XING-Klartext: „Raus aus der Dringlichkeitsfalle!“

Prof. Dr. Lothar Seiwert, Bestsellerautor („Simplify your Life“) und Coach, schreibt in seinem XING-Klartext über den Wahn, immer erreichbar sein zu müssen und gibt Tipps zum Überleben in Zeiten der Digitalisierung.

Von Lothar Seiwert

In der digitalen Welt verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Privatem. Lange Arbeitszeiten und eine ständige Erreichbarkeit können auf Dauer zum Problem werden. Aktuelle Umfragen zeigen, dass die andauernde Erreichbarkeit jeden Dritten Betroffenen belastet. Die Folge: Erschöpfungszustände. Was können wir tun, um uns nicht von unserem Smartphone tyrannisieren zu lassen und wieder einen Feierabend zu genießen?

Es piept und blinkt!
Auf uns wirken ständig so viele Dinge ein, das Telefon, E-Mails, der Computer, wir werden immer mehr vernetzt, bedienen immer mehr Medien gleichzeitig. Der Begriff Dynaxity beschreibt diese härter werdenden Rahmenbedingungen. Alles wird dynamischer, schneller und gleichzeitig komplexer. Überall piept und blinkt es. Ständig sehen wir nach, weil es ja etwas Wichtiges sein könnte, aber meistens ist es nur interessant. Bei der Dringlichkeitsfalle verwechselt man das Dringliche mit dem Wichtigen. Wenn man es nicht schafft, sich auf das wirklich Wichtige zu konzentrieren, frisst diese Geschäftigkeit uns auf.

Es ist ein Wahn, immer erreichbar sein zu müssen. Diese Onlinesucht und der Glaube, dass nichts ohne mich geht, kann meiner Meinung nach nur durch die persönliche Einstellung jedes Einzelnen gelöst werden kann. Früher, als es noch kein Handy gab, war man eben beim Spaziergang nicht erreichbar und die Welt ging auch nicht unter.

Runterschalten!
Wir laufen auf einer viel zu hohen Drehzahl und müssen wieder lernen, nichts zu tun, die Bremse einzuschalten, runterzuschalten. Jeder muss dabei für sich selbst herausfinden, was ihm persönlich gut tut. Mein persönlicher Tipp für eine Auszeit: Kurzmeditationen, sich hinzusetzen und zur Ruhe zu kommen, den Atemrhythmus und den Puls zu beobachten, einfach mal nichts tun. Wir werden den ganzen Tag von der äußeren Welt beeinflusst und vergessen darüber die Innenwelt. Viele können es gar nicht mehr aushalten, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und wuseln ständig herum wie Speedy Gonzalez.

Termine mit sich selbst machen.
Um sich wirklich eine Auszeit von der ständigen Erreichbarkeit zu nehmen, ist es wichtig, dass man Termine mit sich selbst ausmacht. Fest in den Kalender – wie einen Arbeitstermin – kann man Spaziergänge, Sport, Gartenarbeit, Treffen mit Freunden oder eine Meditation eintragen. Auszeitinseln zu schaffen, ist nur durch eine proaktive Planung möglich, sonst überrollt uns die Hektik des Alltags. Studien zeigen, dass wir 50 bis 60 Prozent unserer Zeit für dringende, aber nicht wichtige Dinge aufwenden. Dringendes hat mit anderen Personen zu tun und Wichtiges mit unserer Work-Life-Balance. Das Wichtige kommt meistens zu kurz. Wenn wir uns immer wieder sagen: „Das mache ich, wenn ich Zeit habe”, passt einfach gar nichts! Wir brauchen eine neue Verbindlichkeit uns selbst und unserer Ausgeglichenheit gegenüber.

Technik kann helfen, muss aber nicht
Ich will die Technik von heute nicht verurteilen. Aber eine App ist nur so gut, wie die Selbstdisziplin des Users! Richtig angewandt kann die Technik durchaus beim Zeitmanagement helfen. Nehmen Sie beispielsweise die Pomodoro-App: Diese taktet die Arbeitszeit und unterscheidet zwischen 25-Minuten-Arbeitsphasen und fünfminütigen Pausen dazwischen.

Wir können in Zeiten von ständiger Erreichbarkeit und Digitalisierung ÜBERleben – aber wenn wir wirklich LEBEN wollen, müssen wir wieder lernen, uns auf eine einzige Aufgabe zu konzentrieren. Multitasking ist ein Mythos, da kommt immer etwas zu kurz. Es ist eine der Hauptstressfallen, zu viel auf einmal zu wollen!


Das Buch zum Thema

Klartext_Seiwert_Buch_CoverSeiwert, Lothar: Lass los und du bist Meister deiner Zeit. Mit Konfuzius entschleunigen und Lebensqualität gewinnen. München: Gräfe und Unzer 2014, 128 Seiten, € 12,99,

ISBN 978-3-8338-3390-8

 

Über den Autor:

Klartext_1009_Seiwert_Portrait_final Prof. Dr. Lothar Seiwert, CSP (Certified Speaking Professional) und CSPGlobal, ist seit über 30 Jahren Europas führender Experte für Zeit- und Lebensmanagement. Millionen Menschen weltweit haben ihn in seinen Vorträgen erlebt und sind durch seine Bestseller dazu inspiriert worden, sich auf das Wesentliche zu fokussieren.

Lothar Seiwert auf XING /  www.Lothar-Seiwert.de


Unsere Klartext-Themenwoche bietet Ihnen bis zum 12. September jeden Tag einen neuen Experten-Beitrag.

Donnerstag 4. September 2014

„Auf dem Weg in neue Dimensionen – dmexco 2014“

Von Christian Muche und Frank Schneider (Macher der Digitalmesse dmexco)

Freitag 5. September 2014

„Leben in der digitalen Welt  – ein Ausblick“

Von Tahssin Asfour (Startup-Experte und Berater)

Montag 8. September 2014

„Schafft die E-Mail ab!“

Von Stefan Pieper (Unternehmenssprecher Atos)

Dienstag 9. September

„Black- statt „Crackberry“ – die Smartphone-Regelung bei Volkswagen“

Von Heinz-Joachim Thust (Betriebsrat Volkswagen)

Mittwoch 10. September

„Raus aus der Dringlichkeitsfalle – fünf wertvolle Tipps zum digitalen Überleben!“

Von Prof. Lothar Seiwert (Bestsellerautor und Coach)

Donnerstag 11. September

„Disruption – nächster Halt Finanzindustrie“

Von Philipp Westermeyer (Serial Entrepreneur und Online Marketing Rockstar)

Freitag 12. September

„Holt die Gadgets in die Schule!“

Von Ralf Appelt und Christina Schwalbe (Universität Hamburg)

4 Kommentare

Alexandra Zöllner

10.09.2014

Hallo,
ich freue mich immer über die interessanen Themen dieser Xing-Plattform. Leider haben Sie heute zwei Autoren, ihre Bücher und Arbeitsthemen vermischt: Herr Seiwert ist der Zeitmanagement-Experte, Werner Tiki Küstenmacher ist m.E. der Urheber der Simplify-Themen. Vielleicht kann diese Vermischung aufgeklärt werden.
Danke und herzliche Grüße, Alexandra Zöllner

Jürgen Happel

10.09.2014

Genau

Alexander Wischnewski

10.09.2014

Wie Recht Professor Seibert hat !!! Punktgenau! Wir verkümmern im digitalen Irrsinn, der allerdings auch durch immer neue Apps und Bits und eine Flut vielfach nutzloser Features profitgerecht angeschoben wird. Von der Industrie und den Konzernen. Es ist wie mit Vielem, es fehlt an Augenmaß und einer selbstverständlichen Entschleunigung.
Es ist wohltuend, solche Statements zu lesen ! Alexander Wischnewski, Journalist, Lautertal/Odenwald

Thomas Klatt

11.09.2014

Sehr guter Text. Und genauso gut wie er ist, genauso schwer ist es umzusetzen. Trotzdem ist es das wert. Dein Leben.