Neue Führung

#nwn14: Das war die NEW WORK NIGHT 2014

Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Medien treffen sich zum Thema „Arbeit & Führung im Wandel“ im ewerk Berlin

Nur wenige Gebäude in Berlin verkörpern die industriell-technische Revolution so sehr wie das „ewerk“. Denn es ist zugleich das „älteste erhaltene Bauwerk der kommerziellen Stromerzeugung in Deutschland“ und einer jener geheimnisvollen Orte, von denen Techno seinen friedlichen Siegeszug um die Welt antrat.

In diesem außergewöhnlichen Rahmen trafen sich am 5. November mehr als 250 Gäste aus Politik und Wirtschaft, Wissenschaft und Medien, um im Ambiente einer ehemaligen Industriehalle ein Thema zu diskutieren, das seinerseits einen radikalen Umbruch erlebt: NEW WORK – die radikalen Veränderungen der Arbeitswelt. Unter dem Themen-Dach „Arbeit und Führung im Wandel“ gaben sich hochkarätige Speaker auf der Bühne die Klinke in die Hand:

Thomas Vollmoeller, CEO des Veranstalters XING, begrüßte die Gäste mit einem „Eigentlich“: “Eigentlich müsste man / wäre ich gern / würde ich viel lieber“ – so klinge es oft, wenn Menschen über ihre Karriere sprechen und die„Diskrepanz zwischen ihrem Beruf und ihrer Berufung“ ausdrücken. Vollmoellers Vision: Er möchte mit XING das „Eigentlich“ aus dem Wortschatz der Berufstätigen streichen und das Leben in den Lebenslauf zurückholen.

Die Agenda der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) erläuterte anschließend Thomas Sattelberger, ehemaliger Personalvorstand der Deutschen Telekom und heute Themenbotschafter der INQA. „Führung: Sichtweisen auf das Heute“ lautete sein Vortrag. Sattelberger warnte: Die Effizienzlogik unserer Wirtschaft habe ausgedient, unser ehemaliges Erfolgsmodell könne zu einem echten Risiko werden. Die Rolle der Führung dabei? Führung sei das „Nadelöhr der Transformation“ zur neuen Arbeitswelt, so Sattelberger, „Führungskräfte dabei Täter und Opfer“.

Mit starken Worten ging es weiter: Prof. Dr. Peter Kruse, Vordenker und seit vielen Jahren eine anerkannte Größe in der Markt-, Trend- und Gesellschaftsforschung, präsentierte Kernergebnisse der nextpractice-Studien „Gute Führung“ und “ Neue Arbeit“. Als die größte Herausforderung von Führung skizziert Kruse die steigende Komplexität unserer Arbeitswelt. „Manager müssen sich auf ergebnisoffene Prozesse einstellen“, so Kruse, „iterativ testende Agilität“ sei das Führungskonzept der Stunde. Dabei zeigten sich die Führungskräfte durchaus selbstkritisch und bereit zur Veränderung: Mehr als 3/4 aller Führungskräfte hielten einen grundlegenden Wandel in der Führung für unumgänglich. Bei den Mitarbeitern sähe es ähnlich aus: 85% der von ihm befragten Mitarbeiter fordern einen Paradigmenwechsel, so Kruse. Seine Formel: Statt „3 Ps (Persönlichkeit, Planung und Profitmaximierung)“ zählten heute „3 Is (Information, Iteration, Integration)“. Die Arbeitsform entwickele sich in Richtung kollaborative Netzwerke. Doch Kruse warnt „Netzwerke können auch verdammt kalt sein.“ Sein Fazit lautete folgerichtig: Wir brauchen eine kollektive Neuorientierung, doch die alles entscheidende Frage sei: In welcher Gesellschaft wollen wir eigentlich leben?

Die Ergebnisse seiner Multiperspektiven-Analyse – basieren auf insgesamt 1.200 Tiefeninterviews sowohl mit Arbeitgebern als auch Arbeitnehmern. (Die komplette Video-Aufzeichnung von Prof. Dr. Kruses Vortrag stellt dankenswerter Weise Spreerunde Berlin zur Verfügung).

Im Anschluss diskutierten Prof. Dr. Kruse, Thomas Sattelberger und Alfred Löckle, Konzernbetriebsratsvorsitzender der Robert Bosch GmbH und Repräsentant der INQA aus dem Kreis der Gewerkschaften sowie Tina Egolf, Product Managerin Podio, die Kernergebnisse der Studie. Alfred Löckle berichtete von seinen Erfahrungen mit den oft schwierigen Innovations- und Transformationsprozessen im Unternehmen: Das meistverkaufte Elektrowerkzeug der Welt musste bei Bosch „fast in einer Palastrevolte“ durchgesetzt werden, so Löckle. Tina Egolf vertrat als junge Produktmanagerin die Sicht der Generation Y. Die von Kruse konstatierte Spaltung der Generation Y konnte sie nicht nachvollziehen. Und sie plädierte an die Unternehmensvertreter, die richtigen Fragen zuzulassen: „Wer sagt denn, dass 9 to 5 das beste System ist?“ „Wer sagt denn, dass ich für Arbeit bezahlt werden muss?“

Fragen über Fragen – der Wandel hin zur einer neuen Arbeitswelt steht noch ganz am Anfang und ist – mit Kruses Worten – „ergebnisoffen“. Darüber waren sich nicht nur die Diskutanten, sondern auch die zahlreichen Gäste des Abends einig.

XING spielraum hat Gäste bei der anschließenden Party zu ihren Gedanken und ihrem Arbeitsleben befragt. Hier einige Antworten in Form von sechssekündigen Vine-Videos.

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