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Neue Führung

Offenheit, Rückhalt, Freiräume: Was die Generation Y von ihrem Chef erwartet

Ein gutes Gehalt ist verlockend, aber für die Generation Y nicht das Wichtigste. Wenn junge Erwachsene ihren Arbeitsplatz wählen, sind für sie andere Qualitäten von Bedeutung: Sinn, Weiterbildungsmöglichkeiten oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dazu gehört selbstredend eine Führungskraft, die dies auch ermöglicht – doch welche Eigenschaften muss diese mitbringen? Welche Führungsqualitäten wünscht sich die Generation Y konkret von ihrem Chef oder ihrer Chefin? Der ideale Vorgesetzte muss vor allem offen und ein guter Kommunikator sein, so das jüngste Ergebnis des Forschungsprojekts „Was wird aus den ‚Digital Natives‘?“ der Hamburg Media School in Zusammenarbeit mit XING.

Im Umkehrschluss: Wer hoch qualifizierte junge Leute sucht, der sollte seine starren Hierarchien aufweichen, aufs übliche Chefgetue verzichten und Frontalanweisungen nach dem Top-Down-Prinzip vermeiden – für viele Unternehmen der „Old Economy“ eine Herausforderung. Mehr als tausend berufstätige Erwachsene zwischen 23 und 35 Jahren wurden unter anderem gefragt: Wie wichtig ist Ihnen Loyalität? Hätten Sie lieber klare Handlungsanweisungen? Mögen Sie direktes und häufiges Feedback? Ist Ihnen berufliche Weiterbildung wichtig? Brauchen Sie offene Kommunikation mit Ihrem Chef?

Balkendiagramm_HMS-Studie_CDie Ergebnisse zeigen deutlich, was die „Generation Y“ erwartet. Vor allem für die jüngeren Frauen ist besonders wichtig, dass der Vorgesetzte sich offen und kommunikativ verhält. Zudem ist der ideale Chef ein loyaler, authentischer und glaubwürdiger Typ, der auch Rückhalt bietet. Bemerkenswert: Flexibilität beim Arbeiten ist den Digital Natives sehr viel wichtiger als etwa Weiterbildungsmöglichkeiten. Überraschend auch, dass eine gute Feedback-Kultur und gegenseitige konstruktive Kritik für die junge Generation eine eher untergeordnete Rolle spielt.

Und wie sieht die Realität aus? Wie erleben die Digital Natives ihre Vorgesetzten am Arbeitsplatz, wie groß also ist die Kluft zwischen Führungsanforderung und Führungspraxis?

Das wichtigste Ergebnis: Die Mehrheit der jungen Erwachsenen ist mit dem Führungsstil im eigenen Unternehmen zufrieden. Vor allem die ganz Jungen finden, dass die Vorgesetzten ihnen zur Seite stehen und sie gut anleiten. Allerdings sagt jeder Vierte, bei ihm würden die Führungskräfte die Mitarbeiter nicht genügend wertschätzen. Und insbesondere viele ältere Digital Natives fühlen sich von ihren Vorgesetzten verunsichert, kontrolliert und unter Druck gesetzt.


Eckdaten der Erhebung:
Seit Frühjahr 2014 führt das Team des „HMS Think Tank Journalismusforschung“ (Leitung: Prof. Dr. Michael Haller) in Kooperation mit dem Business-Netzwerk XING und TrendResearch Hamburg jeden Monat eine Befragung der „Generation Y“ durch. Im Zentrum der Studie „Was wird aus den Digital Natives?“ stehen Fragen zum Informations- und Mediennutzungsverhalten sowie zur neuen Arbeitswelt. Sie ist Teil des Forschungsprojekts „Die Zukunft der Medien“. Diese Erhebungswelle fand im September / Oktober 2014 statt. Es wurde eine Stichprobe von 1.037 jungen Berufstätigen zwischen 23 und 35 Jahren (mindestens mittlere Reife als formaler Bildung) mit einem standardisierten Fragebogen online be-fragt; die Befragten gehören zur ersten Generation, die mit den digitalen Medien (Computer, Computerspiele, Handy, Smartphone) aufgewachsen ist („Digital Natives“). Weitere Informationen: http://www.hamburgmediaschool.com/forschung/think-tank-journalismus/aktuelle-studie/

4 Kommentare

Dr. Timo Müller

30.10.2014

Auch das Konfliktverhalten der Generation Y ist ein anderes.
Die Generation Y ist bei widrigen Arbeitsbedingungen (z.B. Konflikt mit dem Vorgesetzten) eher bereit, das Unternehmen zu verlassen.
Für Interessierte: ausführlicher Fach-Artikel:
„Generation Y verändert den Umgang der Unternehmen mit Konflikten am Arbeitsplatz“

Başar

31.10.2014

Ein sehr guter Artikel!

Kerstin

01.11.2014

Auf die heutzutage immer häufiger vorkommenden sog. „All in – Verträge“, die die „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ in der Generation Y maßgeblich beeinträchtigen wir in diesem Artikel leider nicht eingegangen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die heutigen Führungskräfte über die Form der Anstellung selbst keine wirkliche Entscheidungsbefugnis mehr besitzt bzw. können sich diesbezüglich bei der Fülle an qualifizierten jungen Menschen die Führungskräfte mehr erlauben. Ganz nach dem Motto: „Macht’s der nicht, macht’s ein anderer!“ Das Angebot an arbeitslosen top qualifizierten Akademikern ist groß.

Katharina Reischenbacher

02.12.2014

War for Talents?
Wer hoch qualifizierte junge Leute sucht sollte bereits bei der Suche Flexibilität beweisen. Ein dynamisches und verantwortungsvolles Umfeld setzt auf flexible Talentmanagementprogramme, um ,,High Potentials“ zu entwickeln und Unternehmenserfolg zu sichern. Das fängt bereits beim Recruiting an und setzt sich in der Führung fort. Arbeits-Sinn wird zu Lebens-Sinn – die eigene Entwicklung braucht genauso Raum und geht idealer Weise einher mit der beruflichen Entwicklung. Trotz allem: Ein Arbeitsvertrag beinhaltet ein Leistungsversprechen des Arbeitnehmers. Gute Führung hat auch zur Aufgabe, das Leistungsversprechen zu ermöglichen bzw. einzufordern.
„Wer die Kraft hat, Klarheit zu schaffen, ist imstande Führung zu übernehmen.“

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