Neue Führung

FutureMe-Traumberufe: Wie wird man eigentlich Chef?

Chef sein – davon träumen viele. Doch wie wird man eigentlich Führungskraft? Welche Qualifikationen sollte man mitbringen und wie sieht ein typischer Werdegang aus? Passend zu unserem Monatsthema „Neue Führung“ haben wir die wichtigsten Key Facts zusammengestellt (s.u. FutureMe-Faktenbox). Was es heutzutage bedeutet, Führung zu übernehmen und wie man diesen Weg erfolgreich beschreitet, erzählt uns Mark Poppenborg, 32, Geschäftsführer und Gründer von intrinsify.me. Die intrinsify.me GmbH setzt sich für eine neue Unternehmensführung und eine bessere Arbeitswelt ein: Das Netzwerk berät Menschen wie Organisationen, richtet Veranstaltungen aus, bildet weiter und vermittelt Jobs. Intrinsify.me versteht sich selbst als „Mit-Mach-Unternehmen“, d.h. jedes Mitglied kann Mitarbeiter werden und das Unternehmen mitgestalten. Als kreativer Kopf der Open Space Company ist Mark Poppenborg Experte für moderne Unternehmensführung – sich selbst würde er übrigens nicht als Chef bezeichnen…

Herr Poppenborg, wie sind Sie Geschäftsführer geworden?

Die Geschichte ist schnell erzählt. Ich habe eine Firma gegründet und der Gesetzgeber wollte einen Namen ;).

Inwiefern unterscheiden Sie sich vom deutschen Durchschnittschef?

Ich würde mich gar nicht als Chef bezeichnen. Ich bin zwar Inhaber von insgesamt drei Unternehmen, aber wir sind ein Team, das gemeinsam versucht, ein Ziel zu erreichen.

„Happy working people“ lautet das Motto ihrer Firma intrinsify.me – was tun sie dafür, dass ihr Team happy ist?

Ich bin davon überzeugt, dass es nur darum geht darauf zu achten, was man nicht tut. Denn Menschen sind von Natur aus happy und motiviert. Die Tragödie unserer Kultur ist, dass wir Meister darin geworden sind, Motivation zu zerstören. Es ist auch ein Mythos, dass man als Chef motivieren könnte. Motiviert sind Menschen, man muss nur verhindern, dass die sie umgebenen Systeme sie demotivieren. Und dazu braucht man gar nicht so viel zu machen. Wenn man ihnen nicht im Weg steht, ist das schon die halbe Miete.

Was bedeutet für Sie Führung?

Bei dieser Frage ist es zunächst wichtig, zwischen formaler Macht und natürlicher Führung zu unterscheiden. Formale Macht erhält man durch Ernennung bzw. Beförderung, zum Beispiel zum Abteilungs- oder Teamleiter. Dann nimmt man eine Rolle in dem hierarchischen System der Organisation ein. Das sind also die Chefs in den Unternehmen. Das hat aber nichts mit natürlicher Führung zu tun. Führung ist eine sozial legitimierte Zuschreibung. Führen tut der, dem man gerade folgen will. Das heißt man kann sich nicht entscheiden zu führen und Führung kommt auch ohne formale Hierarchie aus. Sie kommt immer dann dynamisch zustande, wenn es die Situation erfordert. So wie wenn Freunde einen Geburtstag organisieren oder in einem Notfall ein Floß bauen müssen. In beiden Fällen wird geführt, doch man weiß vorher nicht von wem. Bei Führung handelt es sich also um einen gruppendynamischen Prozess.

Die Arbeitswelt wandelt sich – und die Führungskultur?

Die alte Arbeitswelt mit ihren starren Hierarchien und bürokratischen Prozessen war kaum auf echte Führung angewiesen, denn die Unternehmen haben in so überraschungsarmen Märkten agiert, dass man das Unternehmen ohne Risiko auf Effizienz trimmen konnte. Dass wir heute solch mechanistische Zustände in den Unternehmen erleben hat guten Grund, denn so waren Unternehmen über Jahrzehnte in der Lage wirtschaftliche Höchstleistung hervorzubringen. Formale Macht, die die Einhaltung der immer gleichen Abläufe sicherstellen konnte, war überlebenswichtig. Heute sieht das anders aus. Heute werden Unternehmen von so vielen Außenreizen irritiert, dass sie sich ständig selbst ändern müssen. Unternehmen erfinden ihre Prozesse und Abläufe also laufend neu. Innovation rückt immer mehr in den Vordergrund. Da Innovation aber stets das Ergebnis von vielen Fehlversuchen ist, befinden sich Mitarbeiter ununterbrochen in neuen Situationen. In genau solchen Situationen sind die Mitarbeiter auf echte Führung angewiesen.

Die Rolle des Chefs dabei?

Je stärker die Dynamik ansteigt, desto weniger können Unternehmen klassische, formale Machtstrukturen gebrauchen und je mehr müssen sie natürliche Führung zulassen. Dass dabei der Chef auch mal natürliche Führung zugesprochen bekommt, mag zweifellos der Fall sein. Doch es würde mit großem Zufall zugehen, wenn der Chef immer der wäre, den diese Zuschreibung trifft. Sowohl die Chefs als auch die Mitarbeiter riechen diesen Braten bereits. Sicherlich nicht immer bewusst, aber viele Chefs haben schon längst gespürt, dass sie der klassischen Rolle gar nicht mehr gerecht werden können. Der Versuch ein „weicherer“ Chef zu werden ist also nur ein fauler Kompromiss auf dem Weg, diese Rolle vollständig aufzugeben. Dass so viele Mitarbeiter mit ihren Chefs unzufrieden sind, ist demnach vielmehr ein Problem des Systems als des Chefs selbst.

Hand auf’s Herz, haben Sie nicht manchmal Lust, Ihre Verantwortung abzugeben und etwas ganz anderes zu machen?

Das habe ich ständig. Ich habe mich vor gut einem Jahr endgültig mit dem Gedanken abgefunden, dass ich nicht dazu geboren bin, immer das Gleiche zu tun. Inzwischen sehe ich meine Begeisterungsfähigkeit für neue Gelegenheiten nicht mehr als pathologischen Zustand, sondern als Chance ein weiteres Projekt, eine weitere Initiative, ein weiteres Unternehmen zu gründen. Dabei muss ich natürlich darauf achten, dass ich mich nicht überlaste, aber da bietet das Stichwort „Automatisierung“ ja heute viele Möglichkeiten.


FutureMe-Profil: Führungskräfte auf XING

Der/die typische Führungskraft auf XING* ist zwischen 40 und 45 Jahre alt, arbeitet in der Business-Branche und hat ein Jahresgehalt von etwa 70.500 EUR. Er/sie lebt in Berlin, hat Wirtschaftswissenschaft, Maschinenbau oder Rechtswissenschaft studiert und beschreibt seine/ihre Qualifikationen mit Führungserfahrung, Coaching und Webdesign.

Typische Qualifikationen: Führungserfahrungen, Beratung, Flexibilität, Organisationstalent

Ausbildungsgänge: Wirtschaftswissenschaft, Maschinenbau, Rechtswissenschaft

Berufe vor der Führungskarriere: Trainee, Mitarbeiter, Lehrling

Berufe nach der Führungskarriere: Geschäftsführer, Ausbilder, Filialleiter

Gehaltsspanne: 37.000 – 104.000 EURO

*Die hier angegebenen Daten basieren lediglich auf den Daten der Mitglieder von XING

2 Kommentare

Prof. Wolfgang Straßburger

09.11.2014

Da ich vor einem Monat 66 Jahre geworden bin fängt mein Leben gerade an (laut Volksmund)
UND: Mein zweites Leben hat schon vor acht Jahren begonnen, da ich es mir nach Hochschul- und Pharmaforschung leisten konnte mit 56 Jahren Frühchen zu werden.
In meiner Abteilung habe ich immer versucht das zu verwirklichen, was sie so schön beschreiben. Im Laufe der Jahre wurden wir aber immer mehr von den Moden der Beratungsfirmen eingeschnürt und gequält (Reengenierung, Project management, Timelines,timelines…, Project plans and MEEEEEEEtings and protocols and to do lists and Mitarbeiterkontrollgespräche mit Protokollen und ….)

Ich kenne meine Restlaufzeit nicht und werde sicherlich nie wieder in eine Situation kommen, die mich zwingt, solchen „Einschnürungen“ ausgesetzt zu sein.

Andererseits erlebe ich in verschiedenen Organisationen Laiendarsteller, die willig und hilfbereit sind. Die entsprechenden Gruppen handeln aber m.M. nach nach dem Prinzip: Reden NICHT Arbeiten und sind kaum in der Lage sich eine „vernünftige“ Struktur zu geben..

dipl.-ing. matthias klein

12.02.2015

ich bin selber chef einer kleinen firma, die sich mit sicherheitsberatung beschäftigt – KLEIN security solutions !
es macht sehr viel spass, anderen leuten zu helfen, ihre computer abzusichern …