Innovation

Innovative Team-Führung: „Meinetwegen auch auf Hawaii“

Chefredakteurin Anke Krohmer ist eine innovative Blattmacherin. Mit einem neuen Publishingsystem und Mitarbeitern in verschiedenen Städten kreiert sie Food-Magazine auf sehr moderne Art.

Von Silja Schriever

Wenn sich Anke Krohmer und ihre Mitarbeiter treffen, fallen sie sich häufiger um den Hals. Dieser Ausbruch von Freude liegt unter anderem daran, dass sie sich alle nicht allzu oft sehen. „Das ist wie in einer guten Beziehung“, sagt Anke Krohmer, Chefredakteurin des Gourmet-Magazins „Lust auf Genuss“ und zwei weiteren Food-Heften des Burda-Verlages. „Wenn man sich nicht einengt und Freiräume lässt, ist das Zusammensein umso besser“. Die Kollegen sind an unterschiedlichen Standorten aktiv und teilen sich die Zeit, mehr oder weniger, frei ein.

Der Arbeitsplatz in Genf, Hamburg oder München? Das geht alles. Ein Präsenz-Job ist nicht mehr unbedingt nötig. Anke Krohmers Mitarbeiter werden aktiv in die Heftproduktion mit einbezogen, egal an welchem Ort ihr Arbeitsplatz ist. „So kann ich mir Leute aussuchen, die perfekt auf meine Hefte passen. Ob sie auf Hawaii arbeiten oder in Hannover – keiner muss meinetwegen sein Lebensumfeld aufgeben.“

Chefredakteurin Anke Krohmer

Chefredakteurin Anke Krohmer

Seit einigen Monaten nutzt Krohmer für die Heftproduktion eine neue Software namens „Censhare“. Censhare bietet ein Media Asset Management-System, das externe Mitarbeiter, Grafiker und Fotografen unkompliziert einbinden kann. Mithilfe eines Content Editors können zum Beispiel Rezepte auf XML-Basis medienneutral erfasst werden – und alle Daten können auch für Internetseiten oder in Apps genutzt werden.

„So ist das ganze Team mittendrin, obwohl nicht alle am Redaktionshauptsitz in München vor Ort sind“, sagt Anke Krohmer. Die gesamte Blattplanung oder auch einzelne Arbeitsschritte wie die digitale Bildauswahl oder das Einstellen von Rezepten können von jedem Ort aus erledigt werden. Alle Mitarbeiter sind immer auf dem jeweils letzten Stand.

Doch wie führt man Mitarbeiter, die selten anwesend sind? „Die Zusammenarbeit in verschiedenen Städten zu führen, erfordert viel Struktur“, sagt Krohmer. Man muss den Überblick behalten und gut delegieren können. Außerdem macht ihr das Reisen und Kofferpacken nichts aus. Und das ist hilfreich bei einem Job mit mindestens drei Arbeitsplätzen: in Offenburg, Hauptsitz des Burda-Verlags, im Redaktionssitz München und in Stuttgart, wo Krohmer ihr Home-Office hat und ihre Familie lebt.

Eine typische Arbeitswoche gibt es nicht. Anke Krohmer ist verantwortlich für drei Periodika mit ganz unterschiedlichen Produktionstagen. Meist ist sie mehrmals in der Woche unterwegs und pendelt eben von Stuttgart über München nach Offenburg. Sie sieht das sehr entspannt. „Wenn ich im Stau stehe oder es gibt eine Vollsperrung in München, kann ich mir schon mal ein Heft auf dem Tablet angucken.“

Gerade für Menschen mit Kindern sei diese Flexibilität ideal, sagt Anke Krohmer. Dennoch, räumt sie ein, sei diese Art zu arbeiten zwar toll bei der Größe ihrer Redaktion mit 13 festen und freien Mitarbeitern. Für größere Redaktionen oder Magazine im Wochenrhythmus sei es jedoch nicht unbedingt ein Modell. Ihre Produktionen seien häufig Food-Titel, die teils bis zu einem Jahr im Voraus geplant werden.

Zwei- bis dreimal im Jahr trifft sich Anke Krohmers Team zu einer Art „Retreat“. „Wir ziehen uns aus dem operativen Geschäft heraus und planen intensiv das nächste halbe Jahr durch.“ Dann sind alle nicht nur via Bildschirm zusammen, sondern an einem realen Ort. Der ist dann möglichst besonders schön. Wenn vielleicht auch nicht auf Hawaii.

1 Kommentare

Bastian Wilkat

13.11.2014

Ein sehr spannender Artikel.

Speziell in der Medienbranche ist eine örtliche Entgrenzung der Arbeit doch sehr einfach zu bewerkstelligen – jedenfalls technisch.

Bezeichnend finde ich aber auch, dass es ganz ohne persönlichen Kontakt auch nicht funktioniert.

Das erlebe ich persönlich auch oft – ich arbeite viel in virtuellen Teams aber gerade zum Start eines Projekts finde ich ein klassisches „Kick-Off“ sehr wichtig. Das vereinfacht die virtuelle Arbeit ungemein.

VG
Bastian Wilkat