Neue Führung

Geteilter Führungsjob: Chefin im Duett

Teilzeit, das geht auch „oben“: „Shared leadership“ verbessert nicht nur die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sondern auch die Führung selbst.

Von Peter Neitzsch

Barbara Zumpfe-Göttinger leitet die Abteilung „Interne Kommunikation“ bei der A1 Telekom Austria. Birgitt Kleinschek tut dasselbe. Die beiden Frauen teilen sich einen Job mit Führungsverantwortung. Eine Doppelspitze und dann noch in Teilzeit – kann das gut gehen? Kann es. Sogar sehr gut, sagt Kleinschek: „Ich empfinde es als absoluten Luxus, dass man immer einen Sparringspartner hat, mit dem man sich austauschen kann.“

Ihre Co-Chefin, Zumpfe-Göttinger, sieht das ähnlich: „Wir können uns einfach darauf verlassen, dass die andere schon eine Entscheidung treffen wird, die passt.“ Die Zusammenarbeit würden beide zu 99 Prozent als positiv empfinden. Doch worauf kommt es an, wenn sich zwei die Leitung teilen? „Eitelkeit ist da sicher fehl am Platz“, sagt Zumpfe-Göttinger. Eine erfolgreiche Doppelspitze sei eine Frage der Persönlichkeit und wie die Sache angepackt werde: „Man darf keine versteckte Agenda haben und muss einander vertrauen.“

Austausch und enge Absprachen nötig

Die beiden Managerinnen kennen sich bereits seit zwölf Jahren – genug Zeit, um eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen. Als im Herbst 2013 die Führungsstelle im Team neu besetzt werden sollte, stand daher der Entschluss einer gemeinsamen Bewerbung rasch fest: „Wir waren beide geeignete Kandidatinnen, aber beide wollten wir weiterhin Teilzeit arbeiten“, berichtet Kleinschek. Ihren Arbeitgeber konnte sie schließlich von dem ungewöhnlichen Schritt überzeugen.

„Unser Anspruch ist, dass unser Bereichsleiter gar nicht merkt, dass er zwei Ansprechpartner hat“, sagt Zumpfe-Göttinger. Damit das gelingt, sind enge Absprachen nötig: An zwei Tagen in der Woche sind beide Chefinnen deshalb gleichzeitig im Büro, um sich auszutauschen. „Im Zweifel können wir die andere auch immer telefonisch erreichen.“ Mehr Stress entstehe dadurch nicht – im Gegenteil: „Weil immer eine von uns im Büro ist, werden wir seltener in unserer Freizeit angerufen als früher“, berichtet Kleinschek.

Die Sichtweise der anderen berücksichtigen

Inhaltlich gibt es durchaus unterschiedliche Schwerpunkte: „Birgit ist eher für Marktaspekte zuständig, ich kümmere mich mehr um technische Themen“, sagt Zumpfe-Göttinger. Um klassische Führungsthemen kümmern sich jedoch beide gemeinsam. In Mitarbeitergesprächen treten sie immer zu zweit auf. „Weil wir uns so eng austauschen, kann uns auch niemand gegen einander ausspielen“, sagt Kleinschek. Und fügt lachend hinzu: „Als Mütter von zwei Buben kennen wir solche Strategien ohnehin von daheim.“

Immer nur Sonnenschein also? „Natürlich sind wir nicht immer einer Meinung“, sagt Zumpfe-Göttinger. Das müsse man akzeptieren und darauf vertrauen, dass mit den richtigen Prozessen ein Kompromiss gefunden werde. „Einmal haben wir bei der Einschätzung eines Design-Vorschlags ganz klar das jeweils andere Modell favorisiert“, berichtet Kleinschek. „Hätte ich das alleine entschieden, hätte es nur mir gefallen.“ So mussten beide die Sichtweise der anderen berücksichtigen. „Das Ergebnis wurde unserer Zielgruppe eher gerecht.“

Erfolgreiches Experiment in moderner Führung

Was als Ausweg aus der Teilzeitfalle begann, erwies sich als Experiment in moderner Führung. Jede profitiert dabei von den Stärken der anderen: „Birgitts Talent ist es, schnell eine klare Entscheidung zu treffen“, sagt Zumpfe-Göttinger. Die gibt das Kompliment gerne an ihre Kollegin zurück: „Barbara schießt nicht gleich los, sondern sie überdenkt ein Problem lieber noch einmal.“ Das Ergebnis sei ein ausgewogener Führungsstil.

Auch für andere Firmen könnte „shared leadership“ ein Weg sein, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. „Ich habe das schon mehrmals vorgeschlagen, weil Mütter dieselben Möglichkeiten haben sollten, Karriere zu machen“, sagt Zumpfe-Göttinger. „Umso mehr freut es mich jetzt zu sehen, dass das Modell in der Praxis funktioniert.“

14 Kommentare

Christian Fiderer

20.10.2014

Das Modell „Doppelspitze“, d.h. zwei Personen gemeinsam auf einer Management-Position hat sich bei SAP schon mehrfach bewährt – warum sollte es nicht auch auf anderen Führungsebenen funktionieren?

OK, die Abstimmung zwischen zwei Personen kostet etaws Zeit – aber auf der anderen Seite gewinnt man mit zwei Sichten deutlich besser überlegte (und diskutierte) Entscheidungen.

Alexandra

20.10.2014

TOP!
Endlich tut sich mal was, eine sehr gute Idee!

Mirjam Weigel

20.10.2014

Was für ein innovatives, nachhaltiges Führungsmodell, das eigentlich doch absolut selbstverständlich sein sollte! Zu zweit geht es immer besser, und gleichzeitig wird das eigene Ego im Schach gehalten. Sagt mir sehr zu!

Kerstin Andresen

20.10.2014

Ich wünsche mir, dass es mehr von diesen mutigen Frauen gibt – und vor allem mehr mutige Unternehmen, die flexible Arbeitszeitmodelle ausprobieren.

I. Beißwänger

20.10.2014

Geteilte ChefInnen-Posten – auf jeden Fall ein richtiger Schritt in die richtige Richtung!

Was mich beim Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ allerdings oft stört, ist, dass es allein „an den Frauen bzw. Müttern hängenbleibt“, wie das Zitat „Ich habe das schon mehrmals vorgeschlagen, weil Mütter dieselben Möglichkeiten haben sollten, Karriere zu machen“, sagt Zumpfe-Göttinger. „Umso mehr freut es mich jetzt zu sehen, dass das Modell in der Praxis funktioniert“ und der gesamte Artikel zeigen. Wo sind die vielbeschworenen „neuen Männer“, die sich auch (mehr) um Familie kümmern wollen? Und noch wichtiger: die dazu passenden Chefs? Offenbar mussten die beiden Chefinnen ihren Arbeitgeber „von diesem ungewöhnlichen Schritt überzeugen“. Da bleibt noch viel zu tun – aber bitte für alle Geschlechter!

Birgit

20.10.2014

Es ist schön zu lesen, dass Teilzeit in Führungspositionen sehr wohl funktionieren kann. Ich wünsche mir, dass dieses Modell Schule macht und in Zukunft sowohl für Frauen als auch für Männer ganz normal ist.

Daniela Scharer

20.10.2014

Das finde ich toll;
denn auch ich werde ab 1.1.2015 meine Managementaufgabe nach 2 Jahren Karenz in geteilter Führungsfunktion wahrnehmen. Schön zu hören, dass es klappt.

angelika kroyer

21.10.2014

Ich fühle mich von diesem Artikel sehr angesprochen und werde es in unserem Unternehmen thematisieren.
Danke, ak

Knauß-Auwärter, Helga

21.10.2014

Endlich mal ein hoffnungsvolles Beispiel, dass es funktioniert und höchste Zeit, dass dieses Arbeitswelt-Modell auch in den männlichen Köpfen (und in Deutschland) ankommt.

Monika Kraus-Wildegger

21.10.2014

Kurze Ergänzung: Die Jobsharing-Plattform Tandemploy bietet einen Einstieg für alle die einen Jobsharing-Partner bzw. Unternehmen mit Jobsharing-Angebote suchen.
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Houssem Abdellatif

22.10.2014

sehr geehrte Xing-Redakteure,

ich erhalte im Branchen-Newsletter unaufgefordert ständig den Link zum Protal „Spielraum“. Dieses Themen-Portal halte ich perönlich für abolut sinnfrei, altbacken und realtitätsfremd. Wie kann man den Link dazu ababonieren. Ich bitte Sie um Rückmeldung.

mit freundlichen Grüßen
Houssem Abdellatif

Sabine Brockmeier

23.10.2014

Hallo Herr Houssem Abdellatif,

Sie können einzelne Newsletter für einzelne Branchen abbestellen, jedoch nicht einzelne Links in den Newslettern. Wir haben in jedem Newsletter eine Fülle von Artikeln, da wird immer mal wieder etwas dabei sein, was einen einzelnen Leser weniger interessiert. Ingesamt bieten wir jedoch einen guten Mix und auch deshalb erfreuen sich die Branchen-Newsletter großer Beliebtheit.

Viele Grüße,
Sabine Brockmeier, XING spielraum-Redaktion

Houssem Abdellatif

23.10.2014

Sehr geehrte Frau Brockmeier,

Sie haben mich scheinbar nicht verstanden. Ich möchte weiterhin das Branchennewsletter haben, möchte allerdings nicht, dass Sie mir den Link zum Xing-Spielraum unterjubeln, denn das habe ich nicht bestellt und hat mit den Inhalten, die ich erhalten möchte nichts zu tun. So etwas nennt man Spam und gegen Spam kann man gar juristisch vorgehen.

Daher meine höfliche Bitte nochmal: sehen Sie davon ab, mir den Link zum Spielraum zu schicken. Das möchte ich nicht erhalten.

Bitte um Rückmeldung, ob Sie meine Bitte folgen wollen oder nicht.

vielen Dank im Voraus
Houssem Abdellatif

Sabine Brockmeier

24.10.2014

Sehr geehrter Herr Adellatif,

das Abbestellen einzelner Links im Branchen-Newsletter, inkl. der Links zu XING spielraum, ist nicht möglich (s. mein Kommentar oben).

Viele Grüße
Sabine Brockmeier,
XING spielraum-Redaktion