleriert – wenn nicht sogar honoriert  –werden. Innovatoren müssen neue Ansätze ausprobieren und neue Wege beschreiten dürfen, ohne Angst haben zu müssen, bei einem Fehlschlag bestraft zu werden. Dieses risikoscheue Verhalten stellt andererseits aber auch die Grundlage für fundierte und nachhaltige Entwicklungen dar. So wird nicht jede Idee, nur weil sie gut verkauft wird, in Deutschland gleich weiter verfolgt. Es erfolgt häufig schon zu einem sehr frühen Stadium eine sehr starke Selektion der Ideen. Wer durch diese Feuertaufe durchkommt, hat auch das Potenzial, eine wahre Innovation zu generieren.

Not macht erfinderisch. Würden Sie das unterschreiben?

Absolut. Häufig entstehen die besten Ideen und Konzepte, wenn kaum Ressourcen oder sogar eine externe Bedrohung vorhanden sind. Druck von außen kann Personen über verschiedene Disziplinen hinweg zusammenschweißen und somit neue Verknüpfungen ermöglichen, die neue Ideen zur Folge haben.


FutureMe-Profil: Innovationsmanager auf XING

XING Mitglieder die als Innovationsmanager arbeiten sind zwischen 37 und 42 Jahre alt und haben überwiegend Maschinenbau, Wirtschaftsingenieurwesen oder Elektrotechnik studiert. Sie arbeiten häufig in der Automotive Industrie und leben in München mit einem geschätzten Jahresgehalt von etwa 79.500 EUR.

Typische Qualifikationen: Innovations- & Ideenmanagement, Technologie-Scouting, Design Thinking, Business Development, Patente, Produktentwicklung

Ausbildungsgänge: Maschinenbau, Wirtschaftsingenieurwesen, Wirtschaftswissenschaften

Berufe vor der Führungskarriere: Trainee, Wissenschaftlicher Assistent, Software Tester, Berater

Berufe nach der Führungskarriere: Geschäftsführer, Finanzleiter, Leiter Innovations- und Technologie-Management

Gehaltsspanne: 47.000 – 112.000 EURO

*Die hier angegebenen Daten basieren lediglich auf den Daten der Mitglieder von XING

1 Kommentare

Dirk Beyer

13.10.2015

Im Rahmen meines Ingenieurstudiums schrieb ich meine Abschlussarbeit über Innovationshemmnisse in Schweizer Unternehmen. Mit empirischer Datenerhebung konnte ich dem Innovationsweltmeister einige Geheimnisse entlocken. Auch in der Schweiz gibt es Barrieren und Widerstände aus teilweise unterschiedlichen Richtungen gegen Innovation. Und auch Innovationsmanager sind dort rar.

Aber ich bin trotzdem erstaunt, wie die Schweizer Unternehmen die unterschiedlichsten Nischen besetzen und auf Ihre Art und Weise Innovationen beherrscht bzw. vorantreibt. Man denke nur an Swatch, Nestlé oder Unternehmen aus der Präzisionsinstrumentenindustrie.