Arbeitsplatz der Zukunft

Ein Plädoyer für mehr Freiraum – Das Innovationszentrum NRW

Von Holger Bramsiepe

Seit etwa 25 Jahren widme ich mich als Berater und Designer dem Thema Arbeitsplatz sowie den Fragen rund um die Gestaltung und Organisation von Arbeitsmitteln und -prozessen. Etwa genauso lange begleiten mich Vorhersagen zum „Arbeitsplatz der Zukunft“: das „papierlose Büro“ etwa oder der „total mobile Arbeitsplatz“. So wenig wie diese Visionen vollständig eingetreten sind, so wenig wird es auch den einen Arbeitsplatz der Zukunft geben. Aus meiner Sicht sind vielmehr „Arbeitsplätze für die Zukunft“ gefragt: Räume und Mittel, Organisationsmodelle, Methoden und Prozesse, mit denen wir die Zukunft gestalten können – und damit auch die Zukunft der Arbeit.

Doch wie sieht diese aus? In der future_bizz-Studie „Arbeitswelt 2030“ haben wir als Autorenteam (Dr. Friedhelm Böttcher, Ole Kleffmann, Holger Bramsiepe) dokumentiert, welche Veränderungsprozesse auf die Arbeitswelt einwirken und damit schlussendlich auch Auswirkungen auf den Arbeitsplatz haben, den wir schon heute gestalten müssen. Im Kern sind dies:

  • Maschinen und Interfaces gestalten das Umfeld und die Arbeit der Menschen
    Die funktionale und zukünftig stärker werdende physische Verschmelzung des Menschen mit Technologie schafft neue Chancen und Risiken.
  • Konvergenz erhöht Komplexität
    Wohnen, Arbeiten, Mobilität, Leben, Kompetenzen der Menschen überlagern sich zu komplexen Systemen mit hoher Volatilität und Fragilität.
  • Industrie 4.0: Automatisierung, Flexibilisierung, Individualisierung
    Standardprozesse werden radikal automatisiert, der Bedarf an echten „Insights“ und gestalterischer Kompetenz für die Individualisierung auf allen Ebenen steigt.
  • Ende des Taylorismus
    Erfüllendes Arbeiten ist eigenverantwortliches Agieren, kreatives Planen und Konzipieren nicht nur im individuellen, sondern insbesondere im organisationalen Zusammenhang.
  • Kreative Wissensarbeit wird bestimmender Erfolgsfaktor
    Kreativität und Gestaltung als „Produktion von neuen, erkennbaren Unterschieden“ wird dominant – und das nicht nur als Domäne der „kreativen Klasse“.
  • Neue Unternehmensgrenzen und Wertschöpfungsnetzwerke als Erfolgsfaktor
    Die Fähigkeit, sich flexibel, schnell und stetig an veränderte Situationen durch Kooperation und offene Innovationsprozesse anzupassen, ist Voraussetzung von nachhaltigem Erfolg in jeder Unternehmensgröße.

Das sind die Treiber für die Veränderungen der Arbeitswelt – für uns Menschen, unsere Werte und Ansichten sowie unser Verhältnis zur Arbeit genauso wie für Unternehmen z.B. in Hinblick auf Human Ressouces. Angesichts dieser Veränderungen lauten die zentralen Fragen im Bezug auf den Arbeitsplatz:

Wie können Räume in Prozesse der kontinuierlichen Veränderung einbezogen werden? Wie können diese Veränderungsprozesse gemanaged werden? Welche Arbeitsmittel, -formen und -methoden müssen gelernt, genutzt und entwickelt werden?

Das „Innovationszentrum NRW“ mit Sitz in Wuppertal in der VillaMedia ist unser Versuch, dies „auf dem Weg“ gemeinsam mit Mietern, Kunden und Netzwerk-Partnern herauszufinden.  Mit dem Innovationszentrum NRW ist ein räumlich manifestierter „Hub“ für Innovation rund um die Veränderungen der Arbeitswelt geschaffen worden. Ein Ort, an dem Unternehmen und Netzwerke  experimentieren können, in Räumen, die die notwendige Veränderung zulassen und greifbar werden lassen – durch eine flexible Einrichtung, Ausstattung und Gesamtgestaltung.

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Der Workshop-Raum „SKETCH“ mit Riesen-Whiteboard (6 x 3 Meter)

Das ist gleichzeitig auch die Antwort auf die Frage, wie die oben genannten „Arbeitsplätze für die Zukunft“ aussehen können: Multifunktional, optional in der Struktur, schnell veränderbar und mit moderierten Prozessen kreativ bespielbar – das alles medial und technisch unterstützt, jedoch nicht darauf reduziert. Die Entfaltungsräume sind gestalterisch durchdacht und wertig sowie einladend und intuitiv nutzbar. Im Raum SKETCH beispielsweise werden echte „Big Pictures“ auf einem neun quadratmetergroßen Whiteboard erstellt, mediale Inhalte auf der interaktiven Tafel und Ergebnisse auf Pin- und Wandflächen erarbeitet. Kombiniert mit den aktiven Dreh-Tisch-Stühlen und einer aktiven Lichtsteuerung ist SKETCH sicher einer der aktivsten und kreativsten Räume im Innovationszentrum.

Das Erlernen neuer Methoden und Prozesse für die neue Arbeitswelt haben wir zusätzlich in einem Verein abgebildet, dem „Innovationszentrum NRW e.V“. Dieser kümmert sich als offene Plattform von Innovatoren sozusagen um die „Software“ der neuen Arbeitswelt in allen Facetten. Ab 2015 werden hier die Inhalte in Form eines Weiterbildungsprogramms angeboten.

Faktisch haben wir mit den mietbaren Räumen des Innovationszentrum NRW einfach nur ein Kundenbedürfnis nach „Freiraum für Innovation“ befriedigt. Für uns stellt es aber ein Plädoyer an die Unternehmen dar: Wir möchten ihnen als Vorbild dienen, so dass sie als Keimzellen der notwendigen Veränderungen die „Arbeitsplätze für die Zukunft“ bei sich im Unternehmen schaffen.


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Holger Bramsiepe, Mitbegründer des Innovationszentrums NRW

Über das Innovationszentrum NRW

„Neue Ideen brauchen inspirierenden Raum“ dachten sich Jörg Heynkes und Holger Bramsiepe als sie die ersten Gedanken für die Gründung und Einrichtung des Innovationszentrums NRW
skizzierten. Nicht nur weil sie selbst lieber in anregenden Umgebungen arbeiten wollen, sondern damit viele andere Firmen, Institutionen, Netzwerke und Moderatoren aus NRW
ihre Konferenzen, Seminare und Workshops besser und effizienter durchführen können. Denn der optimal inszenierte und ausgestattete Raum ist eine sichere Erfolgsbasis – wie beide aus vielen Jahren innovativer Arbeit, Eventmanagement, Design und Workshopmoderation wissen.


Über den Autor

Holger Bramsiepe ist seit über 20 Jahren erfolgreich als kreativer Designer und ausgezeichnet vernetzter Innovator tätig. Als Managing Partner der GENERATIONDESIGN GmbH entwickelt er nachhaltige Strategien für neue Geschäftsfelder seiner Kunden sowie reale und virtuelle Produkte entlang des Produktlebenszyklus. Bramsiepe berät Unternehmen in Veränderungsprozessen und lehrt an der Muthesius Kunsthochschule Kiel das Fach Designmanagement.

Darüber hinaus  engagiert sich Holger Bramsiepe bei den folgenden Initiativen und Unternehmen: www.innovationszentrum-nrw.de / www.future-bizz.de / www.innonet-bl.de / www.contarix.com / www.bow2go.de / www.generationdesign.de

 

1 Kommentare

Verena Czerny

05.01.2015

Glücklich darf sich schätzen, wer in diesen Räumen arbeiten darf! Mich würde interessieren, inwieweit Unternehmen Ihre Innovationsfähigkeit durch die Nutzung der Räume steigern können – auch nachdem Tagungs- und Workshopgäste wieder „nach Hause“ zurückgekehrt sind. Hier sind meine 8 Tipps, wie Führungskräfte zur Steigerung der Innovationsfähigkeit beitragen können – und müssen:
http://www.clever-change.de/innovationsmanagement/