Innovation

Editorial: Mehr Freiräume für Innovation!

Mit unserem Schwerpunktthema „Innovation“ wollen wir zeigen, dass moderne, offene, menschenfreundliche Arbeitsmodelle Unternehmen leistungsfähiger machen

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

auf dem IT-Gipfel der Bundesregierung, der vor kurzem in Hamburg stattfand, war viel von der Notwendigkeit die Rede, dass die deutsche Wirtschaft wieder innovativer werden müsse. Aber wie schaffen wir es eigentlich, innovativer zu werden?

Es gibt sicher eine Vielzahl von Antworten auf diese Frage. Ich möchte aber einen Aspekt in die Diskussion einbringen, der meines Erachtens oft zu kurz kommt. So bin ich davon überzeugt, dass Innovationsfähigkeit viel mit der Art und Weise zu tun hat, wie wir zusammenarbeiten.

Thomas Vollmoeller, CEO der XING AG

Thomas Vollmoeller, CEO der XING AG

Denn wann sind Unternehmen innovativ? Woher kommen ihre Innovationen? Ganz allgemein kann man sagen: Entweder von einem genialen Firmenlenker, oder aus den vielen Köpfen der Mitarbeiter. Im ersten Fall ist eine hierarchisch, autoritäre Führungskultur, die viele Menschen in Deutschland beklagen, womöglich sinnvoll. Für den zweiten Fall gilt allerdings: Die Ideen, Einfälle und Geistesblitze der Mitarbeiter lassen sich nur erschließen, wenn es eine offene Kultur gibt. Wenn es Freiräume gibt, in denen die Ideen geäußert werden können. Wenn Menschen sagen dürfen, was sie denken. Wenn sie Auszeiten nehmen können, den Kopf freihaben von Problemen ihres Lebens außerhalb des Büros. Wenn es im Unternehmen die Bereitschaft gibt, Dinge in Frage zu stellen und zu ändern. Denn innovieren bedeutet immer auch verändern.

Nun fragen Sie sich selber: Wie viele Unternehmen kennen sie, in denen der Firmenlenker alle Antworten hat? Revolutionäre Ideen, die seinen Betrieb vor den Wettbewerb setzen? Mir fallen hier kaum Beispiele ein, von denen ich das mit echter Überzeugung behaupten würde. Wenn das aber so ist – warum arbeiten wir in Zeiten hochkomplexer Herausforderungen gerade in unserem Kulturkreis in einer Art und Weise zusammen, die immer mehr Menschen als einengend, autoritär und lebensfeindlich empfinden?

Ich lege Ihnen unser XING Spielraum-Monatsthema „Innovation“ ganz besonders ans Herz. Denn wir wollen zeigen, dass die Diskussion rund um das Thema New Work viel mehr ist, als die Diskussion darüber, wie wir angenehmere Arbeitsbedingungen schaffen können. Wir wollen das illustrieren, was viele Studien belegen, dass nämlich moderne, offene, menschenfreundliche Arbeitsmodelle Unternehmen innovativer und damit leistungsfähiger machen. Wer nicht bereit ist, neue, innovative Wege der Zusammenarbeit zu gehen und anstelle dessen auf traditionelle Wege setzt, wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch traditionelle Ergebnisse erzielen – und eben keine innovativen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Spaß bei der Lektüre!

Thomas Vollmoeller

1 Kommentare

Achim Zeeck

19.11.2014

Hallo Herr Vollmoeller,

ich stimme Ihnen voll und ganz zu – denn Innovationskultur ist häufig noch Mangelware in deutschen Firmen – wobei flache Hierarchien durchaus helfen können. Innovationen finden oft im Kleinen, Verborgenen statt, in KMUs, Handwerksbetrieben – eben dort, wo es kurze Entscheidzungswege gibt und man sich eher als große Familie betrachtet. Je größer das Unternehmen, desto mehr Wert wird auf Hierarchie, Position und eigene Wichtigkeit Wert gelegt, anstatt sich auch mal mit dem „Fußvolk“ zu beschäftigen. Und wenn dann von Mitarbeitern Anregungen zu Veränderungen geäußert werden, haben die „Chefs“ kein Interesse, keine Zeit oder keine Geduld, sich anzuhören, was der Mitarbeiter will. Ideen kosten Geld, nicht immer, aber es scheitert damit nicht selten im ersten Ansatz. Hier gilt es, auch als Vorgesetzter sich selbst zu hinterfragen und Vorschlägen offen zu begegnen. Wir können in dieser Beziehung noch viel von anderen Ländern lernen, auf die ja auch die Regierung immer so gerne als Vorbild verweist. Bevor Barrieren im Kopf nicht abgebaut werden, wird es schwer, Innovationsideen aus dem Firmendunstkreis zum Erfolg zu führen.

Es grüßt Sie herzlich

Achim Zeeck