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Arbeit & Sinn

FutureMe-Traumberufe: Wie wird man eigentlich Entwicklungshelfer?

Arbeit & Sinn: Bei unserem aktuellen Monatsthema dreht sich alles um Fragen der Sinnhaftigkeit der eigenen beruflichen Tätigkeit. Ein Berufsbild, das gemeinhin mit einer „sinnvollen“ Tätigkeit assoziiert wird, ist das des Entwicklungshelfers. In Krisenregionen zu arbeiten, den Menschen vor Ort zu helfen, einen Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten – für Bettina Dzieran war all dies ausschlaggeben für die Berufswahl. Aber nicht nur: Im Interview mit XING spielraum berichtet sie sowohl von den schönen als auch von den Schatten-Seiten des Berufs und gibt Antwort auf die Frage: Wie wird man eigentlich Entwicklungshelfer? Die FutureMe-Faktenbox (s.u.) gibt anhand der XING-Mitgliederdaten weiteren Aufschluss über typische Qualifikationen, Ausbildungswege und Gehalt.

Wie wird man eigentlich Entwicklungshelfer?

In der Regel sind Entwicklungshelfer Menschen aus den unterschiedlichsten Berufen, die für einen begrenzten Zeitraum, meist für einige Jahre, ihre Berufserfahrungen in den Dienst der Entwicklungszusammenarbeit stellen. Ich bin hier insofern ein Sonderfall, als das ich schon mein Studium mit dem festen Ziel angetreten habe, in die Entwicklungszusammenarbeit zu gehen: Ich habe Geografie mit dem Schwerpunkt „geografische Entwicklungsforschung“ studiert und mich thematisch auf das Management natürlicher Ressourcen spezialisiert. So bin ich zunächst in Mali und anschließend im Südsudan in Projekten zum Ausbau von Wasserinfrastruktur gelandet.

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Bettina Dzieran: Entwicklungshelferin bei der GIZ

Warum sind Sie persönlich Entwicklungshelferin geworden?

Für mich stand sehr früh fest, dass ich im Ausland arbeiten wollte: Während meiner Kindheit habe ich einige Jahre im Senegal verbracht, da mein Vater in der Entwicklungszusammenarbeit tätig war und die Familie mit ausreiste. Die Erfahrungen des Aufwachsens in einer anderen Kultur haben mich sehr geprägt. Während des Studiums wurden die Pläne dann konkreter und während eines Praktikums habe ich festgestellt, dass mir diese Herausforderung tatsächlich Spaß macht. Fachlich interessiert mich ganz besonders das Thema „Wasser“. Trinkwasser und Hygiene sind grundlegende Probleme in vielen Ländern, und ich wollte durch meine Arbeit zumindest einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der Lebensumstände der Menschen leisten. Nun ja, und etwas Abenteuerlust war auch dabei.

Ist der Beruf des Entwicklungshelfers ein Traumjob?

Das kommt darauf an wie man einen Traumjob definiert. Jede Stelle ist anders, und jeder Entwicklungshelfer ebenfalls. Der eine liebt seine Arbeit mit den Menschen in einem kleinen Dorf, der andere kann nicht ohne ein Mindestmaß an Komfort und Sicherheit leben und ist froh in einem Ministerium in der Hauptstadt zu arbeiten. Der eine vermisst seine Familie zuhause, während sein Kollege vielleicht seinen Lebenspartner unter den internationalen Kollegen findet. Und nicht jeder ist in der Lage, die nötige Balance zwischen persönlicher Nähe und professioneller Distanz zur mitunter großen Not und dem offensichtlichen Elend zu halten. Auch ist nicht immer sofort der Erfolg der eigenen Arbeit sichtbar, das kann mitunter frustrierend sein.
Ich denke, im Idealfall ist der Beruf des Entwicklungshelfers ein Traumjob auf Zeit: Wenn man für einige Jahre eine spannende Arbeit macht und das Gefühl hat etwas bewirken zu können, so kann das durchaus ein Traumjob sein. Auf jeden Fall sollte man aber den „Absprung“ schaffen, bevor man ausbrennt – etwas das leider vielen Entwicklungshelfern angesichts der physisch, psychisch und emotional herausfordernden Arbeit droht.

In welchen Momenten ist man als Entwicklungshelfer besonders glücklich?

Ein besonderes Glückserlebnis war es für mich jedes Mal, wenn ich von den Menschen mit denen ich arbeitete, gesagt oder gezeigt bekam, dass das, was ich geleistet hatte, etwas Positives bewirkt hat. Wenn wir zum Beispiel eine Verkaufsstelle für Trinkwasser fertiggestellt haben und die Frauen sich freuten, dass sie nicht mehr stundenlang zum nächsten Fluss laufen mussten. Oder wenn mir die Teilnehmer eines Workshops hinterher sagten, dass sie Wissen erworben hatten, welches sie anwenden konnten.

In welchen Momenten hinterfragt man seine Berufswahl?

Ich habe vor allem in solchen Situationen an meiner Arbeit als Entwicklungshelferin gezweifelt, in denen der Kooperationspartner vor Ort statt an einer Zusammenarbeit lediglich an einer einseitigen „Lieferung“ von Waren und Dienstleistungen interessiert war. In einem konkreten Fall ging es um den Bau einer Kläranlage, die einer ganzen Stadt zugutekommen sollte. Hierfür sollte der Partner, als seinen Beitrag zu diesem Projekt, ein Stück Land zur Verfügung stellen. Nach langen Verhandlungen war er endlich dazu bereit, jedoch nicht ohne weitere Gegenleistungen einzufordern: Neben der geplanten Kläranlage sollte das Projekt noch eine Schule, eine Kirche, ein Gemeindehaus sowie einen größeren Geldbetrag zur Verfügung stellen. Es war frustrierend zu erkennen, dass getroffene Absprachen nicht eingehalten wurden und der Partner eine reine „Nehmer-Haltung“ hatte – ohne echtes Interesse an einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Was ist die größte Herausforderung in Ihrem Job?

Ich denke die größte Herausforderung istes, die Motivation nicht zu verlieren. Erlebnisse wie das geschilderte mit der Kläranlage zerren an den Nerven. Auch eine unendlich komplizierte und undurchsichtige Bürokratie sowie unklare Prozesse und Zuständigkeiten erfordern ein hohes Maß an Frustrationstoleranz. Erschwerend kommen äußere Umstände wie Stromausfälle oder unpassierbare Straßen dazu – oder Kooperationspartner, die Termine bspw. wegen eines Familienfestes nicht einhalten.. Die Situation „vor Ort“ steht dann oft im Konflikt mit Fristen oder Zielen „von oben“. Als Entwicklungshelfer befindet man sich nicht selten im Konfliktfeld zwischen der Einhaltung von Deadlines und dem Anspruch, die Partner vor Ort partizipieren zu lassen. Die Frage ist dann: Soll ich den Bericht selbst schreiben und habe ihn termingerecht fertig, oder ist es mir wichtiger, dass mein Partner lernt einen ordentlichen Bericht zu schreiben, der aber viel zu spät abgegeben wird?

Würden Sie Ihren Job als gefährlich einstufen?

Gefährlich sind in einem Land wie dem Sudanvor allem die Lebensumstände: Die permanente Gefahr durch Landminen, Überfälle auf Landstraßen oder die Willkür von Polizei und Armee waren auch vor dem jüngsten Gewaltausbruch im Dezember 2013 ständige Begleiter. Sicherheitsmaßnahmen wie hohe Mauern, Wachpersonal vor dem Büro und zuhause, Funkgeräte und abendliche Ausgangssperren machen den Einsatz als Entwicklungshelferin im Südsudan zu einer besonderen Herausforderung

Unser Monatsthema auf XING spielraum ist ‚Arbeit & Sinn‘. Wie definieren Sie sinnvolle Arbeit?

Sinnvoll ist für mich Arbeit, die nachhaltig ist im Sinne von „etwas bewirken“. Zum Beispiel, wenn ich dabei das Gefühl habe, durch meine Arbeit einen Teil zu einem Ganzen beizutragen. Das ist völlig unabhängig von der Art der Tätigkeit: Eine Verkäuferin, die mir morgens meine Frühstücksbrötchen verkauft, leistet ebenso sinnvolle Arbeit wie ein Ingenieur oder Wissenschaftler. Das Gegenteil von sinnvoll ist für mich, wenn Zeit, Energie und Geld verpufft, ohne dass eine positive Wirkung erzieltwird. Als Entwicklungshelfer zweifelt man manchmal an der Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit, wenn beispielsweise Kriege oder Korruption die Erfolge von Projekten zunichtemachen – oder im schlimmsten Fall die erhoffte Wirkung ins Gegenteil umkehren.


FutureMe-Profil: Entwicklungshelfer auf XING

Der/die typische Entwicklungshelfer auf XING ist zwischen 37 und 42 Jahre alt, arbeitet in der Non-Profit Organization-Branche und hat ein Jahresgehalt von etwa 52000 EUR. Er/sie lebt in München, hat Wirtschaftswissenschaft, Wirtschaftsingenieurwesen oder Bauingenieurwesen studiert und beschreibt seine/ihre Qualifikationen mit Entwicklungszusammenarbeit, Interkulturelle Kompetenz und Auslandserfahrung.

Facts

Typische Qualifikationen: Entwicklungszusammenarbeit, Interkulturelle Kompetenz, Auslandserfahrung

Ausbildungsgänge: Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftsingenieurwesen, Bauingenieurwesen

Berufe vor der Entwicklungshelfer-Karriere: Trainee, Dolmetscher, Lehrling

Berufe nach der Entwicklungshelfer-Karriere: Freelancer, Projektleiter, Online-Redakteur, Geschäftsführer, Berater

Gehaltsspanne: 29.000 – 75.000 EURO

*Die hier angegebenen Daten basieren lediglich auf den Daten der Mitglieder von XING

1 Kommentare

weißbrodt

17.03.2015

alle schön jung ,ich bin 2*28
hab immer gekämpft und das rad
weitergedreht.
war 20 jahre selbstständig mich als autodidakt zum vertr.leiter entwickelt
und auch direktvertr.genossen.
nun steh ich da ich armer thor…..
macht mal in die richtung einen guten vorschlag.

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